Flick und Beierlorzer in Verkaufslaune

FSV MAINZ 05 – FC BAYERN MÜNCHEN 1:3 (1:3)

Mit Verwunderung – vielleicht gespielt – schaut Bayern-Coach Hansi Flick auf die Journalisten, die nach dem Spiel in Mainz auf Interviewpartner aus dem Rekordmeister-Team warten. Auf dem Weg zu Pressekonferenz meint er zu den vermeintlich FCB-freundlich gesonnenen Pressevertretern: „Was schaut Ihr so? Wir haben gewonnen!“

Die Szene zeigt zweierlei. Offenkundig wird vertrauten Gesichtern clubnahe Bewunderung unterstellt. Und zweitens: Das 3:1 bei den abstiegsgefährdeten Mainzern scheint nicht so glänzend, als dass man es nicht verkaufend aufpolieren müsste. Das tat er dann auch in der PK: „Es war unser 7. Sieg in Folge! Und von den ersten 30 Minuten war ich begeistert.“ Das konnte er auch sein. In einem Fußballwirbel umwehte das Münchner Ensemble die bedauernswerten Gastgeber mit Bayernlike-Effizienz, so dass bereits nach 26 Minuten ein Debakel für die Rheinhessen möglich war. Doch dann folgte eine auslaufende Brise. Die wiederum – und der 1:3 Anschluss – animierten Flicks gegenüber Achim Beierlorzer dazu, die übrig gebliebenen 60 Minuten Fußball auf Augenöhe seinerseits als Optimismus-Starterpaket zu verkaufen: „Ich bin mit 60 Minuten einigermaßen zufrieden. Was mir gefallen hat: Die hohe Laufbereitschaft und wir waren füreinander da. Das sind Aspekte, die ich dann gesehen habe und die wichtig sind für die nächsten Spiele. In die wollen wir mit dem Schwung der letzten 60 Minuten gehen.“

Mit Schwung ging allerdings auch sein Spieler Kunde Malong bei dessen Auswechslung nach nur 32 Minuten am Trainer vorbei, den Handschlag verweigernd. Beierlorzer dazu: „Er hat den Fehlpass zum 0:2 gemacht und war nicht im Spiel. Respekt ist keine Einbahnstraße! Aber er ist auf mich zugekommen und hat sich entschuldigt.“

Friede, wenig Freude und erst recht kein Eierkuchen in Mainz. Einen Sieg mit Weck, Worscht und Woi kann es das nächste Mal in Berlin geben. Ausgerechnet bei der selbstbewusster werdenden Hertha müssen die Mainzer sich am Samstag teurer verkaufen – und als Einheit.

Und Flick? Der verkaufte auch die nicht so meisterlichen letzten 60 Minuten im Stile eines Meistertrainers: „Wir haben nach 30 Minuten das Gas rausgenommen, aber das muss man auch mal akzeptieren. Ein Trainer hat mal gesagt: Ich mache meine Spieler lieber einen Kopf größer.“


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