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Spielbericht

Eintracht Frankfurt – Eintracht Braunschweig

5. Februar 2012

 

MIT KÖPFCHEN IN DER KÄLTE

 

Eintracht Frankfurt gewinnt mit Köpfchen in der Kältekammer und Trainer Armin Veh heizt die Stimmung an. Nachdem sein Team mit einem 2:1 (2:1) Arbeitssieg gegen Aufsteiger Eintracht Braunschweig auf Platz zwei in der Tabelle der 2. Fußball-Bundesliga geklettert war, redete sich Veh schon für das nächste Spiel warm: „Wir brauchen einen guten Schiedsrichter gegen Fortuna Düsseldorf! Die kriegen in jedem zweiten Spiel einen Elfer.“ Damit spielt er auf Fortuna-Stürmer Rösler an, dem zuletzt auch Gegner Ingolstadt eine „Fallsucht“ vorwarf. Düsseldorf und die Eintracht trennen nur noch ein Punkt. Auch die dahinter platzierten Paderborn und Fürth treffen direkt aufeinander. Das aktuelle Kältehoch kann also der hitzigen Stimmung beim Aufstiegsrennen der 2. Liga nichts anhaben.

Für die vorherigen Punktverluste der Konkurrenz aus Düsseldorf, Fürth und St. Pauli konnten sich zu Spielbeginn bei den Frankfurtern offensichtlich vor allem Matthias Lehmann, Erwin Hoffer und Zugang Martin Amedick erwärmen, die als Einzige der Hessen mit kurzen Ärmeln aufliefen. „Nach zehn Minuten ging’s“, meinte Lehmann später zu den Leibesübungen bei minus 6 Grad und der sehr starke Sebastian Rohde fügte cool hinzu „Ingolstadt sollen es sogar minus 14 Grad gewesen sein“.

Warm ums Herz wurde zuvor den Braunschweigern unter den 36.200 Zuschauern, als Dominik Kumbela Martin Amedick an der rechten Außenseite stehen ließ und nach innen auf Dennis Kruppke ablegte, der – natürlich – eiskalt einschob (0:1, 5.).

Sekunden zuvor scheiterte auf der Gegenseite Benjamin Köhler (1,72 m) an seiner Körpergröße, als er zwei Meter vor dem Tor um Millimeter nicht an den Kopfball kam. Doch offenbar wurde sofort eine Spieler-Inventur durchgeführt und Alex Meier (1,96 cm) ausfindig gemacht. Nach einer Flanke von Zugang Heiko Butscher (11.) und einer Ecke von Benjamin Köhler (2:1, 22.) köpfte der Kapitän zweimal ein. Damit sicherte er seinem Team ein in der ersten Halbzeit verdienter und nach der Pause geretteter Heimsieg gegen den immerhin als Tabellenachter und bester Aufsteiger angereisten Gegner.

Neben der Kälte und Vehs Verbalattacke war vor allem die Leistung vom neuen Innenverteidiger Martin Ammedick Gesprächsthema. In der zweiten Hälfte hatte er einige gute Szenen im Kopfball, doch in Halbzeit ein war er die fleischgewordene Unsicherheit und Langsamkeit, was auch Gästetrainer Torsten Lieberknecht nicht entgangen war: „Wir wollten mit Schnelligkeit gegen die Frankfurter Innenverteidigung spielen und dem Martin Amedick war ich sogar davon gelaufen.“. Dem konnte auch Veh nicht gänzlich widersprechen: „Martin hat nicht gut ausgesehen aber so langsam ist er auch nicht.“ Besser im Spiel war der zweite Zugang in der Frankfurter Startelf. Heike Butscher (vom Erstligisten Freiburg gekommen) bereitete den Ausgleich vor und sorgte für eine neue Erkenntnis bei seinem Chef Armin Veh: „Ich wusste gar nicht, dass Heiko mit rechts flanken kann.“ Der war erleichtert, dass sein Einstand gelungen war: „Ich war am Anfang etwas nervös. Neue Kollegen, die zweite Liga, Gegner Braunschweig – da weiß man nicht wo man steht.“.

Wo die Frankfurter nächsten Montag stehen, können sie sich jetzt schon vorstellen: Auf einem bitterkalten Fußballplatz. Da heißt es mit Köpfchen spielen und sich nicht von der hitzigen Stimmung ablenken lassen.



Spielbericht Eintracht Frankfurt - VfB Stuttgart vom 27.02.2011

Ullreich gegen chancenreich: VfB behält in Unterzahl die Oberhand

Frankfurt kämpft um Punkte und die Gunst der Fans, aber versagt

Eintracht Frankfurt bleibt die größte Überraschung der Rückrunde der Fußball-Bundesliga – die größte negative Überraschung. Die 0:2 Heimniederlage gegen den VfB Stuttgart war das siebte Spiel hintereinander ohne eigenes Tor. Der Tabellenvorletzte Stuttgart kann jetzt mit mehr Selbstvertrauen um den Klassenerhalt spielen, zumal die Schwaben 75 Minuten in Unterzahl waren. Kapitän Matthieu Delpierre hatte sich von Maik Franz provoziert zu einer Tätlichkeit bei einem Freistoßgerangel hinreißen lassen. Frankfurts Ersatzkapitän Pirmin Schwegler (Och fehlte krankheitsbedingt) war angesichts von 30:11 Torschüssen besonders deprimiert: „Es ist verhext. Wir rennen, kämpfen, beißen. Das Tor ist wie vermauert – wir haben heute das richtige Zeichen gesetzt. Stuttgart holt einen Sieg, der nicht möglich ist. Aber wir sind die Eintracht, wir stehen zusammen.“
Vor Spielbeginn mussten die Spieler um die „Eintracht“ mit den Zuschauern bangen: Die Fans hatten in großen Buchstaben „Wacht endlich auf“ an die Stehtribüne geschrieben und bei jedem Treffer während der Torschussübung gejubelt. Eine Anspielung an die null Treffer seit ausgerechnet dem 1:0 Sieg gegen die überragenden Dortmunder am letzten Vorrundenspieltag. Seitdem wurden die Hessen vom siebten auf den 13. Platz der Tabelle heruntergereicht. Einer Erinnerung an den Wandel vom Europapokalaspiranten zum Abstiegskandidaten hätte es allerdings nicht bedurft. Schließlich waren gleich mehrere Notmaßnahmen unter der Woche ergriffen worden: Eher lautstark bei einem Gespräch untereinander ohne Trainer und geschmackvoll bei einem gemeinsamen Abendessen. Auf dem Platz allerdings war von Anfang an kein Leckerbissen zu sehen und lautstark war allenfalls das Gestöhne der Fans wenn einer von zahlreichen Abspiel- und Ballannahmefehlern zu beobachten war. Abstiegskampf pur. An Torchancen ähnelnde Szenen kamen hauptsächlich durch Kopfbälle nach Zufallsflanken aus dem Halbfeld zustande. Die Gäste hatten in Unterzahl die bis dato größte Chance als der Japaner Okazaki, freigespielt durch einen 30 Meter Pass von Nationalspieler Christian Träsch, an Eintracht-Schlussmann Fährmann scheiterte (30.).
Zu Beginn der zweiten Halbzeit brachte Trainer Michael Skibbe mit Amanatidis und Fenin zwei weitere Angreifer, doch die schossen, bei zumindest jetzt herausgespielten Chancen, lediglich den Stuttgarter Schlussmann Sven Ullreich warm. Der wurde vor 47.400 Zuschauern zunehmend zum Mann des Tages und vereitelte mit starken Paraden klarste Chancen aus teilweise sechs Meter Entfernung. Und wenn das nicht mehr nutzte half der Innenpfosten (Gekas, 56.). Anders die Stuttgarter. Einen von Fährmann nur ungenügend abgewehrten Schuss des eingewechselten Gebhardt staubte Harnik zum überraschenden 0:1 (64.) ab. Und auch das 0:2 leitete der für den verletzten Nikolov zwischen den Pfosten stehende Ersatzkeeper ein. Den Konter nach seinem schwachen Abschlag schloss Hajnal mit einem genialen Heber ab (68).
Doch auch danach hatten die Gastgeber noch einige Chancen und mittlerweile auch wieder die Unterstützung ihrer Anhänger. Und Frankfurts Trainer Skibbe verbreitet Optimismus vor dem nächsten „Abstiegs-Spitzenspiel“ zu Hause gegen Kaiserslautern: „Wir haben ein sehr leidenschaftliches Spiel gemacht. Die Moral in der Mannschaft ist absolut intakt.“ Die nächste Maßnahme der Null-Tore-Truppe wird Training zur Chancenverwertung sein. Die übrigen Maßnahmen unter der Woche verpufften. Unter anderem auch das Angebot von Eintracht-Präsident Fischer in einem Radiointerview, in dem er anbot bei einem Sieg in Badehose durch Frankfurt zu laufen. Zumindest das bleibt den Fans im Abstiegskampf erspart.


Spielbericht 1. Fußball-Bundesliga: Mainz -Frankfurt        vom 24.04.2010  

Zufriedenheit statt Derby-Stress

Beim 3:3 punkten Mainz 05 und Eintracht Frankfurt für eine geglückte Saison

 

Zunächst die Neuigkeit: Es bleibt alles beim alten. Der FSV Mainz 05 hat noch kein Spiel in der Fußball-Bundesliga gegen Eintracht Frankfurt gewonnen. Und nach dem nicht hochklassigen aber spannenden 3:3 (1:2) im Nachbarschaftsduell der gastgebenden Reinhessen gegen die Hessen bleibt auch die Tabellensituation gleich. Die Gäste sind weiter einen Punkt vor Mainz und damit mindestens eine weitere Woche inoffizieller Rhein-Main-Meister.

Auch wenn nach zweimaliger Führung nicht wie im Hinspiel (2:0) ein Sieg gelang: Mit dem Schlusspfiff von Schiedsrichter Florian Mayer durften sich die Spieler der Eintracht über die imaginäre Zielflagge freuen. Das Punktekonto von 46 Zählern entspricht dem von Vorstandschef Heribert Bruchhagen und Trainer Michael Skibbe ausgegebenen Saisonziel. Doch nach dem Motto „nach dem Ziel ist vor dem Ziel“ gibt Kapitän Patrick Ochs die Losung aus: „Den Rekord holen wir uns auch noch“. Punkten die Frankfurter nämlich noch mal, haben sie das beste Saisonergebnis erzielt seit der Einführung der Drei-Punkte-Regel 1995.

Und auch die Mainzer können dieses Wochenende in die Akte „Zufriedenheit“ einheften. Der beste Aufsteiger des Jahres hatte noch nie so viele Bundesligapunkte. Außerdem bemerkte Thomas Tuchel, die Trainer-Entdeckung der Saison, nach den sechs Toren ziemlich korrekt, dass die „Fans bei unseren Heimspielen immer was geboten bekommen.“

In diesem Fall war das Gebotene eine zweimalige Aufholjagd. Nach unterirdischem Beginn der Mainzer Defensive in den ersten 20 Minuten hatte Alexander Meier zweimal getroffen, ehe Aristide Bance mit einem abgefälschten „Sonntagsschuss“ (Ochs) aus grob geschätzten 34,19 Metern den Anschluss in der Nachspielzeit der ersten Hälfte erzielte. Nach dem Wechsel sorgte der etwas überraschend aufgebotene Jan Simak für den tapfer erkämpften Ausgleich (56.) just nachdem von der Haupttribüne die ersten „hol’ den Simak raus“-Rufe als VIP-Anweisungen Richtung Trainerbank schallten. Den Titel „bester Spieler des Tages“ teilten sich dann Ümit Korkmaz (3:2; 62.) und Aristide Bance (3:3; 86.). Die beiden herausragenden Offensivkräfte ackerten, spielten Chancen heraus und trafen. Sie profitierten allerdings auch von etlichen Fehlleistungen der Verteidigungsreihen. Bei Mainz zeigten die zuletzt felsenfesten Stützen Noveski und Svennsson Bruchstellen. Bei der Eintracht trug eine Fehlerquote von 45% dazu bei dass die Analyse des Spiels zwischen „es ging hektisch zu“ (Ochs), über „leistungsgerecht“ (Bruchhagen) bis „hochinteressant“ (Korkmaz) changierte. Hochinteressant agierte auch Tuchel. In der zweiten Halbzeit wechselte er den erst zur Pause gekommenen Andreas Ivanschitz nach 37 Minuten wieder aus. „Ich wollte“, so Tuchel, „noch einmal einen Flügelspieler bringen. Ich wollte aber keine andere Position auflösen, also habe ich eins zu eins gewechselt, um mit Trojan zu Flanken zu kommen. Und da hat es Andi getroffen. Da muss er jetzt durch.“ Der letztjährige A-Jugendtrainer des FSV hat also offenbar vor später nicht als „netter Onkel“, sondern als „Taktik-Fuchs“ in den Mainzer Chroniken aufzutauchen. Trojan flankte übrigens zum Ausgleich.

Eine echte Neuigkeit gibt es doch noch. Erst drittletzten Spieltag feierte der amerikanische Winterzugang Ricardo Clarke ein ordentliches Bundesliga-Debüt für Frankfurt. Womöglich hat er sich mit diesem Spiel für eine Vertragsverlängerung empfohlen. Dann kann er in den nächsten Jahren für die Eintracht dafür sorgen, dass die Rheinhessen nicht gegen die Hessen gewinnen und alles beim alten bleibt.

 

                                                                                                                     Claus Höfling

Spielbericht FSV Mainz 05 – HSV    28.11.09

Statistisch belegt:

Mainzer weiter eine Macht zuhause, HSV weiter im Pech

Die Statistik hat vor dem Spiel Mainz 05 gegen den Hamburger SV ausgesagt, dass die Mainzer diese Saison noch kein Heimspiel und die Hamburger noch kein Auswärtsspiel in der Bundesliga verloren haben. Außerdem hatte der HSV in den vergangenen vier Spielen jeweils ein Tor in der Schlussviertelstunde kassiert. Nach dem Spiel zeigt ein Blick auf die Statistik nach wie vor, dass Mainz noch kein Heimspiel und die Hamburger kein Auswärtsspiel verloren haben. Der HSV hat jetzt allerdings in den jüngsten fünf Spielen in der Schlussviertelstunde einen Gegentreffer kassiert. Diesmal war es der Mainzer Tim Hoogland vor 20.300 Zuschauern (ausverkauft) in der 84. Minute, der die Führung von Tunay Torun aus der dritten Minute egalisierte und somit auch eine weitere Statistik untermauerte: Seit der Verletzung von Edel-Stürmer Mladen Petric am achten Spieltag hat das Team vom gebürtigen Darmstädter Bruno Labbadia kein Spiel mehr gewonnen.

Der HSV ist derzeit der Hauptdarsteller in einer Konjunktiv-Tragödie. Hätte der Fußballerfinder das Spiel auf  75 Minuten ausgelegt wären die Hanseaten mit zehn Punkten mehr auf dem Konto mit großem Abstand Tabellenführer. Hätte der Mainzer Verteidiger Nikolce Noveski nicht mit einem harten Foul den Torvorbereiter Elija schon in der 13. Minute außer Gefecht gesetzt, wären de Konter des HSV aussichtsreicher gewesen. Hätte das Schiedsrichtergespann gesehen, dass es vor dem Ausgleich nicht Eckball sondern Abstoß lauten müssen, wäre es vielleicht gar nicht zur Punkteteilung gekommen. Doch statt „hätte“ und „wäre“ herrscht beim HSV „weh“ und „ach“: Jetzt schon acht Schwerverletzte in der noch jungen Saison und Schiedsrichter-Pech. Eigentlich die perfekte Vorlage für eine Jammer-Predigt. Doch HSV Trainer Bruno Labbadia, macht da nicht mit. Der Mann mit Stürmerblut, der Einzige Spieler, der in der 1. und 2. Bundesliga über 100 Tore geschossen hat, sieht das Problem in der eigenen Offensive: „Wir suchen die Dinge bei uns. Wir haben die Konter nicht gut ausgespielt, aus den Ballgewinnen zu wenig gemacht.“. Die Probleme in der Verteidigung innerhalb der Schlussviertelstunde haben sich zudem als Motivation bei den Gegnern herumgesprochen, wie FSV-Kapitän Hoogland bestätigt: „Das war das Thema in der Halbzeitansprache.“ Und als ob die Gäste an ihrer eigenen Misserfolgs-Statistik arbeiten wollten, war es vor allem Innenverteidiger Rozehnal, der kräftig mithalf. In der 79. Minute fälschte er einen eher harmlosen Schuss so ab, dass Torwart Rost den Ball gerade noch über das Tor zur Ecke lenken konnte. Und auch Rozehnal war es der nach einer festen Hereingabe vom eingewechselten Mainzer Polanski den Ball, statt nach außen zu treten, nach innen stümperte wo ihn Hoogland nur noch über die Linie schieben musste.

Aber auch die Mainzer selbst trugen wesentlich dazu bei, das statistisch alles beim Alten blieb und der imposante Aufsteiger weiterhin die beste Heimmannschaft der Liga ist. Die Aufholjagd des Teams vom Trainer der Stunde, Thomas Tuchel, bewies mit einer kämpferischen, druckvollen zweiten Halbzeit die aktuelle These ihres Chefs: Wir haben zu Hause eine breite Brust und stehen zu recht und verdient in der oberen Tabellenhälfte.“ Das Selbstbewusstsein des Aufsteigers mag auch der Grund sein, dass die derzeit rosarote Brille bei Torwart Heinz Müller das letztlich gerechte 1:1 so beschreibt: „Größtenteils haben wir das Spiel im Griff gehabt – naja, die Hamburger haben auch ab und zu mal Fußball mitgespielt.“

Mit diesem Selbstbewusstsein sollte es für die Mainzer Ziel sein weiter Hauptdarsteller in einem Konjunktiv-Epos zu sein: Würden sie weiter beste Heimmannschaft bleiben, wäre der Klassenerhalt nie ein Problem. Nicht nur statistisch gesehen.

Claus Höfling

Spielbericht Eintracht Frankfurt – HSV    20.09.09

Eintrachts Tipp für Sportwetten-Tipper: 1:1 im Heimspiel

Wer in dieser Saison der Fußball-Bundesliga ein Heimspiel-Ticket für Eintracht Frankfurt kauft kann sich schon mal mit dem wahrscheinlichen Endergebnis vertraut machen. Mit dem dritten 1:1 im dritten Heimspiel bleiben die Hessen ungeschlagen und weil der Punkt mit dem Hamburger SV gegen einen Spitzenreiter erstritten wurde, konnte Trainer Michael Skibbe damit „gut leben“. Skibbe war allerdings „mit der zweiten Halbzeit nicht einverstanden“ und bemängelte: „Wir haben uns mehr aufs Kämpfen beschränkt. In der zweiten Halbzeit sind wir nicht mehr zu einem Fußballspiel gekommen. Der HSV war uns spielerisch um mehr als eine Nasenlänger voraus.“

Am Anfang zeigte allerdings der HSV, dass vom Selbstvertrauen im Kopf der Eleganz in den Beinen eines Spitzenreiters nicht mehr viel übrig ist. Dafür sorgte unter der Woche das 0:3 Debakel in der Europaliga gegen Wien, was ihnen von der Zeitung „Österreich“ den die Bezeichnung „Wiener Würstl“ einbrachte. In der achten Minute standen aber auch die Gastgeber betröppelt wie „Frankfurter Würstchen“ da, als Torwart Oka Nikolov einen knackigen Freistoß von Trochowski leichtsinnig vor sich abprallen ließ. Petric nahm den Ball auf, kurzes Abspiel zu Ze Roberto und der hatte keine Mühe zum 1:0 für die Hanseaten zu treffen. Das war auch der letzte Schuss auf ein Tor, den die 51.500 Zuschauer in der ausverkauften Frankfurter Arena bis zur 32. Minute zu sehen bekamen. Wer auch fußballerisch ein Spitzenspiel (Vierter empfängt Ersten) erwartet hatte, musste jetzt schon enttäuscht gewesen sein. Dann schlenzte der neu in die Anfangsformation gekommene Frankfurter Stürmer Liberopoulos in seiner besten Szene den Ball in den Strafraum auf den ins Mittelfeld zurückgekehrten Alex Maier, der mit dem Kopf auf Verteidiger Russ abprallen ließ. Auch der brauchte nur einen Ballkontakt und hämmerte den Ball ins Netz zum Ausgleich. Eine unsymptomatische Szene für das Frankfurter Spiel, das ansonsten durch zu wenig direktes Spiel und zu viele unpräzise Abspiele gekennzeichnet war. Rechtsverteidiger Maik Franz konnte später auch nicht umhin zuzugeben, dass es „kein schönes Spiel“ war, aber „ein Punkt gegen den HSV ist ok.“.

Der Gast wollte allerdings mehr und brachte Anfang der 2. Halbzeit mit Pitroipa für den unglaublich schwachen Millioneneinkauf Marcus Berg den Auslöser für eine bessere zweite Hälfte der Hamburger, auch wenn er gleich zwei allerdings auch selbst herausgespielte Chancen vergab. Von den Hessen kam überhaupt keine Gefahr mehr. Bis zur 89. Minute. Da hätte der gute Alexander Maier fast per Kopf das glückliche 2:1 erzielt und den HSV in eine noch schwierigere Selbstfindungshase geschickt.

Aber auch so dürfte der Gästetrainer Bruno Labbadia von seinen Spielern genug zum Grübeln als Hausaufgabe bekommen haben, nur so ist seine Analyse zu verstehen: „Wir sind ein Stücke enttäuscht. Wir haben zwei Punkte zu wenig. Nach dem 1:0 haben wir das Fußballspielen eingestellt.“.

Für die Frankfurter war es der Auftakt zu drei Heimspielen in sieben Tagen. Bevor am Samstag der VfB Stuttgart komm, geht es am Mittwoch Abend im Pokal gegen Zweitligist Aachen. Und da können sich alle Kartenbesitzer sicher sein: Es wird nicht 1:1 stehen, wenn die Partie beendet ist.

 

Spielbericht 1. Fußball-Bundesliga: Mainz - FCB        vom 22.08.2009  

2:1 gegen die Bayern! FSV Mainz 05 feiert eine geschichtsträchtige Sensation

Aufsteiger beschert dem Rekordmeister schlechtesten Start seit 43 Jahren

  Wie von den Nachbarjungs geprügelte Kinder schleichen die Stars des FC Bayern München aus dem Innenraum des Mainzer Stadions in die Umkleidekabine. Und wie ein besorgter Vater schaut sich Mediendirektor Markus Hörwick noch mal um als er den letzten der hineinschlurfenden Spieler begleitet. Gerade so als ob er nachsieht ob noch einer diesen bösen 05er da ist, die seine Anvertrauten demütigten. Dann schließt er die schwere Metalltür. Die Türe zu und alle Fragen offen.

Die drängendste Frage: Wie konnte es dazu kommen, dass der Rekordmeister bei der 1:2 (0:2) Niederlage gegen Aufsteiger FSV Mainz 05 eine so unfassbar schlechte erste Halbzeit abliefert? Eine Halbzeit, nach der es auch 0:4 hätte stehen können. Ein Halbzeit, die den Grundstein legte für den schlechtesten Bundesliga-Start der Bayern seit 43 Jahren. Eine Halbzeit, in der ein offensichtlich zwischen Panik, Wut und Reue befindlicher Gästetrainer van Gaal gleich zweifach seine Anfangsformation durch Einwechslungen korrigierte.

Bei der Suche nach Antworten gebührt es der Leistung der Mainzer mit dem Sieger zu beginnen. „Die Bayern werden ein Prüfstein für uns“, hatte Thomas Tuchel die Woche über betont. Ein Prüfstein ist ein Reibstein zur Feststellung des Reinheitsgrades von Edelmetallen: Die 90minütige Reibung ergab deutlich, dass da schon vieles Gold ist was glänzt, besonders der glänzende, hochkarätige Torwart-Zugang Heinz Müller, der die zumindest in der zweiten Hälfte stürmenden Bayern zur Verzweiflung brachte.

In seinem dritten Spiel als Bundesligatrainer hatte Thomas Tuchel das was sein Gegenüber nicht hatte: Eine Mannschaft mit Leidenschaft und einen erfolgreichen „Machplan“. So nennt der 35jährige Tuchel das, was in Zeiten als van Gaal (vor 14 Jahren) die Champions League gewann noch „Spieltaktik“ hieß. Während Tuchel zum Beispiel mit dem erstmaligen Einsatz von Bo Svennson als zusätzliche Absicherung vor der Abwehr und der Verortung des A-Jugendstürmers Andre Schürrle ins linke Mittelfeld Geniestreiche landete, landete van Gaal mit dem abermaligen Streichen des Angriffs-Genies Olic aus der Anfangsformation auf dem Hosenboden. Ein träger Gomez als einziger Stoßtürmer gegen einen Aufsteiger, der formschwache Klose als hängende Spitze und ein offenbar um sein Selbstvertrauen gecoachter UEFA-Cup-Sieger Tymoschtschuk. Dazu noch die von van Gaal geholten Braafheid und Pranjic auf der linken Seite mit indiskutablen Leistungen. Im vergangenen Jahr diskutierte man zu dieser Jahreszeit über Buddhas auf Terrassen. Klinsmann, Sie erinnern sich? Der hatte zum jetzigen Zeitpunkt mehr als doppelt so viele Punkte geholt.

Die Mainzer hingegen haben sich eindrucksvoll in der Bundesliga zurück gemeldet. Gerade mit der ersten Halbzeit, die den Manager Christian Heidel offenbar so beeindruckte, dass er sich als Reinkarnationswunder outet: „Das war für mich die beste Halbzeit seit 500 Jahren von Mainz 05. Das war unfassbar wie die Mannschaft da Fußball gespielt hat. Auch trotz des Rückschlages nach der Pause hat sie ihr Konzept wiedergefunden auch wenn sie dann auf dem Zahnfleisch gegangen ist. Das war zuerst Fußball vom allerfeinsten und dann eine Schlacht“.

Vor der „Schlacht“, also im Abschnitt „vom allerfeinsten“, hatte zunächst Zugang Andreas Ivanschitz den Ball mit einem haltbaren Linksschuss an Michael Rensing vorbeigeschossen (20.). Dann köpfte Aristide Bance seine vierte Großchance zum 2:0 (38.) ins Netz. Zu diesem Zeitpunkt hatten natürlich die meisten der 20.300 Zuschauer die Atmosphäre zu einer Extraportion Leistungs-Doping gemacht. Und das war bitte nötig, denn durch eine schnellen Treffer nach dem Wechsel durch ein Eigentor von Noveski (46.) war der Weg frei für die Aufholjagd der Bayern, die auch der ehemalige Bayern-Jugendspieler im Mainzer Dress, Florian Heller, nicht für unmöglich hielt: „Wenn man fünf Minuten nach der Halbzeit den Anschluss kassiert gegen so eine Mannschaft dann ist klar, dass man sich seine Gedanken macht.“

Gedanken muss sich jetzt vor allem van Gaal machen. Der Holländer sagte direkt nach dem Spiel im TV-Interview trotzig „ich weiß was ich kann und ich weiß was die Mannschaft kann“. Und auch die triumphierenden Gegner scheinen tief in ihrem Fußballerherzen noch nicht die Ehrfurcht vor den (ehemals?) großen Bayern verloren zu haben. So stehen eine halbe Stunde nach dem Schlusspfiff zumindest die Mainzer Jahmir Hyka und Zsolt Löw mit ihren Trikots in der Hand vor der Umkleide der Münchner, bereit zum Tausch der Spielleibchen. Da öffnet sich die Tür. „Jetzt nicht!“ hört man da. Die Tür geht wieder zu, denn drin sind zu viele Fragen offen.

 

 

ARCHIV

Spielbericht 2. Fußball-Bundesliga: Mainz – RWO        vom 24.05.2009  

 

Mainz singt und lacht erstklassig

Jörn Andersen führt den FSV Mainz 05 zum zweiten Bundesligaaufstieg

 

20 Minuten nach dem Abpfiff hat Fußball-Trainer Jörn Andersen gleich den zweiten Meilensein seiner Trainerkarriere in Mainz geschafft. Mit dem ungefährdeten 4:0 (2:0) gegen RW Oberhausen führte er zunächst den FSV zum zweiten Bundesliga-Aufstieg der Vereinsgeschichte. Jetzt steht der sonst sachlich-kühl-freundliche Norweger mit Mikrophon inmitten der etwa 20.000 euphorisierten Fußball-Fans und tritt auch emotional aus dem Schatten seines Vorgängers Jürgen Klopp: „Ohne Euch hätten wir es nicht geschafft!“ Die mittlerweile auf dem Rasen versammelten Fans stimmen an: „Jöööörn Andersen!“.

Fünf Jahre nachdem Publikumsliebling "Kloppo" den selbsternannten „Karnevalsverein“ erstmals erstklassig machte wird wieder einem blonden Fußball-Lehrer gehuldigt. Von den Fans mit Sprechchören und von Präsident Harald Strutz in den Interviews: „Ich gönne es ihm von ganzem Herzen, denn es war eine unglaublich schwierige Aufgabe. Und die hat er mit Bravour gelöst.“

Noch vor einem Jahr waren am östlichen Ende des Rhein-Main-Gebietes Trainer Andersen, Verteidiger Bungert und Stürmer Bance mit OFC-Trikot vom Platz getrottet. Jetzt duschen die drei am westlichen Ende des Rhein-Main-Gebiets mit Bier und Sekt ihre roten Aufstiegs-T-Shirts nass. So schnell geht das im Profi-Fußball. Von tragischen Figuren eines Absteigers zu tragenden Säulen eines Aufsteigers.

Für eine weitere tragende Säule wird der Triumphzug durch das nächtliche Mainz zur Abstiegstour: Mittelfeldspieler Markus Feulner wird zu Borussia Dortmund wechseln. Nach stehenden Ovationen bei seiner Auswechslung war er der sentimentalste unter Glücklichen: „Ich bin stolz ein Teil dieser Mannschaft gewesen zu sein!“.

Jörn Andersen hat mittlerweile das Mikrophon nicht mehr in der Hand sondern vor sich. An seiner logischerweise extrem positiven Emotionalität hat das natürlich nichts geändert: „Einfach geil, was soll ich sagen. Das Stadion bebt. Ich habe als Fußballer viel erlebt, aber als Trainer noch nicht. Das ist der geilste Tag für mich.“. Der 46jährige muss jetzt wieder den Schalter umlegen. Erst Abstiegskampf mit Offenbach, dann Aufstiegsdruck bei den 05ern. Jetzt geht es wieder um den Klassenerhalt in der deutsche Eliteliga, um nicht pünktlich zur Fertigstellung der gerade mit Spatenstich begonnen Arena 2010 wieder als Absteiger vor die Mikrophone zu treten.

Für die Bundesliga stehen, so Geschäftsführer Michael Kammerer, „etwa 28 statt in der 2. Bundesliga 18 Millionen Euro“ zur Verfügung. Einen Batzen wird womöglich der Ersatz von Markus Feulner im offensiven Mittefeld verschlingen. Kein Handlungsbedarf gibt es auf der Position des Publikums. Daran ließ der glückliche Trainer keinen Zweifel: „Die Fans waren wichtig. Auch in Phasen, in denen es nicht so geklappt hat, standen sie immer hinter uns. Wir haben zu Hause nicht gut gespielt und nicht so viele Punkte geholt. Aber sie haben nicht kritisiert und gepfiffen. Und das war ein Schlüssel zum Erfolg.“

Aufstieg, Jubel von den Fans und Lob für die Fans: Jörn Andersen hat die wesentlichen Schritte zum neuen Publikumsliebling hinter sich gebracht.

 

 

 

Spielbericht 1. Fußball-Bundesliga: FCB – SGE        vom 11.04.2009  

Ein klarer Sieg beim Nebenschauplatz

Bayern München kann früh die Bundesligapunkte gegen Eintracht Frankfurt sichern

 

Jetzt gleich! Noch gut zehn Minuten zu spielen. Spannung im Stadion. Achtung.. und...? Da! Tosender Jubel bei den Bayern-Fans. Enttäuschende Blicke beim Eintracht-Anhang. In der Fußball-Bundesliga Begegnung zwischen Bayern München und den Gästen von Eintracht Frankfurt gab es aber keinen Elfmeter oder ähnliches – nur die Nachricht von der Anzeigetafel, dass Tabellenführer Wolfsburg beim Abstiegskandidaten Mönchengladbach den 1:1 Ausgleich hinnehmen musste.

Zu diesem Zeitpunkt war der Kampf in der Münchner Arena längst kein normales Spiel mehr um drei normale Bundesligapunkte. Vielmehr eine Ansammlung von Nebenschauplätzen und Befindlichkeiten am Rande. Die anfängliche Hauptattraktion war nach 16 Minuten entschieden, als Luca Toni mit einem satten, technisch feinen Drehschuss das 2:0 erzielte. Zuvor – schon nach knapp drei Minuten – hatte der diesmal im Zentrum aufgebotene Ribery mit einem kernigen 20-Meter-Schuss das Fundament für den souveränen 4:0-Sieg gelegt, das dann noch Lucio (36.) per Kopfball und Schweinsteiger (48.) nach oben hin abschlossen.

So wie der von Toni unter die Latte gehämmerte Ball im Tornetz zappelnd nach unten fiel, fühlte man jede Zuversicht aus den Köpfen der Frankfurter nach unten durchrutschen und im Rasen auf Nimmerwiedersehen versinken. „Schon in der Halbzeit hat uns der Trainer nur noch auf  das Torverhältnisses hingewiesen. Dass wir nicht zu viele kriegen“, gestand Patrick Ochs nach dem Spiel. Es war dem Rechtsverteidiger und seinen Frankfurtern nicht vergönnt eine weitere Modifikation der 1:5-Wolfsburg-Deppen oder 0:4-Barcelona-Versager vorgesetzt zu bekommen, wie Ochs auch treffend analysiert: „Wir wussten, es kann heute zwei Bayern geben. Einmal die Bayern die Angst und keine Sicherheit haben. Und eine Mannschaft, die uns überrumpeln wird. Heute waren es die, die uns überrumpelt haben. Wir haben nie wirklich eine Chance gehabt zu gewinnen“.

Und so hatten alle Fußballinteressierten früh die Muse, sich der hauptsächlichen Nebengeschichte zu widmen: Dem Wohl und Wehe von Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann. Der bestimmt, das Versagen bei allen drei Saisonzielen vor Augen, die sportlichen Schlagzeilen, welche selbst der Frankfurter Kollege Friedhelm Funkel als „teilweise unverschämt“ einstuft. Es waren „Klinsmann-Raus“ Rufe die einzigen Gesänge, die in den ersten fünf Minuten zu hören waren. Die beiden Fangruppen hatten sich auf Schweigeminuten verständigt, um einen kürzlich verstorbenen Bayern-Anhänger zu ehren. Bereits vor der Begegnung blies ein frischer Wind im Stadion während rund um die Arena in den Biergärten kurzärmlig die Sonne genossen wurde. Der Wind blies Klinsmann direkt ins Gesicht und nahm zu allem Überfluss noch die „Klinsmann Raus“ Rufe mit. Sozusagen eine meteorologische Metapher für die schwerste Zeit in seiner noch kurzen Trainerlaufbahn. Einer zu kurzen? Ist das Klinsmann-Projekt gescheitert? Die Diskussionen auf den Rängen waren allgegenwärtig.

Zusätzlich in die Diskussion hatte sich Klinsmann noch gebracht, da er von seinem Versprechen zurücktrat Torwart Michael Rensing nach seiner Ausbootung in Barcelona gegen Frankfurt wieder an Bord zu nehmen. Er begründete das später damit, dass Hans-Jörg Butt der Einzige gewesen sein, der sich in Barcelona – nicht zuletzt wörtlich durch den Zusammenprall mit Henry – der Niederlage entgegen geworfen hätte: „In dem Moment lasse ich mir das auch nicht bieten. Dann stehe ich lieber zu einem Kerl, der hier intern zu einem Leader geworden ist, auch als Nummer Zwei. Der seinen Mund aufmacht, der intelligent ist und der der Mannschaft in dieser Phase auch unheimlich viel Ruhe, Erfahrung, Gelassenheit bringt.“ Das Ende „dieser Phase“, darauf kommt Klinsmann in der Pressekonferenz desöfteren auch ungefragt zurück, soll die Deutsche Meisterschaft bringen: „Jetzt ist es so, dass wir von Endspiel zu Endspiel gehen. Wir haben nach wie vor die Chance Deutscher Meister zu werden, wovon ich voll überzeugt bin.“

Weniger überzeugt zeigt sich sein Schützling Bastian Schweinsteiger, der es „sensationell“ fände, „wenn wir Wolfsburg noch einholen könnten.“. Vielleicht gehörte Schweinsteigers Kopf auch zu den knapp 70.000 Köpfen, die sich kurz vor Spielende wieder auf ein Tonsignal hin zur Anzeigetafel wandten. „Tooooor in Mönchengladbach“ steht da zunächst. Jetzt... Achtung...gleich kommt die Einblendung wer das Tor erzielte... 2:1 für Wolfsburg! Jubel beim Eintracht-Anhang, betretene Gesichter bei den Bayern-Fans. Die Münchner hinken weiter drei Punkte hinter Ex-Trainer Magaths Mannen hinterher, während sich die Frankfurter wenigstens auf weiterhin sechs Punkte alten Abstand zu Mönchengladbach, also zum Relegationsplatz, freuen können. Borussia Mönchengladbach heißt auch der nächste Eintracht-Gegner am Samstag. Und vieles deutet darauf hin, dass dann länger als 16 Minuten auf dem Rasen die Hauptattraktion Abstiegskampf das Interesse auf sich zieht – nicht Anzeigetafel und nicht Schlagzeilen.

 

POKAL 08/09 Viertelfinale

Schalker sind sauer – und nicht „geil“ genug

Mainz 05 feiert die Pokal-Sensation die angesichts der blau-weißen Torflaute keine ist

 

Wer schon immer mal Vertreter eines Berufstandes sehen wollte, von denen die Hälfte am Boden zerstört und die anderen daneben in himmlischen Sphären schwebt, der hätte am Dienstag in den Katakomben des Mainzer Fußball-Stadions sein müssen. Nach dem 1:0 Sieg im DFB-Pokal Viertelfinale stolzierte der Mainzer Sommerzugang Tim Hoogland mit einer schon halbleeren Bierflasche, ungeduscht und mit einem Grinsen bis an den Haaransatz in die Umkleidekabine der Schalker, wo er kaum zur Aufmunterung seiner letztjährigen Kollegen beitragen konnte. Zu dieser Zeit hatte Schalke-Allrounder Heiko Westermann schon versucht das Debakel gegen den Zweitligisten abzuduschen und stand frisch duftend aber total stinkig Rede und Antwort: „Mir fehlen noch etwas die Worte. Es ist schwer, wenn man so ein Spiel verliert. Wenn man alles auf den DFB-Pokal noch setzt zur Zeit. Ich bin riesig enttäuscht. Sauer. Sauer auf...ich weiß nicht...kann ich jetzt gar nicht sagen. Ich bin einfach nur enttäuscht.“

In seiner Enttäuschung hätte der gebürtige Wasserloser durchaus mit Berichtigung auf  Kollegen sauer sein können. Auf Stürmer Kuranyi etwa, der bis zu seiner Auswechslung zur Halbzeit einen unmotivierten Eindruck machte. Oder auf Trainer Rutten, der Westermann nicht mehr auf seiner Lieblingsposition in der Innenverteidigung sondern in Mittelfeld spielen lässt und damit sogar seine Nationalmannschaftskarriere gefährdet. Rütten hätte ihn statt Kuranyi gleich ganz nach vorne stellen. Schließlich hat der Unterfranke in der ersten Saison seines Lebens 107 Tore für die F-Jugend der SG Schimborn erzielt und seine Torlust 21 Jahre später mit schon fünf Saison- und zwei Pokaltreffern unter Beweis gestellt. Eine Lust, die dem aktuellen Angriffskader offensichtlich fehlt, nach Meinung von Manager Müller („Ich muss geil darauf sein den Ball ins Tor zu hauen“) und Kapitän Bordon („Vielleicht brauchen wir vor dem Tor mehr Power“).

Und so muss Westermann als enttäuschter Vertreter des Berufsstandes Fußballer sich mit einem Nebenjob seine Sporen verdienen: Als 25jähriger Krisenmanager in einem über 100jährigen Traditionsklub am Rande des Nervenzusammenbruchs. Aber er ist bereit die Stelle anzunehmen: „Ich denke schon, dass ich einer derjenigen bin, der vornweg marschieren muss und das werde ich auch. Wir haben am Freitag ein wichtiges Spiel und das wollen wir gewinnen. In der Bundesliga ist noch lange zu spielen – da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.“

Das letzte Wort. Das wäre ein gerade noch Hineinstolpern in den UEFA-Cup. Ohne eine internationale Teilnahme (nach acht in Folge) wäre auch der Personaletat kaum zu halten. Die Zeit für einen Westermann-Wechsel? Bis jetzt lag er mit seinem Entscheidungen immer goldrichtig und es ging immer eine Stufe höher: Aus der Jugend bei Bayern Alzenau in den Profibereich von Zweitligist Greuther-Fürth, dann zum ersten Mal in die Bundesliga nach Bielefeld, dann über Schalke zum ersten Mal Champions-League und Nationalmannschaft. Jetzt droht die erste Rast auf der Karriereleiter. Den besonnenen Vater einer knapp einjährigen Tochter trifft da wenig Schuld – erst kürzlich wurde Westermann zum „Revierfußballer des Jahres 2008“ gewählt. Seinen Vertrag bis 2011 scheint er erfüllen zu wollen: „Über einen Wechsel mache ich mir keine Gedanken ich fühle mich zur Zeit ganz wohl“.

Mit „zur Zeit“ kann er allerdings nicht die blau-weiße Atmosphäre in den Katakomben des Mainzer Stadions gemeint haben. Hier hat sich mittlerweile die Berufsgruppe der Trainer zur Pressekonferenz eingefunden Rutten beginnt in sich zusammengesunken mit „Es tut weh – es sitzt ganz tief drin“. Jörn Andersen reckt seine norwegische Statur aufrecht zum Mikrophon und muss erst mal loswerden: „Ich bin happy!“. Ein Tor macht an diesem Abend den Unterschied zwischen Traumberuf und Trauma.

 

 

Außerdem...

meine aktuelle Lieblings-Meldung 2009 (Quelle: metro.co.uk)

 

Football commentary brings man out of coma

Wednesday, January 28, 2009

A football fan woke from a coma – after he was played commentary clips of his favourite team.

Steve Cheeseman's family were told to start arranging his funeral after he fell down a step and was knocked unconscious. But the 42-year-old defied doctors when he stirred to recordings of his beloved Ipswich Town.

His mother, Margaret, had been keeping a three-week bedside vigil when she noticed Mr Cheeseman's eye flicker open at Walsgrave Hospital, Coventry.

Soon his hand and knee also started twitching when a personal message from Blues manager Jim Magilton was played.

'We never gave up,' said Mrs Cheeseman. Her son is now continuing his therapy after the accident in November 2007. His story is also set for publication in a book chronicling what it means to be an Ipswich follower.

 

 

 

 

 

 

 

 

fussball-kolumne.de