Hat Mainz 05 die Siegesformel?

Das Objekt der Begierde der Römer bei „Asterix und Obelix“: Die Formel für den Zaubertrank. Keine Chance, die herauszubekommen. Das Objekt der Begierde der Mainzer vor der nächsten Partie: Die Formel für den Heimsieg gegen Freiburg. Doch diese Formel ist schon eher zu entschlüsseln. Denn das Rezept war zuletzt bei zwei ungeschlagenen Spielen schon fast vollständig: Kampf, Leidenschaft, Mut, Zusammenhalt. Jetzt soll die letzte Zutat hinzu: Chancenverwertung. Die Form für Freiburg ist da – jetzt muss die Siegesformel gelingen.

Aller guten Dinge sind Drei? Der Neustart der 05er nach der Länderspielpause geht in die dritte Runde. Mit zwei Unentschieden als Anlauf will den Rheinhessen jetzt mit einem Dreier-Sprung der Dreisprung gelingen: Erster Sprung: Hamburg und Köln auf Distanz halten. Zweiter Sprung: Freiburg mit in die rote Zone ziehen. Dritter Sprung: Das Selbstvertrauen weiter steigern und den Neustart veredeln. Den aus Mainzer Sicht positiven Gesamttrend beschreibt Rene Adler nach dem jüngsten Spieltag so: „Ein Stückweit können wir stolz sein auf das Team, dass wir nach vielen Rückschlägen gerade nach der Länderspielpause, als wir viel einstecken mussten, uns wirklich zusammengesetzt haben, auch mit den Fans viel gesprochen haben. Man sieht, dass wir ein bisschen geschlossener sind auf dem Platz. Ich bin felsenfest überzeugt, dass das irgendwann belohnt wird. Heute war es knapp davor – vielleicht schaffen wir es gegen Freiburg zu Hause.“

So formulierte es der Keeper nach dem Auswärtsspiel in Köln. Apropos formulieren: Es gibt einige Formeln, die die auch objektiv besser gewordene Form zeigen:

3 – 2 – 2 – 2 – 2 – 1 – 1 – 0

Die Hinten-immer-dichter-Formel! Seit acht Heimspielen zeigt die Tendenz der Gegentore gegen 0. Die Abwehr wird zu Hause immer schwerer zu überwinden. Und wenn hinten „die Null“ steht, könnte vorne eben auch mal nur eine eiskalt ausgenutzte Situation reichen. Immerhin: Auf insgesamt zwölf Torschützen verteilen sich die 30 Mainzer Treffer – und das sind immerhin vier mehr als bei den Freiburgern, die sich zudem eher auf Nils Petersen mit seinen 13 Treffern verlassen müssen. Und der scheiterte zuletzt sogar vom Elfmeterpunkt.

4 – 3 – 3

Die Neustart-Formel! Mit der Umstellung auf eine Viererkette und dem Mitte-Dicht-Trio Jean-Philippe Gbamin, Suat Serdar und Danny Latza ist defensive Stabilität erkennbar – kreative Stabilität! Denn das Trio bringt sich immer besser auch mit Dribblings und Kombinationen offensiv ein. Vorne lauert das Angriffstrio mit Wandspieler und Flügeln. Doch noch gelingt es viel zu selten den Ball aussichtsreich in der „Box“, also dem 16-Meter-Raum, zum Abschluss aufzulegen. Doch die Formkurve zeigt auch dabei nach oben. Auf die offensive Nullnummer gegen Mönchengladbach folgte das Tor von Pablo De Blasis in Köln – und das hatten sich der Schütze und seine Kameraden ausgeheckt: „Die Situation, die zum 1:1 geführt hat, trainieren wir manchmal. Wir haben vorher darüber gesprochen, dass es wichtig ist, dass wir in der Box vor dem Tor Präsenz zeigen. Und je häufiger wird dort sind, umso mehr Torgefahr strahlen wir aus. Wir haben in den letzten beiden Spielen gezeigt, was wir können.“

50.000 Zuschauer – 54 % – 97 Minuten – 1 Punkt

Die Auswärtspunkt-Formel! Wenn 50.000 Zuschauer eine Führung feiern und ihr Heimteam anpeitschen, ist es nicht selbstverständlich, dass das Auswärtsteam so hartnäckig, mutig und stabil reagiert. Doch die 54% gewonnen Zweikämpfe (Köln 46%) sind ein Indiz für das große Ganze: Wie die 05er den Rückstand und das drohende Heranrücken der „Geißböcke“ in der Tabelle weggesteckt haben, war beeindruckend – und Danny Latza beschreibt, wie sich das auf dem Rasen angefühlt hat: „Ich wusste, was das hier für ein Hexenkessel wird vor 50.000 Zuschauern. Und wenn dann alle gegen dich pfeifen, so wie das bei mir der Fall war, dann motiviert das zusätzlich. Der Kampf war heute da, die Mentalität war heute da. Darauf können wir aufbauen.“ Und beim Kämpfen mussten sogar Überstunden gemacht werden. Denn mit Ablauf der regulären Spielzeit verabschiedete sich Giulio Donati mit unsinnigem Gelb-Rot und es waren somit sieben Minuten Nachspielzeit in Unterzahl zu überstehen. Was heißt überstehen? In der 97. Minuten hätte Robin Quaison sogar noch den Auswärtspunkt verdreifachen können: „Wir haben heute zwei Punkte verloren. In der letzten Szene hätte ich ein Tor machen müssen.“ Sportvorstand Rouven Schröder sieht das etwas gnädiger: „Gut war, dass wir trotz Unterzahl in der Nachspielzeit auf Sieg gespielt haben. Jetzt haben wir ein großes Ziel: Den SC Freiburg einzuholen. Deshalb geht unser Fokus sofort auf das Spiel gegen Freiburg“. Und auch für Trainer Sandro Schwarz hatte der Punkt eine emotionale und leidenschaftliche Schleife obendrauf: „Erstmal steht die Leistung im Vordergrund – und die war sehr gut auswärts. Aber klar, wenn du hinten raus den lucky Punch machst, war das Gefühl, dass wir auch drei Punkte hätten machen können – von der Art und Weise her wie wir aufgetreten sind.“

Mönchengladbach-0 + Neustart-Emotion + lucky Punch

Das könnte die Formel für das Freiburg-Spiel werden! Hinten die Null wie gegen Borussia Mönchengladbach, die Leidenschaft und Dynamik wie seit dem Neustart nach der Länderspielpause und vorne spätestens ein lucky Punch!

Die Formkurve zeigt nach oben – jetzt muss bei den Mainzern aber, Formeln hin Formeln her, Gas gegeben werden. Wie in der Formel 1. Sonst holt Freiburg das Safety Car und bremst aus.

 

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