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In die TOP 10?

„Wir wollen noch Zehnter werden“, gibt 05-Trainer Sandro Schwarz bis zum Saisonende die Marschrichtung an. Zum 50. Geburtstag der ZDF-Hitparade könnte also das Motto, angelehnt an den Begriff aus der Musik-Branche, lauten: Auf in die Top 10! Mit diesem letzten Etappenziel soll der Saisonausklang zum Hit werden – deshalb  muss der FSV gerade in den Heimspielen den Ton angeben.

Auch nach der schmerzenden, fast schon legendären, Slapstick-Niederlage in Hannover steht das Ziel, unter die besten zehn Mannschaften der Saison zu kommen. Dabei könnte ein Spruch helfen: Die Spieler werden das Kind schon schaukeln! Schließlich steht jetzt ein frischgebackener „Kinderschaukler“ wieder zur Verfügung. Mittelfeldspieler Danny Latza und seine Jaqueline sind gerade Eltern von Alexander geworden. Außerdem hat „Wieder-Stammspieler“ Giulio Donati angekündigt im Juni zum ersten Mal Vaterfreunden empfinden zu dürfen. Vor diesen aktuellen und zukünftigen Glücksmomenten wirkt der Unglücksmoment von Hannover wie ein belangloser Blechschaden. Allerdings einer, der wegen der spielerischen Überlegenheit (23:7 Torschüsse) und dem „Gurkentor“ (Alexander Hack) wurmt, wie Vorstand Rouven Schröder in Niedersachsen einräumte: „Das ärgert uns unglaublich, hat aber mit dem Klassenerhalt letzte Woche nichts zu tun. Wir hatten uns so viel vorgenommen, waren klar Herr im Haus.“ Jetzt sind die 05er gegen Leipzig wieder im wahrsten Sinne „Herr im Haus“ – als Heimteam. Und zuhause gelangen zuletzt in vier Spielen drei Siege. Das passende Umfeld also für die Spieler, um auch das zweite Ziel (neben Platz 10) zu erreichen, das Sandro Schwarz für die verbleibenden Partien ausgegeben hat: „Alle sind in einer Konkurrenzsituation, in der sie sich zeigen können.“ Soll heißen: Jetzt werden die letzten Eindrücke gesammelt. Wer bietet sich an für Vertragsverlängerungen? Oder für neue Aufgaben? Oder für die Stammplätze? Zumindest erste Antworten hat die Mainzer Führungsriege bei den 96ern bekommen – oder wie Sandor Schwarz es ausdrückt: „Die gute Nachricht: Nachdem wir in der letzten Woche den Klassenerhalt perfekt gemacht haben, gab es diese Woche keinen Spannungsabfall.“

Für reines Schaulaufen sind sich die Spieler auch selbst zu schade, das haben auch die Leistungsdaten zum kuriosen Negativerlebnis in Hannover gezeigt. Und das zeigt auch die Verärgerung. Beispiel Schlussmann Florian Müller: „Das Gegentor war mein Fehler. Es gibt nicht viel zu überlegen: Dieses Spiel müssen wir gewinnen. Stattdessen: Du schießt gefühlt 30-mal aufs Tor, fährst fünf Stunden nach Hause und der Frust sitzt tief.“ Nach der Busfahrt und der Traingswoche dürften der Frust ab- und die Vorfreunde aufgebaut sein. Schließlich geht es gegen einen der aktuell am attraktivsten und erfolgreichsten spielenden Gegner der Bundesliga. Zudem gegen einen Champions League Starter 2019/20: RB Leipzig. Champions League Glanz also in der OPEL-Arena, wenn RasenBallsport Rasen-Schach spielen, aber die FSV-Abwehr genau das verhindern will. Alexander Hack jedenfalls hat die jüngste Niederlage abgehakt und schaut nach vorne: „Platz 10 bleibt weiter unser Ziel – wir wissen, was wir drauf haben!“ Für diesen Platz 10 müssen allerdings in den nächsten Wochen neben RB Leipzig noch mehr „internationale Probleme“ gelöst werden. Denn Eintracht Frankfurt (auswärts) und die TSG Hoffenheim (letztes Heimspiel) schielen ebenfalls mit dem Platz 4 in der Tabelle auf die Champions League Hymne in der nächsten Spielzeit. Das wäre dann für die Mainzer Gegner der Hit, den sie gerne hören möchten.

Eintracht-Wachstum

Das „SG“ im Vereinsnamen des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt ist die Abkürzung für „Sportgemeinde“. Sie könnte aktuell aber auch stehen für „stetig größer“. Von Mitgliederzahlen bis Umsatz: Die Eintracht wächst in mehreren Belangen.

Zuletzt zu beobachten beim Heimspiel gegen den Tabellenführer Borussia Dortmund. Mit dem 1:1 (1:1) vergrößerten die Südhessen ihr Punktekonto um einen auf jetzt 32. Vor dem zum zweiten Mal in dieser Saison mit 51.500 Zuschauern ausverkauften Haus wurde noch ein weiteres „größer werden“ offensichtlich. Das des Kaders. Mit Leihspieler Martin Hinteregger (FC Augsburg) stand, neben dem Winterzugang Sebastian Rode (aus Dortmund geliehen), gleich noch ein neuer Innenverteidiger auf dem Platz. Zur Zufriedenheit seines Trainers Adi Hütter: „Wenn man berücksichtigt, dass er erst einmal mit der Mannschaft trainiert hat und es einen Unterschied gibt zwischen unserer Spielidee und der von Augsburg: Ich habe ihn im Laufe des Spiel immer stärker gesehen. Wenn man noch bedenkt, dass er als Linksfuß auf der rechten Seite spielen musste, bin ich mit seiner Leistung sehr zufrieden.“ Der Kader wurde in diesen Tagen aber noch anderweitig vergrößert. Mit den Talenten Almamy Turè (AS Monaco), Tuta (FC Sao Paulo U20) und Patrik Finger aus dem eigenen Nachwuchs unterstreicht die Eintracht weiter ihre ambitionierte Zukunftsstrategie: Das erfolgreiche internationale Auftreten soll Dauerthema werden.

„Groß“-artige Zahlen gab es bereits unter der Woche zu vermelden. Die wohl imposanteste: Innerhalb eines Jahres wuchs, sicher auch durch die Magnetwirkung des goldenen DFB-Pokals, die Mitgliederzahl um 17.500. Die jetzt 67.500 (2015 noch rund 30.000) sollen aber nach Wunsch von Präsident Peter Fischer nur ein Meilenstein sein: „Wir haben das Potenzial, um die magische Mauer von 100.000 Mitgliedern zu überspringen.“

Auch am Umsatz ist das Wachstum abzulesen. Marketingvorstand Axel Hellmann kündigte bei der Mitgliederversammlung Ende Januar an: „Das wird das erfolgreichste Jahr in der Geschichte der Aktiengesellschaft.“ Für die seit 2000 existierende AG heißt das in Zahlen, dass ein Umsatz von 160 Millionen Euro für die laufende Spielzeit prognostiziert wird – also noch einmal etwa 20 Millionen mehr als in der mit dem Pokal gekrönten Spielzeit. Geld soll aktuell nicht nur in Beine eingesetzt werden, auch in Steine. Fest geplant ist der Bau eines Funktionsgebäudes mit Geschäftsstelle neben dem Stadion. Die Eintracht wächst also bald auch rein optisch – mit verbesserter, modernerer Infrastruktur.

Wie im wahrsten Sinne „kräftig“ das Gesamtgebilde Eintracht Frankfurt geworden ist, zeigt sich sportlich eben auch beim Duell mit dem Meisterschaftsfavoriten Dortmund. In der Nachspielzeit waren es die Hausherren, die noch deutlicher auf den Siegtreffer hinarbeiteten. Auf „Augenhöhe, was die Intensität betrifft und das Physische“ (Hütter) mit dem Spitzenreiter – das macht auch den österreichischen Coach zuversichtlich, das Punktekonto weiter anwachsen zu lassen: „Heute haben wir gegen die stärkste Mannschaft aktuell gespielt. Und wir haben uns im Rahmen unserer Möglichkeiten sehr gut gewehrt. Wir haben auch versucht dieses Spiel zu gewinnen. Die Mentalität, die Einstellung zum Spiel, dass man immer wieder versucht nach vorne zu spielen und das Spiel gewinnen zu wollen hat mir sehr gut gefallen.“

Die Euphorie im Umfeld der Eintracht, vom gestiegenen Sponsoreninteresse bis zum Mietgliederzahlenboom, spüren die Spieler auch in der Stadt. Kapitän Gelson Fernandes bestätigt das, allerdings inklusive erhobenem Zeigefinger: „Ich denke die Leute sind stolz auf uns. Aber nur wenn wir kämpfen. Dieser Enthusiasmus ist gut, aber um das zu erhalten, müssen wir weiter viel investieren und nicht denken, es kommt von alleine.“

Das Motto „viel investieren“ ist also an allen Ecken und Enden der Eintracht zu spüren und damit aktuell eine runde Sache.

Neues Bobic-„Fundstück“?

Er hat es wieder getan: Eintracht Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic hat wieder einen „Namenlosen“ gefunden. Seit seinem Engagement bei den Hessen hat Bobic einen guten Riecher für junge Spieler – und/oder aus der zweiten Reihe von großen Klubs. Jetzt vermeldet die SGE einen weiteren Transfer für die Zukunft:

Perspektivspieler Tuta kommt aus Sao Paulo an den Main

Lucas Silva Melo, genannt „Tuta“, wechselt vom FC Sao Paulo an den Main. Der Abwehr-Allrounder, der sowohl Innenverteidiger als auch Rechtsverteidiger spielen kann, unterschreibt bei der Eintracht einen Vertrag über die kommenden viereinhalb Jahre bis zum Sommer 2023.

„Die Verpflichtung des Spielers folgt unserer Leitlinie, junge und talentierte Spieler aufzubauen. Ähnlich wie bei anderen jungen Talenten, die bereits den nächsten Entwicklungsschritt gehen konnten, hoffen wir bei Tuta, dass er uns perspektivisch weiterhelfen kann. Wir geben ihm die Zeit und Möglichkeit sich bei uns zu entwickeln“, sagt Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic: „Wir haben ihn lange sehr genau beobachtet und sind von seinem Potenzial überzeugt.“

„Ich freue mich auf die Herausforderung bei Eintracht Frankfurt. Für mich ist das meine erste große Station, also etwas ganz Besonderes. Ich habe schon viel Positives über Frankfurt gehört und bin voller Vorfreude“, so der 19-Jährige.

Lucas Silva Melo erblickte am 4. Juli 1999 das Licht der Welt und war zuletzt in der B-Mannschaft des brasilianischen Traditionsvereins aus Sao Paulo aktiv. Der Rechtsfuß wird künftig die Rückennummer 35 tragen.

Eintracht Frankfurt Fussball AG