Derby-Frieden und Trainer-Lachen: Mainz – Frankfurt 1:1

Es  ist die freudvolle Geschichte eines eher tristen Fußballspiels: Nach dem 1:1 zwischen dem FSV Mainz 05 und Eintracht Frankfurt herzten und unterhielten sich die Trainer Niko Kovac (Frankfurt) und Sandro Schwarz noch etwas länger auf dem  Feld. Und in der Pressekonferenz ging es weiter. Ein wildes Duzen und Lachen, eine gewinnende Atmosphäre unter unentschieden Spielenden.

Dabei kennen sich die Beiden gar nicht. Schwarz: „Wir haben uns heute zum ersten Mal gesehen.“ Kovac erklärt den mutmaßlichen Beginn einer Branchen-Freundschaft, der auch deshalb eine Grundlage hat, weil Schwarz‘ Frau ebenfalls wie Kovac as Kroatien kommt: „Ich freue mich, dass junge Trainer wie Sandro eine Chance bekommen in der Bundesliga – und ich freue mich wie Sandro sie nutzt. Wir könnten mal einen Rotwein zusammen trinken.“

Klingt nach einer sich anbahnenden Freundlichkeitswelle den Main hinab – schließlich wohnt Schwarz sogar in Frankfurt. Der schränkt aber erstmal lachend ein: „Ich trinke keinen Rotwein.“

Auch die „Macher“ friedlich beim Derby: Fredi Bobic und Rouven Schroeder
Treffen mit dem tödlichen Pass überlebt: Uwe Bein

Vorbericht: Rhein-Main-Derby FSV Mainz – Eintracht Frankfurt

Die Hessen sind besonders erfolgreich, wenn sie aus Hessen herauskommen. Schon zehn Punkte hat Eintracht Frankfurt in der Ferne eingesammelt. Nur die Dortmunder sind besser in dieser Kategorie. Damit treffen heute in Mainz die Auswärts-Ausrufezeichen gegen die Heim-Helden aufeinander. Das verspricht Spannung. Zumal die Spiele mit hessischer Beteiligung diese Saison nie mit mehr als einem Tor Unterschied entschieden wurden. Ein knappes Derby-Ergebnis wäre keine Überraschung – die jährliche Kaderzusammenstellung in Frankfurt ist es schon.

Überraschung! Eintracht Frankfurt holt in der Transferperiode einen Zugang, der genauso heißt wie ein Abgang. Der auch genauso alt ist und in derselben Stadt geboren. Die Eintracht ist eben die Wundertüte der Liga.

Denn sie haben es schon wieder getan: Mit einem neu zusammengestellten Kader haben Sportvorstand Fredi Bobic, Sportdirektor Bruno Hübner und Trainer Nico Kovac ihre Fans überrascht. Die hatten wohl kaum geglaubt, dass wie in der Vorsaison die Neue-Namen-Druck-Maschinen für die Trikots wieder so heiß laufen müssen. Die drei von der Transfer-Tankstelle haben ein weiteres Mal weltweit aufgetankt: 14 Zugänge (drei aus der U19) – 9 Abgänge müssen bei der Transferauflistung auf der Eintracht-Homepage Platz finden. Aber halt! Einer hat sich auf beide Listen geschmuggelt: Ante Rebic! Der Kroate war in der Sommerpause schon zurück bei seinem ausleihenden Verein Florenz, als die Eintracht doch wieder den Angelhaken nach Italien auswarf. Hat sich gelohnt. Schon drei Tore steuerte er bei – darunter das Siegtor beim jüngsten Auswärtsspiel in Hannover.

Noch mehr Tore steuert ein „echter“ Zugang bei. Sebastian Haller, der von seinen neuen Mitspielern „Helmut“ genannt wird, in Anlehnung an die Legende Helmut Haller. Der Franzose, vom FC Utrecht kommend, ist mit 7 Mio. Euro die teuerste Verpflichtung der Clubgeschichte. Gerade in den letzten Wochen zahlt er merklich zurück: Vier Tore und zwei Assists. Darunter die Seitfallzieher-Erlösung gegen den Heimfluch (in Unterzahl) gegen den VfB Stuttgart (2:1) und der eiskalte Elfmeter gegen Dortmund am Samstag. Ganz frisch noch doppelt erfolgreich beim 4:0 im Pokal (in Schweinfurt). Bobic zu seinem Stürmer im HR: „Bei Sébastien Haller waren wir schon über ein Jahr dran. Den hätten wir gerne letztes Jahr schon geholt. Das war ein Prozess. Der Junge hat sich für das gefühlt wirtschaftlich schlechteste Angebot entschieden, aber für das Gefühl: Hier kann ich mich weiterentwickeln vor dem ganz großen Schritt. Manchmal gehört auch einfach Glück dazu.“

Das wieder neue Gesicht der Eintracht. Und wieder scheint es zu funktionieren! Die bunt zusammengewürfelte Truppe residiert unter den Top 10 der Liga. In der vergangenen Saison stießen sie in der Winterpause sogar bis auf Rang drei vor und erreichten das Pokalfinale – ebenfalls mit einer „Weltauswahl“. Jetzt beäugt ein weiteres Mal die Branche die Einkaufspolitik von Bobic – der steht zu diesem Weg: „Eine Seite ist das Wirtschaftliche, das spielt oft eine Rolle, muss man ehrlich sagen. Aber eigentlich geht es mir immer nur um die Mentalität. Mir ist egal, wo der herkommt. Wir gucken natürlich auf dem deutschen Markt, aber wir wissen, wir haben nicht die Möglichkeit, deutsche Toptalente zu verpflichten.“ Und mit Blick auf die Kritiker: „Das ist mir ein zu großes Thema in einer internationalen Stadt wie Frankfurt. Das ist Integration auf allerhöchster Ebene. Die Fußballkabine ist das Paradebeispiel, wie es gehen kann. Hautfarbe, Religion: Das interessiert keinen.“

Was für seine These spricht: Elf Zugänge (inklusive Rebic) kamen schon zu Einsätzen in dieser Saison. Neben Haller stand auch der Star-Zugang Kevin-Prince Boateng bei allen neun Spielen auf dem Feld, der niederländische Nationalspieler Jetro Willems immerhin achtmal. Die Zugang-Quantität hat also auch Bundesliga-Qualität.

Bobic und Kovac waren schon auf dem Spielfeld Teamkameraden bei Hertha BSC, jetzt bilden sie das Team „FC Effektiv“ was die Kosten-Nutzenrechnung bei Zugängen betrifft. Auch wenn in diesem Sommer mit knapp 19 Millionen Euro deutlich mehr Geldscheine über die Verhandlungstheke gingen.

Offenbar hat Kovac die Gabe, innerhalb kürzester Zeit aus einer Wundertüte etwas Wunderbares zu formen. Oder zumindest etwas Kämpferisches. Denn beim Heimspiel gegen Dortmund musste ein 0:2 Rückstand aufgeholt und der Gegner für das 2:2 eher niedergerungen als niederkombiniert werden, was Kovac natürlich freudig stimmte: „Meine Mannschaft hat über 90 Minuten ein Topspiel gegen einen starken Gegner geliefert. Nach dem 0:2 so zurückzukommen, zeigt, dass die Mannschaft Moral hat“. Moral und eben Einsatz: Mit 115 km laufen die Hessen 3 km pro Spiel mehr als Mainz und immerhin noch 2 km mehr als der Durchschnitt.

Auch von Gästetrainer Peter Bosz durfte sich die Eintracht ein Lob abholen: „Frankfurt hat uns gut unter Druck gesetzt und stark gespielt.“

Den Druck über die rechte Seite muss in Mainz ein anderer Spieler aufbauen. Timothy Chandler hat sich gegen Dortmund am Knie verletzt. Aber aus dem großen, weltweiten Kader wird Kovac sicher wieder eine Überraschung zaubern. Eintracht Frankfurt ist eben eine Wundertüte. Oder, fast, wie ein Überraschungs-Ei: Etwas Spannendes, etwas zum Spielen. Nur ohne Schokolade.

 

 

Vorbericht: DFB-Pokalspiel Mainz 05 – Holstein Kiel

Ihr Lebensraum ist der hohe Norden. 36 Jahre waren sie dort zurückgezogen in den Regionen fernab der Bundesliga. Doch nach 13.210 Tagen sind die Störche wieder in den Bundesligagefilden gelandet.

Holstein Kiel, der Aufsteiger aus der 3. Liga, will auch im Pokal seinen glänzenden Saisonstart weiter veredeln. Der Zweitligist kommt mit Selbstvertrauen, einer Top-Offensive und einem bekannten Mainzer Gesicht.

Keiner weiß mit Bestimmtheit, woher der Spitzname des Kieler SV Holstein von 1900 kommt: „Die Störche“. Wahrscheinlich von der Farbenverteilung unten nach oben: Rote Stutzen, weiße Hosen – so wie die roten Beine und weißen Federn der Weißstörche. Aber jeder weiß jetzt mit Bestimmtheit: Die Störche bringen als erfolgreicher Aufsteiger Farbe in die Zweite Bundesliga. Aufgeschwungen aus der 3. Liga, beflügelt durch den Pokalsieg gegen Braunschweig, per Höhenflug in die oberen Sphären der Zweitligatabelle auf Platz 2 und eben jetzt gelandet in Mainz, um die zweite Pokalrunde zu drehen.

Als die Länderspielpause Anfang Oktober anstand, hätten die Kieler sicher gerne weitergespielt. Da standen nach neun Spielen schon sechs Siege auf dem Konto. Auch der Geschäftsführer Sport, Ralf Becker, ist da zufrieden: „Natürlich haben wir den Jungs schon zugetraut, dass sie guten Fußball spielen können, aber dennoch sind die Ergebnisse der letzten Wochen keine Selbstverständlichkeit. Dafür arbeiten wir jede Woche hart. Das Trainerteam macht einen wahnsinnig guten Job. Die Jungs kriegen einen Plan mit, wissen, was sie auf dem Platz erwartet und setzen das zurzeit richtig gut um. Sie treten selbstbewusst auf und haben Spaß daran, sich in der Liga zu messen.“ Dass der Spaß bei geringerer Punktausbeute flügge werden könnte, soll unter anderem die gedankliche Erdanziehungskraft verhindern: „Dennoch bleiben alle mit beiden Beinen auf dem Boden. Unser großes Plus ist die mannschaftliche Geschlossenheit. Das ist eine Einheit, auf und neben dem Platz. Wir konnten nach dem Aufstieg fast die komplette Mannschaft zusammen halten, haben uns im Sommer nur punktuell verstärkt. Dadurch greifen viele Automatismen, jeder weiß, was seine Aufgabe ist.“

Die nächste Aufgabe heißt jetzt: Mainz 05 im Pokal ausschalten, um die Euphorie in Kiel vollends `gen Himmel wachsen zu lassen. Die ist jetzt schon so groß, dass nicht nur die regionalen Medien diskutieren, ob Handball-Gigant THW Kiel zu Holsteins Kickern aufschauen muss. Der THW befindet sich nämlich vergleichsweise im Sinkflug – vom Serienmeister zum Mittelmaß. Doch die Handballer haben immerhin etwas voraus – sie sind amtierender Pokalsieger.

Die Pokalhürde für die Fußballer sollte aber, so Becker zum Nullfünfer, mit gehörig Anlauf gemeistert werden können: „Das Spiel gegen Mainz 05 ist natürlich eine wahnsinnig große Herausforderung für uns. Wir freuen uns auf die anstehende Aufgabe, solche Spiele sind absolute Highlights für uns, für die Mannschaft, den Verein und natürlich auch unsere Fans. Wir reisen allerdings auch hier mit dem Ziel an, eine Runde weiter zu kommen. Und darauf bereiten wir uns vor. Ich bin überzeugt davon, dass das Trainerteam auch an diesem Abend einen Plan hat, wir werden selbstbewusst auftreten und versuchen, unser Spiel zu spielen.“

Den Plan entwickeln soll Trainer Markus Anfang, den Plan umsetzen soll ein Kader, der die gute Aufstiegsstimmung jetzt in die zweite Liga auf den Rasen bringt. Die Taktik im Gegensatz zu früheren Zeiten: Nicht verwöhnte Ex-Stars, sondern hungrige Aufstiegshelden und Ergänzungen sollen es richten. Und sie tun es mit Erfolg. Besonders dank der Offensivstärke. Stürmer Marvin Ducksch (Mainz-Trainer Sandro Schwarz: „Mit Duksch haben sie DEN Torjäger schlechthin in der 2. Liga“) und Mittelfeldspieler Dominik Drexler haben einen großen Anteil daran, dass neben der Punkt- auch die Torausbeute beachtlich ist. Besonders ein Tor dürfte das Tor zum fantastischen Saisonstart aufgestoßen haben. Der Freistoßhammer von Duksch zum 2:2-Ausgleich in letzter Sekunde beim ersten Spiel gegen Sandhausen – nach 0:2 Rückstand. Gänsehaut bei den Störchen! Was folgte ist DIE Geschichte des ersten Saisonviertels. Ein Aufsteiger, der sich bis zu den Aufstiegsplätzen in die Bundesliga, nicht kämpft – sondern spielt. Im 4:1:4:1 kombinieren, pressen und taktieren sich die Störche den Respekt herbei und bleiben doch vorsichtig, wie Defensivspieler Dominic Peiz bei sportbuzzer schwört: „Würzburg ist das perfekte Beispiel. Die waren in der vergangenen Serie Sechster nach der Hinrunde – und sind dann abgestiegen. Diesen Strudel möchte ich nicht erleben. Im Moment strotzen aber alle bei uns vor Selbstvertrauen.“

Selbstvertrauen. Das ist das Wort, das die Störche am besten beschreibt. In diese funktionierende Formation ist es natürlich nicht einfach integriert zu werden. Doch der Geschäftsführer Sport sieht beim Mainzer Leihspieler Aaron Seydel Chancen, dass er vielleicht schon in der OPEL Arena zum Faktor werden kann: „Er hat die letzten Wochen richtig gut gearbeitet und ist immer näher an die Mannschaft heran gerückt, hat verstanden, wie wir Fußball spielen wollen. Wir sehen immer den gesamten Kader, bei uns gibt es keine Stamm- sondern nur Kaderspieler. Und ich bin überzeugt davon, dass auch er am Ende seinen Teil zu einer erfolgreichen Saison beitragen wird.“

Was am Ende eine erfolgreiche Saison ist? Holstein Kiel ist gestartet mit der niedrigsten Unterstützung durch TV-Gelder von allen 36 Clubs der ersten Ligen (6,4 Mio. Euro). Bei diesen Voraussetzungen wäre ein weiterer Höhenflug ein unerwarteter Bonus. Sie wollen einfach nicht wieder 13.210 Tage abstürzen, sondern als stolze Störche voller spielerischem Selbstvertrauen auf Punktejagd gehen. Und so wie sie die Bundesligaszene bereichern, nicht nur farblich durch die feuerroten Socken, sollten Kieler Störche unter fußballerischen Naturschutz stehen.

Wer weiß? Vielleicht hallt es sogar aus der Ecke ihrer Fans: „Berlin, Berlin – wir fliegen nach Berlin!“.

Pressekonferenz vor dem Pokalspiel gegen Kiel

Der DFB meldet…

DFB-Pokal ab Viertelfinale mit Video-Assistent
Ab dem Viertelfinale der laufenden Saison kommt der Video-Assistent auch im DFB-Pokal zum Einsatz. Der Spielausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) folgte mit dieser Entscheidung einem Vorschlag der Schiedsrichterkommission Elite. Die Umsetzung ab dem Viertelfinale ist in Abstimmung mit der DFL aus organisatorischer und wirtschaftlicher Sicht darstellbar.
Der für den DFB-Pokal zuständige DFB-Vizepräsident Peter Frymuth, der das Präsidium in seinem Bericht in der heutigen Sitzung informierte, führt weiter aus: “Sollte ein Verein im Viertelfinale Heimrecht haben, der nicht in der Bundesliga spielt, wird bei dieser Partie auf eine Van-Lösung, also mobile Video-Assistent-Technik, zurückgegriffen. Somit ist unabhängig vom Austragungsort gewährleistet, dass alle vier Partien unter den gleichen Voraussetzungen stattfinden.”
Bei Heimspielen von Bundesligavereinen vor dem Viertelfinale wird, auch wenn technisch möglich, der Video-Assistent nicht zum Einsatz kommen. Diese Entscheidung sorgt für eine einheitliche Vorgehensweise bei allen Spielen und beugt einer Ungleichbehandlung der Partien vor.
Quelle: Direktion Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

 

aus Liebe zum Sport