Supercup – nur super für die Bayern

Supercup 2018. Kurz vor dem Abpfiff. „Deutscher Pokalsieger SGE!“, schallt es trotzig aus der Fankurve der Frankfurter Eintracht. Eine schallende Ohrfeige ist zu diesem Zeitpunkt das Spiel gegen den FC Bayern München. Es steht 0:5 und es steht nicht gut um das Selbstvertrauen der Hessen und seiner Anhänger, was die anstehende Saison betrifft. Den fünf Ausrufezeichen des Rekordmeisters stehen rekordverdächtig viele Fragezeichen gegenüber:

Waren die Bayern so stark? Oder setzt sich bei der Eintracht die Serie von Vorbereitungsproblemen bis in die Saison fort? Fehlt ein Leader wie Prince Boateng? Kommt im (erneuten) Umbruch die Europa League zur Unzeit? Ging mit Niko Kovac auch der Aufschwung von Relegation bis Pokalsieg? Ist die über zwei Saisons gelungene Marke „Multi Kulti Kader Eintracht“ dieses Mal von weniger Erfolg gekrönt?

Wieder ist es eine „Welt-Auswahl“. Einziger Deutscher in der Startformation war Danny da Costa. Von (sprachlichen) Abstimmungsproblemen will der Verteidiger aber nichts wissen: „Es sind ja meistens kurze Kommandos. Die versteht mittlerweile jeder und notfalls: jeder versteht so gut Englisch, dass man so kommunizieren kann. Es hat nicht an der Sprache gelegen auf dem Platz.“ Hessisch wird es auch bis auf weiteres nicht zur Dienstsprache schaffen – obwohl die Eintracht kurz vor dem Supercup noch zwei Hessen aus der eigenen Jugend mit einem Profivertrag ausgerüstet hat. Der 18jährige Torwart Tobias Stirl wurde in Frankfurt geboren, der  gleichaltrige Mittelfeldspieler Patrice Kabuya kam in Wiesbaden zur Welt. Doch es ist offenbar nur ein bürokratischer Lokalpatriotismus, den sich die SGE leisten musste. Denn zuvor waren schlichtweg zu wenige Deutsche im Profikader – deren zwölf schreiben die DFL-Statuten bei Pflichtspielen vor.

Viele Eintracht-Fans unter den 51.500 Zuschauern im ausverkauften Stadion haben nach dem fünften Treffer der Bayern (in Unterzahl!) bereits den Heimweg angetreten. Enttäuscht von der Leistung ihres Teams. Das Team, das in den vergangenen beiden Jahren aus der bunt zusammengewürfelten Truppe aus bis zu 20 Nationen immer eine Einheit auf dem Platz brachte. Und auch der neue österreichische Trainer Adi Hütter weiß: Zu dieser Einheit bei der Eintracht braucht es noch Arbeit – und: Selbstvertrauen: „Wir müssen Mut haben, auch wenn es ein Umbruch ist. Auch wenn Bayern mit seiner Klasse kommt: Man muss mutig spielen. Es sind 50.000 Zuschauer hier, es geht um einen Titel. Wir haben uns nach 20 Minuten nicht mehr so präsentiert, wie ich mir das vorgestellt habe. Mit dem Umbruch beginnt es wieder von neuem. Ich werde morgen natürlich klare Worte sagen, das muss man auch nach einer 0:5 Niederlage – aber es ist nicht so, dass ich jetzt draufhaue.“

Kein Fan erwartet in der heutigen Zeit, dass ein Bundesligaclub zu größten Teilen aus heimischen Spielern besteht. Auch ob Trainingslager in Abu Dhabi, USA oder in nächster Nähe stattfinden wird keine Fragen aufwerfen, solange erfolgreiche Arbeit geleistet wird. Und erfolgreiche Arbeit sowie gute Nachrichten, waren in den letzten Monaten bei den Hessen an der Tagesordnung. Erst der Pokalsieg, glänzende Zahlen aus der Finanzabteilung, dann die Weiterverpflichtung der Führungsriege aus Sportvorstand Fredi Bobic, Marketingvorstand Axel Hellmann und Manager Bruno Hübner – zuletzt sogar die unverhoffte Verlängerung von Vize-Weltmeister Ante Rebic. Nun hat die deutliche Supercup-Niederlage erste Tränen in den Freudenkelch getropft und Fragen aufgeworfen. Eine der Fragen beantwortet sich Adi Hütter zur Beruhigung aller Fans selbst: „Vielleicht ist es zum richtigen Zeitpunkt ein Schuss vor dem Bug.“

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