WM kann kommen! NICHT?

Es ist die Szene des Spiel. Beim letzten Test vor der Weltmeisterschaft in Russland quält sich die Nationalmannschaft zu einem 2:1. Doch die Qual hat einen Gipfel: Zur Einwechslung von Ilkay Gündogan betätigt sich sein Trainer Jogi Löw als Lobbyist seines Schützlings und versucht die Pfiffe einiger (einiger vieler) Fans mit Körpersprache in Applaus zu verwandeln. Mit kaum Erfolg. Die Weigerung eines Teils der Fans dem Duo Gündogan/Özil deren Fotos mit dem türkischen Präsidenten Erdogan zu verzeihen ist auch Gesprächsthema in den Katakomben. Dort wirbt Stürmer Mario Gomez, die Sportpresse über deren Verteter direkt ansprechend, für defensivere Berichterstattung: „Nicht spalten jetzt, sondern eine Brücke bauen, damit wir mit ganz anderen Gedanken in die WM gehen können.“ Auch für Marco Reus, durch eine starke erste Halbzeit einer der Gewinner des Abends, waren die Pfiffe schmerzend: „Heute war es echt hart für ihn. Kommst rein und wirst dann so begrüßt. Kann ich nicht nachvollziehen, muss ich ehrlich sagen. Weil: Wir haben ein Ziel, das ist wieder Weltmeister werden und da brauchen wir so ein Störfeuer nicht.  Wir sollten jetzt alle das Thema mal beiseitelegen.“

Teils schwache Leistungen in den Vorbereitungsspielen, Pfiffe-Protest, Diskussionen um die Sanè-Ausbootung, Özil-Schweigen und ein beleidigter Sandro Wagner. Ein bisschen mehr Campo Bahia Geist und ein bisschen weniger Störfeuer dürfte es schon sein, um WM-Vorfreude aufkommen zu lassen. Deshalb sollen die letzten – positiven – Worte Niklas Süle gehören. Der gebürtige Frankfurter will am Dienstag nämlich optimistisch von Frankfurt aus nach Moskau fliegen: „Wir sind eine Turniermannschaft!“

Das vollständige „Fussball-Kolumne“-Interview nach dem 2:1 gegen Saudi-Arabien mit Niklas Süle. Im Auftrag vom Hanauer Anzeiger.

Sie sind als erster Feldspieler heute in die mutmaßliche WM-Startelf eingewechselt worden. Deutet das auf viele Spielminuten für Sie in Russland hin?

„Jerome (Boateng) kann ja spielen. Jerome ist fit – und wenn ich gebraucht werde, bin ich da. Wir haben ja einen Wahnsinns-Kader wieder dabei und genauso wie es auf der Innenverteidigerposition ist, wo theoretisch jeder spielen könnte, aber es Mats (Hummels) und Jerome es über Jahre super machen, haben wir auf jeder Position einen Wahnsinns Konkurrenzkampf. Das ist aber gut so, das brauchen wir für das Turnier. Da wird jeder Spieler gebraucht.“

Wie sehr hat das Spiel heute zur Vorfreude beigetragen? Die Stimmung im Stadion wurde immer schlechter.

„Es war auch schon gegen Österreich so gelaufen. Wir haben hart gearbeitet im Trainingslager und da waren wir auch wieder kaputt, das hat man in der zweiten Hälfte gesehen. Obwohl uns das trotzdem nicht passieren darf, dass wir dann so in die Bredouille kamen am Ende. Aber wir haben sehr gut gearbeitet und ich denke, dass Deutschland immer eine Turniermannschaft war und wir da wieder voll konzentriert ins Turnier gehen.“

Wie oft haben Sie abends beim Dösen sich schon den goldenen Pokal in die Höhe stemmen sehen?

„Ja, das ist ein Kindheitstraum. Alle, die in der Jugend angefangen haben Fußball zu spielen, wollen erstmal Profi , dann Nationalspieler werden. Und wenn man die Chance hat, bei so einem Event dabei zu sein, dann ist es der größte Traum, den es für einen Fußballer gibt.“

Haben Sie als einziger Hesse im Team Kontakt und Aufmunterung aus Südhessen?

„Ich gehe am Montag nach Mörfelden-Walldorf, woher ich ursprünglich komme, zu meiner Familie. Mal ein bisschen Zeit mit der verbringen und dann geht’s auch schon direkt weiter. Also weniger aufmunternde Worte Richtung WM, sondern eher Privates.“

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