Alle Beiträge von Claus

Beim SC Freiburg für die ZDFSPORTreportage

Trainingslager des Fußball-Bundesligisten SC Freiburg.

Zwischen einer glänzenden Vorrunde mit 26 Punkten und doch mit Respekt vor einer schwierigen Rückrunde bei einer 2019/20 sehr „engen“ Bundesliga.

Die Arbeitswoche in Sotogrande/Spanien für die ZDFsportreportage…

Nix Frohe Weihnachten

Bei Eintracht Frankfurt herrscht plötzlich Abstiegskampf statt Euro-Euphorie. Zu allem Unglück äußern sich jetzt auch noch Prominente abfällig über die hessischen Höllequalen in der Bundesliga mit nur einem Punkt aus den vergangenen sieben Spielen…

Giovanni Trappatoni: „Haben gespielt wie Bembel leer“

Tim Mälzer: „Mein Jahresende-Menü „Eintracht“: Erst Handkäs mit Trauermusik, dann Rippchen geprellt a la Nübel und als Nachspeise Apfelabstiegsstrudel.

Greta Thunberg: „Schön, dass die Eintracht Höhenflugscham hat.“

Andreas Scheuer: „Und ich verlange für die Außenbahnen nicht mal Maut!“

Günther Jauch: „Die Frage für eine Million Euro. Welches Maskottchen hat die Eintracht aktuell?

 A) Adler Attila B) gerupftes Hühnchen C) Unglücksschwein D) Monster von Mittelfeld-Loch Ness

Hessen-Lust, Böller-Frust

Ausgerechnet der einzige Hesse auf dem Platz beim Schlusspfiff des Rhein-Main-Derbys hatte Grund sich über die Niederlage der Frankfurter Eintracht zu freuen: Robin Zentner. Denn der in Rüdesheim geborene Torwart des FSV Mainz 05 rettete in der Nachspielzeit mit einer Parade gegen SGE-Flügelflitzer Filip Kostic das 2:1 (0:1). „Ja, das ist schon schön, weil viele im Rheingau Frankfurt-Fans sind und ich auch viele Frankfurt-Fans kenne. Das ist immer ein schönes Gefühl.“

Der 25-jährige erlernte das Fußballspielen bei der SpVgg Eltville, bis er 2006 auf die andere Rheinseite wechselte. Dort trägt er jetzt dazu bei, dass die Eintracht die Derby-Punkte bald kampflos per Flaschenpost den Main entlang schickt, denn bereits zum zwölften Mal in Folge gelingt den Frankfurtern kein Sieg. „Wir wollten Geschichte schreiben, indem wir die erste Mannschaft sind, die in Mainz gewinnt“, gibt auch SGE-Trainer Adi Hütter danach ernüchtert zu. Bei sechs Niederlagen und sechs Unentschieden liegt jetzt die Quote der Hessen bei den Rheinhessen. Zumindest einen Vorsprung und ein Unentschieden hielten die Gäste zur Halbzeit. Mit Kapitän Sebastian Rode aus Seeheim-Jugenheim war die Anzahl der gebürtigen Hessen noch bis zu seiner Auswechslung (74.) 1:1 ausgeglichen und durch den Treffer von Martin Hinteregger der Spielstand auf Seiten der Frankfurter. Doch schon in der Mainzer Pausenatmosphäre hatte der 1,94 cm lange Robin Zentner freie Sicht auf einen Heimsieg ausgemacht: „Wir hatten das Gefühl, dass wir die bessere Mannschaft waren. Das Gefühl in der Kabine war: Ok, wir gewinnen hier auf jeden Fall.“ So kam es auch nach den Toren von Karim Onisiwo und Adam Szalai.

Der Derbysieg lässt die Mainzer (15 Punkte) jetzt von noch mehr Aufwärtstrend träumen. Ein Trend, der an den Rhein-Main-Rivalen (17) vorbeiführt? Immerhin hat die SGE alle Bundesligaspiele seit dem grandiosen 5:1 gegen Bayern München verloren und der FSV beide Spiele seit der Verpflichtung von Trainer Achim Beierlorzer gewonnen. Der Mainzer Sportvorstand Rouven Schröder jedenfalls stellt mit Blick auf die Fakten nüchtern fest: „Wenn Frankfurt das nächste Spiel verliert und wir gewinnen, sind wir vor Frankfurt. Unterm Strich ein verdienter Mainzer Sieg. Und wir waren auch die bessere Fußballmannschaft. Aber jetzt heißt es erstmal hungrig bleiben. Jetzt werden wir mit Selbstvertrauen nach Augsburg fahren.“

Für Eintracht-Trainer Adi Hütter bleiben zwar keine Punkte, es bleibt aber Optimismus vor dem nächsten Heimspiel am Freitag gegen die Berliner Hertha. Denn während der Böller und die Bengalfeuer der sogenannten Fans (Rode: „Das ist sehr ärgerlich, nervt uns auch“) für negative Schlagzeilen sorgen wird, sorgt das kämpferische Feuer seiner Spieler bei ihm für weiter positive Grundstimmung: „Man hat gesehen dass die Mannschaft Power hat, trotz Spiel Nummer 26 und in Unterzahl. Mich freut es eine Mannschaft zu sehen, die mit Leidenschaft Fußball spielt und daran glaubt noch den Ausgleich zu erzielen.“

Jetzt heißt es für die „echten“ Südhessen aber wieder eine Saison warten, bis die nächste Gelegenheit kommt, Geschichte zu schreiben und den ersten Bundesliga-Sieg in Mainz zu erleben. Und der „falsche“ Südhesse, Robin Zentner, kann sich sicher sein, in den nächsten Tagen Ruhe vor seinem Eintracht-Freundeskreis zu haben, wie er in seiner Derby-Sieger-Nacht mit sichtlich guter Laune durchblicken lässt: „Die sind, denke ich, morgen still.“                                         

EM-Hoffung made in Frankfurt

„Serge ist ein geiler Kicker!“ So kurz und knapp und korrekt fällt die Beschreibung von Offensivkollege Julian Brand über Serge Gnabry aus. Nach dem 6:1 (2:1) der Deutschen Nationalmannschaft über Nordirland ist eines klar: Nicht nur wegen seiner drei Tore an diesem Abend bewegt sich der Bayern-Angreifer auf Weltklasseniveau. Aber wie sieht es mit der deutschen Auswahl an sich aus? War alles am Jahresabschluss Weltklasse, oder hat Bundestrainer Joachim Löw recht, als er vor dem Spiel reihenweise Mitkonkurrenten (von Frankreich über Belgien bis Italien) als besser einstufte? Und wie ist es mit der anderen Diskussion – der um zu viele freie Sitzplätze und zu wenig Wertschätzung für den Umbruch und die aktuelle Spielweise?

Für Oliver Bierhoff, den „Direktor Nationalmannschaften und Akademie“ und somit oberster Lobbyist für EM-Euphorie, ist es nach dem überzeugenden Auftritt in der Frankfurter Arena fast ein Bedürfnis alle Diskussionen fast gleichzeitig zu befrieden: „Wir haben eine Auslastung von 93%. Das ist nun mal Fakt. Ich glaube, der gefühlte Blues ist stärker als der faktische Blues. Aber wir nehmen das natürlich wahr und ich habe immer gesagt: Wir haben unsere Fans stark enttäuscht bei der WM 2018. Und wie bei anderen Dingen braucht es wieder Zeit, Vertrauen zu gewinnen, auch diese Begeisterung. Aber man merkt: eine Mannschaft wächst zusammen, die sich etwas vorgenommen hat. Die Vertrauen gewinnen will, die guten Fußball spielen will, erfolgreich sein will – und vor allem, sich gegenseitig helfen.“ 234 Tage vor dem EM-Finale in London hat sich zumindest eine zusammengewachsene mannschaftliche Geschlossenheit bei den frisch geduschten Interviews gezeigt: Alle sprechen sehr positiv vom Ausblick auf den kommenden Sommer. Auch wenn es, wie bei Brandt, noch Ansagen auf Sparflamme sind: „Trotz Demut, die uns nach wie vor gut steht, stecken wir uns hohe Ziele. Wir sind in der Entwicklung, wir sind ambitioniert, wir müssen noch viel dazulernen, aber wir haben eine Qualität, um am Ende wieder eine Top-Mannschaft zu werden. Das dauert ein bisschen, aber trotzdem sind wir ein Land, das Ambitionen hat und sich auch immer selbst relativ weit oben sieht.“

Sich relativ weit oben sehen: Auch bei den Zuschauern war förmlich greifbar, wie innerhalb der 90+3 Minuten die Stimmung und die Zuversicht nach oben ging. Aus zunächst verregnetem Desinteresse und nordirischer Geräuschhoheit wurde in der Schlussviertelstunde eine gesangfreudige La Ola  à la Alemannia. Aus einer kleinen hessischen Welle soll im Sommer eine Erfolgswelle werden – dafür wünscht sich Kapitän Toni Kroos noch einige schwere Dampfer als Prüfungen: „Im März werden wir zwei wichtige Freundschaftsspiele haben, weil  die auf sehr guten Niveau stattfinden werden. Auf besserem Niveau als jetzt zum Beispiel die letzten drei Monate, weil wir bessere Gegner haben werden. Ich denke, dass wir in der EM zu Hause gute Chancen haben werden das Publikum auf unsere Seite zu ziehen.“

Besonders eine ganz besondere Teamaufstellung der Deutschen Nationalmannschaft könnte die Erwartungshaltung im Land des viermaligen Weltmeisters weiter steigen lassen: Trapp, Süle, Rüdiger, Havertz, Sané, Draxler, Kehrer, Halstenberg, Reus… – unter anderem diese Elitekicker waren alle wegen Verletzungen NICHT in Frankfurt einsetzbar. Es rollt, bei allen offensichtlichen Problemen beim Verteidigen,  zunehmend ein immer größerer Kader auf die EM zu. Sozusagen ein Umbruch-Aufbruch-Kader. Der verbreitet berechtigte Hoffnung, wie Verteidiger Jonathan Tah angriffslustig feststellt: „Wir sind eine Mannschaft, die sehr viel Potential hat, in der sich sehr viel verändert hat und die immer mehr dazulernt und sich weiterentwickelt. Ich denke, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Viele haben sich schon geäußert, dass wir nicht Favorit sind, aber ich glaube, dass wir eine gute Rolle spielen können.“

Auch beim zweifachen Torschützen Leon Goretzka ist der Trend sein Friend: „Wir sind immer noch nicht da, wo wir hinwollen, wo wir auch hin müssen, um Erfolg zu haben im Sommer. Aber wir haben den nächsten Schritt gemacht. Wir wussten, dass der Eindruck, den wir heute hinterlassen, bis März bleibt und dementsprechend engagiert haben wir uns heute gezeigt.“ 

Noch einmal zur Ausgangsfrage, die nach der aktuellen Form am Ende dieser Qualifikation. Wo zwischen Außenseiter und Weltklasse steht die Auswahl des DFB? Darauf hat Joshua Kimmich eine sehr pragmatische Sicht. Eine zu frühe Weltklasse würde nicht als Glücksbringer durchgehen: „Wenn ich auf die Qualifikation zur WM 2018 blicke: Da hatten wir absolute Weltklasse und wir wissen alle, wie die WM am Ende ausgegangen ist.“

Stark, dieser Mann. Nicklas Stark feiert seine A-Team-Premiere