Archiv der Kategorie: Kolumne

Zukunft-Fußball

September: Wir stolpern über das Weihnachtsgebäck im Supermarkt, in den USA wurde schon die Miss Amerika 2018 gewählt und bei der IAA stehen Autos, die vielleicht irgendwann oder nie auf die Straße kommen. Zeit also, auch im Fußball der Zeit voraus zu gehen. Zukunft:

Oktober: In München kursiert ein Gag.

Rummenigge: „Warum hast Du Ribery ein Regal geschenkt?

Hoeneß: „Da kann er seinen Fehler einräumen!“

November: Paris Saint-Germain verpflichtet für 222 Millionen Euro die Balljungen von Hoffenheim, um das Spiel schneller zu machen.

Dezember: Kevin-Prince Boateng sieht im Trikot aus wie ein Michelin-Männchen. Das liegt an den 75 T-Shirts, die er mittlerweile drunter hat, um Grüße zu senden.

Januar: In der Winterpause schlägt der Videobeweis zu. Weil im Eröffnungsspiel Bayern – Leverkusen der Anstoß falsch ausgeführt wurde, muss die ganze Hinrunde an der PlayStation wiederholt werden.

Februar: Ousmane Dembélé bestreikt das Training in Barcelona, um einen Wechsel zu erzwingen. Er hat noch keine Ahnung wohin, will aber vorsichtshalber nicht aus der Übung kommen.

März: Bibiana Steinhaus hat einen Boom ausgelöst. Auch Bundeskanzlerin Sarah Wagenknecht will jetzt lieber Schiedsrichterin werden.

April: Jogi Löw sorgt für eine Überraschung bei seinem Aufgebot für die WM 2018 in Russland. Er ersetzt Nivea und beruft dafür Dove.

Mai: Der HSV belegt wieder einen Relegationsplatz… zur Champions League (PS: Größte Pointe immer zum Schluss).

 

Ein großer Ein-Schnitt in der Saison!

Bundesligasaison 1987/88:

Ich lese meinen Jahres-KICKER.

 

Bundesligasaison 2017/18:

Ich bastele an meinem Jahres-KICKER: AAAHHHHHH… An meiner Nase klebt Kleber, die Schere schnitt in meinen Finger, ein Lineal liegt leider längst unauffindbar unter unzähligen Blättern Bastelpapier am bunt bestückten Boden. Es ist nicht Wirbelsturm „Harvey“ durch mein Zimmer gerauscht, sondern die Transferperiode.

Wo ist der Kopf Lasogga? Der lag doch eben noch unter der Frisur von Sanches! Ich finde Pierre-Michelle schließlich neben Dembélé, bei dem ich schon vor Wochen die Schnittstellen aufgemalt hatte, bis ich endlich die Bestätigung erhielt ihn aus dem BVB Mannschaftsfoto herausfriemeln zu dürfen. Dort hatte der nebenberufliche Streik-Berater von Verdi ohnehin ein Gesicht gemacht wie Boris Becker bei der Durchsicht des Kontoauszugs. Zu vermuten ist eine spätere Karriere als Baseball-Pitcher, weil Dembélé gehört hat, dass man da für einen „Strike“ sogar Applaus bekommt.

Jetzt stehe ich vor einer künstlerischen Herausforderung. Ich weiß jetzt wie sich ein Leonardo da Vinci gefühlt haben muss. Mona Lisa leicht lächelnd, oder nicht? Die Haare offen, oder nicht? So halte ich jetzt die Köpfe von Yarmolenko, Toljan und Sancho in meinen klebrigen Händen und muss entscheiden, ob der mitleidigen Trotz ausstrahlende Unterkörper von Dembélé nun für wessen Haupt die neue Hauptniederlassung sein soll.

Rund 600 Millionen Euro haben die 18 Bundesligisten in die Transferperiode gesteckt, was Zugänge betrifft. Bundesliga-Rekord! Zusammen mit etwa 500 Millionen Euro für verkaufte Spieler kommt unsere Eliteliga auf gut eine Milliarde Euro Umsatz in diesem Sommer.

Aber wer bezahlt mir als Fan jetzt die Renovierung meines Zimmers?

Ham‘ die ’nen Stich?

Dieses miese Gefühl! Sie haben beim Chinesen die 21 süßsauer bestellt. Aber beim ersten Bissen ärgern Sie sich, nicht doch die 32 Kanton Art genommen haben.

Das mal Tausend potenziert, kommt in die Gefühls-Nähe der Leute, die ihr Tattoo bereuen.

Um unnötige Unglücke umfänglich zu umgehen, bewähren sich in der Tattoo-vernarrten Profifußball-Branche einfache Regeln. Beispiel: Nach Haut-Verewigung der Lebensabschnittsgefährtin aka. Spielerfrau kann ganz schnell eine Raus-Rotation anstehen (BILD: „XY beim Fremdknutschen vor Ibiza erwischt“). Daher lieber: Die Familie. So grüßt Alexander Esswein „Oma Hildegard“ während Pierre-Michel Lasogga immer seine Mutter in Porträtform dabeihat.

Oma und Mutter bleiben, Freundin und Verein nicht – das dachte sich wohl jetzt auch Leroy Sané.

Zunächst die Fakten: Der Ex-Schalker hat seinen Champions League Tor-Jubel gegen AS Monaco als rückenüberdeckendes Gesamt-…äh, …Kunstwerk stechen lassen. Abzüge in der B-Note gibt es zunächst, weil Manchester City trotzdem gegen Monaco ausgeschieden ist. Den Makel perfektioniert hat übrigens vor ihm schon der Chilene Mauricio Pinilla. Der ließ sich 2014 nach dem unglücklichen WM-Aus gegen Brasilien ein Bild seines Lattentreffers kurz vor Schluss auf den Rücken tätowieren.

Doch auch in der A-Note gibt es Erwähnenswertes bei Sané: Zunächst war noch das Vereinswappen der Sky Blues integriert, in der Endversion liegt darüber ein schwarzer Balken. Zweifelt der 21-Jährige etwa am Karriereende in Manchester?

Drum prüfe wer sich ewig bindet – das gilt eben auch für Fußballer und Tattoos. Denn die Tinte unter der Haut ist nicht so flüssig, oft überflüssig, wie die bei einer Vertragsunterschrift.

Aus diesem Grund sollte die DFL nach dem Video-Assistenten auch den Video-Tattoo-Assistenten für die Bundesligaprofis spendieren. Mit einer Direktübertragung aus allen Tattoo-Studios in den Kölner DFL-Keller observieren die Experten (Hells Angels, Rockmusiker, David Beckham) jede Fehlentscheidung und greifen notfalls ein.

So wäre auch der Frust ausgeblieben, wenn die asiatischen Schriftzeichen, bei einer Saisonabschlussfahrt auf Malle gestochen, doch nicht „Langes Leben“ bedeuten, sondern „Einmal die 17 mit Glutamat, bitte“.