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Bruchweg Stadion

Vorschau – Sport 2012

 

Haben Sie schon einen Kalender für 2012? Ja? Dann können Sie jetzt schon mal die sportlichen Highlights eintragen. Aber Achtung: Wer nicht wissen wollen was in diesem Sportjahr genau passiert, der sollte auf keinen Fall lesen was jetzt vorhergesagt wird!

 

6. Januar 12

Wegen akutem Schneemangel muss das letzte Springen der Vierschanzentournee abgesagt werden. Stattdessen wird noch eine Verschanzentournee durchgeführt. Zweiter ist das Team „Taliban“ das sich fast solange verschanzte wie die Sieger-Mannschaft „Anonyme FDP-Wähler“, welche sich sogar bis nach der Siegerehrung verschanzte und auch bis auf weiteres unerkannt bleiben will. Am selben Tag beginnt in Budapest die Eisschnelllaufmehrkampfeuropameisterschaft, die es allerdings nur in die Schlagzeilen schafft, weil Johannes B. Kerner mit diesem Wort 217 Punkte beim Promi-Scrabble in Sat.1 gemacht hat.

 

21. Januar 12

Die Fußball-Afrikameisterschaft beginnt und fällt zunächst dadurch auf, dass Lothar Matthäus bei keinem Team als Trainer im Gespräch ist, vielleicht weil man auch auf diesem Kontinent glaubt, dass er von Taktik Gahna Ahnung hat. Als Lothar Matthäus das erfährt, lässt er vor Schreck den Schülerausweis seiner Lebensgefährtin fallen.

 

26. Februar 12

Die Bob-Weltmeisterschaft in Lake Placid hat einen Überraschungssieger. Bob Deutschland 3 gewinnt mit Pilotin Sonja Zietlow, Erdanziehungsmagnet Dirk Bach und dem eingebürgerten australischen Anschieber Dr. Booooooob.

 

6. März 12

Für die Ringer-Europameisterschaft in Belgrad will CNN den ehemaligen Partizan Belgrad Trainer Lothar Matthäus als Kommentator fürs Ringen verpflichten. Ein CNN-Sprecher: „Nicht weil er sich in Belgrad auskennt, sondern weil keiner so schön in englisch nach Worten ringt.“

 

5. April 12

Mitten in der Bahnrad-Weltmeisterschaft in Melbourne wird Sponsor „Deutsche Bahn“ gebeten auszusteigen, weil die Akteure angefangen haben verspätet im Ziel anzukommen.

 

5. Mai 12

Der SC Freiburg steigt mit 20 Punkten Abstand zum rettenden Ufer in die Zweite Liga ab obwohl sie nach Marcus Sorg noch fünf weitere Trainer ausprobiert hatten. Lothar Matthäus ist stinksauer, weil ihm zuletzt sogar noch Rudi Gutendorf vorgezogen wurde. Er beschließt sich bei eBay selbst als Trainer einzustellen. Der Beschreibungstext lautet: „Gut erhaltener Trainer mit noch besser erhaltener Lebensgefährtin sucht neue Herausforderung. Bundesliga bevorzugt, kann aber auch irgendein Club sein, bei dem der Präsident nicht Hoeneß heißt. Sofort-Kauf - ein Euro.“

 

16. Mai 12

Bei der Europameisterschaft im Wasserspringen in Eindhoven werden Stefan Raab und Elton disqualifiziert: Stefan Raab landet mit seinem Gebiss auf dem Beckenrand. Dem Gebiss ist nichts passiert, aber der Beckenrand stürzte ein.

 

19. Mai 12

Im Champions League Finale trifft Bayern München auf Bayer Leverkusen. Leverkusens Manager Rudi Völler ist sich nicht sicher, ob der Motivations-Trick weiterhin klappt, mit dem bereits der FC Barcelona, FC Chelsea und Real Madrid ausgeschaltet wurden: „Wenn Ihr mit Dutt nicht gewinnt, kommt ein neues Trainerteam: Fitness-Coach Felix Magath! Cheftrainer und Spielerfrauen-Betreuer Lothar Matthäus - und Ihr wisst, der kostet nur ein Euro!“

 

1. Juli 12

Endspiel der Fußball-Europameisterschaft! Im Finale stehen sich Deutschland und Griechenland gegenüber. Griechenland war durch einen knappen Sieg über Italien ins Finale gekommen. Nachdem das Halbfinale zwischen den beiden sowohl nach regulärer Spielzeit als auch nach 20 Elfmeterschützen 0:0 gestanden hatte, einigte man sich darauf, dass der gewinnt, der in einer Stunde mehr Schulden machen kann.

 

27. Juli 12

Die Olympischen Spiele in London beginnen. Aufregung herrscht im Lager der 100 Meter Läufer. Die schnellsten Männer der Welt sind nicht vollständig. Einige der Sprinter wurden im Trainingslager in der Südsee von jugendlichen Kannibalen aufgegessen. Dafür wurden diese allerdings von den Kannibalen-Eltern bestraft. Es ist nämlich nicht erwünscht, dass der Nachwuchs zu viel Fast Food isst.

Auch nicht am Start sind zum Anpfiff die Fußballspielerinnen von Gastgeber Großbritannien. Gerüchte zufolge sollen sie sich kurz vor dem Turnier einen neuen Trainer für einen Euro auf eBay ersteigert haben und waren mit ihm in der Disco versackt.

 

23. September 12

Bei der Straßenrad-Weltmeisterschaft im niederländischen Limburg feiert Jan Ullrich ein grandioses Comeback. Es wurden zwar alle Fahrer disqualifiziert, aber Jan Ullrich hatte am wenigsten gedopt.

 

25. November 12

Das Finale der Formel 1 in Sao Paulo findet vor fast leeren Rängen statt. Sebastian Vettel ist seit dem der Hälfte der Saison uneinholbar Weltmeister. Auch der Empfang in Heppenheim fällt aus wegen Desinteresse. Alle Zuschauer sind nämlich vor dem Fernseher und wollen den ersten Auftritt des neuen „Wetten, dass...?“-Moderators verfolgen: Es ist Lothar Matthäus. Er präsentiert auch gleich seine erste Wette. „Ich wette, dass ich der gesamten britischen Fußball-Nationalmannschaft der Frauen um sämtliche Hände anhalten und nach den Anträgen mindestens fünf Spielerinnen heiraten werde.“ Damit ist er nicht nur Rekordnationalspieler, sondern auch Rekordanhalter

 

30. Dezember 12

Beim ersten Springen der Vierschanzentournee siegt ein neues Talent namens Phillip Rösler unter dem frenetischen Jubel von zahlreichen gutgelaunten FDP-Wählern. Die Partei ist wieder obenauf, nachdem sie sich Mitte des Jahres durch einen 500.000-Euro-Kredit von Christian Wulf eine Imagekampagne geleistet hat. Damit geht ein Sportjahr zu Ende, das sich genau so abspielen wird. Wetten, das...?

DAS ENDE VON 10/11

Wer jemals unbedacht in eine Steckdose gegriffen und einen Schlag bekommen hat, der weiß wie sehr man unter zu viel Spannung leiden kann. Die fußballerische Steckdose der Bundesliga heißt Abstiegsangst und sorgt dafür, dass noch drei Vereine unter Strom stehen und der ein oder andere Fan geladen ist.

Weniger elektrisiert vom letzten Spieltag ist man in Mainz, wo bereits jetzt klar ist, dass der heimische FSV in der nächsten Saison an das internationale Fußballnetz angeschlossen ist und sich die Spannung auch von außerhalb Deutschlands importieren kann. Als einzige Mannschaft der Bundesliga waren die Rheinhessen die gesamte Spielzeit hinweg unter den besten fünf Teams, was eine nahezu gleichmäßige Spannungszufuhr zur Folge hatte und keinerlei durchbrennende Sicherungen nach sich zog.

Auch der FC St. Pauli steht nicht mehr unter Spannung, muss sich aber in der nächsten Saison leider aus dem Ersatzstromkreis bedienen, was unter anderem zu Wartungsarbeiten bei Energie Cottbus führen wird.

Selbst beim Strom der Dortmunder Fans in ihr Stadion wird sich die Spannung eher aus der Frage ergeben auf welchen Widerstand man vor den eigenen Feierlichkeiten durch die Gästefans treffen wird. Von denen könnten einige schon mit glühenden Lampen ankommen. Bei den Borussen selbst scheinen die Akkus fast leer zu sein – trotzdem steht noch eine 90minütige Laufzeitverlängerung an bevor den von Jürgen Klopp gut ausgebildeten Technikern die Meisterwürde verliehen wird.

Fazit was sollte man nach einer teilweise wieder spannungsgeladenen Saison in der Sommerpause machen: Ent-spannen!

BOYKOTT-LOUIS

Louis van Gaal wettert gegen die Terminplanung. Schon am 11. August soll ein Länderspiel stattfinden - inmitten der Vereinsvorbereitungen. WM-Spieler sollten so etwas boykottieren. Findet der Holländer dieses Länderspiel etwa bescheuert? Herr van Gaal, DAS wären bescheuerte Länderspiele:

Chile con Carne gegen Bosnien-Herzoginkartoffeln

Elfenbeinbrüste gegen Großtittanien

Müdafrika gegen Argähntinien

Americar gegen Audi-Arabien

Turnesien gegen Ireck

Krankreich gegen Beschweden

Bullgarien gegen Luchsemburg

Vereinigte Arabische Monatsrate gegen Sparnien

Haustürkei gegen Torwegen

Albernien gegen Irreland

 

DIE ZONE

So, jetzt können Sie mitraten. Und damit Sie keinen Telefonjoker brauchen, falls Günther Jauch Sie mal danach fragt, gibt’s die Lösung gleich hintendran:

Was befindet sich in jedem Fußball-Bundesliga-Stadion, ist unterschiedlich groß und wird von Louis van Gaal kaum genutzt?

A) Anatoliy Tymoshchuk B) Guter Rat von anderen C) Haargel D) Coaching-Zone

So?

Überlegen...

Na?

Ham’ses schon?

Es ist natürlich C. Die Coaching-Zone (genauer: „Technische Zone“) geht bis zu einem Meter an die Spielfeldlinie heran und einen Meter jeweils über die Ersatzbank-Breite hinaus und kann vom Trainer dazu benutzt werden, um besser Kontakt mit seinen Spielern zu halten. Theoretisch könnte sich also Thomas Tuchel in der Coface Arena eine Ersatzbank bauen lassen, die bis an die Eckfahne reicht, um dann vom Torwart besser verstanden zu werden. Ob das so praktiziert wird ist beim derzeitigen Stand der Bauarbeiten noch nicht abzusehen.. Zu sehen war aber, wie sich Louis van Gaal die Coaching-Zone bei der 1:2 Niederlage in der Frankfurter WM-Arena zunutze machte. Gar nicht. Als Beobachter hätte man sich denken können: „Mhh.. läuft ja nicht so gut bei den Bayern. Nach dem 1:0 durch Klose haben die Frankfurter eine Chance nach der anderen. Da würde ich als Trainer doch jetzt mal hektisch bis zu einen Meter an die Seitenlinie heran und/oder einen Meter über die Ersatzbankbreite hinaus gehen, um die eine oder andere megageile Anweisung an das kickende Personal heranzureichen.“ Da erklingt die Stimme von Günther Jauch: „Dass es nicht geschah, hatte folgenden Grund“:

A) Van Gaal hatte Angst dass er zwar innerhalb der Kennzeichnung steht, sein Ego aber bis an den Mittelkreis reicht und er deshalb vom vierten Offiziellen ermahnt wird B) Seine Spieler spielten arrogant genug, da bedurfte es keiner Ermahnung C) Er war mit Manager Nerlinger am diskutieren welchen Verteidiger sie noch zu Inter Mailand transferieren oder nach Nürnberg ausleihen könnten D) Traineranweisungen während des Spiels sind nur etwas für hektische Warmduscher.

So?

Überlegen...

Na?

Ham’ses schon?

Richtig ist natürlich E) – Eintracht Frankfurt hat die bequemsten Trainerstühle der Welt.

 

OPTISCHE TÄUSCHUNG

„Optische Täuschung“. Diesen Umstand kennen viele Männer auch unter dem Begriff „besoffen“. Da kann es schon passieren, dass das Objekt, das man(n) seit zwanzig Minuten auf der Party belabert gar nicht Michelle Hunziker ist, sondern die vollschlanke Kioskverkäuferin von umme Ecke, um deren Oberlippenbart sie sogar Clark Gable beneidet hätte.

Nach zwölf Bier kann man sich nicht nur bei der Optik des anderen Geschlechts täuschen, sondern zum Beispiel auch suboptimal Auto fahren oder, ähh... sagen wir...  einen von der Latte etwa 1,3 Meter ins Spielfeld zurückprallenden Fußball im Tor landen sehen.

Letzteres – so mussten wir in diesen Tagen erfahren – kann auch ohne Alkoholkonsum passieren, wobei bislang nicht  publik wurde, was es beim Zweitligaspiel MSV Duisburg gegen den FSV Frankfurt in der Halbzeitpause für den sich getäuscht habenden Linienrichter zu trinken gab.

Wer jetzt, wie die Frankfurter Clubleitung, das unentscheidende 5:0-Skandal-Nicht-Tor einfach als amüsanten Teil künftiger Jahresrückblicke abtut, denkt zu kurz. Vielmehr könnte diese heiß diskutierte optische Täuschung zu einer Lösung aller gesamtgesellschaftlichen Probleme und ungeklärten Fragen in Deutschland führen. Wie? Warum? Dazu ein Blick in die nähere Zukunft:

Aufgrund dieses Vorfalls wurden auf Hinweis von Ministerpräsident Roland Koch alle Hartz IV Empfänger als Torrichter in den deutschen Fußball-Ligen eingestellt. Die Übernachtungen der Torrichter werden in Hotels sichergestellt, da die jetzt nur 7% Mehrwertsteuer zahlen müssen und dadurch extremst billig Übernachtungen anbieten. Damit ist nicht nur die Hotelspendendiskussion erledigt sondern es werden auch so viele neue Hotelangestellte benötigt, dass sich die Arbeitslosigkeit um die Hälfte verringert. Dadurch sinken die Staatsausgaben und steigen die Staatseinnahmen so sehr, dass das bestens gelaunte Duo Merkel/Schäuble der FDP für 2011 einen Eingangssteuersatz von 1% verspricht, der SPD einen Mindestlohn für alle Branchen von 29,99 Euro, den Grünen eine Abschaltung aller Kernkraftwerke rückwirkend bis 1980 und der Linken ein Ersetzen der Deutschen Truppen in Afghanistan durch ehemalige amerikanische Blackwater-Söldner. Dies alles stoppt die deutsche Politikverdrossenheit und steigert die Wahlbeteiligung bei der Landtagswahl in NRW auf 99,9999%. Die einzigen, die ihre Stimme nicht abgeben sind eine Kioskverkäuferin und ein Betrunkener, der seit Tagen lallend vor dem ZDF in Mainz steht und an der Einlasskontrolle schimpft: „Ssseht Ihr nischd, weäh meine Begglleiddung is?“.

Das alles kann heutzutage durch eine optische Täuschung passieren. Davon kann man sich dann in den Jahresrückblicken überzeugen.

 

BRUTALE BERUFE

Ein Zeitschriften-Artikel von seltener Brutalität. Ich kann mich noch genau an ihn erinnern, auch wenn es schon zwei, drei Jahre her ist. Es ging um eine Auflistung der schlimmsten Berufe der Welt. Auf einen Spitzenplatz brachte es zum Beispiel derjenige, der von Straßen die Reste überfahrener Tiere kratzen muss. Da kann man ihm nur  - selbst in der angespannten Lage auf dem Arbeitsmarkt – lauthals zurufen: Augen auf bei der Berufswahl!

Würde der Journalist des besagten Artikels sich doch nur heute wieder in seinen Autorenstuhl schmeißen und die Welt durchforsten nach schlimmen Berufen. Denn viele zermatschte Igel, Hasen und Frösche später im Verlaufe der Auto fahrenden Menschheit gibt es wieder einen „Beruf des Leidens“. Einen Beruf, den nur die Härtesten wählen, einen Beruf, den nur die Unerschrockensten ausüben, einen Beruf den nur die Zähesten durchhalten: Den des Fußball-Nationaltrainers.

Zu dieser bedauernswerten Gattung zählt zum Beispiel Diego Maradona, dem nicht einmal gegönnt ist, dass er nach erfolgreicher Qualifikation sachlich anmerkt, dass die kritischen Journalisten ihm mal... nun ja... oral... also, Sie wissen schon. Dabei sind die doch gut bedient – früher hätte er noch mit dem Gewehr geschossen. Oder nehmen wir den deutschen Elite-Betreuer Joachim Löw. Der wird nicht nur seit langem verniedlichend als „Jogi“ bezeichnet, sondern muss sich in letzter Zeit auch noch zwischen den Zeilen in zeitweilig zielgerichteten Zeitungsartikeln Belehrungen zur Einladungsmethodik anlesen. Da wird erst von Boulevard-Journalisten (aber auch zum Teil von Fußball-Experten) Stefan Kießling gefordert, nur weil der seit mehren Monaten glänzende Leistungen bringt und mehr Bundesliga-Tore schießt als alle DFB-Stürmer zusammen. Dann muss er sich den Anti-Empfehlungen der FC Bayern Führung erwehren, die das Jahrtausendtalent Thomas Müller nicht gleich in der Adler-Auswahl sehen wollen. Und jetzt muss er sich auch noch mit Englands Insel-Instruktor Fabio Capello ein  Rennen um Aaron Hunt liefern, der zwar schon seit gefühlten zehn Jahren bei Werder Bremen vor internationalem Publikum spielt, aber durch zu viele Tore in zu wenigen Spielen die Trainer verrückt macht. Die armen Trainer. Aber der ärmste (nicht pekuniär gemeint) unter ihnen ist der österreichische National-Trainer Dietmar (auch hier reicht es in großen Teilen der Presse nur zu einem „Didi“) Constantini. Der bekommt quasi täglich per medialer Infomappe aus Deutschland mitgeteilt welch eine brutal gute Nationalmannschaft er haben muss – in Anspielung an die mutige Nichtberücksichtigung von Andreas Ivanschitz.

Lasst uns also einen Augenblick inne halten und all denen Gedenken, die bei der Berufsauswahl nicht so viel Glück hatten. An alle Tierwegkratzer und Nationaltrainer dieser Welt: Wir brauchen Euch! Haltet durch!

 

 

DIE SPATZEN PFEIFEN ES VON DEN DÄCHERN...

Es ist DAS Fußball-Gesprächsthema im Oktober: Pfiffe der eigenen Fans während und nach dem 1:1 der bereits für die WM qualifizierten Deutschen Nationalmannschaft gegen Finnland. Tja, was soll man davon halten? Spieler (z.B.: Ballack, Trochowski, Adler...) reagierten mit Unverständnis. Zu Recht? Wurden die Helden von Moskau zu schnell erniedrigt, oder mit einem Sieg in Russland zu schnell zu Helden erhöht? Als Kompromiss für zukünftige Ereignisse dieser Art – es stehen ja immerhin noch reichlich Vorbereitungsfreundschaftsmankannsichfürjogiempfehlen-Spiele an - sollten die Eintrittskarten einen Zusatz erhalten. Dann wären alle Beteiligten auf der sicheren Seite und hätten mehr Planungs- und Verhaltens-Klarheit. Der aufgedruckte Text könnte so aussehen:

Der Käufer dieser Karte (im weiteren Verlauf  "Fan" genannt) und der Anbieter (im weiteren Verlauf "Spieler" genannt) einigen sich bezüglich der Veranstaltung auf folgenden Vertrag:

- der Fan verpflichtet sich mindestens 30 Minuten lang nicht zu pfeifen sowie pfiff-, stöhn- oder enttäuschungsaffine Laute oder anderweitig abwertende Äußerungen zu tätigen oder Handlungen zu vollführen. Insbesondere das Abwinken, Applausverweigern oder Augenverdrehen kann zu einer Vertragsstrafe führen. Während der folgenden 30 Minuten sind oben beschriebene Verhaltensweisen erlaubt, sofern die Leistung der Spieler einen Wert von 10 RE (Rumpelfußball-Einheiten) unterschreitet. Die Verhaltensweisen sind aber ab Minute 60 sofort wieder einzustellen, falls Halbzeitumstellungen oder Aufbäumungs- und Anstrengungsaktionen den RE-Wert um zumindest 50% gesteigert haben. Bei Abpfiff des Spiels durch den Schiedsrichter (darf die ganze Zeit über pfeifen) ist ein Pfeifkonzert erlaubt sofern der Fan mindestens zwei Semester Musik studiert oder zumindest die CD „Wind Of Change“ der Gruppe Scorpions zu Hause hat (muss an der Einlasskontrolle probeweise vorgepfiffen werden).

- der Spieler verpflichtet sich, sich stets zu bemühen

Vertragsstrafen:

Für den Fan: Verabreichung von warmem Bier und Verpflichtung von Sarah Connor für das Singen der Nationalhymne bei den folgenden drei Spielen

Für den Spieler: Für seine nächste Nominierung nicht 20.000 Euro, sondern nur 19.999,50

Die Unterzeichner verpflichten sich über die Vertragsinhalte Stillschweigen zu bewahren oder zumindest nicht zu Pfeifen oder der ARD Interviews zu geben.

 

VEH-HE IHR VERLIERT!

In dieser Woche wurde der VfB Wolfsburg zum Geheimfavorit in der UEFA Champions League. Zumindest ist sicher, dass es gegen die Stars von Manchester United keine Neiderlage geben wird. Verantwortlich dafür ist keine Spielerverpflichtung und keine neue Trainingsmethode sondern eine taktische Finesse, die locker mit Einfällen wie „hey Trojaner, lasst uns ein großes Holzpferd bauen“ mithalten kann. Trainer Armin Veh will seinen Spielern in der höchsten europäischen Spielklasse nicht mehr erlauben nach Niederlagen Trikots zu tauschen. Gegenüber der Wolfsburger Allgemeinen Zeitung wird er so zitiert: „Wenn ich verliere, dann bin ich sauer. Dann denke ich nicht daran, mit wem ich das Trikot tausche. Ich habe schon Spieler gesehen, für die es auch nach Niederlagen am wichtigsten war, das Trikot zu tauschen“.

Nun, jeder Fußball-Fan weiß wie teuer diese Leibchen sind. Da ist das Tauschen mit der ohnehin kostenlos vom eigenen Verein zur Verfügung gestellten Spielkleidung die günstigere Lösung in Zeiten der Wirtschaftskrise. Außerdem sind die Fan-Shops nach den Begegnungen mit ManU sicher schon geschlossen, wenn die VfL-Spieler aus der Dusche kommen. Was bleibt da nur, um den Kindern und Freunden zu Hause das edle Tuch der Herren Rooney, Owens, Scholes  & Co mit zu bringen? Durch Siege oder zumindest ehrenvolle Unentschieden!

Eine Wende im Sprachgebrauch wird durch diese textile Herangehensweise der Resultatsbewertung eingeleitet. Aus „Kleider machen Leute“ wird „Siege machen Trikotbesitzer“, aus „völlig von den Socken“, wird „völlig in den Trikots“ und aus „die haben die Hosen voll“ wird „die haben die Trikots getauscht“. So kleidsam kann gewinnen sein!

Aber was macht man auch nicht nach Niederlagen, was könnte man noch verbieten und anweisen , um nicht die Phase der Trauer mit trivialen Riten zu stören: Den Kopf mindestens 45° nach unten halten, wenn man den Platz verlässt? Nur mit kaltem Wasser duschen?

Eine Gefahr besteht für den internationalen Fußball. Wenn alle Trainer so reagieren, wird es bald nur noch Unentschieden geben. Oder die Spieler tauschen in den Katakomben der Stadien kleine Holzpferde nach den Spielen. Mit verschwitzter Spielkleidung in den Hohlräumen.

 

Arbeitsbeschaffungsmaßnahmenvorschlagskatalog


Frank-Walter Steinmeier hat ne Idee und der FC Bayern München geht schon mal mit gutem Beispiel voran: „4 Millionen neue Jobs“ bis 2020 möchte der Kanzlerkandidat anstreben. Beim Rekordmeister ist man im Trainer- und Betreuerstab bereits steinmeierisch besetzt. Ich hab da mal mein Jahres-Magazin rausgeholt und lese von einem Vereinsarzt, vier Physiotherapeuten, einem Spielanalysten, einem Trainings-Steuerungs-Experten, einem Sport-Psychologen, drei Fitness- und Rehatrainern, zwei Co-Trainern, einem Torwarttrainer und eine Chefcoach. Und da sind Pressesprecher, Masseurinnen und Köche von Spielern noch nicht mit aufgezählt. Das ist schon einmal ein guter Anfang und wird bis 2020 wohl nur in Nuancen angepasst werden müssen.

4 Millionen neue Jobs, oder wie es in merkelisch heißt „Arbeit für alle!“, da müssen alle Branchen in Deutschland zusammenrücken. Für den professionellen Fußballsport ist nach den ersten beiden Spieltagen jetzt auch klar, wohin die Personalreise geht. Neue Jobs für neue Tätigkeitsbereich und neue Schwerpunkte in der „Zukunftsindustrie Kunstlederbehandlung“:

Da müssen auf jeden Fall schon mal zwei Torrichter pro Spiel her, um bei Phantom-, Wembley- , Hoffenheim- oder sonstigen Toren den Schiedsrichterassistenten nicht wie einen Tor aussehen zu lassen.

Als nächstes dürfte ein Tribünen-Moderator für Uli Hoeness angesagt sein, damit nicht, wie beim Auftaktspiel in Hoffenheim, Diskussionen mit anderen Tribünengästen ins Emotionale abdriften.

Weitere ganz neue Arbeitsplätze sind im Bereich Laktattest-Tester-Überprüfer anzusiedeln. Diese neue Gattung der medizinischen Berufe in der Saisonvorbereitung ist dazu da die Tests dahingegen zu überprüfen, ob sie in Relation zur physiologischen Eigenschaft „Explodiert, wenn er am Ball ist“ Sinn machen. Stichwort Caio – da hätte man sich in Frankfurt vergangene Saison mit einem Laktattest-Tester-Überprüfer einiges an Ärger ersparen können.

Fußball ist ein Zukunfts-Sport und verdient das beste Personal für die attraktivsten Arbeitsplätze. Deswegen sollte bereits jetzt Kontakt aufgenommen werden zu Usain Bolt (als Schiedsrichter - immer schnell auf Ballhöhe), Barack Obama (als Trainer – für die ergreifendsten Halbzeitansprachen) und Florian Silbereisen (als Marketing-Experte – mehr Senioren in die Stadien).

GENAU HINSCHAUEN

„Ein Apfel ist ein Apfel und eine Birne ist eine Birne!“, ließ sich Loriot einst als „Papa Ante Portas“ selbst sagen. Herr Lohse bemängelte in dieser Szene, dass Frau Lohse bei einer „Birne Helene“ die Birne durch einen Apfel ersetzte. Und so wollte er die süße Speise höchstens als „Apfel Helene“ verspeisen, „aber nicht unter falschem Namen!“.

Als fußballerische „Apfel Helene“ hat sich jetzt die Stadt Wolfsburg herausgestellt. Oder besser gesagt, der dort ansässige Bundesligaverein. Und das kam so: Nach dem Motto „Alles neu macht der Mai“ setzte Felix Magath ein Trainerpostenwechseldich in Gang. Den Wechsel vom VfL Wolfsburg weg kommentierte sein Neu-Arbeitgeber Clemens Tönnies – Aufsichtsratsvorsitzender vom FC Schalke 04 – mit diesen Worten: „Es geht Magath um die Emotion. Ich habe ihn emotional aufgeladen. Schalke ist nicht Wolfsburg. Schalke ist Schalke. Und genau darum ging es Magath.“.

Man muss sich mal bildlich vorstellen, dass Magath mit Tönnies in Magaths Bauernhof sitzen wie im Loriot-Film Herr und Frau Lohse. Und so wie Herrn Lohse die Sache mit dem Apfel dämmert, so wird Felix Magath bewusst, dass man ihm über zwei Spielzeiten hinweg unentdeckt den VfL für einen emotionalen Supi-Klub a la Schalke verkaufen wollte. Sofort steht er emotional aufgeladen vom Tisch auf und melkt erst mal erbost bei einem Schwung Kühe seinen ersten Emotionsstau weg. Dann schnell bei den KFZ-Bossen anrufen: „Ich möchte ja Deutscher Meister werden – aber nicht unter falschem Namen!“.

Irgendwie war es ihm schon seltsam vorgekommen: Dieses leicht ins grünlich Tendierende in den Trikots, die verdächtige Ruhe in der Vorstandetage, die vielen Möglichkeiten seine fachlichen Ideen bei der Kaderzusammenstellung auszuleben und vor allem die vielen Touaregs in der Stadt mit den auffallend wenigen Zechen.

Zum Glück ist das Missgeschick jetzt repariert und für die nächsten vier Jahre trainiert, managed und geschäftsführt Magath Schalke als Schalke.

Selbstverständlich war dies nicht der erste Vorfall dieser Art, aber nicht immer dauert es so lange, bis sich X als für ein U vorgemachtes herausstellt. Franz Beckenbauer erkannte zum Beispiel sofort „die Schweden sind keine Brasilianer“.

Felix Magath ist ein sehr guter weil auch erfolgreicher Trainer und ein respektierter Trainer – so wie zum Beispiel auch Rutten, Heynckes & Co auf Schalke anfingen. Und vielleicht wird Magath sich irgendwann bei einer leckeren Birne Helene über emotional aufgeladene Schlagzeilen beugen und sich fragen: „Warum bin nicht jetzt nicht zum Beispiel in Mainz? Denn es heißt doch immer im ZDF – Mainz bleibt Mainz!“.

Sehr modernes Zweikampfverhalten

Das wichtigste an einem fairen Zweikampf im Fußball? Der eine oder andere Kommentator äußert lobend, dass er „mit offenem Visier“ geführt wurde. Wobei nicht genau bekannt ist ob jemals Fußball mit geschlossenem Visier gespielt wurde. Schließlich wurde das Tragen einer Ritter-Rüstung vermutlich schon immer eher als hinderlich eingestuft. Und höchstens bei Ailton könnte nachgefragt werden, ob sie eine unter dem Trikot versteckten.

Andere definieren erlaubte Zweikampfhärte damit, dass „nach dem Spiel alles wieder vergessen ist“. Allerdings lässt das Fußball-Klischee, genährt durch Aussagen wie „Klinsmann und ich waren ein super Trio...äh... Quartett“, erahnen, dass der eine oder andere blutarme Kopf wichtigeres (atmen, gerade aus gehen) zu tun hat als sich Zweikämpfe zu merken.

Die wirklich beste Definition eines fairen Zweikampfs ist: wenn er niemanden interessiert.

Wenn der Kameramann gelangweit wegschwenkt, wenn der Reporter nicht nachfragt und im günstigsten Fall, wenn nicht einmal der Zweikampfgegner Notiz nimmt. Das Spiel läuft einfach weiter. Widmen wir uns den Toren. Der Ball rollt.

Doch in Zeiten von zig Kameras, hundert Fotografen und tausend geforderten Videobeweisen, kann man längst nicht mehr gepflegt dem Gegner in der Freistoßmauer auf den Fuß treten.

Was jetzt noch fehlen würde, wäre, nach der Idee vom Chip im Ball, ein Chip in jedem Schuh und jedem Schienbeinschoner

Dann wüsste der Schiedsrichter immer wer wann wem ans Bein tritt und der Angreifer der Stürmer könnte sich per GPS das Herannahen eines Verteidigerstollens melden lassen.

Stopp! Rote Karte für den Chip im Schuh! Dass die Anwesenheit von hochentwickelten Mikrochips gänzlich ungeeignet zur Verhinderung von Zweikämpfen ist wurde erst diesen Monat auf der Hannover Messe für technische Innovationen deutlich.

Da verhakten sich zwei selbststeuernde Roboter so unnachsichtig ineinander, dass sie von anwesenden Messebesuchern auseinandergezerrt werden mussten. Die Selbstironie der Angelegenheit: Es handelte sich um Informationsroboter. Das gibt uns also die Information, dass es sowohl zu Schuh-Chips sowie erst recht zu ersten Bundesliga-Robotern noch einige Jahre hin sind. Bis dahin besteht die Hoffnung, dass der Fußball noch möglichst lange aus möglichst vielen Zweikämpfen und möglichst wenig Technik bestehen kann.

Bis dann irgendwann zwei Roboter-Ritter mit hochgeklappten Visieren alle Zweikämpfe nach dem Spiel von den Festplatten löschen.

 

 

DER FLUCHPLATZ

Gibt man bei einer bekannten Internet-Suchseite die sich auf Puuudel reimt die Worte „Fluch“ und „Mainz“ ein, dann findet man bereits auf der ersten Seite Verweise in den Medienberichten auf den „Schiedsrichter-Fluch“, den „Greuther-Fürth-Fluch“ und den „Bruchweg-Fluch“.

Wenn man bedenkt, dass sich der Großteil schon an den „Greuther-Fürth-Fluch“ gewöhnt hat und sich der „Schiedsrichter-Fluch“ eher auf die Hinrunde bezieht, dann ist zuvorderst der „Bruchweg-Fluch“ einer genaueren Betrachtung wert.

Vor der Konzentration auf den „Bruchweg“-Teil, sei das Augenmerk auf den „Fluch“ als solchen gelegt. Schaut man sich die Definitionen von Fluch an, so bemerkt man rasch dass es sich dabei um „ausgesprochene“ meist mit einer „Formel“ versehene Unglücksbringer handelt. Ein Fluch ist also nicht einfach nur da, er muss durch jemanden überbracht sein.

Gesucht wird also – um jetzt auch die Orstangabe „Bruchweg“ zu kommen – jemand, der zwischen vergangener und aktueller Saison im oder am Bruchwegstadion gesehen wurde während er (oder sie) seltsame Formeln vor sich hinmurmelte. Die weiteren Bausteine der Mainzer Fluch-Recherche folgend, könnte es ein in Fürth geborener Schiedsrichter gewesen sein.

Möglicherweise könnte aber auch an einer Aufhebung des Fluchs mittels Voodoo-Zauber oder Glücksbringer gearbeitet werden. Ein junges Beispiel zeigt allerdings, dass dem Unglück oft ein Glücksbringer Wurst ist. Gerade beweisen durch die BILD-Sportredaktion, die vor dem 0:4 der Bayern in Barcelona eine Weißwurst an der Eckfahne deponierte.

Falls jemandem als Mainz05-Fan derzeit beim Thema „Fluch“ nicht nach Schmunzeln zumute ist, dem sei eine aktuelle Geschichte aus dem regnerischen England zur Aufheiterung erzählt. An der Grenze schien sich eine junge Brasilianerin einen „Bekleidungs-Fluch“ eingefangen zu haben. Weil sie nur drei T-Shirts, einen Morgenmantel und sonst nur sehr, sehr viel Unterwäsche dabei hatte, wurde sie dem Rotlicht-Millieu zugeordnet und abgewiesen.

Man könnte nur sehr gefrustet in Rio sitzen und an einen bösen „Koffer-falsch-gepackt-Fluch“ glauben. Man könnte sich aber auch ärgern, nicht einfach ein bisschen Regenkleidung und einen Reiseführer eingepackt zu haben. Manchmal ist man von einem bösen Fluch belegt – und manchmal einfach selber schuld.

                                                                                                                

SCHLAGZEILENTRÄCHTIGE IDEE

Zum Zeitpunkt einer neuen Erfindung, einer neuen Idee fängt es immer erst mit der spektakulären Nachricht an. Zum Beispiel: Feuer erfunden! Rad erfunden! Erstmals Einwechslungen im Fußball erlaubt!

Dann wird’s spannend. Weil ja irgendwann schon alles mal da war, mussVergleich, der Konkurrenz das Besondere erwachsen. Und so übertrumpfen sich die Medien dann so herrlich mit ihren Schlagzeilen-Trümpfen: Schlimmster Tomatenschiri! Brutalste Schwalbe! Krasseste Abseitssituation! Unsoweiterundsoweiter - Sie wissen was ich meine.

Das war bis vor kurzem. In der vergangenen Wochen überschlugen sich Frisch-Meldungen voll pfiffiger Neuigkeiten und leuchtenden Ideen von beneidenswertem Erfindergeist.

Und die müssen so schnell keine Konkurrenz befürchten – so eindeutig unerreicht werden sie lange Zeit bleiben.

Es rangierte zunächst die Meldung vom cleveren britischen Dieb an der Spitze der illustren Ideen. Der intelligente Insulaner machte sich die Google Earth Funktion zu nutze und spähte Dächer von historischen Gebäuden aus von denen er dann Altmetall klaute. Wohl dem also, der ein scharfes Satellitenfoto für sein Verbrechen kostenlos zur Hand hat.

An einer Hand hatte – laut der dann auf einmal noch besseren Meldung – ein Finne einen Finger unfallbedingt zu wenig. Seine Prothese ließ er jetzt durch einen USB-Stick ersetzen. Da kann doch wirklich keiner mehr mithalten was den Gang neuer Wege betrifft, oder?

Doch! Gerade als man sich wohl in Finnland mit der Hand am Computer die neusten Satellitenbilder von historischen Gebäuden in Helsinki heruntergeladen hat. Da geschah es in fußballverrückten bajuwarischen Gefilden! Unbeobachtet von Google Earth! Der Einfall! Die Idee!

Uli H., ein bis dato eher zurückhaltender, schüchterner Sportmanager, weiß endlich wie Deutschland auf Jahre hinaus unschlagbar in der Champions League sein wird: Jeder Bundesbürger, der einen Fernseher, einen Computer, ein Radio oder einen UMTS-USB-Stick am Finger hat – also irgendwie Fußball empfangen kann – zahlt zwei Euro pro Monat Soccer-Soli. Davon kaufen sich die öffentlich-rechtlichen Anstalten dann alle Fußball-Übertragungsrechte und zeigen die Brust- und Bandenwerbung, äh... die Spiele kostenlos im Free-TV. Dadurch bekommen die deutschen Vereine Trillionen von Euro, worauf sich Abramowitsch und der komplette Verein Real Madrid dem Curling zuwenden und mehrere Bundesligateams gleichzeitig die Champions League gewinnen.

So, und wer jetzt mit dieser Idee konkurrieren will, soll bitte mal vortreten. 

 

 

SCHARFE FLANKE              ...die Fußball-Kolumne im Stadionheft von MAINZ 05 

(heute als sehr scharfe Flanke: Bitte diesen Artikel erst ab einem Alter von 16 Jahren lesen.)

Geile Tore haben wir Fußball-Fans alle schon gesehen. Von geilen Toren haben wir schon gehört. Von Werner Hansch zum Beispiel auch schon im TV. Höchst diskutiert – aber auch höchst berechtigt.

Der aktuelle Trend geht jetzt im Fußball allerdings schon zur Vor-Spiel-Geilheit, eine Art fußballerisches Vorspiel also. So formulierte Mainz-Trainer Jörn Andersen in der Montags-Pressekonferenz seine Vorfreude auf das Pokalspiel am nächsten Tag gegen Schalke mit den Worten: „Wir freuen uns auf einen geilen Pokal-Abend!“. Und am Wochenende zuvor wurde es noch geiler: Erstens vermisste Bayern-Star Borowski etwas bestimmtes beim 0:0 in Bremen: „Heute hat uns die Geilheit auf ein Tor gefehlt“. Und zweitens: Als eine Werbeaktion für eine Internet-Flirtbörse begegneten sich schon vor der Begegnung 1860 München – St. Pauli zwei nackte Flitzer (männlich-weiblich) knutschend auf dem (Vor)spiel-Feld. Nun, nicht ganz nackt: Hautenge Minihöschen und eine Trikot-Körperbemalung ließ die eifrigen Augenzeugenblicke doch wenigstens ein bisschen abprallen von den prallen Tatsachen.

Von der abgesprochenen Werbeaktion bis zum ersten echten „Geil-Unfall“ scheint es nicht mehr weit zu sein. Dieser Gedanke drängt sich nicht zuletzt auch dadurch auf, dass für die BILD die Winter-Neuverpflichtung des Karlsruher SC, dem Kroaten Dino Drpic, nur aus einem Grund eine Berichterstattungs-Relevanz genoss: Weil seine Frau mit dem unkühlen Namen Nives Celcius von Sex im Mittelkreis erzählt hatte. Damals war es wenigstens noch nachts ohne Publikum (vor Drpics EM-Qualifikationsspiel gegen England!). Aber was kommt da noch auf uns zu?

Zum Glück ist man in Mainz davor noch so gut wie sicher. Hier wird brav für den 1000jährigen Dom gespielt und Kardinal Lehmann schaut sicherheitshalber ab und zu vorbei, ob da im Mittelkreis und mit der Kleiderordnung noch alles in Ordnung ist.

Mal kurz hochschauen – ja – gut – die SWR1-Leute in hochgeschlossenem Gelb und im Mittelkreis scheint auch alles flach zu liegen.

Dann freuen wir uns auf die gelungenen Geil...äh...Steilpässe, spritzige Zweikämpfe und harte Schüsse unter die Querlatte. Und stöhnen Sie bitte nicht zu sehr, falls keiner reingeht.

Ich geh jetzt mal kalt Duschen.

 

 

FUSSBALL FARBENLEHRE

„Das war aber dunkelgelb!“ So hörte man schon öfter einen Fußball-Kommentator in sein Mikrofon hineinsagen. Er will dann zum Ausdruck zu bringen, dass der Schiedsrichter die Straftat mit Gelber Karte milde bedachte – es wäre auch eine Rote Karte im Bereich der sportjuristischen Auslegung möglich gewesen.

Die oben erwähnte Formulierung „dunkelgelb“ könnte bald aus dem Sprachschatz der Sportreporter aussterben. Sozusagen der Dinosaurier unter den verbalen Einschätzungen. Dafür könnten Kommentatoren südlich der Alpen bald noch öfter mit „jetzt wird’s mir aber zu bunt“ brillieren. Dann nämlich, wenn die Idee von UEFA-Präsident Michel Platini testweise in Italien eingeführt wird. Eine orangefarbene Karte soll dann als Zeichen einer Zeitstrafe gezeigt werden. Sozusagen als Papier gewordene Umsetzung des dunkelgelben Gedankens. Ein Mittelweg zwischen Gelber und Roter Karte also. Zum Beispiel wenn bei einem Tritt der Oberschenkel des Gegners eingedellt, aber noch kein Blut zu sehen ist. Oder wenn Bance nach dem 3:1 gegen Rostock sein Leibchen über sein Köpfchen zieht: Dann bekommt er vielleicht kein Gelb, sondern zehn Minuten Zeit wieder der Kleidungsnorm zu entsprechen.

Einen Fürsprecher hat die Orange-Idee schon in Pierluigi Collina und aus neutraler Sicht sollte man zumindest das Denken gestatten. Schließlich gab es auch einmal eine Welt ohne die Gelbe und die Rote Karte: Zum Beispiel bei der WM 1966 als im Spiel Argentinien gegen England ein deutscher Schiedsrichter nicht für Klarheit sorgen konnte. Aufgrund von (vielleicht absichtlichen) Sprachproblemen verharrte der mündlich vom Spielfeld verwiesene Argentinier noch fast neun Minuten auf dem Platz und es folgten tumultartige Szenen und ratlose Zuschauer. Die Idee der Karten war als Problemlösung geboren und 1970 eingeführt.

Und so dürfen wir uns bald freuen auf Schiedsrichter, die ausgestattet sind als würden sie direkt vom James Bond Ausrüster Q kommen: Mit gelben, roten, orangenen Karten, Pfeife, Armvibrator zur Kommunikation mit den Assistenten, mit Mikrophonen und Stiften und und und.

Und die Ideenfindung muss ja nicht zu Ende sein. Vielleicht bekommen Schiedsrichter einen tragbaren Fernseher und Trainer eine grüne Karte, die sie einmal pro Spiel hochhalten können, um eine strittige Szene per Zeitlupe aufklären zu lassen. Mit grüner Karte wäre Klinsmann sicher Tabellenführer.

Na – jetzt wird’s aber zu bunt!

 

 

 

BECKHAM WECHSELT ZU MAINZ 05!      

 

David Beckham wechselt mit sofortiger Wirkung vom AC Mailand zum FSV Mainz 05 sobald er seinen Spind bei der LA Galaxy aufgeräumt hat. Noch rechtzeitig vor Aschermittwoch will er einen Vertrag unterschreiben, da er meint „At Aschermittwoch everything is all over!“. David Beckham, der eigentlich vollständig David Karl-Theodor Wilhelm Beckham heißt, hatte vergangene Woche zusammen mit seiner Frau die Fußgängerzonen von Mainz besichtigt und danach sein o.k. für den Wechsel gegeben: Der Winterschlussverkauf böte hier viel mehr Schnäppchen als in Mailand und Los Angeles aber es gäbe nur unwesentlich mehr Paparazzi.

Über die Transfersumme vereinbarten beide Seiten Stillschweigen, sie dürfte laut Insider aber bei etwa 14 Damenhandtaschen liegen.

 

...upps... da hat sich wohl ein Witzbold in meine Kolumne für das 05er Stadionheft zum Heimspiel gegen Hansa Rostock gehackt. Das muss der selbe Internet-Idiot gewesen sein, der auf der Schalke-Homepage vermeldete dass Kuranyi den Verein verlässt. Und der Selbe, der die gesamte Medienlandschaft aus den Angeln hob weil er dem neuen Wirtschaftsminister zu Guttenberg einen weiteren Vornamen in dessen Wikipedia-Artikel hineindichtete. Ja, in welcher Welt leben wir denn? Ist nicht einmal mehr der Computer eines braven, steuerzahlenden, fußballbegeisterten Klein-Kolumnisten mehr sicher?

Lasst uns einen guten Bekannten zum Vorbild nehmen: Sport-Kult-Moderator Dieter Kürten erzählte neulich in der Sat-1-Sendung Weck Up, dass er auch jetzt noch auf der Schreibmaschine tippt, die er 1974 im Rahmen der WM erstand. Die Einladung von Weck Up ließ er sich per Fax schicken – einen eMail-Anschluss, ja selbst einen Computer an sich, hätte er nicht. Es gibt also auch 2009 noch lobenswerte Online-Verweigerer.

2009, das bedeutet das „www“ wird 20 Jahre alt. 1989 erfand ein Engländer (nicht David Beckham!) in der Schweiz die Verbindung von Computer-Netzwerken untereinander. Doch die Geschehnisse um die Web-Witzbold-Wirkungen bei Schalke und Wikipedia verdirbt einem das „Happy Birthday“.

Was folgt daraus für den Rest unseres Online-Lebens? Erstens: Aus dem Kreis der Verdächtigen kann Schalke 04 den Namen Kürten streichen. Zweitens: Bei Neuverpflichtungen sollte Heidel die Recherche in Wikipedia-Artikel doppel-checken. Man kann ja gerne David Beckham verpflichten – aber nicht mit falschem Vornamen!

 

DER ORT DES GESCHEHENS

Große Ereignisse sind mit großen Orten verbunden und werden für immer miteinander verknüpft sein. So hat Moses das Rote Meer geteilt und nicht irgendeinen ägyptischen Fischteich und selbstverständlich hätte sich Barak Obama im vergangenen Jahr für seine große Deutschlandrede das Brandenburger Tor als Ort des Geschehens gewünscht und nicht die Mehrzweckhalle Moabit. Im Fußballsport ist das genauso: Das größte Champions-League-Desaster des FC Bayern München wird für alle Fußball-Zeiten mit dem Wort „Barcelona“ verbunden bleiben und beim „Wembley-Tor“ sind Ereignis und Ort sogar schon wörtlich miteinander verklebt. Bedeutendes Ereignis, herausragender Ort.

Ob die jetzt folgende Ereignis-Ort-Konstellation die Ausnahme von der Regel darstellt, bleibt Ihnen, lieber Leser, selbst überlassen: Jedenfalls wird der Tag, an dem Bayern-Manager Uli Hoeneß sein Klischee als „arroganter Arsch“ ablegte auf ewig mit einer kleinen Würstchenbude im Mainzer Bruchweg-Stadion verbunden sein. Hier soll – die Spannung wächst - zunächst die Herkunft von „arroganter Arsch“ geklärt werden. Uli Hoeneß im Gespräch mit dem Kölner EXPRESS: „Wer mit mir einen Abend verbringt und danach sagt: Das ist ein arroganter Arsch – dann akzeptiere ich das. Aber die Leute, die mich kennen, sagen das nicht“. Zitat Ende. Aber Hoeneß war noch nicht am Ende beim Thema  „Klischee von eingebildeten Bayern“ und legte folgendes Ereignis am Rande des Freundschaftsspiels im Januar nach: „Vor unserem Spiel in Mainz hatte ich Hunger. Da stand ein Bratwurststand. Dann bin ich da hingegangen und habe eine Bratwurst gegessen und ein kleines Bier getrunken. Da kamen immer mehr Leute hin, ich stand über eine halbe Stunde da und habe mit den Leuten geplaudert. Dann haben die alle gesagt: Das gibt’s doch gar nicht. Wir hatten ein ganz anderes Bild von Ihnen.“

Aus dieser netten Episode des Managers, der den Jahresumsatz der Bayern in seiner Ägide von anfangs zwölf Millionen Mark auf jetzt 287 Millionen Euro hievte, folgt zweierlei.

Erstens gehört Hoeneß nicht zu denen, die beim kleinsten Anflug von Hunger mit ihrem VIP-Bändchen bewaffnet an die Trüffel-Tröge stürzen und zweites muss es eine ganz hervorragende Stadionwurst in Mainz sein, die den passionierten Wurstfabrikanten Hoeneß eine halbe Stunde in einer Wolke aus brutzelndem Fett hält.

Auch ohne dass sich Zeugen des Vorfalls melden und die Geschichte bestätigen gilt die Unschuldsvermutung. Wer noch keinen Abend mit Uli Hoeneß verbracht hat, der soll von jetzt an wenigstens an die Mainzer Würstchenbude denken und wissen, dass selbst schon eine halbe Stunde reichen kann, bis das knorrige Klischee kurzum der wohligen Wirklichkeit weicht.

Nur um ganz sicher zu gehen würde ich aber durchaus einen Abend mit Ihnen verbringen, Herr Hoeneß. Ich bringe ein paar Würstchen aus Mainz und wir unterhalten uns über Fußball. Dabei verspreche ich auch eine Ereignis-Ort-Konstellation nicht anzusprechen: „Elfmeter“ und „Belgrad“.

 

 

ENTSCHULDIGEN SIE: LESEN SIE DAS!

Wenn Sie wissen wollen, was Diego Maradona, eine durchs Weltall fliegende Werkzeugtasche und John Lennon miteinander zu tun haben, dann sollten Sie jetzt weiter lesen. Falls Sie nicht weiter lesen würde ich Ihnen dass aber verzeihen. Und damit sind wir schon bei John Lennon. Dem Liedermacher aus Liverpool wurde jetzt mit 42-jähriger Verzögerung verziehen. Damals hatte er sich mit der Bemerkung, dass die Beatles berühmter seien als Jesus Christus, die offensichtlich langanhaltende Verärgerung des Vatikans zugezogen  Über das Amtsblatt des Papstes ist also nun völlige Vergebung veröffentlicht, was den Schluss nahe legt, dass sich entweder Lennon 28 Jahre nach seinem Tod endlich beim Chef vom Papst in aller Form persönlich entschuldigt hat, oder dass Benedetto es leid war seine Beatles Platten unbemerkt in Mozart LP-Hüllen in dunkler Nacht durch Rom zu schmuggeln.

In jener dunklen Nacht könnte er übrigens eine weitere bemerkenswerte Erscheinung der Nachrichtenwelt am Himmel beobachten: Dort kreist (noch zu Redaktionsschluss) eine Werkzeugtasche als Heimwerkertrabant um den Globus, die von Astronautin Heidemarie Piper bei einem Außeneinsatz völlig losgelöst wurde. Damit hat sie zwar sämtliche handwerklich-maskuline Klischees bedient aber wenigstens eines bekommen: Die gnädige Verzeihung der NASA. Sie darf aus ihrem Stubenarrest auf der ISS zur Erde zurückkehren, obwohl die Tasche 100.000 Dollar gekostet haben soll, was preislich höchstens für SEX AND THE CITY Fans als normal erscheinen dürfte.

Gänzlich unverzeihlich und ohne Werkzeugtasche, dafür mit einer Machete als Werkzeug stürmte ein Brite in die Schlagzeilen und zuvor auf Diego Maradona los. Der verwirrte 43-Jährige könnte viel vom Vatikan und der NASA lernen. Denn der Grund für seinen Angriff war: Er konnte nicht verzeihen! Zu seiner Verteidigung muss erwähnt sein, dass erst 22 Jahre seit dem Vergehen von Diego Maradona vergangen waren (eine Zeitspanne in der man im Vatiklan noch mit der geballten Faust in der Hose an John Lennon dachte). Das Vergehen, das keine Verzeihung erlangt ist das Handspiel von Maradona im WM-Endspiel 1986 gegen England. Der Macheten-Mann hatte damals 500 Pfund bei seiner England-Sieg-Wette verloren, worauf sowohl sein Kredithai als auch seine Ehefrau unversöhnlich reagierten.

Das kopflose Vorhaben dem eh schon klein geratenen Diego seines Hauptes zu entledigen soll als schlechtes, die langgereifte Verzeihung des Vatikan als gutes Beispiel dienen: Leute, verzeiht Euch!

Löw verzeiht Ballack, Ballack verzeiht Bierhoff, Bierhoff verzeiht Hoeness, Hoeness verzeiht Daum, Daum verzeiht Rangnick, Rangnick verzeiht Slomka usw., etc., pp...

Bis sich der gesamte Profifußball in den Armen liegt und zu John Lennons „Imagine“ versonnen in den Sternenhimmel schaut wo eine Werkzeugtasche romantisch verglüht.

 

BUNDESLIGA FARBENSPIEL

 

Rot! Im Fußball ein untrügliches Zeichen dafür, dass da etwas ganz emotionales passiert. Rot hat so etwas aufputschendes. Nicht ohne Grund führte Klinsmann bei der Nationalmannschaft das rote Ausweichtrikot ein. Damit ist auch die Frage beantwortet, weshalb unlängst seine roten Klinsmänner gegen Schalke trotz 18:1 Ecken und 47:7 Flanken für „blau“ dennoch 2:1 gewonnen haben.

Rot! Wer denkt da nicht auch an den Stierkampf, wo der Torero keck das rote Tuch wedelt und den Bullen reizt, bis der dann wutschnaubend mit tierischem Blick auf den Menschen zu rennt. Aber vorsichtig! Der Irrglaube an die Wirkung der Farbe rot sollte nicht den klaren Blick verstellen: Dem Stier ist es gänzlich egal – oder um in der Rindersprache zu bleiben – wurstegal, ob der da vorne mit einem roten oder lilageblümten Tuch wedelt. Wenn nur gewedelt wird. Er kann die Farbe rot nämlich gar nicht erkennen. Ursprünglich war das Tuch („Muleta“) sogar ganz weiß. Da es das Blut des Stieres aber ohnehin rot verfärbte, entschied man sich irgendwann es von Grund auf roten Stoff zur Verfügung zu stellen.

Ob die Wirkung von rot gegen Emotionen also überschätzt ist muss also ganz emotionslos gefragt werden, wenn man den Vorschlag von Co-Moderator, Werbefigur, Kolumnist, Ex-Weltmeister und Vereinspräsident Franz Beckenbauer analysieren möchte. „Wenn ich Schiedsrichter wäre und so angemacht würde – der Betreffende würde sofort vom Platz fliegen. Wir müssen den Beteiligten mehr Respekt beibringen. Mit Roten Karten!“, lässt er in der BILD verlauten.

Muss das Wedeln mit „rot“ eine gute Kinderstube ersetzen?

Darf ein Fußballer seine Emotionen äußern?

Und: Wie erleichtert sind wir darüber, dass Franz Beckenbauer nicht auch noch Schiedsrichter ist?

Die Antwort ist einfach: Was Du nicht willst, dass man Dir tu, das füg auch keinem anderen zu! So lange Fußballer es nicht dufte finden, dass sich Schiedsrichter das Stadionmikro schnappen und verlauten lassen welch einen oberpeinlichen Fehlpass der Spieler sich da eben geleistet hat, so lange sollten sich die Fußballer moderater äußern. Oder, Moment! Warum sollte nicht jedes Schiedsrichter-Team nach dem Bundesligaspiel eine eigene Pressekonferenz halten, in der ausgiebig dargelegt wird wer die irrwitzigste Chance versiebt, den gefährlichsten Rückpass gespielt, oder auf dümmste Art und Weise einen Eckball verschuldet hat. Nein, jetzt mal im Ernst: Emotionen gehören zum Fußball und sollen auch so weit wie möglich ausgelebt werden. Aber nicht so weit wie der Spieler will, sondern so weit wie der Schiedsrichter es will. Gerade weil der Profifußball unter den Augen der Jugend ausgeübt wird. Schreien, Meckern, wüten – ja, aber wenn der Schiedsrichter ermahnt, dann Klappe halten, `rum drehen und weiter spielen. Nach dem Abpfiff empfehle ich die Einrichtung eines „Emotionsraumes“ in jedem Stadion, wo sich dann Streithähne ohne Rote Karte und ohne jugendliche Augenzeugen anschreien können. Die Tapeten: Lilageblümt.

 

VON RASENSCHACH ZU FUSSBALLSCHACH

„Herrliches Rasenschach!“. So frohlockt der Fußball-Fan, wenn es seiner Mannschaft gelingt, das Spielgerät scheinbar tänzelnd an den gegnerischen Reihen vorbei nach vorne zu befördern.

Als neudeutsch „One-Touch-Football“ hat diese Kunstform des Spiels Einzug gehalten in die Fachgazetten: Mit wenigen, eleganten, ballsicheren Berührungen passiert das Leder die umwirbel-staunenden Widersacher und findet schließlich Ruhe in der Geborgenheit des Netzes.

Wahrlich weniger wirbelnd geht es bei der Reinform des Schachs zu. Hierbei stehen, besser sitzen sich noch bis Anfang November der Russe Wladimir Kramnik und der Inder Viswanathan Anand in Deutschland zur Weltmeisterschaft gegenüber. Dabei zeichnen sich beide Denksportler auch hier durch „One-Touch-Schach“ aus, was allerdings schon länger bekannt ist als: „berührt geführt!“.

Im Umfeld der Begriffe „Fußball“ und „Schach“ fällt in diesen Tagen ein besonders raffinierter Schachzug eines Fußballers auf. Als Kevin Kuranyi während des Spiels seiner rasen-schachenden Kollegen heimlich in heimische Gefilde aufbrach, hatte das eine Reihe positiver Folgen: Er hatte keinen Stau beim Abreiseverkehr aus dem Signal Iduna Park, Jogi Löw hat keine Ausrede mehr nötig in nicht zu nominieren und die Presse hat keine Probleme ausgiebig Ihre Medien zu füllen. Dass er sich – was die Nationalmannschaft betrifft –

selber matt setzte sein am Spielfeldrand erwähnt.

Die perfekte Symbiose mit Schach ging übrigens bereits vor Jahren das Boxen ein. „Schachboxen“ wird tatsächlich vom Berliner Schachbox-Verein – als erstem weltweit – betrieben und sieht in den Regeln folgendes vor: Elf Runden, bestehend aus sechs Runden Blitzschach und fünf Runden Boxen.

Es sollte nur noch eine Frage der Zeit sein, bis sich auch der erste Fußball-Schach-Verein gründet. Zu erkennen ist ein Fußball-Schach-Spieler dann zum Beispiel daran, dass Wladimir Kramnik nach einer Niederlage meint, dass es keinen Sinn hat den „Sand in der Kopf zu stecken“ und er „zuerst kein Glück hatte und dann auch noch Pech hinzu kam“. Marcel Reif währenddessen wird bei der ersten TV-Übertragung jubelnd ins Mikrophon schreien wie brillant defensiv der FC Rochade München mit der „Abtauschvariante der slawischen Verteidigung“ als erstem Zug beginnt.

Das Ganze führt unweigerlich zu folgendem Fazit: Wann Kevin Kuranyi und Wladimir Kramnik zum ersten Mal in einer gemeinsamen Sportart gegeneinander antreten ist noch nicht klar, auch nicht ob in Madrid oder Mailand – Hauptsache in Spanien.

 

COMEBACK.. wenn Träume wahr werden

Das beeindruckendste Comeback gelang sicherlich Jesus. Mit der Auferstehung vor den Toten konnte er sich nachhaltigere Verehrung erarbeiten als beispielsweise Björn Borg, der etwas hölzern versuchte mit ebensolchem Schläger an alte Erfolge anzuknüpfen. Und auch ein Schläger vom Schlage eines Axel Schulz passte bei seinem Comeback nur suboptimal in die Fußstapfen des Erlösers.

Comebacks im Sport sind nur selten von Erfolg gekrönt. Und sind sie mal so erfolgreich wie bei Martina Hingis passiert auch was dummes. Sie kam 2006 drei Jahre nach Karriereende tatsächlich in die Weltspitze zurück. Dann hatte aber nicht das Publikum, sondern Frau Hingis die Nase voll: Ein Kokainskandal sorgte für einen unrühmlichen Abschluss.

Jetzt also Lance Armstrong! Eine Comebackankündigung wie Donnerhall: Tour de France!

Der gefühlt hundertfache Tourgewinner will nicht umsatteln sondern darauf zurück. Ist der 36jährige süchtig nach Titeln? Was treibt ihn an? Kann er es wieder schaffen? Und die noch entscheidendere Frage: Überträgt die ARD oder Sat.1?

Im Fußball sind spektakuläre Comebacks eher selten. Schade eigentlich. Sensationelle Comeback- oder zumindest Rückkehr-Momente wie die von Pele (Brasilien-New York) oder Beckenbauer (New York-Deutschland) sind heute schwer vorstellbar.

Ist die Entwicklung im Fußball so rasant, dass der Weg zurück zu risikoreich ist?

Lassen Sie uns kurz innehalten in der wohligen Vorstellung zweier Comebacks.

Jürgen Klopp als erfahrener Libero hinter der Viererkette!

Jörn Andersen als ausgebufftes Strafraummonster vor den Stürmern!

Könnten die umtriebigen Regel-Regler der FIFA nicht mal diese Neuerung anstreben: Jeder Mannschaft besteht als elf Profis und zwei Comebackern. Wir tauschen gerne Blatters angedachte 6+5 gegen die 11+2-Regel.

Ach wie schön wäre das: Hoeneß netzt gegen den verdutzten Jungspund Westermann eine Flanke ein und gleicht so den Führungstreffer von Kuranyi aus, der leider nicht mal mit „an-der-Hose-halten“ von Katsche Schwarzenbeck gehalten werden konnte.

Vorerst müssen wir uns aber erst mit dem Comeback von Lance Armstrong zufrieden geben.

Ob der dann oder jemals gedopt ist oder war soll jetzt nicht Thema sein. Schließlich hat auch Super-Combacker Jesus seit etwa 2000 Jahren alle Dopingkontrollen der WADA verpasst.

 

TRIKOT-TRAUM

Es könnte so passiert sein: FIFA-Boss Josef Blatter wacht schweißgebadet auf. Er hat einen schlimmen, fast schon ins albtraumhafte tendierenden Traum gehabt. Er blickt unsicher umher. Dann knipst er das Licht an. Nach einigen Sekunden ist er wieder voll bei Sinnen und weiß: „Es muss etwas getan werden!“.

Er könnte in seinem Traum etwa das geträumt haben: Der moderne Fußball ist zu modern geworden. So hat sich zum Beispiel die 6+5+1+2+9+3+4+1+8-Regel (mindestens 6 inländische und maximal 5 ausländische Profis, mindestens ein Trainer mit mindestens Abi-Note 2 im maximal 9-köpfigem Trainerteam usw.) als zu streng erwiesen. Es gibt in diesem Traum in keiner europäischen Liga mehr als 7 Teams. Und in den restlichen Teams haben die Fußballer sich irgendwelche Sitznamen mit irgendwelchen Tricks a la „Zecke“ aufs Trikot gedruckt und sich Rückennummern bis zu 130580 ausgesucht - wegen Geburtstagen oder ähnlichem.

Blatter greift sofort zu seinem Handy und unterrichtet die entsprechenden Stellen – immer noch außer Atem wegen dieses brutalen Albtraums: „Schluss mit dem Spielernamen-auf-dem-Trikot-und-zu-hohe-Rückennummern-Wahnsinn.“

Ja, so könnte es passiert sein. Es gibt nur noch Startnummern von eins bis elf und beim Erkennen der Spieler ist jetzt auch für Dieter Poschmann ein Spicken auf dem Trikot unmöglich. Nun ist zumindest auf Nationalmannschaftsebene ein Hauch Fünfzigerjahre-Feeling wiederbelebt. Wenn man noch die Farbe aus dem Fernseher rausgedreht hatte, dürften die WM-Quali-Spiele Deutschlands gegen Liechtenstein und Finnland kaum vom WM-Endspiel 1954 zu unterscheiden gewesen sein.

Die Rückbeorderung textiler Modernität in ein fast vergessenes Fußball-Zeitalter ist aber vor allem ein ökonomischer Faktor. So reagiert DFB-Sportmanager Oliver Bierhoff gegenüber BILD: „Das hat für das Marketing große Auswirkungen, denn Adidas verkauft acht von zehn Trikots mit Namen und Rückennummer.“

Was uns als Fußball-Fans jetzt natürlich brennend interessiert: Was sind das für Typen die zwei von zehn Adidas Trikots ohne Nummern und Namen kaufen? Sind die wahnsinnig? Ham’ die sie noch alle? Wissen die nicht die Segnungen des modernen Fußball-Merchandising zu schätzen?

Vielleicht ist das alles aber auch nur ein Albtraum aus dem Oliver Bierhoff kurz vor dem BILD-Interview aufgewacht ist.

 

REGELUNGSWUT?

Es müsste noch mehr, noch genauer geregelt werden.

Immer noch gibt es zu viele Situationen in denen uns unsicher umherblickend Unruhe umströmt. Einiges ist aber schon geschafft, auch im Fußballsport. Man denke zum Beispiel an die „Coaching Box“, die dem Trainer das geographische Denken abnimmt. Kaum zu glauben, dass es fußballerische Zeiten gab, in denen die Trainer nicht genau wussten wie weit sie sich von der Trainerbank entfernen durften. Indes, die Phase der desorientiert umherirrenden Übungsleiter ist vorbei. Vorbei ist dank Übungsleiter Jürgen Klinsmann auch die bittere Phase von Pressekonferenzen des FC Bayern, bei denen jahrzehntelang Fotografen nicht wussten wann sie mit dem Fotografieren aufhören sollten. Endlich ist es geregelt: Nach drei Minuten, mit bitte geräuschgedämpften Auslösern, ist Feierabend.

Doch es ist noch ein langer Weg zu gehen bis alles so vorbildlich genau geregelt ist. Und wie sehr fehlende Anweisungen zu Problemen führen, hat die Fußballwelt erst in diesen Tagen schmerzlich erfahren. Welcher Fußballer muss wann von wem zu Olympischen Spielen abgestellt werden? In dieser Frage waren sich IOC, FIFA, Vereine, Verbände, Spieler und der internationale Sportgerichtshof (CAS) – sagen wir mal – suboptimal einig. Verwirrung pur. Das darf nicht sein.

Es sei deshalb angeregt sich genaue Gedanken zu machen, wie baldmöglichst derzeit frei gehandhabte Vorgänge detaillierten Vorgangs- und Handhabungs-Regeln unterworfen werden können.

Da wäre, als ein Beispiel, der Ablauf der Seitenwahl. Noch völlig beliebig werden da je nach Schiedsrichter mal Münzen, mal rot-schwarze Plättchen, mal in die Luft, auf den Boden oder in die Hand fallen gelassen. Es ist nur eine Frage der Zeit wann der erste Mannschaftskapitän (die Regelung zu Aussehen und Größe der Kapitänsbinde bitte selbständig bei der DFL erfragen) Protest beim CAS einlegt.

Mit gutem Beispiel in Regelungsfragen geht aktuell die Stadt Novara (Italien) voran. In deren Parks ist es verboten worden mit mehr als drei Personen nachts stehen zu bleiben. Alleine: Ok. Zwei Personen: Dürfen auch stehen bleiben. Aber ab einer Gruppe von drei Personen lauert bei Stillstand ein Bußgeld bis zu 500 Euro. In der BILD wird Bürgermeister Massimo Giordano wie folgt zitiert: „So will die Stadt den Niedergang der Parks der Stadt, in denen nachts Gruppen wüten, verhindern.“

Was uns diese vernünftige Regelung für nachts im Park sagt, ist bei Lichte betrachtet eindeutig: Sollten Sie mit Ihrer Mannschaft in einem Park von Novara Fußball spielen wollen, bitte nie mehr als zwei Leute in die Freistoßmauer stellen. Fotografieren ist aber die ganze Zeit erlaubt.

 

DER TRIKOT-TRAUM

Es könnte so passiert sein: FIFA-Boss Josef Blatter wacht schweißgebadet auf. Er hat einen schlimmen, fast schon ins albtraumhafte tendierenden Traum gehabt. Er blickt unsicher umher. Dann knipst er das Licht an. Nach einigen Sekunden ist er wieder voll bei Sinnen und weiß: „Es muss etwas getan werden!“.

Er könnte in seinem Traum etwa das geträumt haben: Der moderne Fußball ist zu modern geworden. So hat sich zum Beispiel die 6+5+1+2+9+3+4+1+8-Regel (mindestens 6 inländische und maximal 5 ausländische Profis, mindestens ein Trainer mit mindestens Abi-Note 2 im maximal 9-köpfigem Trainerteam usw.) als zu streng erwiesen. Es gibt in diesem Traum in keiner europäischen Liga mehr als 7 Teams. Und in den restlichen Teams haben die Fußballer sich irgendwelche Sitznamen mit irgendwelchen Tricks a la „Zecke“ aufs Trikot gedruckt und sich Rückennummern bis zu 130580 ausgesucht - wegen Geburtstagen oder ähnlichem.

Blatter greift sofort zu seinem Handy und unterrichtet die entsprechenden Stellen – immer noch außer Atem wegen dieses brutalen Albtraums: „Schluss mit dem Spielernamen-auf-dem-Trikot-und-zu-hohe-Rückennummern-Wahnsinn.“

Ja, so könnte es passiert sein. Es gibt nur noch Startnummern von eins bis elf und beim Erkennen der Spieler ist jetzt auch für Dieter Poschmann ein Spicken auf dem Trikot unmöglich. Nun ist zumindest auf Nationalmannschaftsebene ein Hauch Fünfzigerjahre-Feeling wiederbelebt. Wenn man noch die Farbe aus dem Fernseher rausgedreht hatte, dürften die WM-Quali-Spiele Deutschlands gegen Liechtenstein und Finnland kaum vom WM-Endspiel 1954 zu unterscheiden gewesen sein.

Die Rückbeorderung textiler Modernität in ein fast vergessenes Fußball-Zeitalter ist aber vor allem ein ökonomischer Faktor. So reagiert DFB-Sportmanager Oliver Bierhoff gegenüber BILD: „Das hat für das Marketing große Auswirkungen, denn Adidas verkauft acht von zehn Trikots mit Namen und Rückennummer.“

Was uns als Fußball-Fans jetzt natürlich brennend interessiert: Was sind das für Typen die zwei von zehn Adidas Trikots ohne Nummern und Namen kaufen? Sind die wahnsinnig? Ham’ die sie noch alle? Wissen die nicht die Segnungen des modernen Fußball-Merchandising zu schätzen?

Vielleicht ist das alles aber auch nur ein Albtraum aus dem Oliver Bierhoff kurz vor dem BILD-Interview aufgewacht ist.

 

EINZIGARTIGE FUSBALLER

War das nicht ein Genuss, wie Franz Beckenbauer lässig die gegnerischen Spieler mit drei Körpertäuschungen in einer Bewegung ins Leere laufen ließ und dann den Ball gefühlvoll nach vorne geaussenrisst hat? Und Günther Netzer! Mit wehendem Haar und geparktem Ferrari wird das Leder auf ästhetischste Weise in die Maschen gehämmert. Oder George Best. Der Nordire mit bodenständigem Lebenswandel war als Flügelstürmer mit den Beinen genauso schnell wie mit seinen Gedanken und hätte es heutzutage sicherlich auch bis ins „Philosophsche Quartett“ des ZDF geschafft mit Überlegungen wie „die Hälfte des Geldes, das ich verdient habe, ist für Alkohol, Frauen und Autos draufgegangen - den Rest habe ich einfach verprasst.

Einzigartig diese Charakterköpfe des europäischen Fußballs! Solche profilreichen Profis sind aussterbende Arten. In der Gegenwart üben viele Verteidiger an der ersten Körpertäuschung überhaupt, den Ferrari gibt’s auch schon ohne tolle Tore und selbst die Interviews sind nicht mehr das was sie mal waren. Nein, das waren einigartige Akteure.

Moment! Einzigartig? Es ist Rettung in Sicht. Oder – wie man in diesem Fall sagen müsste – es ist Rettung in Geruchweite. Aus Südkorea erreicht uns die Meldung, dass der dortige Super-Drogen-Spürhund „Chase“ siebenfach geklont wurde. Den besten der besten Schnüffler hatte man auserkoren, um seine vortreffliche Nase – samt dranhängendem Hund – siebenfach von insgesamt drei Leihmüttern austragen zu lassen. Die sieben mittlerweile zu Welpen gewachsenen Hunde sind so gleich, dass die südkoreanischen Forscher das dokumentiert haben, in dem jeder den gleichen Namen trägt: „Toppy“ (Abkürzung für „tomorrow’s puppies“ = Welpen von morgen).

Auf den Fußball übertragen kann das nur eines bedeuten: Du, lieber Fußball-Gott, hast bezüglich einzigartiger Fußballer ausgedient. Die Entwicklung geeigneter Balltreter übergeben wir jetzt Südkoreanischen Forschern, die dann die europäische Fußball-Elite genetisch einwandfrei und ohne lästige Begleiterscheinungen nachzüchten: Also sieben Riberys ohne Narbe, acht Breitners ohne Perücke und neun Schusters ohne Ehefrau und Managerin Gaby. Schwieriger wird’s für die Schiedsrichter. Welcher der zehn van Bommels hat das Foul jetzt begangen? Im Juni – während in unseren Breiten um den EM-Titel gestritten wird – sollen die Toppys ihren Dienst als Drogen-Spürhunde bei der Zollbehörde aufnehmen. Es sind übrigens Labrador-Retriever. Vom Klonen eines Terriers hatte man abgesehen. Somit bleibt Berti Vogts einzigartig.

 

DENK ICH AN DEN DEUTSCHEN FUSSBALL IN DER NACHT...

Mmhhh, lecker. Keine Nation versteht sich so gut auf die Zubereitung eines frisch-duftenden Baguette wie die Franzosen. Von den Italienern darf man getrost behaupten, dass sie sich vortrefflich auf das Flirten verstehen, den Spanier macht so leicht keiner was vor beim Mittags nichts machen außer Siesta halten und bei den Schweden verbeugen wir uns in Ehrfurcht vor der Kunst der Vermöbelung des Planeten. Und was ist mit uns Deutschen? Bevor Sie jetzt Zeit verschwenden nachzudenken, was das „Beste aus deutschen Landen“ sei, lassen Sie uns doch eine aktuelle Forsa-Umfrage des TV-Senders Premiere zu diesem Thema studieren: Da belegen die Kuckucksuhr (5% Nennungen) und der Gartenzwerg (7%) – glücklicherweise – hintere Plätze, während sich die „Deutsche Dichtkunst“ und die „Wurst“ (26%) ranggleich Mittelfeldränge errangen. Zum „Besten aus deutschen Landen“ wurde das „einheimische Auto“ (62%), das damit das „Bier“ (53%) überholte, gewählt. Und auf Platz drei? Die Autobahn? Thomas Gottschalk? Das deutsche Steuerrecht? Nein! Bereits auf Platz drei findet sich der „deutsche Fußball“ (43%).

Was dazu wohl die Engländer sagen? Die nötigten mir in meiner spontanen Umfrage „das beste aus englischen Landen“ (mit mir als einzigem Umfrageteilnehmer) folgendes Ergebnis ab: Fish & Chips (0%), Wetter (0%), Hüte der Königin (0%), Linksverkehr (0%), Fußball (100%). Wow, was ist das eine great performance, indeed! Drei Vereine unter den vier Halbfinalisten der Champions League. Well done! Angesichts von null Halbfinalteilnehmern aus Deutschland kann man da nur neidvoll hoffen, dass die Engländer wenigstens in deutschen Autos zu den Spielen fahren und die Siege mit deutschem Bier feiern.

Doch nun zur Ursachenforschung: BILD-Sport-Chef Draxler vermutet in seinem Kommentar Anfang April: „Deutschland hat ein Trainerproblem. (...) Wer etwas genauer hinschaut, stellt fest, dass die Defizite des deutschen Vereinsfußballs vor allem im taktischen und spielerischen Bereich zu finden sind.“. Der deutsche Fußball, der so glorreich die Dichtkunst samt der Wurst in der erwähnten Umfrage hinter sich ließ, hat ein Trainerproblem? Die Meinung ist mir wurst, der ist doch nicht ganz dicht!

Wer schaffte es denn ins Guinness Buch der Weltrekorde mit über 50 Trainerstationen? Ein Deutscher! Rudi Gutendorf!

Mit dem wäre Schalke niemals gegen Barcelona ausgeschieden. Und jetzt soll mir der Draxler mal das Gegenteil beweisen.

 

JEDER SPORT IST HART... RELATIV

Das bis in die letzte Muskelzelle gespannte Bein des Verteidigers hat den Fußball verfehlt. Der vorderste seiner wie als Mini-Armee stramm stehenden Schuhstollen durchbeißt die Wade des Stürmers. Der Stürmer wirbelt durch die Luft wie eine Lottokugel bei der Ziehung. Und genauso zufällig landet er – keine Zeit mehr habend die Körperhaltung einer Grundordnung zurückzuführen – auf dem Hinterkopf. Aua!

Der Fußballsport ist ein harter Sport. Relativ hart. So pünktlich und regelmäßig wie Benzinpreiserhöhungen vor dem Ferienbeginn kommen Diskussionen wie hart genau das Fußballspielen in Relation zu anderen Sportarten ist. In dieser Spielzeit besonders angefacht durch UEFA-Cup Spielpläne, Sonntagsspiel-Ansetzungen und Hitzfeld’scher Rotationserholungstaktik. Es kochen die Emotionen wenn die Fußballer hecheln: Zwei Spiele innerhalb 48 Stunden, oder drei Spiele innerhalb fünf Tagen, oder ähnliche Tragödien beklagen die Hauptdarsteller auf der Bundesliga-Bühne. Zur gleichen Zeit zucken dann die Protagonisten von Handball (spielen eine EM während der Saison) oder Basketball (spielen nach der normalen Saison gleich die Play-offs) oder Eishockey (alle drei Tage ein Spiel) mit den Achseln und lassen verlauten: Die sollen sich nicht so anstellen, die Fußballer.

Und auch Medien haben dann immer etwas beizusteuern. Was solle der Bauarbeiter sagen, der von morgens bis abends Steine schleppt oder sich grabend den Buckel krumm malocht? Oder ähnliche Vergleiche.

Davon abgesehen, dass noch recht wenige Berichte überliefert sind in denen ein Bauarbeiter dem anderen bei einem Laufduell um die beste Schubkarre die Wasserwaage in die Wade rammt oder ein Fußballer den Trainer durch das Ausheben eines ganz besonders schönen Grabens imponieren will: Alles bleibt relativ und relativ unvergleichbar.

Das wurde erst dieser Tage wieder deutlich als von einer 65jährigen Dame aus dem Himalaya-Staat Buthan zu lesen war. Die gewisse Tshewang Dema lief rund 600 Kilometer zu Fuß (!), um bei der ersten Wahl des Landes ihre Stimme im für sie vorgesehenen Wahllokal abzugeben. Weil sie das Autofahren nicht verträgt, wanderte sie mit ihrem Enkel der demokratischen Verantwortung entgegen.

Jetzt können sowohl die bemüht ballspielenden Ballkünstler als auch wir wählenden Wahlberechtigte die jeweiligen Lauf- und Stimmabgabeleistungen in Relation zu Frau Tshewang Dema bringen. Es ist eben alles relativ: Ein Haar in der Suppe ist relativ viel – ein Haar auf dem Kopf ist relativ wenig. Und wenn sich gut gepflegte Fußballer über zu viel Fußball aufregen, ist das manchem Betrachter relativ egal. Das ist besonders hart. Aua.

 

UNVERGLEICHLICHER FUSSBALL

Das bis in die letzte Muskelzelle gespannte Bein des Verteidigers hat den Fußball verfehlt. Der vorderste seiner wie als Mini-Armee stramm stehenden Schuhstollen durchbeißt die Wade des Stürmers. Der Stürmer wirbelt durch die Luft wie eine Lottogugel bei der Ziehung. Und genauso zufällig landet er – keine Zeit mehr habend die Körperhaltung einer Grundordnung zurückzuführen – auf dem Hinterkopf. Aua!

Der Fußballsport ist ein harter Sport. Relativ hart. So pünktlich und regelmäßig wie Benzinpreiserhöhungen vor dem Ferienbeginn kommen Diskussionen wie hart genau das Fußballspielen in Relation zu anderen Sportarten ist. In dieser Spielzeit besonders angefacht durch UEFA-Cup Spielpläne, Sonntagsspiel-Ansetzungen und Hitzfeld’scher Rotationserholungstaktik. Es kochen die Emotionen wenn die Fußballer hecheln: Zwei Spiele innerhalb 48 Stunden, oder drei Spiele innerhalb fünf Tagen, oder ähnliche Tragödien beklagen die Hauptdarsteller auf der Bundesliga-Bühne. Zur gleichen Zeit zucken dann die Protagonisten von Handball (spielen eine EM während der Saison) oder Basketball (spielen nach der normalen Saison gleich die Play-offs) oder Eishockey (alle drei Tage ein Spiel) mit den Achseln und lassen verlauten: Die sollen sich nicht so anstellen, die Fußballer.

Und auch Medien haben dann immer etwas beizusteuern. Was solle der Bauarbeiter sagen, der von morgens bis abends Steine schleppt oder sich grabend den Buckel krumm malocht? Oder ähnliche Vergleiche.

Davon abgesehen, dass noch recht wenige Berichte überliefert sind in denen ein Bauarbeiter dem anderen bei einem Laufduell um die beste Schubkarre die Wasserwaage in die Wade rammt oder ein Fußballer den Trainer durch das Ausheben eines ganz besonders schönen Grabens imponieren will: Alles bleibt relativ und relativ unvergleichbar.

Das wurde erst dieser Tage wieder deutlich als von einer 65jährigen Dame aus dem Himalaya-Staat Buthan zu lesen war. Die gewisse Tshewang Dema lief rund 600 Kilometer zu Fuß (!), um bei der ersten Wahl des Landes ihre Stimme im für sie vorgesehenen Wahllokal abzugeben. Weil sie das Autofahren nicht verträgt, wanderte sie mit ihrem Enkel der demokratischen Verantwortung entgegen.

Jetzt können sowohl die bemüht ballspielenden Ballkünstler als auch wir wählenden Wahlberechtigte die jeweiligen Lauf- und Stimmabgabeleistungen in Relation zu Frau Tshewang Dema bringen. Es ist eben alles relativ: Ein Haar in der Suppe ist relativ viel – ein Haar auf dem Kopf ist relativ wenig. Und wenn sich gut gepflegte Fußballer über zu viel Fußball aufregen, ist das manchem Betrachter relativ egal. Das ist besonders hart. Aua.

 

DER MODERNE FUSSBALL

Früher war alles einfacher, überschaubarer, langfristiger. Kohl war Kanzler, Samaranch war Olympia-Chef und Johannes Paul II. war Papst. Früher haben alle zusammen „Einer Wird Gewinnen“ geschaut, heute versuchen (alle zusammen) 700 TV-Kanäle die Zuschauergunst zu gewinnen.

Wenigstens aus fußballerischer Sicht hat der März 2008 mit dem März 1908 und allen anderen ehemaligen Märzen und mindestens noch ein paar kommenden Märzen etwas gemeinsam: Ob der Ball im Tor ist, entscheidet nicht die Technik, sondern das menschlichen Auge.

Jetzt hat nämlich das International Football Association Board (IFAB) entschieden, dass weder ein Chip im Ball noch sonstige Torlinien-Elektronik eingeführt werden. Als Alternativen sollen jetzt zwei zusätzliche (menschliche) Torrichter getestet werden, damit noch mehr Unparteiische sich irren.., äh... zur Entscheidungsfindung beitragen können.

Der Chip bleibt also im Fußball dort wo er hingehört: In der Chipstüte neben der Bierflasche.

Gut so. Nicht auszudenken wenn technische Erleichterungen Einzug halten würden in die menschlichste aller Sportarten. Man stelle sich vor dass plötzlich Schiedsrichterassistenten Fahnen mit Signalknöpfen hätten, oder wir Schiedsrichter mit vibrierenden Signalarmbändern versehen samt Kommunikationsmikrophon verkabelt über den Platz laufen. Oder, dass – Fußballgott bewahre – eine elektronische Anzeigetafel vom vierten (oder war es der fünfte, oder sechste) Schiedsrichter hochgehalten werden. Nein, das mag man sich ja nicht mal im Albtraum vorstellen.

„Wir müssen mit Fehlern leben, der Fußball muss sein menschliches Gesicht wahren“, meinte FIFA-Boss Blatter erleichtert zur Anti-Technik-Entscheidung. Blatter möge übrigens bitte so lange wie Kohl, Samaranch und Johannes Paul II. zusammen im Amt bleiben. Wir wollen schließlich alle langfristig mit Fehlern leben. Wer ohne Fehler ist, der werfe den ersten Chip.

 

NEVER CHANGE AN WINNING TEAM

In der Rangliste der bemitleidenswertesten Figuren der Weltgeschichte rangiert knapp hinter den Bewohnern von Dschungel-TV-Camps aber noch weit vor Klaus Zumwinkel ein gewisser Sisyphos. Sisyphos ist – wie wir wissen – der gefallene Held aus der Griechischen Mythologie, der eine Strafe in der Unterwelt verbüßen musste. Die bestand darin einen Felsen einen Hang hinauf zu rollen. Doch immer kurz vor Erreichen der Spitze, entglitt ihm der felsige Ball und so musste er immer wieder von vorne anfangen. Immer und immer wieder. Noch heute bemühen wir die „Sisyphos Arbeit“ wenn es darum geht kurz vor dem Ziel wieder ungewollt zum Ausgangspunkt zurückzugehen. Freunde des Spiels „Mensch ärgere dich nicht“ oder aktive Fußballer von Schalke 04 wissen von was hier gesprochen wird.

Doch jetzt wird die Betrachtung interessant: Was wäre das Gegenteil? Was wäre, wenn Sisyphos plötzlich immer und immer wieder geschafft hätte, das mit dem Felsen. Hätte er beim vierten Mal vielleicht nur noch lustlos, einen antiken Kaugummi kauend, mit einer lässigen „No-problem-Geste“ den steinernen Ball auf den Hügel gehievt? Und würde er vielleicht beginnen leichtsinnige Fehler zu machen und den Hügel verwechseln, oder statt des Felsens einen Leib Käse rollen?

Diese Frage wird umso spannender wenn man die fußballerische Forschung des Physikers Andreas Heuer von der Universität Münster beachtet. Er fand nach Analyse von 12.000 Bundesliga-Spielen seit 1965 mittels Computer-Software heraus: „Eine Mannschaft, die viermal gesiegt hat, spielt nach dieser Serie schlechter, als es ihrer eigentlichen Leistung entspricht.“

Bemitleidenswerte Fußball-Trainer also, deren Teams das vierte Mal in Folge gewonnen haben, dürften nach dieser Meldung gewarnt sein. Es gilt Taktiken zu planen und Strategien zu entwickeln im nächsten Versuch ein Sieg unter allem Umständen zu vermeiden. Und auch einer der ältesten Merksätze dieser Sportart – „never change a winning team“ – müsste aufgrund der aktuellen Forschung angepasst werden in „always change a winning team after the 4th victory“. 

Nachdem der nette Physiker aus Münster dieses dringliche Fußballproblem gelöst hat, kann er seiner Computer-Software vielleicht eine neue Frage stellen: Darf man die Teilnahme an einem Dschungel-TV-Camp von der Steuer absetzen?

 

WELCHER TORWART IST GUT (GENUG) FÜR UNS?

Deutschland Diskussionsland. Anne will bei Illner hart aber fair diskutieren, ob während Dellings Woche Fakt ist, dass auf dem Riverboat um 3 nach 9 quergefragt werden muss.

Ist unser Land von der Basta-Republik mutiert zum Soziologiestudenten-Staat mit der Leitkultur-Vorschrift „lass uns das mal ausdiskutieren“?

Offensichtlich hat der Talkrunden-Bazillus auch das Scheinwerferlicht der Fußball-Bühne erreicht. Denn das Wort, das uns Lederpillen-Junkies um den restlichen Fußballverstand bringt lautet: Torwartdiskussion. Wöchentlich präsentieren uns Medienvertreter einen alternativen Torwartvorschlag nach dem anderen für die nationale Elitetruppe. Das entsprechende Thema im Fernsehen würde lauten: „Dr. Lehmann und seine Spielpraxis – argumentieren bis der Arzt kommt?“.

Und so wird wöchentlich ein Neuer genannt, der wie ein Adler über der Wiese kreisen könnte, um sich dann auf die Bälle zu stürzen. Wer nur einigermaßen schön nach dem Ball fliegt, darf sich sicher sein als Kandidat für’s EM-Tor genannt zu werden. Wenn er einen oder drei Elfmeter hält sowieso. Hat Bayern nicht mit Rensing noch kein Pflichtspiel verloren? Schwupps: Wieder ein Kandidat! Und könnte es neben Hildebrand und Enke nicht auch Sepp Maier sein? Der hat doch schon seit Jahren kein Tor mehr kassiert. Ein knallhartes Argument, dem sich auch Diskussionsleiter Löw nicht verschließen sollte.

Oder wird Löw doch mit einem Schröderschen „Basta!“ die Entgleisung der Gedanken rechtzeitig vor der Bahnfahrt zur EM mit der richtigen Weichenstellung beenden? Ein Vorschlag hierzu: Die Stühle aus den Studios von Illner und Will nehmen und mit einem gepflegtem Spiel „Reise nach Jerusalem“ die Torleute kreisen lassen. Wenn die Musik aufhört: Hinsetzen!

Welche Musik? Das müsste man noch ausdiskutieren.

 

KLOPP UND SEINE SPITZNAMENJUNGS

  Alles auf der Welt hat seinen Namen. Abgesehen vielleicht von dem länglichen Ding, mit dem man im Supermarkt die eigenen Waren von denen des Hintermannes trennt (ich wäre für „Fließband-Waren-Trennstab“). Manchmal hat etwas einen neuen Namen was es früher anders gegeben hat („googlen“ statt „im Internet Informationen suchen“), oder es gibt Namen für Dinge, die es noch gar nicht gibt („Coface-Arena“) und manchmal hat Beamtendeutsch für etwas eine Bezeichnung, bei dem man denkt „das gibt’s doch gar nicht!“ („weibliche Person“ statt „Frau“).

Wir müssen in diesem Namens-Zusammenhang also deutlich dem in diesen Breiten namentlich bekannten Schriftsteller Johann Wolfgang von G. widersprechen. Er lässt in einem seiner Bestseller die männliche Person „Faust“ zur weiblichen Person „Gretchen“ sagen: „Gefühl ist alles, Name ist Schall und Rauch“.

Dass aber gerade Gefühl einen Namen braucht hat dieser Tage eine Studie der Universität Augsburg ermittelt. Wenngleich die Studie zu „Deutschland beliebtesten Kosenamen“ zu Tage förderte, dass wir Kosewort-technisch nicht gerade das Land der Dichter und Denker sind. Platz 1: „Schatz“, Platz 2: „Maus“, Platz 3: „Hase“, Platz 4: „Bär“ und Platz 5: „Spatz“.

Wenig einfallsreich für eine Nation, die sich scheinbar intensiver um den Namen für ein Nürnberger Eisbärbabys kümmert als um Weltpolitik.

Die Studie fällt zeitlich zusammen mit der Rückrunden-Pressekonferenz des FSV Mainz 05. Und das kann kein Zufall sein. Denn auf der ausgehändigten Kaderaufstellung stehen neben Torstatistik und Einsatzdaten in Klammern auch zu jedem Spielernamen die Spitznamen.

Dass hierbei aber weder „Maus“, „Hase“ oder „Bär“ auftauchen muss nicht irritieren, denn es handelt sich dabei weniger um die Kosenamen der Spielerfrauen als um die Rufbezeichnungen von Trainer Jürgen Klopp. „Damit die Journalisten immer wissen von wem Kloppo gerade spricht“, klärt Pressesprecher Tobias Sparwasser auf – wobei „Kloppo“ der Schatz-Maus-Hase-Bär-Spatz der Mainzer Fans ist.

Meine interne Studie hat übrigens ermittelt, dass Spitznamen mittels Endungen auf „i“ (Wetti, Ischi, Hoogi, Gunki, Demi, Rosi, Rani, Welli, Baki) am häufigsten sind. In einem Fußball-Land, dass sein jüngstes Fußball-Hoch unter „Jogi“ und „Klinsi“ erlebte ist das auch nicht verwunderlich. Und führt, was das Thema Spitznamen betrifft, zu dieser spitzfindigen Annahme: Gegen „Ypsilanti“ hätte Koch vielleicht weniger Stimmen verloren wenn er mit „Rolli“ plakatiert hätte.

 

FU?BALLER UND TATOOS

Was antwortete Mehmet Scholl, als er gefragt wurde was er außer Fußballer gerne geworden wäre? „Spielerfrau!“. Image ist alles, sagt der Werbeexperte. Aber spaßig gemeinte Bemerkungen von Insidern wie Herrn Scholl tragen nicht gerade zur Verbesserung des fies-falschen Klischees der Spielerfrau als gutgebaute Handtaschensammlerin bei.

Doch wie sieht es eigentlich mit dem derzeitigen Image des Fußballer selbst aus? Überlegen wir doch mal wer dem augenblicklichen Trend des typischen Bundesligaspielers entspricht: Etwa der Ferrari fahrende Verbissenheitsprofi wie Oliver Kahn? Oder der liebe Gutmensch zum Knuddeln wie Phillip Lahm? Oder etwa der bodenständige Playstation-Kumpel a la Podolski? Alles falsch – die aktuelle Top-Kategorie ist der tätowierte Intellektuelle!

Vorbei die Zeiten als man sich einen Anker auf den Oberarm gemacht hat und nach dem Spiel in die Stammkneipe ging. Heutzutage hat man lateinische Gedanken auf der Haut und nach dem Spiel geht’s in die Stadtbibliothek (oder zur Maniküre). Beispiel David Beckham. Der ausgewiesene Schöngeist hat auf beiden Unterarmen je einen lateinischen Spruch: „Ut Amen Et Foveam“ (Die ich immer lieben und verehren werde) links und „Perfectio In Spiritu“ (Perfektion im Geist) rechts. Das geht mindestens über Asterix-Niveau heraus und verdeutlicht die moderne Symbiose zwischen Geisteswissenschaft, Kunst und auf dem Rasen mit einem Ball herumrennen.

„Ich bin fast süchtig nach Tattoos“, gesteht auch Nationalspieler Thorsten Frings. Eines der neuesten ist eine senkrecht angeordnete Ansammlung von chinesischen Schriftzeichen über der Wirbelsäule. Und natürlich hat auch er den intellektuellen Background, um eine schnöde Reporterfrage wie „Was steht denn da?“, intellektuell ausgereift zu beantworten: „Da steht Ente süßsauer – 7,99 Euro!“. In Wirklichkeit, so gibt er noch Auskunft. sind das „die Namen meiner Kinder und deren Sternzeichen“. Gegen den Trend stemmen sich jetzt erste Erziehungsberechtigte. Sami Khedira vom VfB Stuttgart über die dortige Jugendabteilung: „Wir durften keine Tattoos, keine Ohrringe und keine Rastalocken tragen. Wer gegen diese Regeln verstieß musste Ohrringe abnehmen oder Tattoos abkleben – oder wurde im Extremfall nicht in die nächste Jugend übernommen. Der VfB möchte damit erreichen, dass man auf dem Teppich bleibt.“

Es ist eine lustige Vorstellung wie Jürgen Klopp, Ottmar Hitzfeld & Co vor dem Spiel durch die Kabine gehen und mit dem Edding die Tattoos der Schützlinge übermahlen bevor es dicht über dem Teppich ins Stadion geht. Und danach leihen sich alle gemeinsam in der Stadtbibliothek Asterix-Heftchen zum Latein-Lernen aus, bevor es beim Chinesen Ente süßsauer gibt. Eine grausame Vorstellung. Da wird man ja lieber Spielerfrau.

   

DER TOR MIT DEM EIGENTOR

Es ist ein ganz peinliches, starkes, negatives Gefühl. Das Gefühl, wenn man etwas geschaffen hat, das man besser nicht geschaffen hätte. Das kann im Großen schon mal die Atombombe sein, oder im Kleinen etwa ein solide verarbeiteter Pups während einem gerade die Schwiegermutter vorgestellt wird. Irgendwo zwischen diesen beiden Extremen rangiert das Eigentor im Fußball. Davon gab es Ende Oktober eine ganze Menge innerhalb weniger Tage, wobei der Kopfballheber von Nürnbergs Charisteas in Wolfsburg und Enkes Pfosten-Billard bei der Hannoveraner Pokalniederlage gegen Schalke den meisten Medien-Wirbel verursachten. Wer in Deutschland ein Eigentor erschafft, und sich dann sehr geschafft fühlt, weil sein Team keinen Ausgleich dafür mehr schafft, der kann es trotzdem noch zum Schaffner schaffen... oder zum Fußball-Kaiser! Franz Beckenbauer verzeichnet immerhin vier Eigentore und rangiert damit in den Eigentor-Top-Ten auf Augenhöhe mit Thomas Helmer, der es zudem noch auf ein Phantom-Tor gebracht hat. Überlegen angeführt wird diese Liste des unnötig Geschafften übrigens von Manfred Kaltz mit sechs Eigentoren in 581 Spielen, wobei nicht überliefert ist, ob er dabei auf seiner eigenen Bananenflanke ausgerutscht ist.

Zum Ende dieser eigentümlichen Eigentorgeschichte muss eigentlich noch eines Erwähnung finden: Franz Beckenbauer und Nikolce Noveski haben so viel gemeinsam, dass man meinen könne nur ihre Mutter wäre in der Lage sie auseinander zu halten. Beide schrieben Fußballgeschichte: Durch ihr gefühlvolles Verteidigungsspiel, beide sind auch durch schwerste Angeschlagenheit nicht vom Platz zu bekommen (weder mit Armbinde noch mit getackertem Kopf). Und! Beide haben in einem Bundesliga-Spiel zwei Eigentore geschossen. Doch während 2005 der Mainzer Nicolce selbst noch ein Tor vorne zum 2:2 Endstand gegen Frankfurt beisteuerte, verlor der Münchner Franz 1978 in Berlin 1:3 und musste auch noch Witze über sich ertragen. Als in der nächsten Mannschaftsbesprechung die Aufgaben verteilt wurde konnte Sepp Maier nicht anders und fragte in die Runde: „Und wer deckt den Franz?“. Derart stark negativ peinliches ist dem Franz nie mehr passiert. Trotz so vieler Schwiegermütter.

 

WIEVIEL TRADIOTION BRAUCHT DER FUSSBALL?

 Man könnte leicht ironisiert meinen: „Früher war alles besser als damals!“. Ständig wanken wir wacker hin und her zwischen glorifizierter Vergangenheit und der Freude an den Annehmlichkeiten der Gegenwart. Und mir sei eine weitere grammatikalisch inkorrekte Beschreibung gestattet: Das war immer schon so bleiben.

Beispiel: Als kleiner Bub kaufte ich mir eine Stehplatzkarte für Viktoria Aschaffenburg zu Zweitligazeiten. Aber wo ich mich dann hinstellen wollte, war meine Sache. Man musste nur rechtzeitig da sein für einen guten Platz. So etwas wie Blocks gab es nicht. Ein noch kleiner Bub trug zwei Drahtgestell-Getränke-Halter „Cola, Wasser, Limo, Bier!“ rufend durch die Reihen. Ich kaufte eine Limo. Ich war glücklich. Und heute?

Heute bin ich immer noch glücklich. Dass statt meiner Viktoria jetzt Mainz 05 im Profifußball spielt, damit kann ich aufgrund eines Wohnortwechsels sehr gut leben. Dank bequemer Schalensitze kann ich auch mit keiner Knie-Arthrose ins Stadion, an einem Ort, den ich mir vorher online gekauft und platzgenau ausgesucht habe. Und der Sitz ist auch kurz vor dem Spiel noch frei. Ich komme später weil ich vorher noch mit meiner kleinen Tochter zu hause Memory gespielt habe. Nur Cola, Wasser, Limo, Bier machen mich in einigen Stadien unglücklich: Anstehen für eine Bezahlkarte, dann Anstehen für ein Getränk, dann Anstehen für den Rücktausch des Restgeldes auf der Karte. Ob der Verkäufer der Geldkarte der kleine Bub aus dem Aschaffenburger Schönbusch-Stadion ist? Ich werde es nie erfahren, denn aus Trotz verdurste ich lieber, als mir eine Geldkarte zu kaufen. Bier gegen Bares, da bin ich trotziger Traditionalist.

Noch trotziger als ich präsentierten sich vergangen Samstag 500 Traditionalisten in Rostock. Für die gibt es kein wackeres hin und her wanken, sondern eine auch grammatikalisch klare Haltung: „Früher war alles besser als heute und es muss so bleiben wie es ist!“. Ziel des Zorns ist die Umbenennung des Ostseestadions diesen Sommer in „DKB-Arena“.

So ist es auf unserer Fußball-Welt. Tradition versus neue Wege. Die einen regen sich über die Änderung der Stadion-Namen auf, andere empören sich darüber, dass die Eintrittspreise seit Euro-Einführung um 33,6% gestiegen sind – wie die BILD am Dienstag berichtete. Wieder andere freuen sich, dass es endlich die Rückpassregel und Live-Übertragungen gibt. Aber sind wird doch mal ehrlich – das Wichtigste ist doch immer gleich geblieben und es wird auch gleich bleiben wenn Leo Kirch die neun Spiele auf neun verschiedene Anstoßzeiten legen sollte: Wenn der Schiedsrichter anpfeift wissen wir nicht wie das Spiel ausgeht.

Und wenn der neue Hoffnungs-Trainer meiner Aschaffenburger Viktoria für die Rückkehr in die 2. Liga sorgt, dann gibt es für mich nur eine Wahl für den neuen Namen des Schönbusch-Stadions: „Andi Möller Arena“.

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