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DFB meldet: Jogi bleibt!

Pressemitteilung

Joachim Löw setzt Tätigkeit als Bundestrainer fort

In einem persönlichen Gespräch hat Joachim Löw der Spitze des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bestätigt, dass er seine Tätigkeit als Bundestrainer fortsetzen und den Neuaufbau der Mannschaft mit Blick auf die kommenden Aufgaben auch in Zukunft gestalten möchte. In der Verbandszentrale in Frankfurt am Main hatte die WM-Delegation mit DFB-Präsident Reinhard Grindel, DFL-Präsident Dr. Reinhard Rauball, dem 1. Vizepräsidenten Dr. Rainer Koch, Generalsekretär Dr. Friedrich Curtius, Vizepräsident Peter Peters sowie Oliver Bierhoff als zuständigem Direktor Nationalmannschaften zuvor einen offenen Austausch über die WM in Russland und das Aus in der Vorrunde geführt.

In dem Gespräch hatte die Delegation noch einmal unterstrichen, dass Joachim Löw die Unterstützung des gesamten Präsidiums genieße und ihm vertraut werde, die richtigen Schlüsse aus dem sportlichen Abschneiden bei der WM zu ziehen. Löw hatte seinerseits deutlich gemacht, dass er bei aller Enttäuschung über das sportliche Resultat ungebrochene Motivation und Energie verspüre, die Mannschaft auf die anstehenden Herausforderungen vorzubereiten. Gemeinsam kam man überein, dass eine überstürzte und oberflächliche Bewertung wenig Sinn mache. In den kommenden Wochen werden das Trainerteam um Löw sowie Bierhoff eine tiefgehende Analyse vornehmen und die daraus gewonnenen Erkenntnisse und Konsequenzen noch vor dem nächsten Länderspiel dem Präsidium vorstellen.

DFB-Präsident Reinhard Grindel sagt: „Wir hatten einen sehr offenen und vertrauensvollen Austausch, in dem wir viele Punkte angesprochen haben. Wir sind alle der festen Überzeugung, dass wir mit Jogi Löw einen Bundestrainer haben, der sehr genau analysieren, die richtigen Schritte einleiten und unsere Mannschaft zurück in die Erfolgsspur führen wird. Wenige Tage nach einem solchen Turnier-Aus eine umfassende Analyse einzufordern, wäre allerdings verfrüht. Der Bundestrainer und Oliver Bierhoff sollen sich jetzt die notwendige Zeit nehmen, um das Turnier sportlich aufzuarbeiten und dem Präsidium vor dem Länderspiel am 6. September gegen Frankreich, in dem wir in der Nations League gleich gefordert sind, eine umfangreiche Analyse vorzustellen.“

Joachim Löw sagt: „Ich bin sehr dankbar für das Vertrauen, das der DFB weiterhin geschlossen in mich setzt, und ich spüre trotz der berechtigten Kritik an unserem Ausscheiden auch generell viel Rückhalt und Zuspruch. Es war mir wichtig, nach ein paar Tagen, in denen ich mir viele Gedanken gemacht habe, persönlich mit der DFB-Spitze zusammenzukommen. Auch meine Enttäuschung ist nach wie vor riesig. Aber ich möchte nun auch mit ganzem Einsatz den Neuaufbau gestalten. Ich werde gemeinsam mit meinem Team analysieren, Gespräche führen und zum Start der neuen Saison die richtigen Schlüsse ziehen. Das alles braucht Zeit, wird aber alles rechtzeitig bis zum Start in die neue Länderspielsaison im September geschehen.“

Nationalmannschafts-Direktor Oliver Bierhoff sagt: „Mich freut es sehr, dass es mit Jogi Löw an der Spitze unserer Nationalmannschaft weitergeht. Wir haben gestern lange zusammengesessen, und ich habe bei ihm die volle Energie gespürt weiterzumachen. Nach 14 Jahren erfolgreicher Arbeit müssen wir nun einen Neuaufbau starten und werden uns jetzt konkret Gedanken darüber sowie über weiterführende strukturelle Veränderungen machen.“

Nationalmannschafts-Kapitän Manuel Neuer sagt: „Ich freue mich, dass wir mit Jogi Löw unseren lange Zeit erfolgreichen Weg fortsetzen können. Und ich habe das Vertrauen, dass wir gemeinsam wieder zu unserer Stärke finden.“

Quelle: Direktion Öffentlichkeit und Fans (DFB)

Aus mit Ansage

Man hätte das Zeichen erkennen können: Als sich Jogi Löw nach der Niederlage gegen Mexiko lässig und sonnenbrillenbebrillt an einer Laterne dem Pressefotografen entgegenlehnte wie der Teilnehmer des Tom-Cruise-Look-A-Like Wettbewerbs einer kostenlosen Wochenzeitschrift. Man hätte es erkennen können: Und nun stelle man sich einfach vor wie Robert Langdon in Illuminati nach einem langen Blick auf ein altes Pergament endlich mit großen Augen den geheimen Hinweis erkennt: „Mein Gott! Es ist die rote Laterne der Gruppe F, an der er da lehnt!“.

Es gab aber weitaus deutlichere Hinweise. Zuletzt noch an jenem Nachmittag um 16 Uhr in Kasan als Schiedsrichter Mark Geiger dem Vergeigen seinen Anpfiff erteilte. Da stand also in der Aufstellung die Schlussfolgerung zementiert: Wenn Timo Werner gegen Schweden eine sehr gute 2. Halbzeit auf außen spielt, stelle ich ihn wieder in die Mitte nach vorne. Und wenn Sami Khedira gegen Mexiko unterirdisch gespielt hat, dann bringe ich ihn im entscheidenden Spiel wieder an die Oberfläche. Und wenn Julian Brandt zweimal als Torchancen-Garant nach Einwechslung auftritt, dann verzichte ich auf seinen Auftritt in der Startformation und probiere lieber Leon Goretzka aus. Und wenn…

…hm… an dieser Stelle sei Platz für andere ausschweifende Anmerkungen ähnlicher Art zum Selbstausfüllen (einige unstrittige Punkte sind vorausgefüllt):

_______   ___________   _________ Özil  ___________ ______ ______ behäbig

___________   ___      ___________    ________      ______  Körpersprache

_________   _____________   _______________   ________  _____________

__________     Verunsicherung   __________    __________      ______

_____________  _____________     ____________        Nibelungentreue.

Deutschland – Mexiko — mehr als live!

Deutschland gegen Mexiko!

Falls wer am Sonntag was anders vorhat: Hier schon mal der Live-Ticker…

 
16:30 Uhr – Gute Stimmung im Stadion. Auch DFB-Boss Reinhard Grindel grinst, als hätte er gerade Ilkay Gündogan gezwungen ihm ein Trikot mit „Für meinen Präsidenten – echt jetzt“ zu unterschreiben.
 
16:50 Uhr – Für alle Zuschauer mit den neuen UHD-Fernsehern: Das da oben auf der Ehrentribüne sind keine Risse im Stadion, sondern die Mundwinkel von Angela Merkel.
 
16:55 Uhr – Die Nationalhymnen erklingen. Zur Überraschung aller schmettert Mesut Özil voller Inbrunst die Hymne mit. Besonders überrascht sind die Mexikaner. Es läuft nämlich gerade ihre.
 
17:05 Uhr – Freistoß für Deutschland. Donald Trump wäre entzückt: Die Mexikaner bilden freiwillig und gratis eine Mauer.
 
17:06 Uhr – Mexiko kontert! Tor für Mexiko! Es war eine Co-Produktion der beiden Eintracht Frankfurt Spieler. Vorlagengeber Carlos Salcedo mit einem tollen Pass auf Marco Fabian. Wir erwarten, dass Salcedo morgen berichtet: „Marco sagte zu mir: Hermano! Schlag den Ball lang! Und dann habe ich zu ihm gesagt: Hermano! Ich schlag den Ball lang!“
 
17:15 Uhr – Die Mexikaner setzen nach. Deutschland noch ohne Chance. Jogi Löw rümpft die Nase. Wohlgemerkt, ohne Griff in die Hose!
 
17:17 Uhr – Löw jetzt offensichtlich in regem Austausch per Headset mit Co-Trainer Markus Sorg auf der Tribüne.
 
17:30 Uhr – Deutschland spielt immer noch schlecht. Hat Löw mit Sorg wirklich über Taktik gesprochen, oder nur Nivea-Aktien kaufen lassen?
 
17:35 Uhr – Fast die nächste Chance für Mexiko. Javier „Chicharito“ Hernandez läuft frei auf Manuel Neuer zu. Aber Abseits gepfiffen! Doch das interessiert die Erbse nicht die Bohne, er läuft einfach weiter und schießt ins Tor. Er sieht Gelb! Unnötig! Man möchte dem jungen Gemüse zurufen: Da hast Du den Salat!
 
17:44 Uhr – Der Ausgleich! Wie aus dem Nichts gekommen, aber schön anzusehen. Sozusagen die Spielerfrau unter den Toren.
 
17:45 Uhr –Torschütze ist Thomas Müller, mit einem typischen Thomas-Müller-Tor: Linksschuss mit dem Kopf.
 
17:50 Uhr – Halbzeitshow im Luschniki Stadion. Offensichtlich die russische Ausgabe von Helene Fischer. Nur in schlecht. Wo ist Nowitschock, wenn man es braucht.
 
18:01 Uhr – Die zweite Halbzeit beginnt. Deutschland muss sich steigern. Einzig Toni Kroos überzeugte bei den Deutschen. Seine Passquote dürfte bei geschätzten 149% liegen.
 
18:15 Uhr – Das Spiel der Deutschen wird jetzt besser. Im Zweikampf zeigen sie auch mehr Biss. Hat etwa gestern im Hotel Luis Suarez ein Seminar gegeben?
 
18:26 Uhr – Was ist eigentlich mit Timo Werner los? „Werner – das muss kesseln“ und „Werner – beinhart“ haben wir gesehen. „Werner – trifft“ noch nicht.
 
18:31 Uhr – Von den Mexikanern kommt jetzt gar nichts mehr. Sie spielen wie „Flasche leer“. Oder wie sie es sagen würden: Wie „Taco vegan“.
 
18:40 Uhr – Löw macht seinen ersten Wechsel. Für Werner kommt Gomez. Löw scheint ihm noch etwas ins Ohr zu flüstern. Wahrscheinlich: „Zeig der Welt, dass Du besser bist als Sandro Wagner“.
 
18:46 Uhr – Abpfiff. Nur 1:1. Die Deutschen müssen sich jetzt entscheiden was schlimmer ist. Nicht gewonnen haben? Oder jetzt statt ins Campo Bahia nach Watutinki müssen?
 
18:56 Uhr – Die Deutschen laufen noch aus. Die Mexikaner sind schon auf dem Weg ins Hotel. Wahrscheinlich werden die Escort-Damen pro Minute bezahlt.

WM kann kommen! NICHT?

Es ist die Szene des Spiel. Beim letzten Test vor der Weltmeisterschaft in Russland quält sich die Nationalmannschaft zu einem 2:1. Doch die Qual hat einen Gipfel: Zur Einwechslung von Ilkay Gündogan betätigt sich sein Trainer Jogi Löw als Lobbyist seines Schützlings und versucht die Pfiffe einiger (einiger vieler) Fans mit Körpersprache in Applaus zu verwandeln. Mit kaum Erfolg. Die Weigerung eines Teils der Fans dem Duo Gündogan/Özil deren Fotos mit dem türkischen Präsidenten Erdogan zu verzeihen ist auch Gesprächsthema in den Katakomben. Dort wirbt Stürmer Mario Gomez, die Sportpresse über deren Verteter direkt ansprechend, für defensivere Berichterstattung: „Nicht spalten jetzt, sondern eine Brücke bauen, damit wir mit ganz anderen Gedanken in die WM gehen können.“ Auch für Marco Reus, durch eine starke erste Halbzeit einer der Gewinner des Abends, waren die Pfiffe schmerzend: „Heute war es echt hart für ihn. Kommst rein und wirst dann so begrüßt. Kann ich nicht nachvollziehen, muss ich ehrlich sagen. Weil: Wir haben ein Ziel, das ist wieder Weltmeister werden und da brauchen wir so ein Störfeuer nicht.  Wir sollten jetzt alle das Thema mal beiseitelegen.“

Teils schwache Leistungen in den Vorbereitungsspielen, Pfiffe-Protest, Diskussionen um die Sanè-Ausbootung, Özil-Schweigen und ein beleidigter Sandro Wagner. Ein bisschen mehr Campo Bahia Geist und ein bisschen weniger Störfeuer dürfte es schon sein, um WM-Vorfreude aufkommen zu lassen. Deshalb sollen die letzten – positiven – Worte Niklas Süle gehören. Der gebürtige Frankfurter will am Dienstag nämlich optimistisch von Frankfurt aus nach Moskau fliegen: „Wir sind eine Turniermannschaft!“

Das vollständige „Fussball-Kolumne“-Interview nach dem 2:1 gegen Saudi-Arabien mit Niklas Süle. Im Auftrag vom Hanauer Anzeiger.

Sie sind als erster Feldspieler heute in die mutmaßliche WM-Startelf eingewechselt worden. Deutet das auf viele Spielminuten für Sie in Russland hin?

„Jerome (Boateng) kann ja spielen. Jerome ist fit – und wenn ich gebraucht werde, bin ich da. Wir haben ja einen Wahnsinns-Kader wieder dabei und genauso wie es auf der Innenverteidigerposition ist, wo theoretisch jeder spielen könnte, aber es Mats (Hummels) und Jerome es über Jahre super machen, haben wir auf jeder Position einen Wahnsinns Konkurrenzkampf. Das ist aber gut so, das brauchen wir für das Turnier. Da wird jeder Spieler gebraucht.“

Wie sehr hat das Spiel heute zur Vorfreude beigetragen? Die Stimmung im Stadion wurde immer schlechter.

„Es war auch schon gegen Österreich so gelaufen. Wir haben hart gearbeitet im Trainingslager und da waren wir auch wieder kaputt, das hat man in der zweiten Hälfte gesehen. Obwohl uns das trotzdem nicht passieren darf, dass wir dann so in die Bredouille kamen am Ende. Aber wir haben sehr gut gearbeitet und ich denke, dass Deutschland immer eine Turniermannschaft war und wir da wieder voll konzentriert ins Turnier gehen.“

Wie oft haben Sie abends beim Dösen sich schon den goldenen Pokal in die Höhe stemmen sehen?

„Ja, das ist ein Kindheitstraum. Alle, die in der Jugend angefangen haben Fußball zu spielen, wollen erstmal Profi , dann Nationalspieler werden. Und wenn man die Chance hat, bei so einem Event dabei zu sein, dann ist es der größte Traum, den es für einen Fußballer gibt.“

Haben Sie als einziger Hesse im Team Kontakt und Aufmunterung aus Südhessen?

„Ich gehe am Montag nach Mörfelden-Walldorf, woher ich ursprünglich komme, zu meiner Familie. Mal ein bisschen Zeit mit der verbringen und dann geht’s auch schon direkt weiter. Also weniger aufmunternde Worte Richtung WM, sondern eher Privates.“