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Das Jahr des Danny da Costa

Er ist der Rekordmann bei Eintracht Frankfurt. Danny da Costa absolvierte in der Fußball Bundesliga mit 3035 Spielminuten – also mehr als jeder andere Spieler der SGE. Dazu kommen Pokal, Supercup und Europa League. Zusammen stand er in 50 Pflichtspielen 4.472 Minuten auf dem Feld. Jetzt stehen nach dem 1:5 beim Meister Bayern München noch einige Minuten in Arbeitskleidung für die Interviews an. Kein Wunder, dass er mit seinem verschmitzten Lächeln auf die Frage, auf was er sich in der Sommerpause am meisten freue, antwortet: „Dass mich keiner von Euch mehr belästigt.“ Die Frohnatur auf Rechtsaußen ist ebenso wie das ganze Team „ausgepresst wie eine Zitrone“ (Trainer Adi Hütter). Aber einige Antworten, ließ sich der 25-Jährige dann doch noch bereitwillig herauspressen.

Im Endspurt ging der Eintracht nach einer furiosen Saison die Puste aus. Warum reichte es auch heute gegen den Meister nicht, es spannend zu mache?

„Man hat ja gesehen, dass bei Spielen, in denen uns die Kompaktheit gefehlt hat, wir da teilweise untergangen sind. Wir kommen eben extrem über die mannschaftliche Geschlossenheit und es ist eben ganz wichtig für den Verein, dass jeder Spieler arbeitet und sich für die Mannschaft reinhaut. Dann erst kommen spielerische Elemente zum Tragen. Und wenn wir das hinten anstellen, wird es schwer. Wir haben hier zu viele Fehler gemacht, die die Bayern gnadenlos ausgenutzt haben. Mental waren wir eigentlich schon auf der Höhe, uns haben dann am Ende wirklich die Körner gefehlt.“

Was ist Ihr Saisonfazit?

„Sehr, sehr positiv. Wir haben über die Saison hinweg überragende Spiele gezeigt und auch sehr viele Spiele sehr aufopferungsvoll gestaltet. Deswegen bin ich in erster Linie unglaublich stolz auf das, was wir geleistet haben als Mannschaft. Natürlich hätten wir hinten raus gerne den einen oder anderen Punkt mehr geholt, aber wir können als Team und als Stadt Frankfurt stolz sein.“

Es hat jetzt gerade noch für die Qualifikation zur Europa League gereicht. Wie ordnen Sie das ein?

„Das verkürzt jetzt zuallererst den Urlaub um einiges (lacht). Mitte Juli geht es da wohl schon los. Wir freuen uns darauf. Wir haben dieses Jahr gesehen wie es gefeiert wird, welche Stimmung aufkommt und wir hoffen, dass wir es schaffen über die Qualifikation international zu spielen.“

In die TOP 10?

„Wir wollen noch Zehnter werden“, gibt 05-Trainer Sandro Schwarz bis zum Saisonende die Marschrichtung an. Zum 50. Geburtstag der ZDF-Hitparade könnte also das Motto, angelehnt an den Begriff aus der Musik-Branche, lauten: Auf in die Top 10! Mit diesem letzten Etappenziel soll der Saisonausklang zum Hit werden – deshalb  muss der FSV gerade in den Heimspielen den Ton angeben.

Auch nach der schmerzenden, fast schon legendären, Slapstick-Niederlage in Hannover steht das Ziel, unter die besten zehn Mannschaften der Saison zu kommen. Dabei könnte ein Spruch helfen: Die Spieler werden das Kind schon schaukeln! Schließlich steht jetzt ein frischgebackener „Kinderschaukler“ wieder zur Verfügung. Mittelfeldspieler Danny Latza und seine Jaqueline sind gerade Eltern von Alexander geworden. Außerdem hat „Wieder-Stammspieler“ Giulio Donati angekündigt im Juni zum ersten Mal Vaterfreunden empfinden zu dürfen. Vor diesen aktuellen und zukünftigen Glücksmomenten wirkt der Unglücksmoment von Hannover wie ein belangloser Blechschaden. Allerdings einer, der wegen der spielerischen Überlegenheit (23:7 Torschüsse) und dem „Gurkentor“ (Alexander Hack) wurmt, wie Vorstand Rouven Schröder in Niedersachsen einräumte: „Das ärgert uns unglaublich, hat aber mit dem Klassenerhalt letzte Woche nichts zu tun. Wir hatten uns so viel vorgenommen, waren klar Herr im Haus.“ Jetzt sind die 05er gegen Leipzig wieder im wahrsten Sinne „Herr im Haus“ – als Heimteam. Und zuhause gelangen zuletzt in vier Spielen drei Siege. Das passende Umfeld also für die Spieler, um auch das zweite Ziel (neben Platz 10) zu erreichen, das Sandro Schwarz für die verbleibenden Partien ausgegeben hat: „Alle sind in einer Konkurrenzsituation, in der sie sich zeigen können.“ Soll heißen: Jetzt werden die letzten Eindrücke gesammelt. Wer bietet sich an für Vertragsverlängerungen? Oder für neue Aufgaben? Oder für die Stammplätze? Zumindest erste Antworten hat die Mainzer Führungsriege bei den 96ern bekommen – oder wie Sandor Schwarz es ausdrückt: „Die gute Nachricht: Nachdem wir in der letzten Woche den Klassenerhalt perfekt gemacht haben, gab es diese Woche keinen Spannungsabfall.“

Für reines Schaulaufen sind sich die Spieler auch selbst zu schade, das haben auch die Leistungsdaten zum kuriosen Negativerlebnis in Hannover gezeigt. Und das zeigt auch die Verärgerung. Beispiel Schlussmann Florian Müller: „Das Gegentor war mein Fehler. Es gibt nicht viel zu überlegen: Dieses Spiel müssen wir gewinnen. Stattdessen: Du schießt gefühlt 30-mal aufs Tor, fährst fünf Stunden nach Hause und der Frust sitzt tief.“ Nach der Busfahrt und der Traingswoche dürften der Frust ab- und die Vorfreunde aufgebaut sein. Schließlich geht es gegen einen der aktuell am attraktivsten und erfolgreichsten spielenden Gegner der Bundesliga. Zudem gegen einen Champions League Starter 2019/20: RB Leipzig. Champions League Glanz also in der OPEL-Arena, wenn RasenBallsport Rasen-Schach spielen, aber die FSV-Abwehr genau das verhindern will. Alexander Hack jedenfalls hat die jüngste Niederlage abgehakt und schaut nach vorne: „Platz 10 bleibt weiter unser Ziel – wir wissen, was wir drauf haben!“ Für diesen Platz 10 müssen allerdings in den nächsten Wochen neben RB Leipzig noch mehr „internationale Probleme“ gelöst werden. Denn Eintracht Frankfurt (auswärts) und die TSG Hoffenheim (letztes Heimspiel) schielen ebenfalls mit dem Platz 4 in der Tabelle auf die Champions League Hymne in der nächsten Spielzeit. Das wäre dann für die Mainzer Gegner der Hit, den sie gerne hören möchten.

Rheinhessischer Jungbrunnen

Gegen den FSV Mainz 95 sehen derzeit die Gegner „alt“ aus. Nicht nur weil die Mannen (oder besser: Jungen) von Trainer Sandro Schwarz sieben Punkte aus den ersten drei Bundesligaspielen geholt haben.

Es gibt seit langem das Tor des Monats. Jetzt gibt es auch die Zahl des Monats. Sie lautet „23,2“. Das war das Durchschnittsalter in Jahren der 05er-Startelf beim jüngsten Heimsieg. Die Mega-Zahl: Es war der niedrigste Wert der Saison und es war überhaupt der Mainzer Vereinsrekord in Sachen Jugend, forsch!

Grundlage für den hochinteressanten Tiefstwert was das Bundesligadebut von Offensiv-Hoffnung Jonathan Burkardt. Der 18-jährige spielte als jüngster Profi im gesamten Kader vorne unbekümmert auf, während hinten der  knapp 14 Jahre „reifere“ Kapitän Niko Bungert die Abwehr zusammenhielt. Als der dann verletzt das Feld verlassen musste, wurde mit Ahmet Gürleyen der Nächste aus dem rheinhessischen Jungbrunnen an die Bundesligaoberfläche gespült. Und genauso wie beim Debut von Ridle Baku, war wieder der Sprung von der Zweiten in die Bundesliga-Mannschaft im wahrsten Sinne, ohne Anlauf. Während Baku sogar schon auf dem Weg zum Spiel der U23 den Mannschaftsbus verließ, wurde Innenverteidiger Gürleyen immerhin aus der Halbzeitpause der Regionalliga nach oben weg-„befördert“. Außer Baku, Gürleyen und Burkardt stand mit Torwart Florian Müller (20) sogar noch ein vierter Spieler aus dem eigenen Leistungszentrum auf dem Platz. Für den Schlussmann selbst ist der „23,2-Sieg“ aber weniger sensationell als es sich in der bundesweiten Beachtung anfühlt. Die Sport-BILD widmet dem Mainzer Tag der Jugend einen eigenen Artikel und zitiert Müller so: „Das Alter ist keine Ausrede für die Leistung auf dem Platz. Junge Spieler wollen sich immer beweisen und zeigen was sie können.“

Auch Leandro Barreiro Martins, der Zweitjüngste im Mainzer Kader (und wie Burkardt nach dem Jahr 2000 geboren), wird sich womöglich bald beweisen können. Das zumindest kündigte Sandro Schwarz, der auch erst 39 Jahre junge Cheftrainer der Mainzer, rund um den Weggang von Pablo de Blasis an: „Wir haben einige Optionen, auch zum Beispiel Leandro Barreiro, der eine gute Entwicklung genommen hat“.

Für Schwarz, der ja selbst in der Jugend des FSV spielte, ist das Vertrauen in den Nachwuchs nicht Zufall oder Zwang, sondern Überzeugung. Das sieht man auch an den Aussagen von Volker Kersting, dem Leiter des Nachwuchsleistungszentrum (NLZ), gegenüber dem KICKER: „Sandro Schwarz hat sich extrem tief in diese Thematik hineinbegeben. Wir haben in der abgelaufenen Saison zusammen an Trainingsplänen, Spielformen und Spielprinzipien gearbeitet. Wir wollen, dass er sein Wissen einbringt, und er weiß, dass er davon profitieren kann, wenn Spieler aus dem NLZ eines Tages zu ihm stoßen.“

Und wie sieht es bei den Zugängen aus? Ziehen da erfahrene Recken den Altersschnitt nach oben? Weit gefehlt: Mit Jean-Philippe Mateta (21), Aarón Martín (21), Moussa Niakhaté (22) und Pierre Kunde Malong (22) standen vier der fünf jüngsten Neuverpflichtungen auf dem Platz – und der jüngste, nämlich Issah Abass (19), wäre wegen eines Infekts gar nicht einsetzbar gewesen.

Für den Trainer der jungen Wilden ist vor allem der beste Saisonstart seit fünf Jahren die willkommene Bestätigung für das Fördern des forschen Nachwuchses: „Das zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir sind jetzt drin in der Saison und können noch besser werden mit dieser jungen Mannschaft. Das gibt ein gutes Gefühl.“

Die Journalisten dürften sich erinnert fühlen an die Bruchweg-Boys, als mit dem Trio Schürrle, Holtby, Szalai Mainzer Himmelsstürmer für Furore sorgten und in Boy-Band-Manier den Musik-Jubel zelebrierten.

Doch nicht nur auf dem Platz stehen die Jungen im Mittelpunkt. Auch im Block K dürfte im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg eine „U23“ der besonderen Art versammelt sein. Denn erstmals gibt es in der OPEL-Arena das Studenten-Special. Neben dem Ticket für das Spiel steht die After-Match-Party auf dem Campus der Johannes-Gutenberg-Uni im Kulturcafé auf dem Programm – zudem sorgt ein gratis Bitburger für die Wegzehrung nach der Partie.

Dabei wollen die Studenten sicher auf einen Mainzer Sieg anstoßen – ganz egal wie alt die Torschützen sind.

 

Vorbericht: MAINZ – BAYERN

Mainz mit M.A.I.N.Z gegen den Meister?

Mit Bayern München kommt die klare Rollenverteilung nach Mainz. Der Favorit reist aus dem Süden zum Außenseiter an. Das Besondere: Das ist immer so. Denn der FC Bayern in der vierten Amtszeit von Jupp Heynckes ist zur „Münchner Maschine“ mutiert. Selbst als die TSG Hoffenheim vergangene Woche mit der 2:0 Führung Sand ins Getriebe streute, liefen die von Heynckes eingestellten Zahnräder unerbittlich weiter. Resultat: 5:2. Wie also dem fußballerischen Ungetüm begegnen?

Die Rückkehr aus Leverkusen hat für die 05er trotz dem 0:2 und damit dem blamablen 16. sieglosen Bundesligaauswärtsspiel in Folge immerhin einen Vorteil. Sie sind wieder daheim. Das Wort „auswärts“ erst einmal vergessen, doch an Durchschnaufen ist nicht zu denken: Denn nach dem Tabellenzweiten steht jetzt der Tabellenerste als Gegner auf dem Spielplan. Nach den formstarken Leverkusenern geht es für die Mainzer also gleich gegen die Truppe, die mit 16 Punkten Vorsprung über der Liga kreist. Wie sie also vom Höhenflug, frei nach Kloppo, auf das Niveau der Normalsterblichen herunterziehen?

Die Lösung könnte hinter einem Kürzel stecken:

M.A.I.N.Z – M wie Mentalität, A wie Anfeuerung, I wie Ideen, N wie Neustart und Z wie Zuhause.

Die Mentalität.

Einmal mehr aufstehen als hinzufallen. Das hat die Mainzer diese Saison immer wieder vor dem Absturz auf die Abstiegsränge bewahrt. Ob Auswärtsprobleme, Diskussionen um die Vereinsführung oder Rückstände in Spielen: Immer wieder konnten Sandro Schwarz und seine Mannen positive Schlüsse aus negativen Erlebnissen ziehen. Die Mentalität ist für den Trainer auch im weiteren Saisonverlauf der Schlüssel: „Mentalität bedeutet Widerstände komplett zu überwinden und für die Mitspieler da zu sein, in guten und in schwierigen Momenten. Jeden Tag einfach alles aus sich herauszuholen und besser werden zu wollen, und Spaß daran zu haben. Auch Fehler zu machen und damit umgehen, zeichnet eine Mentalität aus.“

Die Anfeuerung:

Ausverkauft. Vorfreude. Emotionen. Wenn die Bayern kommen sind alle Plätze belegt und alle Stimmbänder geölt. Das Spiel des Jahres. Die Mannschaft weiß also, dass der Rahmen stimmt, jetzt muss sie sich die Anfeuerung nur noch verdienen und sie dann vielleicht: genießen. Wie in den zurückliegenden Krimis gegen Stuttgart in Pokal und Bundesliga: Auch nach jeweils dem 0:1 bedankten sich die Spieler für die Anfeuerung mit einer spannenden Dramaturgie und letztlich dem Erfolg – und daran dachte auch Sportvorstand Rouven Schröder bei der Analyse des jüngsten Heimsieges in der OPEL ARENA: „Das war heute ein Mainz-05-Spiel. Und das war heute auch ein perfekter Platz für so ein Spiel. Da kannst du tackeln, Zweikämpfe führen, leidenschaftlich Fußball spielen und die Zuschauer sind mit dabei. Jetzt lassen wir den Ball so liegen und dann geht es gegen Bayern.“ Jeder weiß, dass gegen die Bayern mehr als guter Tag nötig ist – und dieses „mehr“ ist auch die Unterstützung von den Rängen mit dem Anpfiff als Anfang des Anfeuerns.

Die Ideen.

Wie ist der Matchplan gegen den Meister? Alle gegnerischen Trainer grübeln noch etwas intensiver, wenn es gegen die Bayern geht. Auch Sandro Schwarz muss tüfteln. Gegen Leverkusen brauchte es einen Sonntagsschuss von Leon Bailey (Giulio Donati: „Das Super-Tor hat uns aus dem Rhythmus gebracht“) und einen Elfmeter, um gegen die 5-3-2-Taktik der 05er zum Erfolg zu kommen. Bis dahin war Schwarz teilweise zufrieden mit der Spielidee: „Erste Hälfte fand ich uns sehr gut, was die Defensivorganisation angeht. Es war auch so angelegt, dass wir sehr kompakt agieren und engmaschig stehen. Wir hatten gute Ballgewinne, was wir nicht gut gemacht haben, waren die Überzahlangriffe“. Jetzt muss der Verteidigungswall gegen die Bajuwarischen Top-Angreifer noch besser stehen – und ein Ideenplus in der Offensive ist gefragt.

Der Neuanfang

Mit der deutlichen Wahl von Stefan Hofmann zum Vorstandvorsitzenden gibt es jetzt auch in Punkto Ruhe im Verein die Chance für einen Neuanfang. Für den neuen starken Mann auf der Kommandozentrale ist es auch deswegen an der Zeit ein ruhigeres Fahrwasser auch auf dem Rasen zu nutzen: „Es ist sehr vieles an Substanz vorhanden, jetzt müssen wir die Dinge wieder in die richtigen Bahnen lenken. Und ich glaube dann können wir Mainz auch wieder dahin führen, dass wir sagen können, da steht der Sport im Fokus und wir sind eine Plattform für junge Spieler und die können sich hier weiterentwickeln – und das muss unser Ziel sein“.

Das Zuhause

„Noch mehr Überzeugung“, mahnte Sandro Schwarz nach dem Spiel in Leverkusen an, was die Offensivaktionen betraf. Offensichtlich ist diese Überzeugung in den Heimspielen präsenter. Mit 16 Heimpunkten liegen die 05er sogar besser als die Dortmunder (15) mit ihrem 80.000er Hexenkessel.

Das Spiel gegen den FC Bayern. Ist es ein „Bonus-Spiel“, weil alle mit einem Sieg des Tabellenführers rechnen? Oder ein ganz normales Duell um drei Bundesligapunkte? In beiden Fällen geht der Weg zum Sieg über nur über M.A.I.N.Z., über Mentalität in der Mannschaft, laute Anfeuerung von den Rängen, taktischen Ideen, mit einem Neuanfang im Rücken und der Überzeugung im erfolgversprechenden Zuhause auflaufen zu können.