Archiv der Kategorie: Kolumne

Der SPORT-CORONA-TRAUM

Die Corona-stayathome-Zeit schlägt sich auf den Schlaf nieder. Hatte diesen Traum. Habe ihn für Euch als Drehbuch aufgeschrieben, damit Ihr’s Euch vorstellen könnt…

INNEN – ABEND

In einer typischen deutschen Sportsendung steht die Moderatorin vor einer TV-Screen.

Moderatorin

Fan-mäßig aufgeregt. Schaut zuerst in die Kamera, dreht sich dann zur Screen. Dort erscheint ein älterer Herr mit Hut.

Wir sind jetzt sehr stolz in Bern den Trainer der Virologen-Nationalmannschaft begrüßen zu dürfen. Wir sind die Einzigen, die mit Ihnen in der Schweiz sprechen dürfen. Sozusagen ein Wunder von Bern: Herzlichen Dank – Professor Sepp Herberger!

Prof. Herberger

Ja gut, ich sag mal: Hallo.

Moderatorin

Herr Professor, wie schätzen Sie als Experte die weltweite Lage ein?

Prof. Herberger

Ja gut, ich sag mal: Nach der Pandemie ist vor der Pandemie.

Moderatorin

Nicht mehr so begeistert. Eher genervt.

Ähm, aber was heißt das jetzt konkret für alle Sportler?

Prof. Herberger

Ja gut, ich sag mal:

Das Virus ist rund und das Runde muss ins eckige Labor.

Moderatorin

Genervt.

Is‘ klar. Aber was raten Sie denn jetzt genau?

Prof. Herberger

Ja gut, ich sag mal: Eine Quarantäne dauert 90 Tage und die nächste Epidemie ist immer die schwierigste!

Die Moderatorin dreht sich in die Kamera. Reißt sich eine Maske vom Gesicht. Es ist Guido Cantz. Ruft stolz.

Cantz

Ha, liebe Zuschauer. Ich hab Sie veräppelt!

Im Screen sieht man, wie Prof. Herberger sich die Maske herunterreißt. Darunter: Jogi Löw.                   

Löw

Ja gut, ich sag mal. Auch bei Virus isch die Taktik:

Högschte Disziplin – aber immer luschtig bleibe!

ABBLENDE

GEISTERSPIEL – ein Erlebnisbericht

Unweit von Hanau, Geburtsstadt der Gebrüder Grimm, hat sich in Frankfurt ein Märchen ohne Happy End zugetragen. Es war einmal ein Geisterspiel. Im Übergang zwischen den letzten Schimmern des Tageslichts und der hereinbrechenden Nacht auf Freitag duellieren sich die jeweils gleich gewandeten Vertreter von Eintracht Frankfurt und dem FC Basel. In gespenstischer Atmosphäre tragen die Schweizer in diesem besonderen März 2020 den 3:0-Sieg in der Europa League davon – doch es gibt weitaus mehr Verlier. Neben den Gastgebern noch die 47.000 ausgeladenen Gäste. Und: der Fußballsport.

Auch als anwesender Sportjournalist gräbt sich das Erleben entfernter Emotionen bei einem formal so wichtigen Achtelfinales für ewig in das Reportergedächnis ein. Als gefühlte Trainingsbeobachtung. Besonders skurril ist das Spiel als Hörspiel. Etwa wenn Stadionsprecher  Bartosz Niedzwiedzki enthusiastisch die Aufstellung den leeren Rängen entgegenschreit – natürlich inklusive Nachnamen, denn wie üblich komplettieren werden die Sitzschalen und Betonstufen nicht. Oder wenn zum Anpfiff der Applaus von einigen Offiziellen der einzige offizielle Applaus ist. Die Rufe der Spieler als Kulisse für die Ohren: Besonders laut, wenn den Pfiff des Schiedsrichters das Unrechtsbewusstsein entfacht, oder wenn der frühere Hertha-Profi Valentin Stocker herzerweichend nach Foulspiel schreit. Vereinzeltes Klatschen als Höhepunkte: Das aufmunternde Klatschen von Ersatzspielern schallt genauso ins Nichts wie das Klatschen des Balles an die Latte – geschossen von Alamy Toure auf der Suche nach dem 1:1-Ausgleich gegen die besseren Schweizer. Womöglich liegt der letztlich souveräne Gästesieg an der listigen Geisterspielerfahrung, die sich der FC Basel verschafft hat, als sie zur Vorbereitung ein Spiel gegen den Zweitligisten Schaffhausen vor leeren Rängen absolvierten. „Für uns war das Geisterspiel ein Vorteil“, gibt dementsprechend auch FC-Trainer Marcel Koller zu. „Wenn hier 50.000 Zuschauer sind, und hier ist immer was los, ist das was ganz anderes“. Die Eintracht hingegen ging noch am Tag vor dem Spiel von vollen Rängen aus. Fazit aus Spielersicht von Djibril Sow, dem Schweizer unter den Hessen:  „Uns hat heute einiges gefehlt, auch die Zuschauer. Das hat man gespürt. Den Virus und das was man immer wieder darüber liest, das kann man nicht so abschütteln, aber das darf keine Ausrede sein.“

Zurück zu den Erfahrungen auf der Pressetribüne, die zum ersten Mal besser gefüllt ist, als der Rest des Stadions. Dort hat zumindest die erfahrene Sportchefin von Hit Radio FFH Geisterspielerfahrung. Sonja Pahl war Augen- und Ohren-Zeugin des 2:1-Sieges der SGE in Marseille. Beim Europa League Spiel im September 2018 waren ebenfalls die Zuschauer ausgeschlossen. Allerdings wegen Vergehen der französischen Fans, nicht wegen eines Virus. Die Hörfunkreporterin erinnert sich an die Unterschiede: „In Marseille hatte die Eintracht immerhin etwa 50 VIPs mit dabei, die dann bei entsprechenden Szenen applaudiert haben und so ein Funke von Feeling aufkam. Das ist heute komplett anders.“. An diesem Abend werden Pahls Szenenbeschreibungen nicht vom Stadionlärm des Profifußballs verschluckt. Für sie selbst ist jede Meldung an die Hörer deshalb eine bizarre Zeitreise: „Ich habe ja in der Fußball Oberliga Hessen angefangen, da saßen dann die alten Herren von der Zeitung um mich herum und haben, gerade bei der jungen Frau, genau hingehört. Weil es da eben so leise war auch jedes Wort verstanden. Also ist das eine Art zurück-zu-den-Wurzeln-Gefühl.“

Nachdem sich die außergewöhnlich kalte Atmosphäre gerade noch über das Sportliche legte, wurden dann nach dem Spiel Aufarbeitung und Ausblick emotionaler, aber auch außergewöhnlich. Sowohl die versammelten Journalisten im Pressraum als auch die Aktiven hangeln sich von Vermutung zu Vermutung, von Nachricht zu Nachricht. Würde überhaupt noch Fußball gespielt werden und soll überhaupt?

Die sportliche Gretchenfrage, „wie halten wir es mit dem Fußball?“, beantwortet Eintracht-Trainer Adi Hütter ganz am Ende eines auch für einen Reporter außergewöhnlichen Abends so: „Auch für die Entscheidungsträger ist es nicht einfach, es geht ja über den Sport hinaus. Wir leben ja nicht hier in den Katakomben der Arena und trainieren und spielen nur. Es hat jeder eine Familie und Bekannte – überall ist die Gefahr, dass man sich ansteckt. Ich bin in dieser Situation auch überfordert, wie wir alle. Wir müssen alle versuchen bis gewisse Entscheidungen getroffen sind, professionell zu sein. Sie können mir glauben, dass das nicht einfach ist. Denn hier geht es nicht um Sportler, hier geht es um Menschen, die den Sport ausüben und mit der Situation konfrontiert sind.“

Nach diesen letzten Ausführungen ist es ganz leise bei der Pressekonferenz. Alle spüren: Das ist nur Fußball. Und auch für einen Fußballberichterstatter wird an diesem Abend in der Geisterspiel-Atmosphäre eindrucksvoll klar: Die Besonnenen sind jetzt am Ball. Der gemeinsame Gegner ist ein Virus. Und wenn dieser Gegner ausgekontert ist, der Ball wieder vor Zuschauern rollt, dann gibt es nur Gewinner. Dann hat ein noch wichtigeres, noch größeres, noch moderneres Märchen ein Happy End.

Beim SC Freiburg für die ZDFSPORTreportage

Trainingslager des Fußball-Bundesligisten SC Freiburg.

Zwischen einer glänzenden Vorrunde mit 26 Punkten und doch mit Respekt vor einer schwierigen Rückrunde bei einer 2019/20 sehr „engen“ Bundesliga.

Die Arbeitswoche in Sotogrande/Spanien für die ZDFsportreportage…

Masked Singer Staffel beim Fußball?

2024. Es wird spannend in der zweiten Staffel der DFL-Show „The Masked Coach“. Nachdem sich letzte Woche in Paderborn das „Glühwürmchen“ der Maske entledigt hat und Jupp Heynckes unter dem Applaus der Zuschauer zum Vorschein kam, ist es wieder soweit. Wie immer: Nach der jeweils zweiten Niederlage muss der Trainer sich zu erkennen geben.

Heute könnte es den „Brontosaurus“ treffen, der mit seinem HSV 0:1 gegen den vom „Peter Pan“ trainierten FC Bayern zurückliegt. Mittlerweile hat sich die Show bei Sky zum Quotenhit gemausert. Dabei sollte mit der Einführung einfach die überschnelle Entlassungswelle bei Bundesligatrainern gestoppt werden. Schließlich kommt auch der Fankurve ein „Süßer Pudelwelpe raus!“ weniger schnell über die Lippen und selbst beim VfB Stuttgart konnte sich das „Rauschgoldengelchen“ bewundernswert lange halten.

Jetzt ist es passiert! Der FC Bayern erhöht mit dem Schlusspfiff auf 2:0. An der Seitenlinie rupft der Brontosaurus mit seinen Tatzen-Handschuhen schon an seiner Kopfbedeckung. Es ist… Pep Guardiola! Entschuldigend-schmunzelnd zuckt er mit den Achseln, als wolle er sagen „ja wie soll ich denn ohne Scheich-Millionen an der Elbe Tiki-Taka spielen?“.

Jetzt darf noch die Jury eine Vermutung äußern: Wer könnte sich als „Peter Pan“ verstecken? Jurymitglied Rainer Calmund legt sich fest: „Also Ende aus, Mickey Maus. Ich leg mich fest. Wenn die so eine Angst haben zu verlieren? Kann nur Felix Magath sein!“ Auflösung vielleicht nächste Woche.