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Dezember 2014: Beim letzten „Wetten, dass…?“ werden wohl wirklich wunderbare Wetten wieder nicht berücksichtigt. Hier einige Fußball-Wetten, die es morgen nicht in die Sendung schaffen:
Die unwahrscheinlichste Wette
Pep Guardiola wettet: „Ich könnte die Mannschaft so aufstellen, dass Bayern München nicht Meister wird.“
Die Wette mit Näschen
Felix Magath wettet: „Ich kann die Medizinbälle aller meiner Ex-Vereine am darauf befindlichen Angstschweiß erkennen.“
Die Geld-Wette
Karl-Heinz Rummenigge wettet: „Ich schaffe es innerhalb einer Minute die festgeschriebenen Ablösesummen aller Bundesligaspieler auszuplaudern.“
Die Verkehrswette
Marco Reus wettet: „Ich finde den Weg mit verbundenen Augen aus jedem Stadion bis zu meinem Orthopäden.“
Die Gehirnleistungswette
Christoph Kramer wettet: „Ich wette, dass ich mich an mehr Minuten des WM Finales 2014 erinnern kann als Paul Gascoigne an Minuten seiner ganzen Karriere.“
Die Ehe-Wette
Lothar Matthäus wettet: „Ich kann alle meine Ex-Frauen in der richtigen Reihenfolge aufzählen.“
Die schmerzhafte Wette
Michael Ballack wettet: „Ich lasse mir die Augen verbinden und mich von allen Nationalspielern der letzten zehn Jahre Ohrfeigen. Ich wette, ich erkenne die Hand von Lukas Podolski.“
Die Telefonjoker-Wette
Waldemar Hartmann wettet: „Ich kann mir bis zum nächsten Anruf merken in welchem Jahr die Weltmeisterschaft 1974 stattgefunden hat.“
Die Taktik-Wette
Joachim Löw wettet: „Die Deutsche Fußball-Nationalmannschaft, kann es noch einmal schaffen einen großen Titel zu gewinnen, obwohl ich Trainer bin.“

Dezember 2014

Quo Vadis Fußball? Nächstes Jahr kommt die Torlinientechnologie hinzu, DFL-Chef Christian Seifert deutet die Möglichkeit einer „automatischen Abseitserkennung“ an und der Video-Schiedsrichter wird schon in einem gemeinsamen Projekt mit den Niederländern getestet. Zum Glück haben wir schon die technischen Voraussetzungen für eine Zeitreise und schalten jetzt direkt in die Live-Übertragung von Sky Gogoanytimeanywhereselectsnap in der Saison 2017/18:
„Koo, Geis, Götze – die Mainzer bauen langsam in ihrem 1-2-7 System über rechts auf. Jetzt – schöner Steilpass – Okazaki schießt, und… Unterkante Latte! Der Schiedsrichter schaut auf die Uhranzeige: TOR! Der Ball muss knapp hinter der Linie gewesen sein. Die Mainzer jubeln – aber zu früh? Stevens, der neue Ex-Ex-Ex-Coach der Stuttgarter wirft seine „Challange“-Karte auf das Spielfeld. Jetzt überprüft der Videoschiedsrichter mittels Eagle-Eye ob das Hawk-Eye richtig lag. Wie sie wissen, liebe Zuschauer, wurde 2015 das Hawk-Eye, bei dem sieben Kameras pro Strafraum den Ball beobachten, eingeführt und 2016 das Eagle-Eye, bei dem 15 Kameras die Bilder der sieben Kameras des Hawks-Eyes überprüfen. Jeder Trainer kann zweimal pro Spiel eine Entscheidung anfechten. Kein Tor! Spiel geht weiter. Abstoß Stuttgart, ein langer Diagonalball auf Werner, der umkurvt die ganze Mainzer Abwehr, alleine vor Karius… Karius hält… welch eine Parade! Jetzt wird Karius bestimmt… ja, er macht es. Er wirft die Werbe-Karte auf den Rasen. Für die Zuschauer, die zu lange im Sommerurlaub waren: Seit dieser Saison, darf jeder Spieler für eine Werbedurchsage nach einer erfolgreichen Aktion in die Kamera sprechen. Karius: ‚Diese Parade wurde Ihnen präsentiert von Gloria Versicherungen.’ So viel hier aus Mainz, wir geben weiter in der Konferenz ans Böllenfalltor zu Darmstadt gegen Offenbach.“

Dezember 2014

Die Torlinientechnik kommt! Neuigkeiten für das Fußball Regelwerk und Anlass zu überlegen: Sind uns alle Fußballregeln noch bekannt? Hier ein Test von www.Fußball-Kolumne.de:

Ein Spieler steht klar im Abseits, wenn…
a) der Schiedsrichter pfeift
b) er Vorsitzender beim „Sepp Blatter Fanclub“ ist
Bei der Seitenwahl mit Kapitänen und Schiedsrichtergespann geht es auch darum…
a) wer den Ball bekommt
b) möglichst viele Bakterien durch ausgiebiges Händeschütteln zu übertragen
„Herbstmeister“ ist…
a) kein offizieller Titel
b) die nächsten 100 Jahre Bayern München
Wenn ein Spieler beim Torjubel sein Trikot auszieht…
a) bekommt er Gelb
b) bekommt er eine Erkältung
Wenn ein Verteidiger ungerechtfertigt ein Foul gegen sich bekommt, hat er seit Oktober…
a) Schaum vor den Füßen
b) Schaum vor dem Mund
Auswertung:
Immer b) angekreuzt:
Glückwunsch, Sie haben Fußball im Herzen, nicht nur im Regelbuch. Für sie ist die Bundesliga ein emotionaler Höhepunkt im alltäglichen Einerlei. Erhalten Sie sich Ihre kindliche Art Fußball zu fühlen.
Immer a) angekreuzt:
Streber!

Dezember 2014

Welch ein Bundesligaspieltag! Borussia Dortmund ist unerwartet Letzter und Bayern München gewinnt unerwartet mit nur einem Tor Vorsprung.
Die Lehren des 13. Spieltages:
1. Nachspielzeit ist subjektiver Humbug
Wer sich schon immer man gefragt hat, wie die Nachspielzeit bemessen wird: Offenbar so, dass die Live-TV-Übertragung am wenigsten gestört wird. Aktuelles Beispiel: Wieder gibt es munter Nachspielminuten vor der Pausentee angezeigt und ausgeführt auf den Plätzen. Doch, oh Wunder: Ausgerechnet in Berlin, wo das Spiel wegen einer Verzögerung etwa vier Minuten später startete, wird (trotz Torjubel und Verletzungsunterbrechung) auf die Sekunde abgepfiffen.
2. Geld schießt doch keine Tore
Am Tabellenende: Dortmund, Hamburg und Stuttgart. Allesamt Vereine mit deutlich mehr Spieleretat wie die auf einem europäischen Tabellenplatz zu findenden Augsburger (4.). Auch die Aufsteiger Paderborn und Köln sind vor den Dortmundern. Tendenz oder Zufall? Antwort könnte eine Studie der DFL geben. Die kommt zum Ergebnis, dass die Bundesliga von allen Top-Liegen die mit der größten Spannungsfaktor – also der größten Wahrscheinlichkeit, dass jeder gegen jeden gewinnen kann. Es könnte also sein, dass die Jugendarbeit und ausgefeiltes Scouting die finanziellen Wettbewerbsnachteile abmildern.
3. Medienaufgeregtheit so stark wie voll total noch niemals jemals
Erinnern Sie sich? Shiji Kagawa kam aus Manchester zurück, machte gleich ein (!) gutes Spiel und wurde in der Presse belobigt bis in den Fußballhimmel. Anderes Beispiel: Borussia Mönchengladbach schwang sich zu Beginn der Saison auf zur besten Niederlagen freien Serie seit Weisweiler und die Gazetten schwappten über in Richtung „Bayernjäger“ und wie genial Lucien Favre ist. Favre ist gut – aber geht es nicht auch eine Nummer kleiner?
4. Glück oder Geschick?
Die Glücksfrage, oder wie die BILD es beschreibt „der Aberglaube“, hat Armin Veh zum Aufgeben in Stuttgart bewogen. Schnell las man von den vielen verschiedenen Aufstellungen, die Veh wählte. Ein Krisengrund? Zumindest nicht in München – Herr Guardiola hat auch jedes Mal neues Personal… sein

Rücktritt steht nicht bevor.

Spielbericht –

Eintracht Frankfurt – FC Bayern München

 

Hinten „Franz“ und vorne Müllert’s
Bayern München auch von tapferen Frankfurtern nicht aufzuhalten
4:0 gegen Eintracht Frankfurt. Bayern siegt im Retro-70er-Stil! Hinten, auf Höhe der Innenverteidiger, gibt Xabi Alonso den Kaiser Franz mit feinem Füßchen, scharfem Auge, Ruhe am Ball. Und vorne Müllert’s. Mit seinem Dreierpack betoniert Nationalspieler Thomas Müller die nächsten drei Bausteine zur Erweiterung der Tabellenführung. Seine Tore erinnern an Vorbild Gerd, den „Bomber“ der Nation und besonders sein letztes gefällt ihm: „Erst ab einem 3:0 ist die Katze im Sack, kann man nach Hause fahren. Wir haben gut die Periode vor der Länderspielpause abgeschlossen – die Ergebnisse passen, die Spielweise passt.“
Für die Eintracht passt nach der fünften Pflichtspielniederlage gar nichts, außer dem Einsatz. Der stimmt Trainer Thomas Schaaf auch milde: „Bis zum 2:0 waren wir gut im Spiel. Wir haben uns nicht versteckt, was fehlt, ist, wenn man den Ball hat, den Gegner in Not zu bringen.“ Auch Gäste-Coach Pep Guardiola zollt freundlich Respekt: „Es ist immer schwer nach der Champions League, besonders auswärts gegen einen so aggressiven, pressenden Gegner.“
Die Münchner zunächst tatsächlich nur im Arbeitsmodus gegen die vielbeinige Abwehr. Bis es zum ersten Mal Müllert. Frank Ribery setzt sich bis zur Grundlinie durch, Thomas Müller vollendet (22.). Nach viel Kampf aber spielerischer Magerkost gab es erst vor dem Halbzeitpfiff vier M&Ms für die Eintracht-Fans: Vier Mutmacher-Minuten. Die drei ersten Chancen für die Hausherren ab der 40. Spielminute. Zunächst setzte sich Haris Seferovic, der ins linke Mittelfeld zurückgezogen wurde, gegen Jerome Boateng durch – seine Hereingabe rettete Manuel Neuer vor Makoto Hasebe. Neuer kurz darauf ganz stark gegen einen Meier-Freistoß. Schließlich lief Stefan Aigner noch aufs Bayerntor zu, ließ sich aber abdrängen. Auf der Gegenseite sorgten auch die Bayern für einen „Mutmacher“: Lewandowski ganz unlewandowskimäßig frei vor dem Tor mit einem Fehler bei der Ballannahme. Also doch: Die Bayern sind fehlbar – und liegen nur 1:0 vorne. Geht da noch was?
Ja – zumindest geht das Stimmungsbarometer nach oben. Angestachelt von einigen Schiedsrichterentscheidungen baut sich die Lautstärke der 51.500 Zuschauer auf – und das baut die Adler auf. Eintracht jetzt mit noch mehr Leidenschaft, mehr Spielanteilen, mehr Anfeuerungsgesängen. Aber ohne Thomas Müller, dem Stimmungskiller. Sein flacher Schlenzer zum 2:0 (64.) und seine Schussgrätsche zum 3:0 (67.) waren das Ende vom Lied und aller Lieder. Laut wurde es dann erst wieder, als der Ex-Frankfurter Sebastian Rode unter Pfiffen für Lahm eingewechselt wurde. Rodes Revanche: Das 0:4 von Xherdan Shaqiri (86.) bereitet er vor.
Eintrachts starker Keeper Felix Wiedwald, denkt jetzt schon an die nächsten schweren Aufgaben in Mönchengladbach und gegen Dortmund: „Wir wissen, dass wir schwere Gegner vor der Brust haben. Aber wenn wir so aggressiv sind wie heute werden wir uns den Erfolg erarbeiten.“
Bayern wieder einmal haushoch überlegen und allen ist klar: Mögen auch nach Borussia Dortmunds internationalen Galaauftritten blamable Pleiten in der Liga folgen, beim FC Bayern München ist auch samstags Champions League.

November 2014

Porträt José Holebas:

Ein Kämpfer in der Gladiatoren-Stadt
Viele Wege führen nach Rom – einer davon ist ungewöhnlich. Es ist der besondere Weg von Fußballprofi José Holebas. Der Linksverteidiger des AS Rom lief diese Woche vor gut acht Millionen Fernseh-Zuschauern und 68.000 Fußball-Fans im Münchner Stadion zur Champions-League Hymne gegen den FC Bayern ein. Für alle in der Arena ein großer Abend, für ihn ein größerer. Mit diesem Ort schließt sich für ihn ein Karrierekreis: „Ins alte Stadion, wo alles angefangen hat. Wahnsinn. Klar, ein Blick mit Rückblicken“, erinnert sich der gebürtige Aschaffenburger an 2007, als der mittlerweile 30jährige beim Zweitligisten 1860 München sein Profidebüt hab.
Zu diesem Zeitpunkt bereits mussten sich in seiner Heimatstadt einige Weggefährten die Augen gerieben haben. Denn es ist die „vom Tellerwäscher zum Millionär“ Geschichte: Nach seinen Jugendstationen (FC Südring, FC Kleinwallstadt, Teutonia Obernau) deutete trotz Kreisauswahl-Berufungen (im Jahrgang mit Daniel Baier und Marcel Schäfer) wenig auf das spätere Happy End hin. Die damalige Freundin des 18jährigen wurde schwanger und als junger Vater stieg er aus einer Lehre und dem Fußballsport aus – volle Konzentration auf Tochter Tanisha. Doch mit Tanisha wurde auch Josés Kämpferherz neu geboren. Sein Onkel Alfonso Smith überzeugte ihn, wieder, nach einem Jahr Pause, mit Fußball zu beginnen: Über den Kreisligisten SV Damm und den Landesligisten Viktoria Kahl stürmte der Offensivspieler bis zum Regionalligisten 1860 München II – und von dort zu den Profis unter Trainer Marco Kurz: „Ich bin schon immer der Kämpfertyp. Ich hatte schon immer viel zu kämpfen im Leben. Ich kenn kein anderen Weg und aufgeben ist nicht. Es waren viele Gründe, dass ich es geschafft habe. Der größte Grund war meine Tochter Tanisha. Dann kam die Familie, wenn auch nur teilweise – was auch ein bisschen enttäuschend war, aber mich nie zurückstecken ließ.“
Der nächste Karriere-Kick kam mit Löwen-Coach Ewald Lienen, der Holebas zum Linksverteidiger machte und ihn 2010 bei seinem Wechsel zu Olympiakos Piräus mitnahm. Auch wenn es für Lienen selbst nur ein kurzes Engagement war, sein Schützling lebte noch mehr auf: Vier Meisterschaften, zwei Pokalsiege, Champions League und eine neue Nationalität. Weil sein Vater Achilles Grieche ist, nahm er die Staatsbürgerschaft an, wurde 2011 in die Nationalmannschaft berufen und spielte die EM 2012 und die WM 2014. Auch abseits des Platzes sorgte der 1,84m große Modellathlet, im wahrsten Sinne des Wortes, für Aufsehen. Er zierte das Titelblatt der griechischen Ausgabe eines weltbekannten Fitness-Magazins und ließ sich unter anderem das Aschaffenburger Schloss Johannisburg auf den Rücken tätowieren – mit Bedacht wie er betont: „Meine Tattoos haben alle Bedeutungen. Ich bin nicht so wie die Meisten, die sich einfach tätowieren ohne Sinn. Und mein Rückentattoo ist mein Lebensweg: Wo ich herkomme, mein weg mit Höhen und Tiefen, zwischen Guten und Bösen.“
Das Gute im Fußball sucht er seit diesem Sommer in der Hauptstadt von Bella Italia, nicht in Bella Bundesliga. Obwohl in seiner Abwesenheit die Gattung Linksverteidiger zur wertvollen Handelsware bis hinein zur Nationalmannschaft geworden ist: „Ich bereue nichts auf meinem Weg. In Deutschland hat man mir nie was zugetraut und nie eines Blickes gewürdigt, von daher ist es mir egal. Bundesliga steht nicht auf dem Plan ich bin Römer. Ich bin sehr zufrieden, was mein Wechsel angeht zum AS Rom. Ist ne super Stadt, aber mein Leben ändert sich dadurch nicht mehr – es bleibt das Selbe, weil ich eh nur viel unterwegs bin“. Unterwegs auf der Linksverteidigerposition ist er nur im Schichtbetrieb mit Konkurrent Ashley Cole. Wie im Hinspiel (1:7) teilte er sich auch bei der 0:2 (0:1) Niederlage am Mittwoch jeweils eine Halbzeit mit dem Engländer. Auch in der Serie A wechseln sich die beiden ab. Holebas der athletischere Spieler, Cole der technisch feinere. Trainer Rudi Garcia hat noch keine klare Linie an der Linie gefunden.
Bei seiner Vorstellung in Rom gab Holebas allerdings eine ganz klare Richtung vor: „Ich bin 30, aber trotzdem hungrig auf Titel.“ Das bekräftigt er diese Woche noch einmal, auch wenn die Champions League selbst aktuell noch nicht realistisch erscheint: „Mein Ziel ist es mit AS Rom die Meisterschaft zu gewinnen. Alles andere ist erstmal Nebensache.“ Es wäre der erste „Scudetto“ für den aktuellen Tabellenzweiten seit 2001 – und ein weiterer Meilenstein auf Holebas ganz besonderem Weg.

November 2014

Im November also: Der DFB-Film „DIE MANNSCHAFT“ im Kino. Jetzt arbeiten Bundesligisten an eigenen Dokus. Erste Einblicke in Arbeitstitel:
Werder Bremen: „Keine Mannschaft“
HSV: „Jurassik Park KIKA Version – keine Angst vor dem süßen Dino“
Bayern München: „Das Fernglas zum Hof – wo sind die Gegner?“
BVB: „Denn sie wissen nicht was sie tun… wenn Bundesliga ist“
SC Paderborn: „Die Glorreichen siegen“
Schalke 04: „Der Homöo-Pate – mafiöse Mittel gegen Verletzungspech“

Oktober 2014

NOMEN EST OMEN?

Müller müsste man als Fußballer heißen. Der Name bürgt für Tore. Egal ob Gerd, Dieter oder Thomas – sie bescherten uns sogar eine eigene Vokabel: Es „müllert“. Weniger erfolgreiche Angreifer, oder in diesen Fällen Angriffsversucher, bekommen einen unangenehmen Beinahmen verliehen und firmieren forthin als „Chancentod“.
Eine Sportlerin in China hat jetzt namenstechnisch ihr Schicksal selbst in die Hand genommen. Die 19jährige Turnerin Jinnan ist schon Stufenbarren-Weltmeisterin, doch sie will weitere Titel nicht dem Zufall überlassen. Weil ihr Name bedeutet „Gold, das schwer zu erreichen ist“, hat sie sich in Yao Ziyi umbenannt. Ein neutraler Name ohne Bedeutung. Das ist in doppelter Hinsicht eine bemerkenswerte Meldung, weil sie erstens das Kapitel „Aberglaube“ um eine weitere Erzählung erweitert und zweitens dem Klischee von den Chinesen, die Erfolgreiches „Made in Germany“ kopieren, entgegenläuft. Sie hätte sich ja auch Yao Gienger oder Yao Hambüchen nennen können. Auch in der chinesischen Fußball-Liga ist von irgendwelchen Lee Müllers nichts zu finden.
Lasst jetzt umgekehrt uns diese Idee kopieren und aus neutral-deutschen Namen lieber abergläubisch-wirkungsvolle Bedeutungen wählen. Sollte nicht aus Joachim Löw vielmehr „Mann, der neuen Lahm bekommt“ werden, oder aus Horst Heldt besser „Manager, der einen Trainer für viele Jahre findet“? Und warum nicht die ganze Veranstaltung hierzulande umtaufen: Statt Bundesliga lieber „Die Meisterschaft, die bis zum Schluss spannend bleibt“. Nomen est omen? Der HSV ist auf gutem Weg – hat sich zumindest Nicolai Müller geholt.

Oktober 2014

Porträt Daniel Baier

Aschaffenburg als Heimat, Augsburg als Zuhause
Für Rekordserien in der Fußball-Bundesliga sind die Bayern zuständig – und ein Baier. Von allen aktuellen Feldspielern kann Daniel Baier (FC Augsburg) auf die längste Serie von Spielen hintereinander über 90 Minuten verweisen. Bis zum 1:0 Sieg in Frankfurt im September 2014 stand er 48 Bundesligapartien am Stück auf dem Feld. Seine Auswechslung am 3. Spieltag in der 85. Minuten aus taktischen Gründen hat er gegen die ersten drei Saisonpunkte eingetauscht. Am jüngsten Arbeitstag malochte er sogar „Überstunden“. Beim 1:2 in Mainz stemmte sich der 30jährge mit Ballgewinnen, Flanken und einem Schuss in der Nachspielzeit gegen die Niederlage. Und auch zuvor war der defensive Mittelfeldspieler mit 102 Ballkontakten der mit Abstand Aktivste – als kontaktfreudigster Mainzer war Johannes Geis 70 mal am Ball. Der Dauer(b)renner zu seiner eingebauten Fitness ohne Verletzungen: „Da gibt es kein spezielles Geheimnis. Ich versuche jedes Training zu machen, mich gesund zu ernähren, viel Schlaf. Ich merke schon, wenn ich abends auf die Pirsch gehe mit den Jungs – dann brauche ich schon einige Tage bis ich wieder fit bin, wieder erholt bin. Von daher gehe ich nicht mehr so oft aus.“
Geboren in Köln, den Ball bekommen in Aschaffenburg: Über die Jugendstationen Teutonia Obernau, TSV Mainaschaff, Viktoria Aschaffenburg wurde er bei 1860 München Profi und später in Wolfsburg und Augsburg Bundesligaspieler. In den Fußstapfen des Vaters: Jürgen Baier (444 Profi-Spiele) ist Trainer geworden (aktuell SV Erlenbach), verschonte seinen Sohn allerdings mit taktischen Belehrungen: „Der hat sich rausgehalten. Da bin ich auch sehr froh drum. Der war nicht so ein Vater, der dann immer kommt mit ´das war super´ oder ´das kannst du besser machen´. Der hat sich da komplett rausgehalten.“ Von seinem Vater hat er noch mehr als Talent geerbt. Alle, die beide kennen, beschreiben sie als sympathische, bodenständige Typen. Und familiäre. Daniel Baier hat sich die Anfangsbuchstaben seiner Familienmitglieder auf die Haut tätowieren lassen, im Herzen trägt er zwei Städte mit sich herum: „Aschaffenburg, da leben meine Eltern, das ist meine Heimat. Aber für mich persönlich, für meine Familie, die ich jetzt gegründet habe, ist Augsburg mein zu Hause. Meine Tochter ist hier zur Welt gekommen (seine 2. Tochter im Juli; d. Red.). Wir wohnen schon fünfeinhalb Jahre da und können uns auch vorstellen nach der Karriere hier zu leben.“
Doch zu früh sollten sich die Verantwortlichen nicht sicher sein, was das Karriereende (Vertrag bis 2016) in Augsburg betrifft: „Ich will schon noch lange spielen und will schon noch was erleben. Vielleicht noch mal Auslandserfahrung machen, aber damit beschäftige ich mich jetzt sicher nicht.“
Zum Wohlfühlen in Augsburg gehören im Augenblick weniger die nur neun Punkte aber sicher das ruhige Umfeld und die Lobeshymne von Manager und Weltmeister Stefan Reuter: „Er ist für uns ein enorm wichtiger Spieler, der das Spiel lenkt, der das Spiel liest und der wahnsinnig ballsicher ist. Er hat in den letzten Jahren eine ganz tolle Entwicklung genommen beim FC Augsburg. Auch außerhalb des Platzes: Ein absoluter Führungsspieler!“
Ein Führungsspieler mit Aschaffenburg als Heimat und Augsburg als Zuhause. Ein Baier in Bayern.

Oktober 2014

Eine irre Streikwoche: Arbeitsverweigerung bei Lokführern der Bahn, Piloten der German Wings und Offensivkräften der Fußball-Nationalmannschaft.

Oktober 2014

Oder war es doch viel in letzter Zeit, was wir Ball-Begeisterten und in den letzten Jahren gewöhnen mussten. Ein Versuch: Man stelle sich vor, ein Fußball-Fan wäre in den 80ern ins Koma gefallen und jetzt erst wieder aufgewacht. Würde er sich über diesen Satz anno 2014 nicht sehr wundern:
Die falsche 9 des Bundesligisten Paderborn twittert den #Geständnis an seine Follower, dass er mit einem Shitstorm rechnet, weil er der Community bei seinem Facebook-Account gepostet hat, dass er mit Freistoßspray dealt.
So ist das eben: Die Zeit steht nicht still. Es gibt eine Zeit vor Torlinientechnik, Freistoßspray und Schiedsrichtern mit (teilweise sogar funktionierender) Funkverbindung. Es wird auch eine Zeit für noch mehr Neuigkeiten geben – und es besteht die berechtigte Hoffnung, dass in dieser Zeit zumindest die Faktoren „Spieler, Ball, Tore“ erhalten bleiben. Vielleicht verstehen wir dann auch einen Satz wie diesen:
Die richtige 4 des Bundesligisten RB Bretzenheim pixelchipt an die Marsmen, dass die 200 Computerreferees einen Lovestorm gecheckt haben, weil sie die 254.174 Fehlentscheidungen seit 1966 repostet haben.

Spielbericht 10/2014

Mit Kopf und Kampf Richtung Europa

Alex Meier führt Eintracht Frankfurt zum 3:2-Sieg gegen den 1. FC Köln

Mit dem 3:2 (1:1) gegen den 1. FC Köln hat Eintracht Frankfurt nicht wenigen seiner Fans ein Schmunzeln ins Gesicht gezaubert: Die von Ex-Trainer Armin Veh verlassenen Hessen grüßen aus den Europaleague Regionen, während sich das von Veh vermutet größere Potential in Stuttgart auf dem Relegationsplatz befindet. Eine Momentaufnahme am siebten Spieltag, aber der neue Fußballlehrer am Main, Thomas Schaaf, will sich mit diesem Moment nicht zufrieden geben: „Wir können natürlich noch viel besser spielen.“. Ein berechtigter Ansporn, denn die drei Punkte waren kein Resultat einer Überlegenheit, überlegt Frankfurts Vorstandschef Heribert Bruchhagen: „Das Spiel war geprägt durch Torchancen auf beiden Seiten. Alles war möglich, das Spiel hätte in jede Richtung kippen können.Wir haben aufopferungsvoll gekämpft und gezeigt, dass wir auch mit Einzelaktionen in der Lage sind ein Spiel rumzureißen. Haris Severovic hat die beiden Tore sehr toll vorbereitet und wie wichtig Alex Meier ist, das wissen wir ja.“. Zunächst kippte das Spiel auf die Kölner Seite. Nach 432 Bundesligaminuten ohne Treffer erlöste Marcel Risse, glänzend freigespielt von Kevin Vogt, den jubelentwöhnten Anhang (16.). Dann der erste Auftritt des neuen Frankfurter Erfolgsduos. Flanke Seferovic von rechts mit dem Außenrist – Kopfball Meier (44.). In der Pause sahen sich die beiden offenbar „Zugabe“-Rufen in der Kabine ausgesetzt. Also noch einmal: Flanke Severovic von rechts, diesmal mit der Innenseite, Kopfball Meier (54.). Der bescheidene, zu Beginn der Saison nur spärlich eingesetzte Kapitän mit dem Dank an den schweizerischen Vorbereiter: „Das war nicht mehr so schwer – das waren super Flanken“.
Frankfurt mischt oben mit, ist aber noch keine Spitzenmannschaft. Das zeigte sich in der Folge. Statt das Spiel zu beruhigen, blieben Kampf und Offensiveifer anfällig. Wieder spielte Vogt, diesmal lang und diagonal, die SGE-Abwehr aus. Nutznießer, frei vor dem fehlerfreien Torwart Wiedwald, Jonas Hector (65.). Das Siegtor hätte auf jeder Seite fallen können, was die 51.500 Zuschauer im ausverkauften Stadion überrascht haben dürfte. Schließlich waren in sechs Spielen mit Kölner Beteiligung zuvor insgesamt fünf Tore zu notieren. Der Schlusspunkt: symptomatisch für den glücklichen, aber durch das Torschussverhältnis von 19:12 nicht unverdienten Erfolg der Hessen. Eine Ecke sprang Innenverteidiger Wimmer an Bein und knapp über die Torlinie. In Zukunft ein Fall für die Videotechnik, aktuell ein Fall für den Unmut von Vogt: „Wir hätten den Sack zumachen oder wenigstens erhöhen können und dann fangen wir uns so doofe Tore. Das ist ziemlich bitter, heute war auf jeden Fall mehr drin.“. Dass für die Eintracht diese Saison mehr drin unterstreicht zumindest Marco Russ mit Blick auf den nächsten Auswärtsgegner nach der Länderspielpause: „Paderborn spielt eine super Saison, aber wenn wir da etwas holen, sind wir weiter oben dabei und das sollte unser Anspruch sein da oben zu sein und nicht unten rumzudümpeln“. Zum nächsten Heimspiel der Eintracht kommt Armin Veh mit seinen Stuttgartern an die Stätte, die ihm nicht mehr genug war. Der muss gerade rumdümpeln.

Oktober 2014

Luftlinie sind es nach Mainz nur 6.602 km! Womöglich kann also Fußball-Profi Manuel Friedrich seinen neuen Klub zu einem Freundschaftsspiel gegen seinen früheren überreden. FSV Mainz 05 gegen Mumbay City FC hieße diese Begegnung. Es fällt nicht schwer zu vermuten, dass dann auch ein Rückspiel in deren 55.000 Zuschauer fassenden Stadion den Milliardenmarkt Indien erschließen könnte. Und Achtung: Mumbay City CF ist in Pflichtspielen unbesiegt! Das erste Pflichtspiel seit der Vereinsgründung Anfang diesen Jahres kommt nämlich erst.
Am 12. Oktober beginnt die neu installierte „Indian Super League“ mit acht Teams und endet schon am 20. Dezember. Insofern ist diese Liga für die FIFA ein Vorbild für alle Ligen der Welt, denn bei einem derart straffen Zeitplan könnte man problemlos ab 2022 alle vier Jahre eine Januar-WM in Katar stattfinden lassen.
Es ist allerdings nicht anzunehmen, dass die importierten Stars der indischen Liga 2022 noch aktiv sind, wenn man die Namen Alessandro del Piero oder David Trezeguet liest.
Zum interessanten Regelwerk gehört, dass jedes Team mindestens sieben Ausländer haben muss – aber auch 14 indische Fußballer und sogar vier davon aus der Stadt, in der der Club ansässig ist. Fußball soll bekannt gemacht werden, durch die frische Liga – das muss das Wortspiel erlaubt sein: Fußball bald „in“ in Indien?
Neben Manuel Friedrich als deutscher Vertreter und Nicolas Anelka ist ein offensichtlich besonders eifriger Ländersammler in Mumbai reaktiviert: Der Schwede Fredrik Ljungberg war nach seinen erfolgreichen englischen Zeiten auch noch in USA, Schottland und Japan – jetzt nach (!) seinem Karriereende 2012 in Indien.
Der Mumbay City FC in der beschaulichen 12-Millionen-Metropole gehört übrigens zwei Bollywood-Schauspielern. Dass Manuel Friedrich in seinem indischen Verteidigungsspiel nun Singen und Tanzen integrieren muss, ist allerdings nicht zu erwarten. Schießen und Grätschen reicht. Auch in Indien.
September 2014

Vor der Saison 14/15: DREI FRAGEN AN…
Harald Strutz, Präsident des FSV Mainz 05
Er ist Bundesliga-Rekordhalter und einer der wichtigsten Fußball-Funktionäre in der Weltmeister-Liga: Harald Strutz ist im 26. Jahr Präsident des FSV Mainz 05 und damit länger im Amt als alle anderen. Außerdem ist er sowohl beim Deutschen Fußball Bund als auch in der Liga-Verband DFL Vizepräsident. Nach dem bitteren Aus in der Euro-Qualifikation stellte er sich vor Kasper Hjulmand: „Bei uns kann ein Trainer verlieren.“ Für Fussball-Kolumne.de stellt er sich den „3 Fragen“

Als dienstältester Präsident haben Sie auch das dienstälteste Bauchgefühl aller Vereinsbosse. Was verrät Ihnen Ihr Bauchgefühl vor dieser Saison?
„Das ist schwer zu sagen, weil die neuen Spieler mit dem neuen Trainer erst einmal eine Einheit bilden müssen. Das braucht seine Zeit. Ich glaube, dass wir eine gute Mannschaft haben – gut in dem Sinne, dass sie ein gutes Team bilden werden.“
Ihr Verein ist in seit dem Wiederaufstieg 2009 fünftbester Punktesammler und macht außerdem noch Gewinn. Sportliche Stabilität ohne Schulden: Inwiefern ist Mainz 05 Vorbild für andere Profivereine?
„Ich glaube wir haben natürlich eine eigene Vereinsphilosophie. Wir haben auch gezeigt, nach dem Weggang von Thomas Tuchel, dass wir eine klare Vorstellung haben, was einen neuen Trainer betrifft und dass wir Spieler im Team so aussuchen, dass sie bereit sind für den Verein zu leben, für die Fans zu spielen. Wir machen das ganz bewusst. Man muss immer wieder sehen: im Konzert der Großen haben wir keine Chancen, wenn wir nicht diesen Teamgedanken finden. Und wir wissen, dass nur derjenige obsiegt, der ein starkes Team hat. Siehe: Weltmeisterschaft, Deutschland!“
Ein Blick in die Zukunft: Bayern München wieder Meister, Mainz 05 wieder Siebter – würden Sie das jetzt unterschreiben?
„Sofort! Ich glaube für uns wird es schwieriger. Ob jetzt München oder Dortmund, vielleicht auch mal Schalke Meister wird, kann man überhaupt nicht voraussagen, auch Wolfsburg, das sind ganz andere finanzielle Mittel. Dennoch glaube ich, dass man alle Mannschaften – das ist die Stärke der Bundesliga – schlagen kann. Man ist jetzt nicht mehr das Kanonenfutter, wir haben uns auch stabilisiert und wenn wir den siebten Platz erreichen würden, das wäre ein unglaublicher Erfolg. Ich glaube, das Wichtigste ist für uns sowieso immer in der Bundesliga zu bleiben. Die Konkurrenz mit den Aufsteigern, insbesondere Köln, ist natürlich stärker geworden, gerade was die finanziellen Möglichkeiten und auch was die gesamte Euphorie dieser Vereine dort betrifft. Das ist wieder eine Riesen Herausforderung.“

Neue Moden im alten Fußball.

Besonders beliebt bei den Spielern: Daumen hoch beim Offensivspieler nach einem völlig missratenen „langen Ball“ des Kollegen. Hauptsache positiv bleiben. Man wünscht sich fast wieder einen herzhaft-ehrlichen Effenberg-Anschiss für den dusseligen Mitspieler mit den Skischuhen an den Füßen.
Und auch in der Reporterbranche gibt es einen elenden Trend. Nachdem man fein gelernt hat, dass die Reporterfrage „wie fühlen sie sich?“ keine originelle Reporterfrage ist, wird jetzt so gefragt: „Man darf das ja als Reporter nicht fragen – aber ich frag mal: Wie fühlen Sie sich?“. Das ist vergleichbar mit einem Bankräuber, der sagt: „Ich weiß, das darf man nicht, aber ich sag mal: Geld her, oder ich schieße!“.

19. Juli 14
Frisch aus der „Wer wird Millionär“-Redaktion:
Warum ist Philipp Lahm zurückgetreten?
a) Weil er nicht wieder auf eine Verletzung von Mustafi warten will, um auf Außen spielen zu dürfen
b) Weil ein Arzt angesichts der Körpergröße geraten hat: „Noch kürzer treten!“
c) Weil es die sicherste Art ist Groupie Müller-Hohenstein aus dem Weg zu gehen
d) Weil man von Podolski geohrfeigt wird, wenn man zu lange Kapitän ist
14. Juli
FAZIT WM 2014 IN BRASILIEN
1. Reaktionen auf den WM-Titel in Deutschland
A) Der Optimist
„Auf Jahrzehnte hinaus unbesiegbar!“
B) Der Realist
„Das war verdient!“
C) Der Analyst
„Hätte sich Mustafi keine Muskelverletzung zugezogen, hätte Löw den Lahm weiter auf der Sechs spielen lassen und wir wären schon gegen Algerien ausgeschieden. Und auch das verzweifelte Festhalten an Özil machte es unnötig spannend. Schürrle muss dann immer kommen und reparieren!“
D) Der Pessimist
„Oh je – jetzt müssen wir uns nach ’54, 74′ und ’90 noch eine Jahreszahl merken. Außerdem hat diese WM unschöne Folgen für die Volksgesundheit. Wenn die Mannschaft zu weit in einem Turnier kommt, sind die negativen gesundheitlichen Spätfolgen von Bier, Chips, Sofasitzen und Herzmuskelstress nicht zu verantworten. Auch der volkswirtschaftliche Schaden durch die späten Spiele und damit unausgeschlafenen Arbeitskräfte ist zu beklagen.“
2. Ein Hoch auf „Daumen hoch“?
Bei der WM setzte sich eindrucksvoll fort, was in der Bundesliga schon zu bewundern war. Ein „langer Ball“ von hinten auf einen Offensivspieler kann gar nicht schlecht genug sein und kann nicht weit genug ins Aus fliegen, um nicht doch mit einem aufmunternden „Daumen hoch“ vom vergeblich sich die Hacken ablaufenden Mitspieler geehrt zu werden. Manchmal tendiert die aufmunternde Geste in einen gespielten Witz. Wo ist der gute alte „Anschiss“ geblieben? Teamgeist gut und schön, aber ein bisschen mehr Authentizität wäre schön.
3. Löbliche Fußball-Förderung: Danke Bundeskanzlerin!
Nachdem es Angela Merkel regelmäßig nicht zur Anwesenheit bei Weltmeisterschaften im Bogenschießen, Kegeln, Röhnradturnen usw. schafft, hatte sie beim Fußball glücklicherweise wieder einen Platz im Terminkalender gefunden. Das könnte dieser Sportart jetzt zu einem ungeahnten Auftrieb verhelfen.
4. Vereinsblock als Titelgarant
Mit sieben Spielern des FC Bayern München auf dem Platz hat Deutschland das 1:0 geschossen. Damit ist klar: Bei der Europameisterschaft 2016 in Frankreich darf der Deutsche Meister 2015/16 mindestens sieben Spieler für die Stammformation stellen – egal wer die Schale gewonnen hat. Zumindest die Spieler von Schalke 04 sollten also anfangen ihren schnellstmöglichen Vereinswechsel zu planen.
5. Auf dem neusten Stand: Die Nachrichten in der Halbzeitpause
Auf einem Treffen von allen Außenministern, Terroristen, Naturgewalten und Gott wurde vereinbart, dass es während der nächsten Weltmeisterschaft KEINE Ereignisse mit Nachrichtenwert gibt. Prominente über 60 haben zudem eine eidesstattliche Versicherung abgegeben, im Juli 2018 nicht zu sterben. Damit soll gewährleistet werden, dass sowohl die ARD-Tagesthemen als auch die ZDF-heute-Ausgaben in den Halbzeitpausen ausschließlich über Fußball berichten können.
…zu guter Letzt: Blick in die Zukunft
Nach Meinung von Zukunftsforschern provoziert jeder Trend einen Gegentrend. Deshalb hier die wahrscheinlichen Schlagzeilen zur WM 2018:
– Public Viewing out: Immer mehr Deutsche schauen die Spiele mit ihrem Tablet auf dem Klo
– Fußball-Purismus: FIFA reduziert für die Übertragungen die Anzahl der Kameras von 34 auf 33
– Nach reinem Adidas-Finale: Ausrüster einigen sich darauf, dass alle mit ihren Logos auf allen Trikots vertreten sind

8. Juli 14
Vorfreude Halbfinale! Brasilien – Deutschland! Wer wird die Nerven behalten: Der Turnier-Favorit, den eine ganze Nation nach vorne puscht und eine Ansammlung von Ballkünstlern, Supertechnikern und eiskalten Torschützen ist? Oder Brasilien?
6. Juli 14
ZWISCHENFAZIT WM 2014 IN BRASILIEN
Die Vorrunde und die Achtelfinals sind vorbei – die acht Gruppenersten sind übriggeblieben. Zeit für ein Zwischenfazit. Was auffällt:
1. Eine neue Droge ist erfunden:
Kokain, Crystal Meth und doppelter Espresso sind out. Das neuste Aufputschmittel heißt „Videoscreen“. Die früher als „Anzeigetafel“ bekannte und mittlerweile als Multimediakeule in den modernen Stadien strahlende Litfaßsäule, ist nunmehr als Psychotherapeut für betrübte Fans im Einsatz. Liegt die eigene Mannschaft auch hoffnungslos zurück, die schlechte Mine zum schlechten Spiel wird mittels „da bin ich zu sehen“ zum euphorischen Jubelsturm. Doch die FIFA muss nacharbeiten. Zu empfehlen wäre ein leichter Zeitverzug zum Weltbild, damit die wenigen Sekunden Trübsinn noch zensiert werden können.
2. Brasilien spricht bayerisch:
Der Deutsche Rekordmeister stellt mit zehn Spielen den größten „Viertelfinal-Kader“ aller Vereine und ist außerdem mit 14 Toren die bisher besten Vereins-Schützen der Weltmeisterschaft. Im Grunde machen sich jetzt im Nachhinein alle positiven Inputs der bisherigen Trainer bemerkbar:
– Ausgeglichenheit und Ruhe vor dem Tor durch die aufgestellten Buddhas in der Klinsmann-Lounge-Ära
– Kondition und Wille trotz Temperaturen einer Hendlbraterei und der Luftfeuchtigkeit von gefühlten 101% durch die, sagen wir, ausgefeilte Medizinball-Medizin des Felix Magath
– exakte Laufwege mit geometrischer Genauigkeit dank des Mathematikers Ottmar Hitzfeld
– gelernter Titelhunger durch die Triple-Erlebnisse mit dem väterlichen Vorbild Jupp Heynckes
– Tiki Taka 2.0 und Selbstbewusstsein bis zum Mittelscheitel durch Taktikfuchs Pep Guardiola
– und, ähh.. achso… Luis van Gaal war ja auch mal Bayern Trainer. Egal.
3. Bunt geht’s zu am Fuße des Zuckerhuts und des Fußballers:
Offensichtlich sind zwei Kicker-Arten vom Aussterben bedroht: Die nicht tätowierte und mit schwarzen Schuhen spielende Spezies. Die Zunahme von schwarz auf den Armen der Profis ist direkt proportional zu der Abnahme von schwarz am Schuhwerk. Die Ansammlung von Neonfarben an den Füßen hätte jede unserer Mütter erfreut, die uns am liebsten noch mit Katzenaugen um den Hals in den Verkehr eines deutschen Novembertages entlassen hat. Heute zieht man sich freiwillig eine Karnevalsverkleidung als Schuhe an, für die wir damals auf dem Bolzplatz die Ballonseidenhosen herunter gezogen bekommen hätten. Die Entwicklung dürfte, mit dem Wahnsinn von Puma (ausgerechnet das Tier einfarbig, in schwarz) mit zwei unterschiedlichen Farben in einem Paar, noch nicht abgeschlossen sein. Oder es gibt ein Comeback der schwarzen Schuhe – wie mit dem Libero dank Manuel Neuer.

1. Juni 14

Leider hat es nicht geklappt mit dem „Wer Wird Millionär“-Special, bei dem Teilnehmer aus der Fußball-Nationalmannschaft zu Günther Jauch kommen sollten. Schade! Hier aber wenigstens einige der vorgesehenen Fragen:
Was muss man tun, um aus dem Team der Nationalmannschaft geworfen zu werden?
a) Den Mannschaftskapitän vor einem Millionenpublikum ohrfeigen
b) In eine Hotel-Lobby pinkeln
c) Den Führerschein wegen zu hohen Geschwindigkeiten abgenommen bekommen
c) Heimlich in der Halbzeit das Stadion verlassen
Was gilt als Aufnahmeprüfung für die Fußball-Mafia?
a) Für Kathrin eine Rose besorgen
b) Für Karin eine Lilie besorgen
c) Für Katja eine Tulpe besorgen
d) Für Katar eine WM besorgen
Was tut Ex-Fußballern am meisten weh?
a) Tritt an die Wade
b) Tritt an den Kopf
c) Tritt an den Po
d) Haftantritt
Wem sollte man im Trainingslager des DFB lieber aus dem Weg gehen?
a) Einem gereizten Löw
b) Einem grimmigen Mertesacker
c) Einem wütenden Podolski
d) Einem heranrauschenden Mercedes

09. Mai 14

Am nächsten Wochenende wird also auch für den Rest der Bundesliga die Meisterschaft vorbei sein, mit einiger Verzögerung nach Guardiolas Bayern. Aber Fußball ist nicht vorbei – im Gegenteil: Es folgt noch die Copa Iberia, formerly known as „UEFA-CUP“, mit den spanisch-portugiesischen Vertretern Sevilla und Lissabon (14. Mai, Turin).
Außerdem noch die Madrider Stadtmeisterschaft (24. Mai, Lissabon). Damit bekommt der antike Begriff „Europapokal der Landesmeister“ eine ganz moderne Bedeutung: Jetzt wird ein europäischer Landesmeister Spaniens ausgespielt, nachdem im vergangenen Jahr der von Deutschland entschieden wurde.
Nicht zu vergessen: Das Entscheidungsspiel um den Trostpokal für Champions League Aussteiger (kennen viele noch als „DFB-Pokal“) zwischen Bayern München und Borussia Dortmund (17. Mai, Berlin). Hin- und Rückspiel endeten jeweils 3:0 für das Auswärtsteam.
Und da wäre noch die FIFA Sponsor Championship in Brasilien (12. Juni – 13. Juli) im Sommer. Der früher als „Fußball Weltmeisterschaft“ ausgetragene öde Wettbewerb, ist längst eine feine wirtschaftspolitische Show geworden. Mit brisantem Ausrichter-Streit zwischen England und Katar, spannenden Ausrüster-Duellen zwischen Nike und Adidas, sowie dramatischen Ausschreibungs-Gefechten zwischen Bauunternehmen, die gigantische Stadien an Orte pflanzen, an denen nicht einmal ein Bolzplatz gebraucht wird.
Zur Vorbereitung auf das Turnier in Brasilien tritt Deutschland gegen Armenien an. Da beide für Adidas antreten, kann es nur ein Freundschaftsspiel sein. Mit Mainz (6. Juni) immerhin an einem Ort, an dem auf jeden Fall ein Stadion genutzt wird.
18. April:
Es muss an dieser Stelle leider wieder über die Fußball-Zuschauer gesprochen werden. Sogenannte „Fans“ erweisen sich wieder als unbelehrbar und sorgen für Ärger. Neue Hiobsbotschaft kommt via Statistik zum vergangenen Spieltag der Fußball Bundesliga: Laut KICKER hatten die Begegnung des 30. Spieltages mit 377.378 Zuschauern eine Stadionauslastung von 98%. Das ist deutlich mehr als ertragen werden kann. Diesen Skandal gilt es jetzt mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln aufzuarbeiten. Rückblick: Bereits Anfang April hatte der Trainer des FC Bayern München, Josep Guardiola, darauf hingewiesen, dass die Bundesliga aus Sicht seines Vereins „vorbei“ sei. Trotzdem konnten in den vergangenen Wochen einige Unverbesserliche nicht daran gehindert werden, sich, teilweise sogar auf legale Weise, Eintrittskarten für noch pro forma ausgespielte Bundesliga Begegnungen zu besorgen. Nicht einmal die Münchner selbst konnten dem Einhalt gebieten und mussten eine Auslastung von 100% zugeben. Selbst in Mainz, einer intellektuellen Hochburg von Feingeistern (Ausnahme Fastnacht) hat eine 99%-ige Auslastung für Depressionen gesorgt. Lediglich in Sinsheim gibt es Hoffnung durch Hoffenheim und die Gäste des Blockbusters Augsburg. Die 88%-ige (und damit geringste Auslastung) deutet zumindest darauf hin, dass dort bei den Beteiligten die Einsicht eingekehrt ist vernünftigeren Beschäftigungen nachzugehen, wie etwa Auto putzen, den Kindern bei den Hausaufgaben helfen oder eine Bank überfallen. Weitere Missachtungen von klaren Ansagen des Herrn Guardiola sollten auch von DFB und DFL mit mehr Mut sanktioniert werden. Stadionverbote oder zumindest Stadionwürstchenverbote wären denkbar. Parallel forscht ein Expertengremium nach Gründen, weswegen immer noch Zuschauer zu diesem Zeitpunkt, da die Meisterschaft doch entschieden ist, in die Fußball-Tempel pilgern. Eine vorbereitende AG hat da bereits mit Schlagworten wie „Abstiegskampf“ und „Europapokalplätze“ einige Indizien herausgearbeitet.

9. April 14

Bayern München ist auf dem Weg zum Champions League Endspiel in Lissbon, erreicht das Halbfinale – ebenso wie Real Madrid, Atletico Madrid und Chelsea London. Andi Möller würde vor der Auslosung sagen: Egal ob Madrid oder London – Hauptsache Lissabon!

 

05. April 14

SPIELBERICHT:

Aufwärts Richtung Augenhöhe

Durch das 2:0 schreitet Eintracht Frankfurt weg vom Abstieg, hin zum Konkurrenten Mainz / Spannung vor allem nach dem Spiel in der Pressekonferenz

„Wir sind sicherlich nicht zwölf Punkte schlechter!“ Selbst mit dieser auf den Tabellenvorsprung des FSV Mainz 05 gemünzten Aussage im Vorfeld konnte Armin Veh keine besondere Derbystimmung entfachen. Der Trainer von Eintracht Frankfurt sollte nach dem 2:0 (0:0) Bundesliga-Arbeitssieg aber Recht behalten: Jetzt ist sein Team nur noch neun Punkte schlechter. Die Hessen rücken weg von der Abstiegszone, hin zur (mindestens) erwarteten Augenhöhe mit den Rheinhessen. Man kommt sich entgegen. Auch spielerisch, gerade in der ersten Halbzeit. Die beiden taktisch gleichen Grundformationen mit Mittelfeldraute neutralisierten sich optisch und in den Statistiken so sehr, dass man sich an längst vergangene Zeiten erinnerte. An Zeiten vor der Drei-Punkte-Sieg-Regel, in denen ein Fußballschuh noch schwarz und ein Unentschieden mehr wert war. „Ein Tor würde dem Spiel gut tun“, mag sich mancher im nicht ausverkauften Stadion gedacht haben, die Mehrheit aber sicherlich „schon ein guter Doppelpass würde dem Spiel gut tun.“
Zum Fußballspiel wurde das lauwarme Nachbarschaftsduell in Derbyverkleidung erst mit dem Führungstor von Joselu (52.). Der Kopfball auf Vorlage von Sebastian Jung war der fünfte Treffer in den vergangenen fünf Spielen des Spaniers. Die Frankfurter legten jetzt an Selbstvertrauen zu, die Mainzer an Verkrampfung. Trainer Thomas Tuchel analysierte das später unverkrampft ehrlich: „Wir haben sehr umständlich Fußball gespielt. Wir haben träge gewirkt, aber nicht nur körperlich, auch in der Handlungsschnelligkeit, in unseren Gedanken. Situationen zu erkennen, Auffassungsgabe, da waren wir heute weit hinter unserer Bestform.“ Die oft gezeigte Bestform hatte seine Mainzer bis auf den Europapokal-verdächtigen Platz Sieben gebracht. Darauf zurückzuführende Hemmung weist FSV-Mittelfeldarbeiter Christoph Moritz aber zurück: „Natürlich kann man viel verlieren, wenn man bisher eine gute Saison gespielt hat, relativ weit oben steht und die Chance hat etwas mitzunehmen am Ende der Saison. Gehemmt hat es uns sicherlich nicht so, dass wir gesagt haben, wir müssen jetzt unbedingt gewinnen, dass wir Fünfter, Sechster oder Siebter bleiben. Wir haben einfach ein scheiß Spiel gemacht.“
Eine Antwort, zumal nach dem 2:0 durch den wiedergenesenen Alex Meier (85.), blieben die Gäste womöglich auch wegen des Ausfalls von Nicolai Müller (Kniereizung) schuldig. Dessen Trainer hätte ihn jetzt gebraucht: „Es war individuell auch nicht durchsetzungskräftig genug, um vielleicht auch durch auch eine Einzelaktion etwas zu erzwingen. Da merkt man dann auch wenn Nicolai Müller nicht dabei ist und so weiter, das sind Faktoren. Nicolai hat total gefehlt. Er und Baumgartlinger – das sind Spieler, die wir dringend benötigen und die das gewisse Etwas haben.“ Auch sein Pendant musste mit Rode und Schwegler wichtige Spieler ersetzen, konnte sich aber auf eine neue Qualität der Eintracht verlassen: „Ich habe der Mannschaft auch gesagt, dass wir im letzten Jahr viel frischer Fußball gespielt haben, mit sehr viel Leidenschaft, Dynamik und mit viel Überraschungen. Momentan spielen wir Fußball wie es sich in der Bundesliga auch gehört, in der Lage in der wir sind: Wirklich professionell! Wir lassen nichts zu, wir stehen gut, wir gehen das Risiko dann NICHT.“
Mehr Risiko ging Veh in der Pressekonferenz. Die hatte an Spannung schnell dem Spiel den Rang abgelaufen, als sich herumgesprochen hatte, dass der FC Bayern München beim Mainz-Konkurrenten um Platz sieben, Augsburg, mit einer außergewöhnlich aufgestellten Mannschaft verloren hatte. Das sich entwickelnde „Statement-Duell“ startete der 53-jährige Veh ungefragt, sein 40-jähriger Kollege antwortete auf Nachfrage.
Armin Veh: „Natürlich kann man gegen Augsburg verlieren. Aber wenn ich mir dann die Aufstellung ansehe, dann muss ich schon sagen: Jeder ist seines Glückes Schmid. Wenn man sagt, man schaut nur noch auf die Champions League – ganz ok für die Liga ist das nicht! Wenn die das noch gegen Mannschaften machen, die Europapokal spielen wollen oder gegen den Abstieg spielen und man schenkt es dann ab – das ist nur meine persönliche Meinung – dann finde ich das nicht gut. Auch wenn es natürlich nicht meine Sache ist, ich habe dazu eine Meinung.“
Thomas Tuchel: „Ich habe die Aufstellung, mit der Bayern bei uns gespielt hat, als Wertschätzung empfunden. Es bestätigt sich im Nachhinein, dass das auch so gedacht war. Wir haben uns darauf gefreut uns mit den Besten zu messen und alles andere ist nicht mein Bier. Da muss ich schon ein paar Jahre mehr auf dem Buckel haben, so wie Armin (Veh, die Red.), dann äußere ich mich dazu öffentlich. Ich bin noch ein junger Trainer, ich kann nicht zur Lage der Liga Pressekonferenzen geben.“
Armin Veh: „Da kommt jetzt wieder was, aber das interessiert mich nicht.“
Unterstützung aus Mainz bekam Veh dennoch. Hochrangige Unterstützung! FSV-Präsident Harald Strutz ist immerhin Vize-Präsident bei DFB und Ligaverband DFL: „Es ist erstaunlich, dass viele Stammspieler nicht eingesetzt worden sind. Erstaunlich ist auch, dass ein Arjen Robben sagt, na ja gut, weshalb soll ich gegen Augsburg meine Kraft vergeuden. Das ist schade und das muss man auch offen artikulieren dürfen. Natürlich ist das für Mainz blöd, aber ich beziehe das nicht nur auf Mainz. Es löst Erstaunen aus!“

02. April 14

Zur 2018 geplanten „UEFA Nations League“ könnten Kritiker statt plump provokant auch außerordentlich anatomisch antworten:
„Vom Bauchgefühl her schlägt mir diese Kopfgeburt auf den Magen. Mir läuft es eiskalt den Rücken runter, wenn ich an so etwas Armseliges denke und habe auch kein Ohr für den Modus ohne Hand und Fuß, den sich diese naseweisen Bürokraten aus den Fingern gesogen haben. Nur weil einige den Hals nicht voll genug bekommen können statt mit dem Herz bei der Sache zu sein, müssen sich die Fußballer die Lunge aus dem Leib rennen. Deswegen geht mir die „Nations League“ an die Nieren und am Arsch vorbei.“
Doch diese Kritik ist natürlich zu kurz gesprungen. In Wahrheit geht die clevere Vermarktung von nationalen Vergleichen nicht weit genug. Da ist noch viel kreatives Potenzial vorhanden. Erste Gedanken gehen in die richtige Richtung:
– So könnten das österreichische Duo Prödl/Junuzovic aus Bremen gegen die Mainzer Südkoreaner Park/Koo einen Tennisdoppel-Nationscup ausrichten
– oder die Dortmunder Polen Lewandowski/Piszczek/Kuba gegen die Wolfsburger Schweizer Benaglio/Klose/Rodriguez im Street-Basketball antreten.
– Ebenso wächst die Vorfreude auf die Münchner Brasilianer Dante/Rafinha, wenn gegen die Hamburger Holländer van der Vaart / John im Billard die Queues gekreuzt werden.
– Von besonderem Interesse dürfte auch das Duell der Freiburger Franzosen Coquelin/Schmid gegen die Nürnberger Hlousek/Pekhart vom tschechischen Nations League Team sein. Zur auszutragenden Sportart müssen sich die Trainerfreunde Schleich und Verbeek aber noch auf einer hoffentlich gemeinsamen Pressekonferenz äußern.
Selbstverständlich werden die Nationalspieler durch die verschiedenen Nation League Variationen in den unterschiedlichsten Modi nicht zusätzlich belastet. Die Begegnungen finden ausschließlich als Videospiele im Spa-Breich der UEFA in Nyon statt

27. März 14
Die Meisterschaft ist entschieden. Der FC Bayern München holt seine 24. Meisterschaft und wird somit von „Rekordmeister“ zum „jetzt erst recht Rekordmeister“. Da es jetzt noch langweiliger an der Bundesligaspitze wird, bleibt mehr Zeit in den Stadien, in denen es nicht noch um Abstiegskampf oder Europa geht, um die Quiz-Duell-App zu spielen. Hier einige Vorschläge für die Rubrik „Fußball“:
Auf was hofft Uli Hoeneß nach einem 5:0 des FC Bayern im DFB-Pokal Endspiel?
a) Wegen hoher Führung gelassen
b) Eine höhere Führung verpassen
c) Keine höhere Führung zulassen
d) Wegen guter Führung entlassen
Was steht im Neuen Testament und nicht auf der Sportseite?
a) Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein
b) Wer ohne Respekt gegenüber Beckenbauer ist, werfe Uli Stein raus
c) Wer ohne Schulden ist, werfe ein Blick auf sein Festgeldkonto
d) Wer ohne Torlinientechnologie ist, treffe die erste Fehlentscheidung
Wer ist Dortmunds nächster Gegner in der Champions League?
a) Lidl Barcelona
b) Real Madrid
c) Aldi Sevilla
d) Netto Überweisung
Was bekam so mancher Gegner des FC Augsburg überreicht?
a) Eine Figur der Augsburger Puppenkiste
b) Zwei Fotos der Puppen mit denen er in der Kiste war
c) Drei Punkte in einer Kiste
d) Vier Augsburgerinnen mit dicker Kiste

SPIELBERICHT:

0:2 (0:0) Bayern München bei Mainz 05, am 22. März 2014
Der Nächste bitte!
18. Sieg in Folge: Auch Mainz 05 kann den FC Bayern nur ärgern statt besiegen

Pep Guardiola holt noch einmal tief Luft. Pustet noch mal durch. Bei der Pressekonferenz nach dem 2:0 (0:0) beim FSV Mainz 05 scheint der Trainer des FC Bayern München in einer Sekunde noch einmal die 90 Minuten im Kopfkino zu durchleben. Der Film vor seinem geistigen Auge dürfte den Titel haben: Gerade noch mal gut gegangen!
Zuvor hatten die Mainzer bei ihrem Schauspiel in zwei Akten besonders im ersten Teil gezeigt, wie man auch bei den Münchnern für eine gewisse Thriller-Stimmung sorgen kann. In ihrer 4-2-3-1 Grundaufstellung mit Okazaki als Pressing-Hauptdarsteller agierten die Gastgeber wenig gastfreundlich, sondern drückten den souveränen Tabellenführer lange in seine eigene Hälfte. Das ist der Teil des Spielfeldes, den die Bayern in dieser Saison nur noch von alten Erzählungen kennen. Bezeichnender Weise hatte Innenverteidiger Jerome Boateng die meisten Ballkontakte und Torwart Manuel Neuer musste eine Oscar-reife Vorstellung als Feldspieler geben, um für Anspielstationen und Rettungsaktionen zu sorgen. Nach 30 Minuten hatte Bayern München verloren – nicht das Spiel, aber die Freude am Beruf. Das beobachtete Bayerns späterer Joker Shaqiri von der Bank aus so: „Ich glaube, wenn man das Spiel gesehen hat: Es hat uns nicht so Spaß gemacht. Mainz hat sehr gut begonnen, waren sehr aggressiv, haben Druck gemacht nach vorne und so hatten wir dann ein paar Ballverluste aus denen sie dann Chancen kreieren konnten. Wir waren froh, dass wir kein Tor bekommen haben“. Aus der Perspektive des Spielfelds schildert der Mainzer Christoph Moritz das fehlende Happy End eines spannenden Bundesliga-Blockbusters: „Uns war vorher bewusst, dass wir nicht 90 Minuten Pressing spielen können. Deswegen haben wir am Ende der ersten Halbzeit auch auf 4-5-1 umgestellt, um durchatmen zu können. Und in der zweiten Halbzeit haben wir dann auf 5er Kette umgestellt, weil wir in der Pause schon gemerkt haben, dass wir kaputt waren. Je länger das Spiel dauert, desto schwieriger wird es dann, weil die Bayern den Ball laufen lassen, wenig Fehler machen, mit einfach so viel Qualität. Und wir werden dann immer kaputter und wenn man dann in Ballbesitz ist war es dann natürlich unglaublich schwer mit einem Puls von 218 dann noch etwas vernünftiges zustande zu bringen. Mit dem 0:1, sind dann die Dämme gebrochen.“ Beim 0:1 (82.) war dann schon Shaqiri auf der Bühne, seine Hereingabe köpfte Schweinsteiger aus kurzer Entfernung am bis dahin starken Torwart Loris Karius vorbei. Das 0:2 leitete wieder Shaqiri mit einem weiteren Flugball in den Strafraum ein. Empfänger Ribery hatte die Augen oben, bediente Götze, der nur noch einschieben musste (86.).
Der 18. Bundesliga Sieg in Folge, das 51. Spiel ohne Niederlage in Serie und trotz des Mainzer Drucks eine Passgenauigkeit von 89% – für Guardiola ein ganz besonderer Arbeitstag: „Ich bin stolz auf dieses Spiel von uns, bin glücklich wegen dieser Vorstellung. So ein Spiel ist der Grund weshalb ich Trainer bin – nicht um hier in der Pressekonferenz zu sitzen.“. Die Ursache für die Freude des Spaniers war die Art und Weise wie sich der Tabellenfünfte dem designierten Meister entgegenstellte. Das machte den Sieg irgendwie wertvoller. Da hatte offensichtlich eine Mannschaft nicht vorgehabt sich vor dem besten Vereinsteam der Welt auf den Rücken zu legen und die weiße Fahne zu schwenken, was dem Startrainer offensichtlich mehr Spaß machte, als ein müheloser Kantersieg: „Mainz hat es sehr gut gemacht. Gratulation an Mainz, sie haben einen guten, guten Trainer. Es war ein super Test für das Spiel in Manchester, weil Mainz so gut ist im Pressing, dass wir keine Zeit zum Denken haben.“ Thomas Tuchel, der Beglückwünschte ohne Glück, dazu: „Ich denke jeder hat gespürt, dass wir es versucht und das Herz in die Hand genommen haben. Es gibt wenig, was wir uns vorwerfen können.“ Auch Mainz-Manager Christian Heidel, konnte den Seinen nichts vorwerfen. Aber zu einem glücklichen Verlierer, nur weil man sich sehr achtbar geschlagen hatte, wollte er sich nicht verleiten lassen: „Der Tag muss noch geboren werden, an dem ich ein glücklicher Verlierer bin.“ Zu sehr nagte an Heidel noch die vergebene Möglichkeit, den Münchnern die erste Saisonniederlage beizubringen, vor allem als Choupo-Moting kurz nach dem Wechsel mit einem Lattenkracher nur knapp scheiterte: „Wir hatten drei, vier gute Chancen rausgespielt, das ist gegen Bayern schon was.“ So heißt es aber: Der Nächste bitte! Als nächstes darf es Hertha BSC Berlin versuchen. Gewinnt am Dienstag Bayern München wieder, sind sie der früheste Meister in der Bundesliga-Geschichte. Dann wird Guardiola wieder tief durchatmen und dann die Luft anhalten. Es droht nämlich seine erste deutsche Bierdusche.

Stimmen zum Spiel:
Nicolai Müller (MZ):
„Wir haben es 75 Minuten auf höchstem Niveau geschafft dagegen zu halten. Es ist einfach schade, es war eine Topleistung.“

Johannes Geis (MZ):
„Bis zur 70. waren wir gut drin in der Partie, haben uns gut dagegen gestemmt. Wir haben gute Strategien gehabt, waren gut vom Trainer eingestellt, aber das ist eine Weltklassemannschaft, die dann jeden kleinen Fehler bestraft.“

Christoph Moritz (MZ):
„Freuen können wir uns nicht so ganz, wir haben einfach zu viel investiert. Am Ende des Tages stehen eben null Punkte da. Da können wir uns nix für kaufen. In der ersten Halbzeit hat es sich relativ gut für uns angefühlt, weil wir die Bayern vorne unter Druck gesetzt haben und sie nicht so ins Positionsspiel gekommen sind. Uns war vorher bewusst, dass wir nicht 90 Minuten Pressing spielen können. Deswegen haben wir am Ende der ersten Halbzeit auch auf 4-5-1 umgestellt, um durchatmen zu können. Und in der zweiten Halbzeit haben wir dann auf 5er Kette umgestellt, weil wir in der Pause schon gemerkt haben, dass wir kaputt waren. Und in der zweiten Halbzeit war es dann so: Je länger das Spiel dauert, desto schwieriger wird es dann, weil die Bayern den Ball von links nach rechts laufen lassen, machen wenig Fehler, mit einfach so viel Qualität. Und wir werden dann immer kaputter und wenn man dann in Ballbesitz kam, war es dann natürlich unglaublich schwer mit einem Puls von 218 dann noch etwas vernünftiges zustande zu bringen. Mit dem 0:1, sind dann die Dämme gebrochen.“

Arjen Robben (FCB):
„Kompliment an Mainz. Wir haben es erwartet, aber trotzdem war es schwierig. Sie haben sehr viel Druck gemacht, sehr aggressiv gespielt. Sie sind wahnsinnig viel gelaufen. Das kann uns auch in Old Trafford erwarten. Es war ein sehr guter Test.“

Xherdan Shaqiri (FCB):
“Ich glaube, wenn man das Spiel gesehen hat: Es hat uns nicht so Spaß gemacht. Mainz hat sehr gut begonnen, waren sehr aggressiv, haben Druck gemacht nach vorne und so hatten wir dann ein paar Ballverluste aus denen sie dann Chancen kreieren konnten. Wir waren froh, dass wir kein Tor bekommen haben.“

Josep Guardiola (FCB):
“Mainz hat es sehr gut gemacht. Gratulation an Mainz, sie haben einen guten, guten Trainer. Es war ein super Test für das Spiel in Manchester, weil Mainz so gut ist im Pressing, so dass wir keine Zeit zum Denken haben. Ich hatte eine lange Woche, viel Zeit, um Spiele von Mainz anzusehen. Ich habe gewarnt, passt auf Jungs, sie kommen gegen uns! Gut, dass wir mit Manuel Neuer einen der besten Torleute mit dem Fuß haben. Ich bin Stolz auf dieses Spiel von uns, bin glücklich wegen dieser Vorstellung. So ein Spiel ist der Grund weshalb ich Trainer bin – nicht um hier in der Pressekonferenz zu sitzen.“

Thomas Tuchel (MZ):
„Ich denke jeder hat gespürt, dass wir es versucht und das Herz in die Hand genommen haben. Es gibt wenig was wir uns vorwerfen können.“

aus Liebe zum Sport