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Pokal-Halbfinale Schalke – Frankfurt

Fussball-Kolumne.de unterwegs für den HANAUER ANZEIGER (siehe unten). Impressionen eines Abends mit 60 Minuten Schattenboxen auf taktisch hohem Niveau, gefolgt von Rasenschach mit Grätschen, gefolgt von Schiedsrichtershow, gefolgt von 6-Minuten-Nachspielzeit-Krimi.

Schalke 04 – Eintracht Frankfurt 0:1 (0:0)

Übrigens: beeindruckende Statistik! Seit Fredi Bobic Sportvorstand bei der Eintracht ist, kam die Eintracht in 100% der Fälle ins DFB-Pokal-Finale.

Und hier der „Director’s Cut“ des Artikels:

Aller guten Dinge sind drei Pokal-Finals?

Der Hanauer Marco Russ will endlich den Pott nach Hessen holen

Platsch! Einen der härtesten Zweikämpfe bekommt Marco Russ erst nach Erreichen des DFB-Pokalfinales zu spüren. Es passiert, als sich der Verteidiger von Eintracht Frankfurt gerade zu Journalisten freudenstrahlend zum 1:0-Halbfinalsieg über Schalke äußert. Da landet die Hand des erleichterten und überglücklichen Sportvorstands Fredi Bobic beim Vorbeigehen mit einem sehr festen Klatscher auf der Schulter des erschrockenen Russ. Dagegen waren selbst die nicht immer ansehnlichen, aber umkämpften 97 Arbeitsminuten zuvor leichter wegzustecken. Fast, jedenfalls „Es ging von Anfang an zur Sache. Ob Schalke, ob wir: Wir sind voll in die Zweikämpfe gegangen. Dass es nicht so ein super Spiel wird wie Leverkusen gegen Bayern war klar, dafür sind beide Mannschaften zu taktisch aufgestellt, gerade wenn es um so viel geht.“

Tatsächlich waren die ersten 60 Minuten eine Art Schattenboxen in Fußball-Trikots: Die beiden 5-er Abwehrketten standen sich gegenüber wie Kämpfer im Spiegelbild. Der Eine zuckt ein bisschen, der Andere reagiert ein bisschen, aber keiner schlägt wirklich zu. Ganz anders in der Zeit danach: Ein offener Schlagabtausch. Jetzt war es ein – nicht unbedingt qualitativ – besseres Spiel. Mit Torszenen, umstrittenen Schiedsrichterentscheidungen, immer intensiveren Zweikämpfen, kurz: Ein rassiges Pokalduell. Und mittendrin: Die hessische Konstante im seit Jahren bunt zusammengewürfelten Eintracht Kader. Der 32-Jährige Marco Russ. Oder wie es sein Trainer Niko Kovac ausdrückt: „Ein alter Haudegen. Einer, der in der Vorrunde nicht so in den Vordergrund gerückt ist. Er kam ja aus einer Krankheit. Deshalb bin ich umso glücklicher, dass er es gesundheitlich geschafft hat. Aber auch mit seiner Präsenz und mit seiner spielerischen Qualität hat er uns schon das eine oder andere Mal in dieser Saison geholfen. Er hat Ruhe am Ball, er hat mit Makoto Hasebe und David Abraham alles im Griff gehabt.“ Alles im Griff, „zu null“ gespielt und mit 81 die meisten Ballaktionen aller Frankfurter Spieler. Der gebürtige Hanauer hatte nicht nur bei Kovac weitere Argumente geliefert, dass sein bis Juni 2019 gültiger Vertrag nicht das letzte Wort sein muss: „Ein wichtiger Junge, eine Integrationsfigur in Frankfurt. Und er wird sicher noch das eine oder andere an Jahren hier spielen.“

Stichwort Trainer. Auch für Russ war klar, dass das Spiel für die Außenstehenden durch den Wechsel Kovacs zum Finalgegner Bayern München eine besondere Bedeutung hatte. Russ dazu mit dem Blick aus dem Innenleben des Teams: „Es ist so, dass wir das nicht ausblenden können. Jeder hat ein IPhone, jeder hat seine Medien, natürlich liest man auch Zeug. Aber wir sind so ein eingeschworener Sauhaufen: Wenn‘s dann ins Training geht, wenn‘s in die Spiele geht, dann ist uns das Latte, ist uns das Wurst. Weil wir haben ein Ziel – mit dem Trainer, mit den Betreuern, mit dem Busfahrer, wir wollten nach Berlin – das haben wir geschafft. Jetzt haben wir noch vier Bundesligaspiele und da wollen wir natürlich auch noch das Maximum rausholen.“

Das Maximum? Also die Qualifikation für den internationalen Fußball. Die optimale Reiseroute für Marco Russ und seine Eintracht auf dem fußballerischen Navigationssystem lautet also: Über vier Bundesligaspiele nach Berlin – und nach den Feierlichkeiten auf dem Rathausbalkon später durch Europa.

Für Marco Russ ist gerade der Pokal-Wettbewerb eine besondere Geschichte. Im Viertelfinale der vergangenen Spielzeit gab er sein Comeback nach der schwierigen Zeit rund um den überstandenen Hodenkrebs. Jetzt steht er zum zweiten Mal hintereinander im Finale – dazu war er ja bereits 2006 gegen die Bayern in Berlin unterlegen. Für Russ also der optimale Zeitpunkt für die gelungene Pointe –  eines Sieges mit Trainer Kovac über dessen neuen Arbeitsgeber: „Das dritte Mal in meiner Karriere im Pokalfinale. Jetzt wird es endlich Zeit das Ding in die Luft zu heben. Aber jetzt genießen wir erstmal den Moment.“

Und mit welchem Getränk jetzt den Moment genießen? Apfelwein, Bier, oder doch nur Wasser bei den Feierlichkeiten in der Umkleide? „Ich denke Bier!“, schmunzelt Russ und blickt in Richtung des an diesem Abend überragenden Torwarts Lukas Hradecky: „Der Lukas ist eben schon im Vollsprint rein. Ich denke, dass der schon auf einem Kasten sitzt.“

Mit dem ersten Schluck und den Gedanken an das Finalerlebnis am 19. Mai in Berlin, sind dann sicher auch die Schmerzen von Bobics brutalem Schulterklopfer vergessen.

 

Pokal = München?

Der DFB-Pokal müsste eigentlich München-Pokal heißen. Rekordpokalsieger ist (natürlich) der FC Bayern München mit 17 Titeln. Von den jüngsten 13 Endspielen gewannen die Bayern sieben. Aber bereits vor den Bayern gewann der TSV 1860 München den Wettbewerb (1942, damals noch „Tschammerpokal“). Und der DFB-Pokal ist so münchnerisch, dass ihn Borussia Mönchengladbach 1959/60 tatsächlich noch unter dem Namen „Borussia München Gladbach“ gewann. Damit kann man durchaus in manchen Stammtischrunden glänzen. Hier ein Quiz rund um noch mehr Pokal-Wissen.

1. Wer durfte sich 1953 als erster Pokalsieger nach dem 2. Weltkrieg eine Siegerzigarette anzünden?
a) Helmut Rahn
b) Helmut Schmidt

2. Was machte Günter Netzer 1973 im Endspiel?
a) Er wechselt sich selbst ein
b) Er wechselt mit Gerhard Delling den Friseur

3. Welche einmalige Einmaligkeit gab es 1983?
a) 1. FC Köln spielt gegen Fortuna Köln in Köln
b) Schalke entlässt den Trainer

4. Was wurde der Mönchengladbacher Lothar Matthäus nach dem verlorenen Pokalfinale 1984
a) Spieler beim FC Bayern München
b) Greenkeeper beim FC Bayern München

5. Welche Gemeinsamkeit hat der DFB-Pokal mit Boxen?
a) K.O.-System
b) Henry Maske als TV-Kommentator

6. Wo treffen sich in Berlin regelmäßig die Besten ihrer Zunft, umjubelt von den Menschen auf der Tribüne?
a) Olympiastadion
b) Bundestag

Auflösung: Wer a sagt, muss nicht b sagen.