Vorbericht Mainz – Wolfsburg

Berliner Luft als Rückenwind

„Das ist die Berliner Luft, Luft, Luft…“ heißt es im bekanntesten Schlager der Hauptstadt. Und in der zweiten Zeile: „…so mit ihrem holden Duft, Duft, Duft“.  Für den FSV duftete es jedenfalls nach dem 2:0-Auswärtssieg bei der Hertha nach drei Punkten, Punkten, Punkten. Mit der Berliner Luft als Rückenwind geht es atemlos mit dem nächsten Freitagabend-Spiel weiter. Gegen Wolfsburg soll aus dem Rückenwind dann sogar ein Sturmlauf werden.

Berlin hat viele Attraktionen. Siegessäule, Brandenburger Tor oder Reichstag locken täglich Tausende an. Genau 30.908 waren vor Wochenfrist in Berlin Zeuge einer weiteren Sehenswürdigkeit: Dem ersten Auswärtssieg des FSV Mainz nach 356 Tagen und 17 vergeblichen Versuchen in der Fremde.

Dass allerdings etwas Besonderes in der Berliner Luft liegen könnte, ahnte FSV-Trainer Sandro Schwarz schon vor dem Anpfiff: „Heute wollen wir den Hebel umlegen und zeigen, was wir auf dem Schläger haben.“

Zu diesem Zeitpunkt wunderten sich die Moderatoren der Eurosportübertragung noch über die gute, positive Laune des Trainers. Schließlich hatte Schwarz mit dem spielerischen Debakel in Pokal gegen Frankfurt und dem Stimmungstief zwischen Fans und Mannschaft Gründe genug eher geknickt aufzutreten. Doch sein Team ließ ihn dann die gute Laune beibehalten und zeigte auf dem Rasen, dass es in Berlin unbedingt die sozusagen „zweite Luft“ für die Saison bekommen wollte. Und so war Schwarz‘ Laune nach dem Spiel noch positiver: „Wir sind sehr mutig gewesen, weshalb es heute ein hochverdienter Sieg war. Gut gemacht haben wir heute die Arbeit gegen den Ball plus die Umschaltung. Der Auftritt gibt uns ein gutes Gefühl. Gerade nach dem Frankfurt-Spiel war es eine schwierige Phase“.

Diese „schwierige Phase“ war neben fehlenden Erfolgserlebnissen auch gekennzeichnet durch die Uneinigkeit mit einem Teil der Fans. Nach Brief-Bitte der Spieler und Plakat-Protest der Fans könnten die überdurchschnittlichen 117,1 Laufkilometer der 05er auch 117,1 aufopferungsvolle Kilometer hin zur erneuten Einheit mit den Anhängern sein. Das war nach dem ersehnten Sieg natürlich ein großes Thema bei den Profis. So meinte Giulio Donati: „Die Fans dürfen auch mal sauer sein. Für sie ist vor allem die Einstellung wichtig. Und wenn sie die kritisieren, glaube ich ihnen auch. Die Fans sind einfach zu wichtig für uns, aber wir brauchen sie jede Woche. Das war jetzt ein Sieg – mehr nicht. Nächste Woche geht es weiter.“ Und auch FSV-Kapitän Stefan Bell weiß, dass seinen Jungs nach der Berliner Luft jetzt nicht die Puste ausgehen darf: „Eigentlich ist es ja banal, aber die fünf bis acht Kilometer, die uns in den letzten Wochen gefehlt haben, die haben wir heute mal gemacht. Die Versöhnung mit den Fans geht nicht über Nacht. Das ist ein Prozess. Die Unzufriedenheit war berechtigt in den letzten Wochen. Wir wussten, dass wir etwas wieder gut zu machen haben. Das war ein erster Schritt heute.“

Auch in Führungsetage hat der Auswärtsdreier die Hoffnung geweckt, dass auch weiterhin Dampf im Kessel ist. Sportvorstand Rouven Schröder, der nach Abpfiff seinen Trainer lange herzte, weiß aber auch, dass es jetzt nachzulegen gilt. Zum Nachlegen war die Partie in Berlin allerdings eine gute Schablone: 7:1 Schüsse aufs Tor für die Mainzer, obwohl die Berliner mit 545:266 Pässen optisch mehr am Werk waren. Doch effizienter war eben das Mainzer Spiel mit einer sicheren 5er-Kette gegen den Ball und Qualitäts-Umschaltspiel. Und was besonders auffiel: Immer wieder klatschten sich die Mainzer ab, munterten sich auf, wenn etwas nicht klappte oder lobten sich für gelungene Aktionen. Deshalb steckt auch für Schroeder mehr in diesem Erfolg als das Ergebnis: „Die Art und Weise unseres Sieges war beeindruckend. Wir waren von Anfang an sehr konzentriert und haben unsere Nadelstiche gesetzt. Wir haben die wichtigen Zweikämpfe gewonnen und uns mehr und mehr Selbstvertrauen geholt. Das war für uns ein ganz wichtiges Lebenszeichen, aber auch erst der Anfang. Wir wissen das alles richtig einzuschätzen.“

Richtig eingeschätzt hatte Sandro Schwarz die Aufstellung: Dem Mann des Tages hatte er wieder sein Vertrauen geschenkt: Robin Quaison danke es mit den beiden Siegtreffern und war schüchtern aber hocherfreut am TV-Mikro: „Wir haben ein sehr wichtiges Spiel gewonnen. Für mich einer der glücklichsten Tage, seit ich in Mainz bin“. Für weitere glückliche Tage gilt es jetzt gegen den VfL Wolfsburg weiter aktiv zu bleiben: „In solchen Situationen muss jeder in der Mannschaft etwas mehr machen“, so der Schwede. Aber nicht nur als Torschütze war Quaison Matchwinner, Sandro Schwarz bewertete auch dessen Fleiß gegen den Ball: „Wenn man so anläuft, ist das ganz wichtig für uns.“

Nun darf sich also der VfL Wolfsburg und sein neuer TRainer Bruno Labbadia auf die Mainzer Erfolgs-Schablone aus Berlin „freuen“: Fleißig anlaufende Offensive, hochkonzentrierte Defensive und ein zweikampfstarkes Mittelfeld mit einem Gabamin als Motor, der seinerseits dem Gegner Sand ins Getriebe streut. Dazu eine Fankurve, die den 05ern nach der Leistung von Berlin wieder Kredit gegeben hat und zusammen mit dem Team feierte und „Auswärtssieg“ sang.

An diesem Freitag heißt der Schlager in der OPEL ARENA dann auf jeden Fall nicht „das ist die Berliner Luft“. Das Motto lautet eher: „Luft verschaffen im Kampf um den Klassenerhalt.“

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