Archiv der Kategorie: Kolumne

Die WM-Offensive!

Der feuchte Traum eines Offensiv-Fans. Wir schalten uns ein in die Reportage des WM-Finales, eine Minute vor Schluss..

„Neuer mit kurzem Abwurf auf Linksverteidiger Gnabry, der zunächst auf Innenverteidiger Müller passt. Müller lässt auf seinen Innenverteidiger-Kollegen Wagner abtropfen. Offenbar spekuliert die deutsche Mannschaft beim Stand von 8:8 auf die Verlängerung. Auch Bundestrainer Löw scheint das Unentschieden zunächst einmal absichern zu wollen, denn die Abwehrspieler Kruse, Brandt und Stindl stehen bereit zur Einwechslung.

Jetzt zieht Rechtsverteidiger Draxler etwas das Tempo an, dribbelt einen, zwei, drei Gegenspieler am eigenen 16er aus. Oh, das waren schöne Doppelpässe mit der deutschen Doppel-Sechs Reus und Volland. Jetzt der Seitenwechsel auf Sanè, der den Ball auf der linken Seite nach vorne treibt. In der Spitze bieten sich Gomez und Werner an, der Ball kommt aber dank einer schönen Flanke auf Petersen, der den Ball mit der Brust annimmt und in einer eleganten Bewegung schießt. Der Ball fliegt! Fliegt! Tooooor! 9:8! Abpfiff! Deutschland ist Weltmeister!“

Hat Mainz 05 die Siegesformel?

Das Objekt der Begierde der Römer bei „Asterix und Obelix“: Die Formel für den Zaubertrank. Keine Chance, die herauszubekommen. Das Objekt der Begierde der Mainzer vor der nächsten Partie: Die Formel für den Heimsieg gegen Freiburg. Doch diese Formel ist schon eher zu entschlüsseln. Denn das Rezept war zuletzt bei zwei ungeschlagenen Spielen schon fast vollständig: Kampf, Leidenschaft, Mut, Zusammenhalt. Jetzt soll die letzte Zutat hinzu: Chancenverwertung. Die Form für Freiburg ist da – jetzt muss die Siegesformel gelingen.

Aller guten Dinge sind Drei? Der Neustart der 05er nach der Länderspielpause geht in die dritte Runde. Mit zwei Unentschieden als Anlauf will den Rheinhessen jetzt mit einem Dreier-Sprung der Dreisprung gelingen: Erster Sprung: Hamburg und Köln auf Distanz halten. Zweiter Sprung: Freiburg mit in die rote Zone ziehen. Dritter Sprung: Das Selbstvertrauen weiter steigern und den Neustart veredeln. Den aus Mainzer Sicht positiven Gesamttrend beschreibt Rene Adler nach dem jüngsten Spieltag so: „Ein Stückweit können wir stolz sein auf das Team, dass wir nach vielen Rückschlägen gerade nach der Länderspielpause, als wir viel einstecken mussten, uns wirklich zusammengesetzt haben, auch mit den Fans viel gesprochen haben. Man sieht, dass wir ein bisschen geschlossener sind auf dem Platz. Ich bin felsenfest überzeugt, dass das irgendwann belohnt wird. Heute war es knapp davor – vielleicht schaffen wir es gegen Freiburg zu Hause.“

So formulierte es der Keeper nach dem Auswärtsspiel in Köln. Apropos formulieren: Es gibt einige Formeln, die die auch objektiv besser gewordene Form zeigen:

3 – 2 – 2 – 2 – 2 – 1 – 1 – 0

Die Hinten-immer-dichter-Formel! Seit acht Heimspielen zeigt die Tendenz der Gegentore gegen 0. Die Abwehr wird zu Hause immer schwerer zu überwinden. Und wenn hinten „die Null“ steht, könnte vorne eben auch mal nur eine eiskalt ausgenutzte Situation reichen. Immerhin: Auf insgesamt zwölf Torschützen verteilen sich die 30 Mainzer Treffer – und das sind immerhin vier mehr als bei den Freiburgern, die sich zudem eher auf Nils Petersen mit seinen 13 Treffern verlassen müssen. Und der scheiterte zuletzt sogar vom Elfmeterpunkt.

4 – 3 – 3

Die Neustart-Formel! Mit der Umstellung auf eine Viererkette und dem Mitte-Dicht-Trio Jean-Philippe Gbamin, Suat Serdar und Danny Latza ist defensive Stabilität erkennbar – kreative Stabilität! Denn das Trio bringt sich immer besser auch mit Dribblings und Kombinationen offensiv ein. Vorne lauert das Angriffstrio mit Wandspieler und Flügeln. Doch noch gelingt es viel zu selten den Ball aussichtsreich in der „Box“, also dem 16-Meter-Raum, zum Abschluss aufzulegen. Doch die Formkurve zeigt auch dabei nach oben. Auf die offensive Nullnummer gegen Mönchengladbach folgte das Tor von Pablo De Blasis in Köln – und das hatten sich der Schütze und seine Kameraden ausgeheckt: „Die Situation, die zum 1:1 geführt hat, trainieren wir manchmal. Wir haben vorher darüber gesprochen, dass es wichtig ist, dass wir in der Box vor dem Tor Präsenz zeigen. Und je häufiger wird dort sind, umso mehr Torgefahr strahlen wir aus. Wir haben in den letzten beiden Spielen gezeigt, was wir können.“

50.000 Zuschauer – 54 % – 97 Minuten – 1 Punkt

Die Auswärtspunkt-Formel! Wenn 50.000 Zuschauer eine Führung feiern und ihr Heimteam anpeitschen, ist es nicht selbstverständlich, dass das Auswärtsteam so hartnäckig, mutig und stabil reagiert. Doch die 54% gewonnen Zweikämpfe (Köln 46%) sind ein Indiz für das große Ganze: Wie die 05er den Rückstand und das drohende Heranrücken der „Geißböcke“ in der Tabelle weggesteckt haben, war beeindruckend – und Danny Latza beschreibt, wie sich das auf dem Rasen angefühlt hat: „Ich wusste, was das hier für ein Hexenkessel wird vor 50.000 Zuschauern. Und wenn dann alle gegen dich pfeifen, so wie das bei mir der Fall war, dann motiviert das zusätzlich. Der Kampf war heute da, die Mentalität war heute da. Darauf können wir aufbauen.“ Und beim Kämpfen mussten sogar Überstunden gemacht werden. Denn mit Ablauf der regulären Spielzeit verabschiedete sich Giulio Donati mit unsinnigem Gelb-Rot und es waren somit sieben Minuten Nachspielzeit in Unterzahl zu überstehen. Was heißt überstehen? In der 97. Minuten hätte Robin Quaison sogar noch den Auswärtspunkt verdreifachen können: „Wir haben heute zwei Punkte verloren. In der letzten Szene hätte ich ein Tor machen müssen.“ Sportvorstand Rouven Schröder sieht das etwas gnädiger: „Gut war, dass wir trotz Unterzahl in der Nachspielzeit auf Sieg gespielt haben. Jetzt haben wir ein großes Ziel: Den SC Freiburg einzuholen. Deshalb geht unser Fokus sofort auf das Spiel gegen Freiburg“. Und auch für Trainer Sandro Schwarz hatte der Punkt eine emotionale und leidenschaftliche Schleife obendrauf: „Erstmal steht die Leistung im Vordergrund – und die war sehr gut auswärts. Aber klar, wenn du hinten raus den lucky Punch machst, war das Gefühl, dass wir auch drei Punkte hätten machen können – von der Art und Weise her wie wir aufgetreten sind.“

Mönchengladbach-0 + Neustart-Emotion + lucky Punch

Das könnte die Formel für das Freiburg-Spiel werden! Hinten die Null wie gegen Borussia Mönchengladbach, die Leidenschaft und Dynamik wie seit dem Neustart nach der Länderspielpause und vorne spätestens ein lucky Punch!

Die Formkurve zeigt nach oben – jetzt muss bei den Mainzern aber, Formeln hin Formeln her, Gas gegeben werden. Wie in der Formel 1. Sonst holt Freiburg das Safety Car und bremst aus.

 

Summer-Time im Kino?

„HOME OFFICE – Hilfe aus dem Abseits“

Sehr super spannender Spionage-Thriller (D, 2018/19)

Dortmund/Hollywood (dpasid) – Bereits die Planungen für diesen Film schlagen hohe Wellen. Die weltweite Sport-Cinema-Szene von Gelsenkirchen-Buer bis Los Angeles hält den Atem an. Die OSCARS® werden schon bereitgestellt: Wie die Filmstudios Akki-Susi-Productions und Leinwand-Lüdenscheid-Pictures mitteilen, beginnen ab Sommer 2018 die Dreharbeiten für den Blockbuster „Homeoffice – Hilfe aus dem Abseits“.

demnächst wirklich im Kino?

Im starbesetzten Thriller geht es um den hartgesottenen Sport-Spion Mathew Summer. Er versorgt von seinem mit High-Tech ausgestatteten Münchner Büro aus einen Fußball-Club per Telefon und Tablet mit externen Forschungsergebnissen. Summer bereitet so dem in nächster Nähe agierenden Konkurrenten Carl Rimmenuggy größte Probleme. Unterstützt wird der ehemalige FCB-Agent Summer von der Geheimorganisation EUROSPORT, die ihn offiziell als Magnettafel-Maler beschäftigt, aber hinter den Kulissen mit heimlich abfotografierten Laufwegen und ausgedruckten Fehlpassquoten versorgt. Als Rimmenuggy von Summers Home Office Intrige erfährt, fasst er einen teuflischen Plan: Er aktiviert den verschollen geglaubten Summer-Mentor Omar Heatfield

Für die Besetzung der Hauptrollen haben die Produzenten keine Kosten und Mühen gescheut. Mathew Summer wird gespielt von Comedy-Star Eddy Murphy, der sich zur Vorbereitung seiner Rolle für einige Zeit als „Pierre-Emerick Aubameyang“ in die deutsche Fußballszene geschmuggelt hatte. Für die Besetzung von Carl Rimmenuggy wird noch gecastet, aber es gilt als 50+1 Prozent sicher, dass Newcomer-Star Andrew Rettig den Zuschlag erhält. Des Weiteren stehen für den Cast fest: Eric Cantona als Omar Heatfield und Danny deVito als Summers Telefon.

Wie das Fachmagazin „Hollywood Kicker-Bild“ erfahren haben will, haben die Hauptdarsteller bereits für einen zweiten Teil unterschrieben. Arbeitstitel: „Home Office – heißer Draht zu Jogi Lion“.

 

Vom Horrorfilm zum Happy End?

Sie haben bewegende Wochen hinter sich – und vor sich! Die gute Nachricht für die Mainzer vorneweg: Sie müssen nicht mehr nach Frankfurt und sich dort wie im falschen Film fühlen. Da gab es die serienreife Vorführung „Und täglich grüßt das 0:3“. Das FSV-Drama fühlte sich für die Eintracht wie eine Komödie an, weil die eigentlich einen Krimi erwartet hatten. Für die 05er aber lief der Film ab wie eine Wiederholung: Wieder auswärts nicht gut gespielt, wieder keine Konstanz. Jetzt kommt Mönchengladbach ins rheinhessische Lichtspielhaus des Fußballs – und für die Fans der 05er ist klar: Egal ob beinharter Thriller oder spielerische Romanze – Hauptsache Happy End!

„Beim Eckball den Kopfball von Bello ins Tor brüllen!“. So stellt sich Mainz-Coach Sandro Schwarz eine filmreife Szene vor. Doch noch ist sie Science Fiction, denn der Cheftrainer meint das nächste Spiel gegen Borussia Mönchengladbach als er in der Länderspielpause emotional von allen im Umfeld für den  Rest der Saison fordert: „Wir müssen diesen Endspurt so leben, wie wir es in Mainz immer gemacht haben!“.

Beginnen soll dieser Endspurt mit einem Schlüsselwort – Neustart: „Länderspielpause – ein Break. Jetzt sind noch sieben Spiele da. Auch psychologisch für uns so ein Neustart. Alle zusammen, mit den Fans, einen Neustart ausrufen. Alles was wir gemacht haben und nicht gemacht haben als Erfahrung mitnehmen für diesen Neustart.“

Jede Woche kommen ins Kino neue Filme als Neustarts. Der Mainzer Neustart also als großes Kino?

Wie ein Roadmovie: „Die Not Easy Riders“

Von pulsierenden Auswärtsspielen in Mönchengladbach oder Berlin bis zu den eher blutleeren Auftritten: Das Pendel der Inkonstanz schlägt gerade unterwegs in negative Richtung aus, wie Sportvorstand Rouven Schröder angesichts von nur acht Punkten in der Fremde: „Die Spiele werden weniger, aber noch haben wir die Chance direkt in der Liga zu bleiben.  Wir sollten aber nicht nur daheim, sondern auch auswärts ein besseres Gesicht zeigen.“ Und auch Sandro Schwarz sieht hier den Ansatzpunkt: „Es ist nicht so, dass wir in den letzten fünf, sechs Wochen nur Schrott gespielt haben.  Wir haben gerade bei den Heimspielen sehr ordentliche gehabt. Die Diskrepanz liegt in den Auswärtsspielen und da sind wir dran.“

Wie ein Horrorfilm: „Ich weiß, was Du schon beim letzten Pokalspiel getan hast“

An der Leistung der 05er vom Bundesligaspiel in Frankfurt haben alle zu knabbern. Die Fans, die sich in der Kurve nach dem Spiel mit dem Rücken zu den Spielern stellten, der Trainer, der in der Halbzeit laut wurde, die Spieler, die ihren Auftritt knallhart analysierten und doch noch mit den Fans ins Gespräch am Zaun kamen. Dort erlebte Daniel Brosinski Gänsehautmomente nach dem Horror: „Da waren viele den Tränen nahe, das nimmt einen dann schon mit. Wir müssen sehen, dass wir uns in der Länderspielpause gut straffen, alles analysieren und schauen, dass wir im Heimspiel wieder an die Schalke-Leistung anknüpfen.“ Und auch für Danny Latza waren die Blicke wieder Richtung Neustart gerichtet, als er von der Diskussion in der Fankurve kam: „Es bringt jetzt nichts uns selber zu zerfleischen. Wir brauchen die Fans, das haben wir auch gerade besprochen mit denen. Wir haben jetzt zwei Wochen Zeit und dann müssen wir gegen Mönchengladbach wieder ein gutes Spiel abliefern. “

Wie ein Western: „Spiel mir das Lied vom Trainerwechsel“

Kaum etwas beherrschte die Diskussionen in den letzten Tagen so wie die Frage nach einem Trainerwechsel. Und auch die Frage nach der Verantwortung von Sportvorstand Rouven Schröder wurde gestellt. Zum Beispiel bei der Aussprache zwischen gut 600 Fans und den beiden sportlich Verantwortlichen in der Länderspielpause. Viel Applaus erhielten dabei die offenherzigen Ausführungen gerade zu diesem Thema. Schröder und Schwarz ließen die Kritiker nahe an sich heran – wortwörtlich in direkten Gesprächen und auch inhaltlich wie emotional. Schroeder verwies dabei auf die Unsicherheit einer solchen Entscheidung und den bereits im Vorjahr erfolgreichen Mainzer Weg: „Was bringt ein neuer Trainer? Ist die Mannschaft bereit für einen neuen Trainer? Haben wir fünf, sechs da drin die sagen: Hoffentlich ist der Schwarz bald weg? Gibst Du denen dann die Möglichkeit zu sagen, so, mit dem neuen Mann klappt‘s viel besser – und wer sagt das denn? Und das ist das Gefühl, das ich einfach nicht habe. Nur weil alle schreien: alle im Keller haben gewechselt nur ihr nicht? Nein, in Mainz passiert das eben nicht!“ Der Trainer seinerseits zeigte den Zuhörern auf, wie er den Neustart unter anderem gestaltet, um auf die Erfolgsspur zu kommen: „Wir haben angefangen, auch über die Öffentlichkeit, eine gewisse Schärfe reinzubekommen bei den Jungs. Auch um die Jungs mal in die Kritik mit reinzunehmen, sie also verpflichten. Es geht nicht um mich oder Rouven Schröder – diese persönlichen Eitelkeiten haben wir nicht. Es geht darum die Chance zu sehen für unseren Club.“ Was ebenfalls gut ankam an diesem Abend mit den Fans: Die Einsicht auch selbst im Nachhinein Entscheidungen bereut zu haben: „Wir sind alle involviert, keine Frage. Ich bin nicht derjenige, der dann mit dem Finger nur auf die Spieler zeigt.“

 

Wie ein Actionfilm: „Lethal Weapon -11 stahlharte Profis“

Was vor allem von den Verantwortlichen nach dem 0:3 in Frankfurt bemängelt wurde, sollte sich vor allem in den anstehenden 90 Minuten gegen Borussia Mönchengladbach zeigen: Action! Oder wie es der Coach ausdrückt: „Mit der maximalen Intensität in jedes Spiel hineinzugehen.“ Und vor allem beschäftigt die Erkenntnis, das gerade nach dem frühen 0:1, als der Ball Florian Müller durch die Finger flutschte, die Intensität abflaute: „Es gilt aber solche Widerstände zu überwinden und das geht dann nicht zuerst nicht über mehr Technik mit fußballerischen Aktionen, sondern über Physis, in der Körperspannung drin zu bleiben, Schulter an Schulter die Zweikämpfe zu führen. Du brauchst die Intensität, die Physis, und das brauchst du Woche für Woche. Das ist unser Manko und das ist total frustrierend. Und dann ist es unsere Pflicht einfach jede Woche bis an Limit zu gehen.“

Jede Woche ans Limit – das ist also das Motto einer Filmreihe, die über sieben Spieltage zum Happy End mit „Platz 15“ im Abspann führen soll.

Das wären dann die „glorreichen Sieben“ – und die werden viermal als Heimatfilm und dreimal als Roadmovie gezeigt.