Abstiegsgespenst beim Geisterspiel in Mainz

Bundesliga 31. Spieltag; 14.6.2020  – FSV Mainz 05 – FC Augsburg 0:1

Stadion des FSV Mainz 05 – Spieltag eins nach den „Lockerungen“ der DFL-Hygiene-Regeln (unter anderem mehr Presse- und Vereinsvertreter, kein Mundschutz bei Ersatzspielern). Aber noch immer fühlt sich die Berichterstattung von einem Geisterspiel an wie Musik von Milli Vanilli: Man weiß, dass etwas falsch ist – aber wenn man sich dran gewöhnt hat und/oder es vergisst: trotzdem gut!

Zum Sport: Der FSV Mainz 05 hat im Kampf um den Klassenerhalt einen Dämpfer bekommen. Durch die 0:1-Niederlage mussten sie nicht nur den FC Augsburg jetzt vier Punkte davon ziehen lassen, sondern haben jetzt auch nur noch drei Punkte vor Werder Bremen und dem direkten Abstiegsplatz. Am Tag nach dem sicheren Klassenerhalt von Eintracht Frankfurt durch das 4:1 in Berlin, muss der zweite Bundesligist aus dem Rhein-Main-Gebiet weiter zittern.

Zweifach „ausgerechnet“ Florian Niederlechner war es nach 43 Sekunden, der den FC Augsburg mit einem Seitfallzieher-Aufsetzer auf die Siegerstraße brachte. Erstens, weil er selbst einmal in Mainz spielte und zweitens weil er nach 857 torlosen Minuten wieder traf. „Bitter – verpennt am Anfang. Wir haben danach ein gutes Spiel gemacht und belohnen uns nicht. Einfach bitter, “ beschreibt FSV. Torwart Florian Müller den aus seiner Sicht glücklichen Führungstreffer seines Namensvetters: „Floh trifft den Ball nicht einmal richtig.“ Nach genau 43 Sekunden begann auch die Gästetaktik aus Zement in der Defensive und Zeitspiel. An dem beteiligte sich sogar Gästetrainer Heiko Herrlich, als er „clever“ einen Ball aufs Spielfeld rollte, um einen schnellen Mainzer zu verhindern. Nicht die einzige Situation, in der die beiden Trainer lautstark aneinander gerieten. Mit Zeit schinden und Körperlichkeit brachte Augsburg die ungeduldigen Gastgeber trotz deren optischer Überlegenheit zur Verzweiflung und zu unkonzentrierten Flanken und Abschlüssen. Herrlich musste später zugeben, dass die sehr defensive Ausrichtung ein schmaler Grat war: „Heute haben wir das Spielglück gehabt.“

Abstiegskampf ist auch Kopfsache – das galt vor allem in der ersten Halbzeit und zunächst auf schmerzhafte Weise. Gleich mehrere Kopfverletzungen führten zu sechs Minuten Nachspielzeit vor der Pause. Zunächst krachten an der Mittelinie Levin Ötztunali und Gästeverteidiger Philipp Max aneinander. Der Augsburger musste daraufhin mit Kopfverband weiterspielen. Viel schlimmer erwischte es den Mainzer Angreifer Taiwo Awoniyi, als er nach einem gewonnen Kopfballduell gegen Augsburgs Innenverteidiger Felix Uduakhai im Strafraum noch während des Kopf-an-Kopf-Treffers bewusstlos zu Boden fiel und minutenlang in der Stabilen Seitenlage behandelt wurde. Auf dem Weg ins Krankenhaus war der Liverpooler Leihspieler wieder ansprechbar. Dort kam auch die Entwarnung, dass es sich „nur“ um eine schwere Gehirnerschütterung handelte. Doch trotz der langen Unterbrechung waren die Mainzer nicht in der Lage zu wechseln. Weil  Karim Onisiwo nicht rechtzeitig gerufen wurde und dann auch nur locker joggend zum Bank kam, spielten die Gastgeber minutenlang in Unterzahl. Auch diese Art Kopfsache kann im engen Abstiegskampf entscheidend sein. „Wir wollten von Anfang an da sein, das haben wir nicht geschafft analysiert Onisiwo entsprechend selbstkritisch. Dass die Aufholjagd danach erkennbar, aber spielerisch nicht zwingend war beschrieb dann ein ernüchterter FSV-Verteidiger Daniel Brosinski: „Es ist eigentlich Wahnsinn, dass wir kein Tor schießen. Wir haben hatten Chancen, den Gegner im Griff gehabt, der Wille war da, aber wir haben das Ding nicht über die Linie gedrückt.“ Mainz-Trainer Achim Beierlorzer wollte seinen Spielern trotz jetzt abstiegsverdächtiger Quote von nur einem Sieg aus den letzten zehn Heimspielen nicht kritisieren: „Ich kann ihnen nur vorwerfen, dass wir uns für so ein gutes Spiel nicht belohnen. Aber wir sind noch drei Punkte weg und haben das bessere Torverhältnis. Ich glaube zu 100%, dass wir das schaffen, denn wir haben es in der eigenen Hand und die Mentalität der Mannschaft ist zu 100% intakt.“

Zum Glück für Beierlorzer geht es jetzt auswärts ran. Auch durch die Geisterspiele befinden wir uns in einer Rekordsaison für Auswärtssiege. Auch der jüngste Sieg der Mainzer gelang auswärts – das 2:0 in Frankfurt. Mut machende Argumente vor der FSV-Fahrt nach Dortmund.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.