Archiv der Kategorie: DFB

Die WM-Offensive!

Der feuchte Traum eines Offensiv-Fans. Wir schalten uns ein in die Reportage des WM-Finales, eine Minute vor Schluss..

„Neuer mit kurzem Abwurf auf Linksverteidiger Gnabry, der zunächst auf Innenverteidiger Müller passt. Müller lässt auf seinen Innenverteidiger-Kollegen Wagner abtropfen. Offenbar spekuliert die deutsche Mannschaft beim Stand von 8:8 auf die Verlängerung. Auch Bundestrainer Löw scheint das Unentschieden zunächst einmal absichern zu wollen, denn die Abwehrspieler Kruse, Brandt und Stindl stehen bereit zur Einwechslung.

Jetzt zieht Rechtsverteidiger Draxler etwas das Tempo an, dribbelt einen, zwei, drei Gegenspieler am eigenen 16er aus. Oh, das waren schöne Doppelpässe mit der deutschen Doppel-Sechs Reus und Volland. Jetzt der Seitenwechsel auf Sanè, der den Ball auf der linken Seite nach vorne treibt. In der Spitze bieten sich Gomez und Werner an, der Ball kommt aber dank einer schönen Flanke auf Petersen, der den Ball mit der Brust annimmt und in einer eleganten Bewegung schießt. Der Ball fliegt! Fliegt! Tooooor! 9:8! Abpfiff! Deutschland ist Weltmeister!“

Pokal-Halbfinale Schalke – Frankfurt

Fussball-Kolumne.de unterwegs für den HANAUER ANZEIGER (siehe unten). Impressionen eines Abends mit 60 Minuten Schattenboxen auf taktisch hohem Niveau, gefolgt von Rasenschach mit Grätschen, gefolgt von Schiedsrichtershow, gefolgt von 6-Minuten-Nachspielzeit-Krimi.

Schalke 04 – Eintracht Frankfurt 0:1 (0:0)

Übrigens: beeindruckende Statistik! Seit Fredi Bobic Sportvorstand bei der Eintracht ist, kam die Eintracht in 100% der Fälle ins DFB-Pokal-Finale.

Und hier der „Director’s Cut“ des Artikels:

Aller guten Dinge sind drei Pokal-Finals?

Der Hanauer Marco Russ will endlich den Pott nach Hessen holen

Platsch! Einen der härtesten Zweikämpfe bekommt Marco Russ erst nach Erreichen des DFB-Pokalfinales zu spüren. Es passiert, als sich der Verteidiger von Eintracht Frankfurt gerade zu Journalisten freudenstrahlend zum 1:0-Halbfinalsieg über Schalke äußert. Da landet die Hand des erleichterten und überglücklichen Sportvorstands Fredi Bobic beim Vorbeigehen mit einem sehr festen Klatscher auf der Schulter des erschrockenen Russ. Dagegen waren selbst die nicht immer ansehnlichen, aber umkämpften 97 Arbeitsminuten zuvor leichter wegzustecken. Fast, jedenfalls „Es ging von Anfang an zur Sache. Ob Schalke, ob wir: Wir sind voll in die Zweikämpfe gegangen. Dass es nicht so ein super Spiel wird wie Leverkusen gegen Bayern war klar, dafür sind beide Mannschaften zu taktisch aufgestellt, gerade wenn es um so viel geht.“

Tatsächlich waren die ersten 60 Minuten eine Art Schattenboxen in Fußball-Trikots: Die beiden 5-er Abwehrketten standen sich gegenüber wie Kämpfer im Spiegelbild. Der Eine zuckt ein bisschen, der Andere reagiert ein bisschen, aber keiner schlägt wirklich zu. Ganz anders in der Zeit danach: Ein offener Schlagabtausch. Jetzt war es ein – nicht unbedingt qualitativ – besseres Spiel. Mit Torszenen, umstrittenen Schiedsrichterentscheidungen, immer intensiveren Zweikämpfen, kurz: Ein rassiges Pokalduell. Und mittendrin: Die hessische Konstante im seit Jahren bunt zusammengewürfelten Eintracht Kader. Der 32-Jährige Marco Russ. Oder wie es sein Trainer Niko Kovac ausdrückt: „Ein alter Haudegen. Einer, der in der Vorrunde nicht so in den Vordergrund gerückt ist. Er kam ja aus einer Krankheit. Deshalb bin ich umso glücklicher, dass er es gesundheitlich geschafft hat. Aber auch mit seiner Präsenz und mit seiner spielerischen Qualität hat er uns schon das eine oder andere Mal in dieser Saison geholfen. Er hat Ruhe am Ball, er hat mit Makoto Hasebe und David Abraham alles im Griff gehabt.“ Alles im Griff, „zu null“ gespielt und mit 81 die meisten Ballaktionen aller Frankfurter Spieler. Der gebürtige Hanauer hatte nicht nur bei Kovac weitere Argumente geliefert, dass sein bis Juni 2019 gültiger Vertrag nicht das letzte Wort sein muss: „Ein wichtiger Junge, eine Integrationsfigur in Frankfurt. Und er wird sicher noch das eine oder andere an Jahren hier spielen.“

Stichwort Trainer. Auch für Russ war klar, dass das Spiel für die Außenstehenden durch den Wechsel Kovacs zum Finalgegner Bayern München eine besondere Bedeutung hatte. Russ dazu mit dem Blick aus dem Innenleben des Teams: „Es ist so, dass wir das nicht ausblenden können. Jeder hat ein IPhone, jeder hat seine Medien, natürlich liest man auch Zeug. Aber wir sind so ein eingeschworener Sauhaufen: Wenn‘s dann ins Training geht, wenn‘s in die Spiele geht, dann ist uns das Latte, ist uns das Wurst. Weil wir haben ein Ziel – mit dem Trainer, mit den Betreuern, mit dem Busfahrer, wir wollten nach Berlin – das haben wir geschafft. Jetzt haben wir noch vier Bundesligaspiele und da wollen wir natürlich auch noch das Maximum rausholen.“

Das Maximum? Also die Qualifikation für den internationalen Fußball. Die optimale Reiseroute für Marco Russ und seine Eintracht auf dem fußballerischen Navigationssystem lautet also: Über vier Bundesligaspiele nach Berlin – und nach den Feierlichkeiten auf dem Rathausbalkon später durch Europa.

Für Marco Russ ist gerade der Pokal-Wettbewerb eine besondere Geschichte. Im Viertelfinale der vergangenen Spielzeit gab er sein Comeback nach der schwierigen Zeit rund um den überstandenen Hodenkrebs. Jetzt steht er zum zweiten Mal hintereinander im Finale – dazu war er ja bereits 2006 gegen die Bayern in Berlin unterlegen. Für Russ also der optimale Zeitpunkt für die gelungene Pointe –  eines Sieges mit Trainer Kovac über dessen neuen Arbeitsgeber: „Das dritte Mal in meiner Karriere im Pokalfinale. Jetzt wird es endlich Zeit das Ding in die Luft zu heben. Aber jetzt genießen wir erstmal den Moment.“

Und mit welchem Getränk jetzt den Moment genießen? Apfelwein, Bier, oder doch nur Wasser bei den Feierlichkeiten in der Umkleide? „Ich denke Bier!“, schmunzelt Russ und blickt in Richtung des an diesem Abend überragenden Torwarts Lukas Hradecky: „Der Lukas ist eben schon im Vollsprint rein. Ich denke, dass der schon auf einem Kasten sitzt.“

Mit dem ersten Schluck und den Gedanken an das Finalerlebnis am 19. Mai in Berlin, sind dann sicher auch die Schmerzen von Bobics brutalem Schulterklopfer vergessen.

 

Qualitäts-Panik?

Das Ende ist nah!

Kritiker sehen in der Qualität der Bundesliga (Beweisstück A: Zuschauerzahlrückgang) und der Effektivität (Beweisstück B: Europäisches Ausscheiden) einen Tiefpunkt erreicht. Kein Wunder, dass es auch Bedenken von Experte Joachim Löw (Beweisstück C: Weltmeistertrainer) in die Schlagzeilen schaffen: „Ein Kernproblem ist schon, dass man in der Bundesliga immer gegen den Ball arbeiten will. Aber die Frage ist, was passiert, wenn ich den Ball habe?“

Widmen wir uns also der Analyse dieses Satzes.

Zunächst: „Was passiert, wenn ich den Ball habe?“ Das ist recht einfach und wird im Deutschland mittels Fundrecht (§ 965 bis § 984 BGB) geregelt. So hat der Finder das Fundstück (Ball) abzugeben, so dass der Eigentümer (war im Ballbesitz) es zurückerhält (nach Ballverlust). Für Nicht-Juristen: Die Paragraphen 965 bis 984 werden im Fußballjargon flapsig „Gegenpressing“ genannt.

Kommen wir zum sogenannten „Kernproblem“. Damit ist ganz knapp nicht die Kernspaltung in Nordkorea gemeint. Des Pudels Kern sei vielmehr „…dass man in der Bundesliga immer gegen den Ball arbeiten will.“ Und hier wird es jetzt ganz abstrus. Denn in einer Zeit, in der so viele Arbeitnehmer in Lohn und Brot sind wie noch nie und die Wirtschaft brummt, ist es doch klar, dass sogar noch „gegen den Ball“ gearbeitet wird. Dieser Fleiß verdient eigentlich Lob, doch die emsigen 1-Euro-Jobber der Bundesligisten müssen sich dafür noch beleidigen lassen. Als sei diese Art Fußball so unangenehm wie Waterboarding, akuter Blinddarm oder Elternabend. Wer wünscht sich denn die 70er zurück, als nicht gegen den Ball gearbeitet wurde, sondern sich die entspannten Spieler im stressfreien Mittelfeld den Ball in einer Zeitspanne zugespielt haben, in der man noch ein ganzes Schachturnier hätte veranstalten können?

Die Zeiten ändern sich, das Ende ist nicht nah.

Trainer sehen die Möglichkeiten und die Aussichten. Klopp führte Dortmund gegen den Ball in die Höhen. Andere nutzten ebenfalls diese Methode gegen spielstarke Finanzübermächtige. Also gibt es halt gerade eine Welle der Gegen-den-Ball-Generation. Und dann wird die nächste Generation wiederum herrlich dribbeln und doppelpassen und lupfen, dass es eine Freude ist – wenn eben auf diese Art  mehr Punkte herausspringen.

Dann sind wir bereit für das nächste Kernproblem:

„Was passiert, wenn wir den Ball NICHT haben?“

 

Der DFB meldet…

DFB-Pokal ab Viertelfinale mit Video-Assistent
Ab dem Viertelfinale der laufenden Saison kommt der Video-Assistent auch im DFB-Pokal zum Einsatz. Der Spielausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) folgte mit dieser Entscheidung einem Vorschlag der Schiedsrichterkommission Elite. Die Umsetzung ab dem Viertelfinale ist in Abstimmung mit der DFL aus organisatorischer und wirtschaftlicher Sicht darstellbar.
Der für den DFB-Pokal zuständige DFB-Vizepräsident Peter Frymuth, der das Präsidium in seinem Bericht in der heutigen Sitzung informierte, führt weiter aus: “Sollte ein Verein im Viertelfinale Heimrecht haben, der nicht in der Bundesliga spielt, wird bei dieser Partie auf eine Van-Lösung, also mobile Video-Assistent-Technik, zurückgegriffen. Somit ist unabhängig vom Austragungsort gewährleistet, dass alle vier Partien unter den gleichen Voraussetzungen stattfinden.”
Bei Heimspielen von Bundesligavereinen vor dem Viertelfinale wird, auch wenn technisch möglich, der Video-Assistent nicht zum Einsatz kommen. Diese Entscheidung sorgt für eine einheitliche Vorgehensweise bei allen Spielen und beugt einer Ungleichbehandlung der Partien vor.
Quelle: Direktion Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit