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Der Anfang aus Richtung Ende?

Frei nach Herman Hesse: Jedem Anfang wohnt ein Zauberer inne. Wer könnte für den 1. FC Köln der Zauberer sein, der aus den nur zwei Punkten in elf Spielen anfängt weitere hinzu zu hexen? Vielleicht ein Ex-Mainzer? Davon haben die Kölner gleich mehrere im Kader. Unter anderem Jhon Cordoba, der wieder gesund ist. Der Club vom Tabellenende startet also mit mehr Personal einen neuen Anfang: Zur Aufholjagd. Und in die Aufholjagd könnte in der Winterpause sogar noch ein weiterer Ex-Mainzer eingreifen.

 „Um Gottes Willen“, mag sich ein Fan des 1. FC Köln denken, wenn er auf die Tabelle der Fußball-Bundesliga sieht, „nein, um Gottes Willen kann es sich doch dabei nicht handeln?“.

Wenn, dann höchstens der Wille des Fußball-Gottes, denn beim echten höchstpersönlich waren die FC-Fans am 25. August vor dem ersten Heimspiel gegen den HSV vorstellig geworden. Zur traditionellen Fan-Andacht im Kölner Dom kamen die Treuen in Scharen mit Schals und Fahnen. Welche Sünde mögen sie begangen haben, dass mittlerweile durch das fußballerische Fegefeuer die rote Laterne entzündet wurde?

Eine Spurensuche: Mit 22 haben die Kölner die meisten Gegentore kassiert, darunter die meisten Konter-Tore (4). Und die Offensive? Noch nie in der Geschichte der Bundesliga hat ein Team nach elf Spieltagen weniger Tore erzielt (4). Die Chancenverwertung dürfte allerdings die heißeste Spur auf der Suche nach den Gründen für den desaströsen Saisonstart sein: Nur mit jedem 38. Torschuss gelang ein Treffer. In der vergangenen Spielzeit, die mit Stürmer Anthony Modeste in der Europa League Teilnahme gipfelte, war es noch jeder Siebte!

Bis zum Torabschluss spielten die Kölner tatsächlich wöchentlich wie ein als Spitzenmannschaft verkleideter Tabellenletzter. Denn die Auftritte waren fast durchweg von großer Leidenschaft und ansehnlichen Kombinationen geprägt. Unvergessen beispielsweise der beherzte Auftritt in Stuttgart, der unglücklich in der Niederlage in der Nachspielzeit mündete. Das sieht auch Julian Nagelsmann so. Der Trainer war allerdings jüngst mit seinen Hoffenheimern beim 3:0-Sieg erstmals auf ein weniger gutes FC-Team getroffen: „Ich wünsche Köln einfach ein bisschen mehr Spielglück. Ich habe viele Spiele vom FC gesehen, und da waren viele dabei, die ich sehr gut fand“.

Statt auf Spielglück muss FC-Trainer Peter Stöger auf einen Neu-Anfang setzten, wenn er seinen bis 2020 laufenden Vertrag durchgängig erstklassig erfüllen will. Für die Arbeit am Anfang vom Ende weg hat er den Rückhalt der Führungsetage. Erst recht, weil nach der Vertragsauflösung von Manager Schmadtke seine sportliche Kompetenz unentbehrlich scheint. Geschäftsführer Alexander Wehrle: „Peter Stöger ist eine Persönlichkeit, die zu 100 Prozent nach Köln passt. Er hatte vier Jahre lang großen Erfolg. Und die Mannschaft – das haben viele Spieler kommuniziert – steht zu 100 Prozent zu ihm. Von daher sehen wir keine Veranlassung, zu handeln“. Auch Präsident Werner Spinner verfährt in der verfahrenen Situation nach dem Motto: Augen auf! Und durch: „Wir haben zwei Punkte nach elf Spieltagen, und Peter Stöger ist immer noch da. Da soll mir jetzt keiner sagen, wir hätten keine Kontinuität. Mannschaft und Trainer sind eine sehr starke Einheit.“

Und diese Einheit bekommt Zuwachs. Bereits am 7. November war Jhon Cordoba nach seiner schweren Muskelverletzung wieder im Mannschaftstraining. Der 24-Jährige Kolumbianer könnte also „ausgerechnet“ in Mainz bei seinen ehemaligen Kollegen den Kölner Aufholjagd-Anfang anführen. Auch Marcel Risse und Claudio Pizarro hatten sich wieder fit gemeldet. Ob diese offensive Dreifaltigkeit zukünftig reicht, um vielleicht nicht gleich göttlichen, aber zumindest erfolgreichen Fußball zu bieten und sich von allen bösen Serien zu erlösen?

Dann der neue Rückschlag: Risse hat wieder Probleme mit dem Knie. Pech auch für Abwehrspieler Dominique Heintz: Der FC meldet einen Muskelsehneneinriss im linken Oberschenkel. Und noch ein prominentes Verletzungsproblem: Entscheidende Impulse könnte sicherlich Nationalspieler Jonas Hector bieten. Sein Fehlen ist sicherlich auch ein mehr als großer Mosaikstein im düsteren Gesamtbild.

Was kann trotzdem dem FC bei seinem Neuanfang nach der Länderspielpause Mut machen? Eine weitere himmlische Fan-Andacht ist nicht in Reichweite und die Statistik ist die Hölle: Erst dreimal hatte vor dem 1. FC Köln ein Verein nur zwei Punkte nach elf Spielen: FC Saarbrücken, München 1860 und MSV Duisburg – alle stiegen ab!

Doch Stöger rechnet nicht mit dem Schlimmsten – der Österreicher rechnet lieber mit dem SC Freiburg auf Platz 16: „Die Grundrechenarten können wir, es sind zwei Siege bis zum Relegationsplatz, dann sind wir wieder dran.“

Was also muss jetzt passieren, damit es bis Ostern auch zu einer tabellarischen Auferstehung kommt? Ein Fußball-Messias von oben? Eher von Osten! Beim jüngsten Heimspiel schaute Stürmer Anthony Ujah vorbei. Der Ex-Mainzer war von Köln nach Bremen und von da nach China gewechselt. Er könnte zur Winter-Transferperiode vom Liaoning Whowin kommen, denn der Nigerianer ist ablösefrei. Allerdings aus einem Grund, der beim besten Willen nicht als Glücksbringer taugt: Ujah ist gerade abgestiegen!

Claus Höfling – für den „Nullfünfer“, Stadionmagazin FSV Mainz 05

Liebes Tagesbuch…

…endlich ist die Länderspielpause vorbei, aber kaum denke ich an die Bundesliga, fällt mir wieder etwas Schlimmes ein, das ich neulich erlebt habe.
Ich wollte mir in Ruhe das Zweitligaspiel Nürnberg gegen Ingolstadt anschauen. Dann hat plötzlich der Kommentator gesagt, dass das ein „Derby“ sei. Da habe ich sofort bei Google Earth überprüft, ob Ingolstadt im Zuge des Klimawandels an Nürnberg herangeschwemmt wurde. „Mit ein bisschen gutem Willen“, fuhr der Kommentator fort, „könnte man das als bayerisches Derby bezeichnen.“ Klar, mit ein bisschen gutem Willen könnte ich auch den Videobeweis perfekt finden – oder die FIFA nett.
Schon ein paar Tage zuvor konnte ich das Spiel Wolfsburg gegen Berlin nur mit einer Gehirnhälfte genießen, weil sich die andere mit dem Begriff „ICE-Derby“ beschäftigen musste. Ist denn für echte Derbys der Zug abgefahren?
In Mainz geben sich die modernen Inflations-Derbys jedenfalls ein Stelldichein. Kurz nach dem „S-Bahn-Derby“ gegen Eintracht Frankfurt erwarten die 05er jetzt den 1. FC Köln zum „Am-gleichen-Fluss-liegend-Derby“. In närrischen Fachkreisen wird Mainz gegen Köln auch als „Jecken-Derby“ bezeichnet. Doch noch üblicher ist der Begriff des immer heiß umkämpften „Buchstaben-Derbys“, da M und K ja ganz nah, nur durch das L getrennt, im Alphabet residieren.
Große Vorfreude habe ich auch bezüglich des Derbys gegen Dortmund, wenn die Borussia am 12. Dezember zum „Wurden-beide-mal-von-Klopp-und-Tuchel-trainiert-Derby“ die 260 km nach Rheinhessen kommt. Mit ein bisschen gutem Willen schafft man das mit Aubameyangs Sportwagen in einer Stunde.

Derby-Frieden und Trainer-Lachen: Mainz – Frankfurt 1:1

Es  ist die freudvolle Geschichte eines eher tristen Fußballspiels: Nach dem 1:1 zwischen dem FSV Mainz 05 und Eintracht Frankfurt herzten und unterhielten sich die Trainer Niko Kovac (Frankfurt) und Sandro Schwarz noch etwas länger auf dem  Feld. Und in der Pressekonferenz ging es weiter. Ein wildes Duzen und Lachen, eine gewinnende Atmosphäre unter unentschieden Spielenden.

Dabei kennen sich die Beiden gar nicht. Schwarz: „Wir haben uns heute zum ersten Mal gesehen.“ Kovac erklärt den mutmaßlichen Beginn einer Branchen-Freundschaft, der auch deshalb eine Grundlage hat, weil Schwarz‘ Frau ebenfalls wie Kovac as Kroatien kommt: „Ich freue mich, dass junge Trainer wie Sandro eine Chance bekommen in der Bundesliga – und ich freue mich wie Sandro sie nutzt. Wir könnten mal einen Rotwein zusammen trinken.“

Klingt nach einer sich anbahnenden Freundlichkeitswelle den Main hinab – schließlich wohnt Schwarz sogar in Frankfurt. Der schränkt aber erstmal lachend ein: „Ich trinke keinen Rotwein.“

Auch die „Macher“ friedlich beim Derby: Fredi Bobic und Rouven Schroeder
Treffen mit dem tödlichen Pass überlebt: Uwe Bein

Der DFB meldet…

DFB-Pokal ab Viertelfinale mit Video-Assistent
Ab dem Viertelfinale der laufenden Saison kommt der Video-Assistent auch im DFB-Pokal zum Einsatz. Der Spielausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) folgte mit dieser Entscheidung einem Vorschlag der Schiedsrichterkommission Elite. Die Umsetzung ab dem Viertelfinale ist in Abstimmung mit der DFL aus organisatorischer und wirtschaftlicher Sicht darstellbar.
Der für den DFB-Pokal zuständige DFB-Vizepräsident Peter Frymuth, der das Präsidium in seinem Bericht in der heutigen Sitzung informierte, führt weiter aus: “Sollte ein Verein im Viertelfinale Heimrecht haben, der nicht in der Bundesliga spielt, wird bei dieser Partie auf eine Van-Lösung, also mobile Video-Assistent-Technik, zurückgegriffen. Somit ist unabhängig vom Austragungsort gewährleistet, dass alle vier Partien unter den gleichen Voraussetzungen stattfinden.”
Bei Heimspielen von Bundesligavereinen vor dem Viertelfinale wird, auch wenn technisch möglich, der Video-Assistent nicht zum Einsatz kommen. Diese Entscheidung sorgt für eine einheitliche Vorgehensweise bei allen Spielen und beugt einer Ungleichbehandlung der Partien vor.
Quelle: Direktion Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit