Typisch MAINZER Teambuilding

Beim Fußball-Bundesligisten FSV Mainz 05 gibt es jetzt einen Scheich! Und der wirft mit Geldscheinen um sich – direkt ins Gesicht von Trainer Achim Beierlorzer.

Die Szene ist echt, die Geldscheine nicht und der Anlass närrisch. Bei der vereinseigenen Fastnachtssitzung der 05er am späten Dienstagabend war nur das Abstiegsgespenst unter den hochwertigen Verkleidungen nicht zu finden. Für einen Abend durften die Fußballprofis unter den 840 Gästen der Benefizveranstaltung den Abstiegskampf vergessen. Was der als Scheich getarnte Mittelfeldspieler Jean-Paul Boëtius nutzte, um seinen Trainer Achim Beierlorzer während dessen TV-Interview mit falschen Hundertern zu bewerfen. Kurz danach stimmte der Niederländer ein Loblied auf die Abwechslung im Profialltag an: „Das ist nicht nur Teambuilding, sondern das, was Mainz bedeutet. Fastnacht gehört dazu – wir sind ein Karnevalsverein.“

Beierlorzer wiederum war als Julius Cäsar aufgetreten und so immer sichtbar für seine Legionäre als mahnende Instanz, bei aller Ausgelassenheit: „Wir haben ein Bundesligaspiel vor der Brust und die Jungs sind vernünftig genug, den Samstag im Fokus zu haben.“ Am Samstag geht es zum schwierigen Auswärtsspiel beim Tabellendritten Borussia Mönchengladbach. Dort muss der 15. mehr bieten als Sangeskraft und Schunkelrhythmus. Denn die Planungen für ein weiteres Erstligajahr laufen bereits erfolgreich. In diesen Tagen verkündete der FSV nicht nur den lukrativen Abschluss mit einem neuen Ausrüster, sondern mit dem belgischen Innenverteidiger Dimitri Lavalée (23) von Standard Lüttich bereits einen festen Zugang für den Sommer.

Doch aktuell drückt außerhalb dieser Neuigkeiten und des fröhlichen Abends im Kurfürstlichen Schloss Mainz zu viel auf die Stimmung: Vier Niederlagen in den letzten fünf Spielen und die (zusammen mit Werder Bremen) schlechteste Abwehr (41 Gegentore). Deshalb bleibt auch bei Innenverteidiger Alexander Hack der Blick nicht nur auf die Bühne mit Gereimtem, Tanz und Musik gerichtet: „Ab morgen werden wir uns wieder auf die Trainingswoche konzentrieren und gegen Mönchengladbach Gas geben.“

Auf das rhetorische Gaspedal traten bei der sehr unterhaltsamen Benefiz Veranstaltung vor allem die herausragenden Büttenredner, wie Tobias Rinauer, Peter H. Eisenhuth und Sven Hieronymus. Da bekam fast jeder, von der Geschäftsstelle über Aufsichtsrat bis zu den Spielern selbst („wer schießt nicht viel, doch oft vorbei: Szalai!“) ihr Fett weg. Und der Trainer, ironischerweise nur zwei Tage vor der Kölner Session am 9. November in der Domstadt aussortiert und dann von Alaaf zu Helau gewechselt, wurde schmerzhaft erinnert: „Dadurch bist du aus dem Pokal ausgeschieden!“.

Auch der Abstiegskamp selbst war natürlich Bühnen-Thema: „von hier oben sieht man keine Sorgenfalten – oder seid ihr so gut geschminkt?“. Sollte Achim „Caesar“ Beierlorzer auch vom Feldzug in Mönchengladbach ohne Punktgewinn zurückkehren, wartet mit dem FC Bayern München im heimischen Arena-Kastell (1. Februar) der nächste schwer bezwingbare Gegner. Dann dürfte auch die beste Fastnachtsschminke machtlos gegen Sorgenfalten sein. Wie man allerdings aufholt und bis zum Erfolg über alle Grenzen eines Sportlers geht, konnten die Fußballer an diesem Abend bei einem Experten erfragen: Im „11er-Rat“ auf der Bühne saß Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul. Der in Mainz geborene „Sportler des Jahres“ war als Fußballer verkleidet, oder wie es sicher der eine oder andere Anwesende interpretierte: Als Glücksbringer.

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