Schlagwort-Archive: FSV Mainz 05

Rheinhessischer Jungbrunnen

Gegen den FSV Mainz 95 sehen derzeit die Gegner „alt“ aus. Nicht nur weil die Mannen (oder besser: Jungen) von Trainer Sandro Schwarz sieben Punkte aus den ersten drei Bundesligaspielen geholt haben.

Es gibt seit langem das Tor des Monats. Jetzt gibt es auch die Zahl des Monats. Sie lautet „23,2“. Das war das Durchschnittsalter in Jahren der 05er-Startelf beim jüngsten Heimsieg. Die Mega-Zahl: Es war der niedrigste Wert der Saison und es war überhaupt der Mainzer Vereinsrekord in Sachen Jugend, forsch!

Grundlage für den hochinteressanten Tiefstwert was das Bundesligadebut von Offensiv-Hoffnung Jonathan Burkardt. Der 18-jährige spielte als jüngster Profi im gesamten Kader vorne unbekümmert auf, während hinten der  knapp 14 Jahre „reifere“ Kapitän Niko Bungert die Abwehr zusammenhielt. Als der dann verletzt das Feld verlassen musste, wurde mit Ahmet Gürleyen der Nächste aus dem rheinhessischen Jungbrunnen an die Bundesligaoberfläche gespült. Und genauso wie beim Debut von Ridle Baku, war wieder der Sprung von der Zweiten in die Bundesliga-Mannschaft im wahrsten Sinne, ohne Anlauf. Während Baku sogar schon auf dem Weg zum Spiel der U23 den Mannschaftsbus verließ, wurde Innenverteidiger Gürleyen immerhin aus der Halbzeitpause der Regionalliga nach oben weg-„befördert“. Außer Baku, Gürleyen und Burkardt stand mit Torwart Florian Müller (20) sogar noch ein vierter Spieler aus dem eigenen Leistungszentrum auf dem Platz. Für den Schlussmann selbst ist der „23,2-Sieg“ aber weniger sensationell als es sich in der bundesweiten Beachtung anfühlt. Die Sport-BILD widmet dem Mainzer Tag der Jugend einen eigenen Artikel und zitiert Müller so: „Das Alter ist keine Ausrede für die Leistung auf dem Platz. Junge Spieler wollen sich immer beweisen und zeigen was sie können.“

Auch Leandro Barreiro Martins, der Zweitjüngste im Mainzer Kader (und wie Burkardt nach dem Jahr 2000 geboren), wird sich womöglich bald beweisen können. Das zumindest kündigte Sandro Schwarz, der auch erst 39 Jahre junge Cheftrainer der Mainzer, rund um den Weggang von Pablo de Blasis an: „Wir haben einige Optionen, auch zum Beispiel Leandro Barreiro, der eine gute Entwicklung genommen hat“.

Für Schwarz, der ja selbst in der Jugend des FSV spielte, ist das Vertrauen in den Nachwuchs nicht Zufall oder Zwang, sondern Überzeugung. Das sieht man auch an den Aussagen von Volker Kersting, dem Leiter des Nachwuchsleistungszentrum (NLZ), gegenüber dem KICKER: „Sandro Schwarz hat sich extrem tief in diese Thematik hineinbegeben. Wir haben in der abgelaufenen Saison zusammen an Trainingsplänen, Spielformen und Spielprinzipien gearbeitet. Wir wollen, dass er sein Wissen einbringt, und er weiß, dass er davon profitieren kann, wenn Spieler aus dem NLZ eines Tages zu ihm stoßen.“

Und wie sieht es bei den Zugängen aus? Ziehen da erfahrene Recken den Altersschnitt nach oben? Weit gefehlt: Mit Jean-Philippe Mateta (21), Aarón Martín (21), Moussa Niakhaté (22) und Pierre Kunde Malong (22) standen vier der fünf jüngsten Neuverpflichtungen auf dem Platz – und der jüngste, nämlich Issah Abass (19), wäre wegen eines Infekts gar nicht einsetzbar gewesen.

Für den Trainer der jungen Wilden ist vor allem der beste Saisonstart seit fünf Jahren die willkommene Bestätigung für das Fördern des forschen Nachwuchses: „Das zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir sind jetzt drin in der Saison und können noch besser werden mit dieser jungen Mannschaft. Das gibt ein gutes Gefühl.“

Die Journalisten dürften sich erinnert fühlen an die Bruchweg-Boys, als mit dem Trio Schürrle, Holtby, Szalai Mainzer Himmelsstürmer für Furore sorgten und in Boy-Band-Manier den Musik-Jubel zelebrierten.

Doch nicht nur auf dem Platz stehen die Jungen im Mittelpunkt. Auch im Block K dürfte im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg eine „U23“ der besonderen Art versammelt sein. Denn erstmals gibt es in der OPEL-Arena das Studenten-Special. Neben dem Ticket für das Spiel steht die After-Match-Party auf dem Campus der Johannes-Gutenberg-Uni im Kulturcafé auf dem Programm – zudem sorgt ein gratis Bitburger für die Wegzehrung nach der Partie.

Dabei wollen die Studenten sicher auf einen Mainzer Sieg anstoßen – ganz egal wie alt die Torschützen sind.

 

Frankfurt – Mainz Jahresausklang endet 3:0

STIMMEN ZUM 3:0 (1:0) UND ZUM JAHRESAUSKLANG

MAINZ

Manager Rouven Schröder: „Wir müssen konsequenter, konzentrierter sein. Das ist der nächste Entwicklungsschritt, den wir machen müssen. Die einfachen Tore, die man bekommt abstellen und Konsequenz bei den Torchancen. Denn im Endeffekt ist es dann frustrierend, wenn Du so ein Spiel machst, verlierst 3:0 und weißt eigentlich so richtig warum. Wir sind guter Dinge, dass wir ne gute Rückrunde spielen werden, dass wir ausgeruhter sein werden. Wir müssen uns an die eigene Nasen fassen und da gibt’s einiges zu tun.“

Stefan Bell: „Punktemäßig ist es, denke ich ganz ordentlich, was wir geholt haben. Wir hatten eine Hinrunde mit vielen Schwankungen, auch durch die ganzen Euro League Spiele. Es war schon eine schwierige Situation, weil wir teilweise mit 15, 16 Spielern in Englische Wochen gegangen sind. Dafür ist es unter dem Strich ganz ordentlich, was wir geholt haben. Ich denke man sieht jetzt, nachdem die Englischen Wochen rum sind, dass wir uns immer mehr stabilisieren und einspielen. Und wenn da nicht jedes Mal eine rote Karte dazukommt, bin ich da ganz optimistisch. Wir sind im Soll , von unserer Spielweise her.

Es ist bemerkenswert was Frankfurt für einen Fußball spielt, dieses Jahr. Auch mit diesen Voraussetzungen, dass es, glaube ich, 17 verschiedene Nationen sind. Es ist brutal schwer da eine Einheit zu formen und vor allem auch was das Mannschaftstaktische angeht. Da muss man dem Trainer gratulieren, dass er das hinbekommen hat, dass die so als Team auftreten, auch mit der letzten Saison, wo es erst mit der Relegation vorbei war. Das ist einfach sehr stabil und ich glaube Frankfurt kann glücklich sein, wenn sie am Ende in der ersten Tabellenhälfte sind und vielleicht sogar um die internationalen Plätze mitspielen. “

Trainer Martin Schmidt: „Das Spiel ein Spiegelbild des ganzen Herbstes: Viele Chancen gehabt, viele Tore gekriegt. Und wir verschenken zu viele Punkte auf unseren Auswärtsfahrten. So geht man nicht gerne in den Urlaub, auf der anderen Seite haben wir 20 Punkte im Wissen, dass da 5 Punkte mehr drauf sein könnten. Das tröstet uns vielleicht ein bisschen, aber deshalb werden wir den ganz klaren Auftrag für die Rückrunde reinnehmen: Wir müssen die Torflut abstellen, wir müssen besser verteidigen. Sonst können wir Tore schießen so viele wir wollen, wir werden nicht vom Fleck kommen.

Wir werden durchschnaufen. Wir hatten einen sehr, sehr strengen Herbst, einen spannenden, interessanten, aber eben auch strengen.

Das Offensivspiel müssen wir schärfen, da müssen wir sauberer und genauer werden. Das Zweite ist natürlich das Defensivverhalten als Team, die Kontersicherung. Wir müssen die Torflut abstellen: 30 Tore in 16 Spielen ist grottenschlecht und da müssen wir anpacken! Wir haben letztes Jahr insgesamt 40 Tore gekriegt und sind durch die Tore, die wir nicht gekriegt haben nach Europa gekommen.

Nach jedem Donnerstagsspiel in der Euro League hatten wir ein Auswärtsspiel, wieder eine Reise. Durch den ganzen Aufwand wirst du nicht frischer im Kopf. Durch die Rotation werden die Automatismen nicht besser. Das wird alles von selber besser, wenn wir in Ruhe die ganze Woche trainieren können.“

FRANKFURT

Trainer Nico Kovac: „Wenn man schaut wie wir begonnen haben, wie wir die Relegation geschafft haben, wie wir die Mannschaft, den Club verändert haben, dann freut mich dass wir jetzt unter dem Strich 29 Punkte haben.

Ich bin wirklich ein bisschen langweilig, das gebe ich zu, aber wir müssen wirklich die 40 Punkte voll machen. Man sieht: Der HSV, Ingolstadt, die waren abgeschrieben, keiner hat einen Pfifferling auf sie gesetzt. Jetzt punkten sie in den letzten Spieltagen gehörig und schieben von unten nach. Warum soll denen nicht eine Rückserie gelingen wie uns eine Hinserie gelang und umgekehrt. Also trau ich dem Frieden nicht und werden weiterhin hart arbeiten. Und wenn wir die 40 voll machen, dann werde ich die Ziele für die Eintracht korrigieren.

Für mich persönlich ist es ein schönes Jahr. Ich habe die Möglichkeit bekommen in der Bundesliga zu arbeiten. Die Eintracht hat mir die Möglichkeit gegeben. Wir haben das Unmögliche möglich gemacht und sind in der Bundesliga geblieben. Jetzt sind wir Vierter mit 29 Punkten – das hat keiner vor der Saison erwartet, dass wir dort stehen.“

Axel Hellmann: „Es ist am Ende Ausdruck dieser gesamten Hinrunde, dass wir so ein Spiel dann gewinnen. In der ersten Halbzeit haben die Mainzer uns auch taktisch gezeigt, wie man gegen uns spielen muss. Es war eine der besten Leistungen, die eine Mannschaft bislang gegen uns gespielt hat. Wir haben über die harte Arbeit auch das Glück auf unserer Seite, aber wir können jetzt auch Gott froh sein, dass wir in die Winterpause gehen. Denn auch das hat man heute gesehen: Es ist für uns der richtige Zeitpunkt jetzt in die Pause zu gehen, ein bisschen durchzuatmen, mentale und auch körperliche Fitness zurückzugewinnen. Aber die Ausgangslage mit 29 Punkten ist natürlich außerordentlich gut. Es ist einfach stark, wenn man über 8 Monate kein Heimspiel mehr verloren hat – gegen die Hochkaräter, gegen die wir gespielt haben. Da muss ich dem ganzen Trainerteam, der sportlichen Leitung ein riesen Kompliment machen.“