Archiv der Kategorie: Meinung

Märchenhafter Meister

Der März steht an. Der Meistermonat. Wann feiern die Bayern? Anfang März? Oder kommen sie in eine unglaubliche Krise und feiern erst Ende März? Für die jüngeren Leser sei erwähnt: Es trug sich zu vor langer Zeit, da wart der FC Bayern München nicht Deutscher Meister. Dass es wieder einmal so weit sein könnte, fühlt sich an wie ein Märchen.

Das Fußball-Märchen vom anderen Meister

Es war einmal eine Meisterschale. Die lebte im Allianz-Arena-Schloss, bewacht von Bienen und Hummels. Auch Alaba und die 40 Räuber schützten sie, sowie ein Neuer Torwächter. „Kimm ich da rein?“, fragten sich alle, die an das Tor Kloppten, doch keiner konnte hinein, auch Antonio Conte nicht hinein.

Also traf sich alles was Rangnick und Namen hatte in der Badstube einer Hasenhüttl direkt am Hollerbach zur Beratung. Bald wurde es voll, dann noch Völler und es entstand ein Heidelloses Durcheinander. Als sich jeder beruhigt und seinen Füllkrug mit Baileys vollgemacht hatte, schlug einer den Plan vor, die Meisterschale zu vergessen. „Christian, Streich den Plan!“, riefen aber alle. Worauf er sich Schwarz ärgerte: „Das find ich nicht Fähr, mann!“. Da meldete sich Heiko aus den hinteren Rhein, woBayer ganz laut schrie: „Ich hab’s! Ich Zorc dafür, dass wir uns an einer eigene Meisterschale erGgötzen!“. Da riefen alle: „Herrlich!“.

Und wenn dieser Plan nicht gestorben ist, dann lebt er bald in einer eigenen Liga weiter.

Inside „Charme-Offensive“

Was wird Josef  „Jupp“ Heynckes machen, nachdem er im Mai wieder Triple-Trainer ist? Doch ein Jahr bei den Bayern dranhängen, sich planungstreu auf seinen Landsitz zurückziehen, oder die einzige Herausforderung annehmen, die einen Triple-Erfolg noch steigern kann: RTL-Dschungel-König werden?

Die FCB-Oberen setzen auf Ersteres und führen eine sogenannte “Charme-Offensive“ durch, unter der man sich allerdings in der Praxis wenig vorstellen kann. Deshalb hier eine Zusammenfassung subtiler Gesten alleine in der Woche vor dem Spiel gegen Bremen:

Montag: Uli Hoeneß macht eine Abstimmung bei den Jusos. 300:0 Stimmen für Koalitionsverhandlungen zwischen Jupp und den Bayern.

Dienstag: Karl-Heinz Rummenigge legt den unterschriftsreifen Vertrag vor. 222 Millionen Handgeld + Werbevertrag mit Osram.

Mittwoch: Heynckes Hund Cando kommt zu Besuch nach München. Aufsichtsrat Edmund Stoiber lässt die Bayerische Staatskanzlei räumen und zur Hundehütte umfunktionieren.

Donnerstag: Hasan Salihamidzic ist zurück vom Silicon Valley. Er hat dort einen geheimen Heynckes-Klon-Roboter mit Phrasenschwein-Software und Guardiola-Algorithmus bauen lassen. Jupp müsste in Zukunft nie mehr selbst zu den TV-Interviews gehen.

Freitag: Bayern München hat die Theresienwiese gekauft. Dort wird in Zukunft nicht mehr das Oktoberfest gefeiert. Stattdessen bauen Experten aus China und Las Vegas Jupps Wohnort Schwalmtal nach.

Samstag: Jupp Heynckes will zu Shopping in die City.  Er muss aber nicht selbst laufen. Der FC Bayern hat zehn fränkische Weinköniginnen engagiert, die ihn auf Händen von Laden zuu Laden tragen..

Sonntag: Dank einer Spende des FC Bayern wird in Münchner Kirchen nach Rücksprache mit den Papst ab sofort das „Vater unser“ in „Trainer unser“ umbenannt.

Liebes Tagesbuch…

…endlich ist die Länderspielpause vorbei, aber kaum denke ich an die Bundesliga, fällt mir wieder etwas Schlimmes ein, das ich neulich erlebt habe.
Ich wollte mir in Ruhe das Zweitligaspiel Nürnberg gegen Ingolstadt anschauen. Dann hat plötzlich der Kommentator gesagt, dass das ein „Derby“ sei. Da habe ich sofort bei Google Earth überprüft, ob Ingolstadt im Zuge des Klimawandels an Nürnberg herangeschwemmt wurde. „Mit ein bisschen gutem Willen“, fuhr der Kommentator fort, „könnte man das als bayerisches Derby bezeichnen.“ Klar, mit ein bisschen gutem Willen könnte ich auch den Videobeweis perfekt finden – oder die FIFA nett.
Schon ein paar Tage zuvor konnte ich das Spiel Wolfsburg gegen Berlin nur mit einer Gehirnhälfte genießen, weil sich die andere mit dem Begriff „ICE-Derby“ beschäftigen musste. Ist denn für echte Derbys der Zug abgefahren?
In Mainz geben sich die modernen Inflations-Derbys jedenfalls ein Stelldichein. Kurz nach dem „S-Bahn-Derby“ gegen Eintracht Frankfurt erwarten die 05er jetzt den 1. FC Köln zum „Am-gleichen-Fluss-liegend-Derby“. In närrischen Fachkreisen wird Mainz gegen Köln auch als „Jecken-Derby“ bezeichnet. Doch noch üblicher ist der Begriff des immer heiß umkämpften „Buchstaben-Derbys“, da M und K ja ganz nah, nur durch das L getrennt, im Alphabet residieren.
Große Vorfreude habe ich auch bezüglich des Derbys gegen Dortmund, wenn die Borussia am 12. Dezember zum „Wurden-beide-mal-von-Klopp-und-Tuchel-trainiert-Derby“ die 260 km nach Rheinhessen kommt. Mit ein bisschen gutem Willen schafft man das mit Aubameyangs Sportwagen in einer Stunde.

„Videobeweis 2.0“ oder „Eine Geschichte aus Köln“

„Puhh“, wischt sich der Bauarbeiter erschöpft den Schweiß von der Stirn, bevor er die interessierten Besucher hereinbittet und mit einer bedeutungsschwangeren Geste in Richtung eines Tunnels zeigt: „Wir sind fast fertig, der Videobeweis 2.0 kann bald starten“.
Die Besucher gehen in einen Keller unterhalb des Kölner Kellers, in dem der noch amateurhafte Videobeweis 1.0 sein unvollendetes Unwesen trieb. Dort öffnet sich ein Raum, der genauso aussieht wie der Original-Raum der Videoassistenten. Projektleiter Hellmut Krug erläutert: „Hier also sehen sie die Arbeitsplätze der Lippenleser, die jetzt jede Szene des normalen Videobeweises noch einmal kontrollieren. Das wurde nötig nach der Diskussion rund um die Rote Karte an Ibisevic, also ob er ‚scheiße‘ oder ‚schlecht‘ sagte“.
Jetzt geht es noch tiefer in den Kölner Untergrund. „So!“, grinst Krug in Richtung einer weiteren Tür zu einem weiteren Raum, der genauso aussieht wie die oberen. „Und hier ist unser ganzer Stolz, der Raum mit den Gebärdensprachendolmetschern. Die betrachten nach der Betrachtung der Lippenleser, nach der Betrachtung der Videoassistenten die Szene und können auch die kleinste Gestik – vom sanften Tätscheln eines Ribery bis zur Onaniegeste eines Baier – alle relevanten optischen Daten an den Schiedsrichter im Stadion übermitteln.
Wenn Sie mir bitte noch einmal folgen wollen.“
Krug geht einige Schritte, blickt in Richtung eines noch tiefer gehenden Stollens und erteilt mit einem würdigenden Handzeichen dem Bauarbeiter das Wort. „Nun“, holt der Bauarbeiter tief Luft, „hier sollte es eigentlich schon jetzt zu einem weiteren Raum gehen. Dort werden später Tierforscher sitzen und bei der Analyse von Rudelbildung auf dem Spielfeld behilflich sein. Doch die Fertigstellung verzögert sich leider, da wir bei dem Aushub auf das Bernsteinzimmer trafen und deshalb noch tiefer gehen mussten. Dort sind wir aber so nah am Erdkern, dass aufgrund von Temperaturen überhalb 258 °C die Wände noch mit Isolierschicht auskleiden werden.“
Die Besucher nicken zustimmend. Der Aufwand ist es wert.
Wenn nur der Fußball gerechter wird.