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Masked Singer Staffel beim Fußball?

2024. Es wird spannend in der zweiten Staffel der DFL-Show „The Masked Coach“. Nachdem sich letzte Woche in Paderborn das „Glühwürmchen“ der Maske entledigt hat und Jupp Heynckes unter dem Applaus der Zuschauer zum Vorschein kam, ist es wieder soweit. Wie immer: Nach der jeweils zweiten Niederlage muss der Trainer sich zu erkennen geben.

Heute könnte es den „Brontosaurus“ treffen, der mit seinem HSV 0:1 gegen den vom „Peter Pan“ trainierten FC Bayern zurückliegt. Mittlerweile hat sich die Show bei Sky zum Quotenhit gemausert. Dabei sollte mit der Einführung einfach die überschnelle Entlassungswelle bei Bundesligatrainern gestoppt werden. Schließlich kommt auch der Fankurve ein „Süßer Pudelwelpe raus!“ weniger schnell über die Lippen und selbst beim VfB Stuttgart konnte sich das „Rauschgoldengelchen“ bewundernswert lange halten.

Jetzt ist es passiert! Der FC Bayern erhöht mit dem Schlusspfiff auf 2:0. An der Seitenlinie rupft der Brontosaurus mit seinen Tatzen-Handschuhen schon an seiner Kopfbedeckung. Es ist… Pep Guardiola! Entschuldigend-schmunzelnd zuckt er mit den Achseln, als wolle er sagen „ja wie soll ich denn ohne Scheich-Millionen an der Elbe Tiki-Taka spielen?“.

Jetzt darf noch die Jury eine Vermutung äußern: Wer könnte sich als „Peter Pan“ verstecken? Jurymitglied Rainer Calmund legt sich fest: „Also Ende aus, Mickey Maus. Ich leg mich fest. Wenn die so eine Angst haben zu verlieren? Kann nur Felix Magath sein!“ Auflösung vielleicht nächste Woche.

Liebes Tagesbuch…

…endlich ist die Länderspielpause vorbei, aber kaum denke ich an die Bundesliga, fällt mir wieder etwas Schlimmes ein, das ich neulich erlebt habe.
Ich wollte mir in Ruhe das Zweitligaspiel Nürnberg gegen Ingolstadt anschauen. Dann hat plötzlich der Kommentator gesagt, dass das ein „Derby“ sei. Da habe ich sofort bei Google Earth überprüft, ob Ingolstadt im Zuge des Klimawandels an Nürnberg herangeschwemmt wurde. „Mit ein bisschen gutem Willen“, fuhr der Kommentator fort, „könnte man das als bayerisches Derby bezeichnen.“ Klar, mit ein bisschen gutem Willen könnte ich auch den Videobeweis perfekt finden – oder die FIFA nett.
Schon ein paar Tage zuvor konnte ich das Spiel Wolfsburg gegen Berlin nur mit einer Gehirnhälfte genießen, weil sich die andere mit dem Begriff „ICE-Derby“ beschäftigen musste. Ist denn für echte Derbys der Zug abgefahren?
In Mainz geben sich die modernen Inflations-Derbys jedenfalls ein Stelldichein. Kurz nach dem „S-Bahn-Derby“ gegen Eintracht Frankfurt erwarten die 05er jetzt den 1. FC Köln zum „Am-gleichen-Fluss-liegend-Derby“. In närrischen Fachkreisen wird Mainz gegen Köln auch als „Jecken-Derby“ bezeichnet. Doch noch üblicher ist der Begriff des immer heiß umkämpften „Buchstaben-Derbys“, da M und K ja ganz nah, nur durch das L getrennt, im Alphabet residieren.
Große Vorfreude habe ich auch bezüglich des Derbys gegen Dortmund, wenn die Borussia am 12. Dezember zum „Wurden-beide-mal-von-Klopp-und-Tuchel-trainiert-Derby“ die 260 km nach Rheinhessen kommt. Mit ein bisschen gutem Willen schafft man das mit Aubameyangs Sportwagen in einer Stunde.

Zukunft-Fußball

September: Wir stolpern über das Weihnachtsgebäck im Supermarkt, in den USA wurde schon die Miss Amerika 2018 gewählt und bei der IAA stehen Autos, die vielleicht irgendwann oder nie auf die Straße kommen. Zeit also, auch im Fußball der Zeit voraus zu gehen. Zukunft:

Oktober: In München kursiert ein Gag.

Rummenigge: „Warum hast Du Ribery ein Regal geschenkt?

Hoeneß: „Da kann er seinen Fehler einräumen!“

November: Paris Saint-Germain verpflichtet für 222 Millionen Euro die Balljungen von Hoffenheim, um das Spiel schneller zu machen.

Dezember: Kevin-Prince Boateng sieht im Trikot aus wie ein Michelin-Männchen. Das liegt an den 75 T-Shirts, die er mittlerweile drunter hat, um Grüße zu senden.

Januar: In der Winterpause schlägt der Videobeweis zu. Weil im Eröffnungsspiel Bayern – Leverkusen der Anstoß falsch ausgeführt wurde, muss die ganze Hinrunde an der PlayStation wiederholt werden.

Februar: Ousmane Dembélé bestreikt das Training in Barcelona, um einen Wechsel zu erzwingen. Er hat noch keine Ahnung wohin, will aber vorsichtshalber nicht aus der Übung kommen.

März: Bibiana Steinhaus hat einen Boom ausgelöst. Auch Bundeskanzlerin Sarah Wagenknecht will jetzt lieber Schiedsrichterin werden.

April: Jogi Löw sorgt für eine Überraschung bei seinem Aufgebot für die WM 2018 in Russland. Er ersetzt Nivea und beruft dafür Dove.

Mai: Der HSV belegt wieder einen Relegationsplatz… zur Champions League (PS: Größte Pointe immer zum Schluss).

 

Eigentor, ARD und so weiter

Vier Eigentore gab es in der ersten Liga am vergangenen Wochenende. Und da ist das Eigentor der ARD (Stichwort: Xavier Naidoo) in der ersten TV-Liga noch gar nicht mitgerechnet. Auch in der zweiten Liga gab es fußballerisches „friendly fire“ und Bastian Schweinsteiger war in England Nutznießer, als ein Gegenspieler seinen Schuss-Hereingabe-Ball zum Siegtreffer für ManU über die Linie rutschte. Dazu gab es „halbe Eigentore“ wie das 1:0 von Bayerns Alaba, dessen Schuss irgendwo neben der Arrestzelle mit Münchner Hooligans in Gelsenkirchen gelandet wäre, hätte ihn nicht Goretzka abgefälscht.

Lange Zeit lebte das Eigentor zurückgezogen und verschüchtert in den Schuhen von Kaltz und Noveski (jeweils 6). Das Eigentor, ein naher Verwandter des Billard-Tors, ist der natürliche Feind von „Die Null muss stehen“ und wird in der freien Wildbahn nur noch selten angetroffen, seit von „Vorstopper alter Schule“ auf „technisch versierte Abwehrspieler“ umgestellt wurde. Oft werden Eigentore beim Psychiater angetroffen, denn sie gehören ausnahmslos zur Gattung der „unglücklichen Eigentore“. Es war still geworden um das Eigentor, seit der Rekordpopulation von fünf am 10. Spieltag vor 50 Jahren.

Nun erlebt es im Herbst 2015 seinen zweiten Frühling, vor allem im Schnee von Berlin: beim Eigentor des Tages, nein des Jahres, nein – aller Zeiten. Denn mit dem Eigentor von Polanski (dem ersten Eigentorlinien-Technik-Tor) gewann Hertha BSC ohne ein einziges Mal selbst auf das Tor von Hoffenheim geschossen zu haben. Gewinnen, ohne selbst was zu machen, das gelang in Berlin zuletzt Angela Merkel bei der Bundestagswahl 2013.

Es ist Zeit dem Eigentor zu huldigen. Kein Treffer mit noch so filigranem Solo als Overtüre, kein eingehämmerter Freistoß, auch nicht der gelenkigste Fallrückzieher kann es in seiner Ästhetik mit diesem Blick aufnehmen, den der Eigentorschütze gen Himmel oder zu Boden wirft.

Eigentore ziehen alle in seinen Bann, Eigentore küren Sieger. Also ist es jetzt beschlossen: Wer das nächste Eigentor schießt, darf Deutschland beim Eurovision Song Contest vertreten.