Archiv der Kategorie: Kolumne

Liebes Tagesbuch…

…endlich ist die Länderspielpause vorbei, aber kaum denke ich an die Bundesliga, fällt mir wieder etwas Schlimmes ein, das ich neulich erlebt habe.
Ich wollte mir in Ruhe das Zweitligaspiel Nürnberg gegen Ingolstadt anschauen. Dann hat plötzlich der Kommentator gesagt, dass das ein „Derby“ sei. Da habe ich sofort bei Google Earth überprüft, ob Ingolstadt im Zuge des Klimawandels an Nürnberg herangeschwemmt wurde. „Mit ein bisschen gutem Willen“, fuhr der Kommentator fort, „könnte man das als bayerisches Derby bezeichnen.“ Klar, mit ein bisschen gutem Willen könnte ich auch den Videobeweis perfekt finden – oder die FIFA nett.
Schon ein paar Tage zuvor konnte ich das Spiel Wolfsburg gegen Berlin nur mit einer Gehirnhälfte genießen, weil sich die andere mit dem Begriff „ICE-Derby“ beschäftigen musste. Ist denn für echte Derbys der Zug abgefahren?
In Mainz geben sich die modernen Inflations-Derbys jedenfalls ein Stelldichein. Kurz nach dem „S-Bahn-Derby“ gegen Eintracht Frankfurt erwarten die 05er jetzt den 1. FC Köln zum „Am-gleichen-Fluss-liegend-Derby“. In närrischen Fachkreisen wird Mainz gegen Köln auch als „Jecken-Derby“ bezeichnet. Doch noch üblicher ist der Begriff des immer heiß umkämpften „Buchstaben-Derbys“, da M und K ja ganz nah, nur durch das L getrennt, im Alphabet residieren.
Große Vorfreude habe ich auch bezüglich des Derbys gegen Dortmund, wenn die Borussia am 12. Dezember zum „Wurden-beide-mal-von-Klopp-und-Tuchel-trainiert-Derby“ die 260 km nach Rheinhessen kommt. Mit ein bisschen gutem Willen schafft man das mit Aubameyangs Sportwagen in einer Stunde.

Vorbericht: DFB-Pokalspiel Mainz 05 – Holstein Kiel

Ihr Lebensraum ist der hohe Norden. 36 Jahre waren sie dort zurückgezogen in den Regionen fernab der Bundesliga. Doch nach 13.210 Tagen sind die Störche wieder in den Bundesligagefilden gelandet.

Holstein Kiel, der Aufsteiger aus der 3. Liga, will auch im Pokal seinen glänzenden Saisonstart weiter veredeln. Der Zweitligist kommt mit Selbstvertrauen, einer Top-Offensive und einem bekannten Mainzer Gesicht.

Keiner weiß mit Bestimmtheit, woher der Spitzname des Kieler SV Holstein von 1900 kommt: „Die Störche“. Wahrscheinlich von der Farbenverteilung unten nach oben: Rote Stutzen, weiße Hosen – so wie die roten Beine und weißen Federn der Weißstörche. Aber jeder weiß jetzt mit Bestimmtheit: Die Störche bringen als erfolgreicher Aufsteiger Farbe in die Zweite Bundesliga. Aufgeschwungen aus der 3. Liga, beflügelt durch den Pokalsieg gegen Braunschweig, per Höhenflug in die oberen Sphären der Zweitligatabelle auf Platz 2 und eben jetzt gelandet in Mainz, um die zweite Pokalrunde zu drehen.

Als die Länderspielpause Anfang Oktober anstand, hätten die Kieler sicher gerne weitergespielt. Da standen nach neun Spielen schon sechs Siege auf dem Konto. Auch der Geschäftsführer Sport, Ralf Becker, ist da zufrieden: „Natürlich haben wir den Jungs schon zugetraut, dass sie guten Fußball spielen können, aber dennoch sind die Ergebnisse der letzten Wochen keine Selbstverständlichkeit. Dafür arbeiten wir jede Woche hart. Das Trainerteam macht einen wahnsinnig guten Job. Die Jungs kriegen einen Plan mit, wissen, was sie auf dem Platz erwartet und setzen das zurzeit richtig gut um. Sie treten selbstbewusst auf und haben Spaß daran, sich in der Liga zu messen.“ Dass der Spaß bei geringerer Punktausbeute flügge werden könnte, soll unter anderem die gedankliche Erdanziehungskraft verhindern: „Dennoch bleiben alle mit beiden Beinen auf dem Boden. Unser großes Plus ist die mannschaftliche Geschlossenheit. Das ist eine Einheit, auf und neben dem Platz. Wir konnten nach dem Aufstieg fast die komplette Mannschaft zusammen halten, haben uns im Sommer nur punktuell verstärkt. Dadurch greifen viele Automatismen, jeder weiß, was seine Aufgabe ist.“

Die nächste Aufgabe heißt jetzt: Mainz 05 im Pokal ausschalten, um die Euphorie in Kiel vollends `gen Himmel wachsen zu lassen. Die ist jetzt schon so groß, dass nicht nur die regionalen Medien diskutieren, ob Handball-Gigant THW Kiel zu Holsteins Kickern aufschauen muss. Der THW befindet sich nämlich vergleichsweise im Sinkflug – vom Serienmeister zum Mittelmaß. Doch die Handballer haben immerhin etwas voraus – sie sind amtierender Pokalsieger.

Die Pokalhürde für die Fußballer sollte aber, so Becker zum Nullfünfer, mit gehörig Anlauf gemeistert werden können: „Das Spiel gegen Mainz 05 ist natürlich eine wahnsinnig große Herausforderung für uns. Wir freuen uns auf die anstehende Aufgabe, solche Spiele sind absolute Highlights für uns, für die Mannschaft, den Verein und natürlich auch unsere Fans. Wir reisen allerdings auch hier mit dem Ziel an, eine Runde weiter zu kommen. Und darauf bereiten wir uns vor. Ich bin überzeugt davon, dass das Trainerteam auch an diesem Abend einen Plan hat, wir werden selbstbewusst auftreten und versuchen, unser Spiel zu spielen.“

Den Plan entwickeln soll Trainer Markus Anfang, den Plan umsetzen soll ein Kader, der die gute Aufstiegsstimmung jetzt in die zweite Liga auf den Rasen bringt. Die Taktik im Gegensatz zu früheren Zeiten: Nicht verwöhnte Ex-Stars, sondern hungrige Aufstiegshelden und Ergänzungen sollen es richten. Und sie tun es mit Erfolg. Besonders dank der Offensivstärke. Stürmer Marvin Ducksch (Mainz-Trainer Sandro Schwarz: „Mit Duksch haben sie DEN Torjäger schlechthin in der 2. Liga“) und Mittelfeldspieler Dominik Drexler haben einen großen Anteil daran, dass neben der Punkt- auch die Torausbeute beachtlich ist. Besonders ein Tor dürfte das Tor zum fantastischen Saisonstart aufgestoßen haben. Der Freistoßhammer von Duksch zum 2:2-Ausgleich in letzter Sekunde beim ersten Spiel gegen Sandhausen – nach 0:2 Rückstand. Gänsehaut bei den Störchen! Was folgte ist DIE Geschichte des ersten Saisonviertels. Ein Aufsteiger, der sich bis zu den Aufstiegsplätzen in die Bundesliga, nicht kämpft – sondern spielt. Im 4:1:4:1 kombinieren, pressen und taktieren sich die Störche den Respekt herbei und bleiben doch vorsichtig, wie Defensivspieler Dominic Peiz bei sportbuzzer schwört: „Würzburg ist das perfekte Beispiel. Die waren in der vergangenen Serie Sechster nach der Hinrunde – und sind dann abgestiegen. Diesen Strudel möchte ich nicht erleben. Im Moment strotzen aber alle bei uns vor Selbstvertrauen.“

Selbstvertrauen. Das ist das Wort, das die Störche am besten beschreibt. In diese funktionierende Formation ist es natürlich nicht einfach integriert zu werden. Doch der Geschäftsführer Sport sieht beim Mainzer Leihspieler Aaron Seydel Chancen, dass er vielleicht schon in der OPEL Arena zum Faktor werden kann: „Er hat die letzten Wochen richtig gut gearbeitet und ist immer näher an die Mannschaft heran gerückt, hat verstanden, wie wir Fußball spielen wollen. Wir sehen immer den gesamten Kader, bei uns gibt es keine Stamm- sondern nur Kaderspieler. Und ich bin überzeugt davon, dass auch er am Ende seinen Teil zu einer erfolgreichen Saison beitragen wird.“

Was am Ende eine erfolgreiche Saison ist? Holstein Kiel ist gestartet mit der niedrigsten Unterstützung durch TV-Gelder von allen 36 Clubs der ersten Ligen (6,4 Mio. Euro). Bei diesen Voraussetzungen wäre ein weiterer Höhenflug ein unerwarteter Bonus. Sie wollen einfach nicht wieder 13.210 Tage abstürzen, sondern als stolze Störche voller spielerischem Selbstvertrauen auf Punktejagd gehen. Und so wie sie die Bundesligaszene bereichern, nicht nur farblich durch die feuerroten Socken, sollten Kieler Störche unter fußballerischen Naturschutz stehen.

Wer weiß? Vielleicht hallt es sogar aus der Ecke ihrer Fans: „Berlin, Berlin – wir fliegen nach Berlin!“.

Pressekonferenz vor dem Pokalspiel gegen Kiel

Nowitzki im Glück – Fußballer jetzt auch

Deutschlands berühmtester Basketballspieler Dirk Nowitzki ist freudig überrascht: Ein Fan seiner Dallas Mavericks hat ihm einen 20 Dollar Schein in einen Brief gelegt und sich bedankt: „Das Mittagessen geht auf mich!“ Hintergrund: Der Deutsche NBA-Star hatte wiederholt auf Millionen verzichtet, damit (wegen der Club-Gehaltsobergrenze „Salary Cap“) bessere Spieler verpflichtet werden können.

Quelle: https://twitter.com/swish41

Das hat sich natürlich längst herumgesprochen. Und so berichten weitere Stars von kurioser Fanpost.

Robert Lewandowski:

„Ich habe mich sehr gefreut über einen Brief von Scheich Zalmar Al Inbar aus Katar. In dem hat jemand geschrieben: Dein nächster Club geht auf mich. Den Scheck über 2 Milliarden Euro hab ich aber bei Uli und Kalle abgegeben, damit die sich endlich mal einen zweiten guten Spieler außer mir leisten können.“

Anthony Modeste:

„Zunächst habe ich mich gewundert, dass es aus dem Paket von einem Herrn Li Wau aus Peking gebellt hat. Aber dann war alles klar. Da stand dabei: Das nächste Mittagessen geht auf mich!“

Jupp Heynckes:

„Als ich die Lammfellheizdecke aus dem Paket holte, war ich erst ein wenig sauer. Ich dachte, da wollte sich jemand über meine 72-Jährigen Knochen lustig machen. Aber es war ein liebenswerter Brief eines Herrn Nagelsmann dabei, der schieb, ich solle seinen Platz warm halten.“

Lukas Podolski

„Vielen Dank an den Kölner Fanclub Dom-Pärringjon für die gesammelten 2.490 Euro, um mir ein Mittagessen zu kaufen. Die 5 Gramm Kobe-Steak haben sehr gut geschmeckt!“

 

Zukunft-Fußball

September: Wir stolpern über das Weihnachtsgebäck im Supermarkt, in den USA wurde schon die Miss Amerika 2018 gewählt und bei der IAA stehen Autos, die vielleicht irgendwann oder nie auf die Straße kommen. Zeit also, auch im Fußball der Zeit voraus zu gehen. Zukunft:

Oktober: In München kursiert ein Gag.

Rummenigge: „Warum hast Du Ribery ein Regal geschenkt?

Hoeneß: „Da kann er seinen Fehler einräumen!“

November: Paris Saint-Germain verpflichtet für 222 Millionen Euro die Balljungen von Hoffenheim, um das Spiel schneller zu machen.

Dezember: Kevin-Prince Boateng sieht im Trikot aus wie ein Michelin-Männchen. Das liegt an den 75 T-Shirts, die er mittlerweile drunter hat, um Grüße zu senden.

Januar: In der Winterpause schlägt der Videobeweis zu. Weil im Eröffnungsspiel Bayern – Leverkusen der Anstoß falsch ausgeführt wurde, muss die ganze Hinrunde an der PlayStation wiederholt werden.

Februar: Ousmane Dembélé bestreikt das Training in Barcelona, um einen Wechsel zu erzwingen. Er hat noch keine Ahnung wohin, will aber vorsichtshalber nicht aus der Übung kommen.

März: Bibiana Steinhaus hat einen Boom ausgelöst. Auch Bundeskanzlerin Sarah Wagenknecht will jetzt lieber Schiedsrichterin werden.

April: Jogi Löw sorgt für eine Überraschung bei seinem Aufgebot für die WM 2018 in Russland. Er ersetzt Nivea und beruft dafür Dove.

Mai: Der HSV belegt wieder einen Relegationsplatz… zur Champions League (PS: Größte Pointe immer zum Schluss).