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Vorbericht Bundesliga: Mainz gegen Berlin

Spiele von Hertha BSC Berlin sind in dieser Saison kaum normale Bundesliga-Begegnungen. Entweder sind sie geschichtsträchtig oder schreiben eine spezielle Geschichte. Auch für die Berliner selbst ist diese Saison etwas Besonderes: Die Spieler von der Spree sind wieder international dabei. Der Tanz auf drei Hochzeiten hat für etablierte Stammspieler Konsequenzen und macht Hertha zu einem schwer auszurechnenden Gegner. Die „rotierende Mauer“ kommt zum FSV Mainz 05. Die stehen unter Zugzwang nach vier Niedrlagen und nur einem Sieg.

Wenn Berlins Trainer Pal Dardai vor dem Spiel gegen Mainz in die Gästekabine kommt, werden seine Augen umher wandern: Gibt es etwas Leckeres zu entdecken? Bei seinem jüngsten Auswärtsspiel in Hoffenheim am Sonntag überraschte der Ungar in der Pressekonferenz nicht nur mit der Freude über den gewonnenen Punkt beim 1:1: „Ich bin sehr happy, in der Kabine gab es einen richtig guten Milchreis. Ich habe lange nicht mehr so gut gegessen. Danke Hoffenheim“.

Damit es bei einem Hertha-Saisonpunkt in der Fremde bleibt, würde der FSV sicher den ganzen Bus der Berliner mit Mainzer Milchreis als Bestechung befüllen. Doch einen süßen Sieg müssten sich die 05er sicherlich eher auf dem Platz mit Sahne-Pässen erspielen. Denn in Hoffenheim merkte auch die Heimmannschaft, dass ein Spiel gegen die Hertha kein Zuckerschlecken ist. Die Berliner bauten nämlich eine neue Mauer – mit Beinen statt Steinen. Was TSG-Trainer Nagelsmann nach der Begegnung vor der TV-Kamera zu einem gewagten Vergleich veranlasste: „Hertha hat gespielt, als wären wir Bayern München. Wenn nicht sechs Bälle in Folge perfekt waren, wurde es schwer, hinter die Kette zu kommen. Ich glaube, es wird wenige Teams geben, die sich viele Chancen gegen Hertha erarbeiten werden“. Eine Kette also als Mauer 2.0.

Das Prunkstück in der Kette ist zum Saisonstart Herthas Zugang Karim Rekik. Der 24-Jährige Niederländer kam im Sommer aus Marseille und ist als einer von wenigen nicht von einer Neuerung betroffen: Pal Dardai rotiert. Selten an der Seitenlinie, die der stoische Familienvater eher mit verschränkten Armen bewohnt. Nein, er rotiert jetzt im Kader, was in Hoffenheim mit Darida, Kalou und Ibisevic sogar drei prominente Offensive gleichzeitig betraf. Lediglich der Australier Mathew Leckie blieb auch in Sinsheim verschont und spielte wieder 90 Minuten durch. Kein Wunder, ist er doch mit drei Toren schon jetzt ein Top-Einkauf (aus Ingolstadt). Er vertritt damit erfolgreich den Langzeitverletzten Stürmer Julian Schieber und den designierten Torjäger Davie Selke, der als prominentester Neuer aus Leipzig wechselte, aber nach einem Knochenmarködem noch zu keiner Einsatzminute für die Hauptstädter gekommen ist.

Rotations-Zustimmung von Manager Michael Preetz: „Die Maßnahme von Pal, die Mannschaft zu wechseln, funktioniert. Es ist eine ganz wichtige Erkenntnis, dass wir auf jeden einzelnen Spieler zurückgreifen können, der im Kader ist.“ Sicher ist die Wechsel-Taktik auch dem ersten Internationalen Engagement der Berliner seit knapp acht Jahren geschuldet. Stichwort Belastung. „Auch die sogenannten großen Namen bei uns sind keine Maschinen, die brauchen auch Frische“, so Dardai. Beim 0:0 stand zumindest die Kette/Mauer/Wand gegen Bilbao zu Hause.

Außer, nach Meinung von Nagelsmann, Hoffenheim mit Bayern München verwechselt zu haben, ist Hertha BSC aber noch für etwas anderes bekannt geworden in der laufenden Saison 2017/18: Sie sind die Premierensammler!

Schon zweimal haben sie es in die Schlagzeilen der Fußballhistorie geschafft. Hertha war Gastgeber für das erste je von einer Frau geleitete Bundesligaspiel, als Werder Bremen unter der Leitung von Bibiana Steinhaus 1:1 im Olympiastadion spielte. Und der 0:1 Rückstand gegen Hoffenheim war um 13:36 Uhr das früheste Tor der Bundesligageschichte, da noch nie eine Begegnung so früh (13:30 Uhr) angepfiffen wurde.

An welcher Premiere, welchem Erstlingswerk könnte also Hertha BSC beim Spiel in Mainz beteiligt sein?

Vielleicht die schlechtgelaunteste Pressekonferenz aller Zeiten – wegen fehlendem Milchreis.

 

 

 

 

 

Vorbericht: Mainz empfängt Hoffenheim

Es ist wieder September – und die Hoffenheimer sind wieder in Mainz. Gute Nachrichten für alle, die mit einem Ticket für die Opel-Arena in einen unterhaltsamen Fußball-Abend investieren wollen.

Wir erinnern uns: Vor einem Jahr lagen die 05er schon 4:1 in Führung, als Julian Nagelsmanns Männer noch auf 4:4 stellten. Ein Fußballglück für die Gäste, ein Fußballfest für alle neutralen Zuschauer und ein Fußballdrama für alle Mainzer, die schon 3 sichere Punkte in der gedanklichen Blitztabelle abgespeichert hatten. Mitten drin damals: Der Ex-Mainzer Eugen Polanski. Er kann sich kaum vorstellen, dass sich die Rheinland-Pfälzer anno 2017 noch einmal gegen die Kurpfälzer die Butter vom Siegerbrot nehmen lassen. Erst Recht nach dem Selbstvertrauensschub durch das jüngste Heimspiel gegen Bayer 04: „Nach den beiden Niederlagen zum Auftakt hat sich Mainz mit dem Erfolg gegen Leverkusen glaube ich freigeschwommen. Sie haben mit Sandro Schwarz einen neuen Trainer, der zwar aus dem Klub kommt, aber eben dennoch eine neue Handschrift von der zweiten Mannschaft mit nach oben bringt. Die Mannschaft ist personell gut aufgestellt und wir müssen alles abrufen, um in Mainz zu bestehen. Das Spiel in der vergangenen Hinrunde haben wir alle noch im Kopf. Da sah es eine Halbzeit lang überhaupt nicht gut aus für uns. Aber wir haben das Vertrauen in die eigenen Stärken, um nach Mainz zu fahren und zu sagen: Wir wollen das Spiel für uns entscheiden“.

Beim Sieg gegen Bayern München widmeten sich die Schlagzeilen dem Balljungen Umut, der einen schnellen Einwurf und damit das 1:0 ermöglichte. Trainer Julian Nagelsmann dazu: „Die Balljungen werden bei uns geschult, dass sie das Spiel immer schnell fortsetzen auf beiden Seiten“.

Die TSG Hoffenheim dürfte sich aber sehr unabhängig von der Schnelligkeit der Mainzer Balljungen fühlen. Denn die TSG hat sich (fast) unter dem Radar zu einem Spitzenteam entwickelt. Ein Spitzenteam zeichnet sich auch dadurch aus, dass sie nach einem klaren Champions-League-Scheitern an Liverpool prompt gegen den FC Bayern München bestehen kann. Von Zweifeln – keine Spur. Daran wird auch die 1:2-Niederlage in der Europa-League zu Hause gegen Braga nichts ändern. Schon gar nicht das 1:1 gegen die defensiven Berliner am vergangenen Sonntag.

Nicht zu vergessen: Noch vor etwa zwei Jahren spielte die TSG gegen den Abstieg. Jetzt sieht Polanski das Team auch nach dem Abgang von Süle, Rudy (beide Bayern) und Schwegler (Hannover) krisenresistent: „Wir sind eine ausgeglichene Mannschaft, haben einen breiten Kader und können auch den einen oder anderen Ausfall verschmerzen, weil einfach viel Qualität im Team ist. Ich denke, dass hat der Sieg gegen den FC Bayern ohne Sandro Wagner, Kevin Vogt, Serge Gnabry und Adam Szalai gezeigt. Das sind Spieler, die normalerweise einen großen Anteil an unserem Erfolg haben. Neben der Breite des Kaders, sind aus meiner Sicht auch der Hunger und die Lernwilligkeit der Mannschaft entscheidend. Wir sind ganz selten zufrieden und wollen uns als Team immer weiterentwickeln. Dazu kommt, dass wir im Team eine überragende Stimmung haben. Es passt einfach. Natürlich auch mit dem Trainer, der einen entscheidenden Anteil an unserem Erfolg hat“.

Der Trainer sagt ja zum Erfolg, aber nein zu Twitter, Facebook & Co.. Kurz vor dem Sieg gegen Bayern München hatte der jüngste Coach der Bundesliga sein Engagement in den sozialen Medien eingestellt. Mit noch mehr Zeit zur Spielvorbereitung und umso engagierter lässt er sein Team durch Leistung sprechen. Eugen Polanski ist dabei immer noch ein wichtiger Faktor: Er war der erste Einwechselspieler gegen die Bayern. Er half mit, den Vorsprung zu sichern. Mit Augenzwinkern könnte man also aus Sicht von Nagelsmann sagen: Erfahrene Spieler statt neue Medien. Und mit seiner ganzen Erfahrung moderiert Polanski auch das Aus in der Champions-League-Quali: „Dass wir gegen Liverpool gerne gewonnen und in die Champions-League-Gruppenphase eingezogen wären, ist natürlich klar. Aber sie waren über zwei Spiele hinweg die bessere Mannschaft. Wir sind dennoch weiterhin im europäischen Wettbewerb vertreten und wollen in der Europa League etwas erreichen“.

Mainz gegen Hoffenheim im September. Powerfußball gegen Powerfußball. Wenn jetzt noch die Balljungen auf Zack sind, dürfte jedes Ergebnis unter 4:4 eine große Überraschung sein.

 

Zukunft-Fußball

September: Wir stolpern über das Weihnachtsgebäck im Supermarkt, in den USA wurde schon die Miss Amerika 2018 gewählt und bei der IAA stehen Autos, die vielleicht irgendwann oder nie auf die Straße kommen. Zeit also, auch im Fußball der Zeit voraus zu gehen. Zukunft:

Oktober: In München kursiert ein Gag.

Rummenigge: „Warum hast Du Ribery ein Regal geschenkt?

Hoeneß: „Da kann er seinen Fehler einräumen!“

November: Paris Saint-Germain verpflichtet für 222 Millionen Euro die Balljungen von Hoffenheim, um das Spiel schneller zu machen.

Dezember: Kevin-Prince Boateng sieht im Trikot aus wie ein Michelin-Männchen. Das liegt an den 75 T-Shirts, die er mittlerweile drunter hat, um Grüße zu senden.

Januar: In der Winterpause schlägt der Videobeweis zu. Weil im Eröffnungsspiel Bayern – Leverkusen der Anstoß falsch ausgeführt wurde, muss die ganze Hinrunde an der PlayStation wiederholt werden.

Februar: Ousmane Dembélé bestreikt das Training in Barcelona, um einen Wechsel zu erzwingen. Er hat noch keine Ahnung wohin, will aber vorsichtshalber nicht aus der Übung kommen.

März: Bibiana Steinhaus hat einen Boom ausgelöst. Auch Bundeskanzlerin Sarah Wagenknecht will jetzt lieber Schiedsrichterin werden.

April: Jogi Löw sorgt für eine Überraschung bei seinem Aufgebot für die WM 2018 in Russland. Er ersetzt Nivea und beruft dafür Dove.

Mai: Der HSV belegt wieder einen Relegationsplatz… zur Champions League (PS: Größte Pointe immer zum Schluss).

 

Ein großer Ein-Schnitt in der Saison!

Bundesligasaison 1987/88:

Ich lese meinen Jahres-KICKER.

 

Bundesligasaison 2017/18:

Ich bastele an meinem Jahres-KICKER: AAAHHHHHH… An meiner Nase klebt Kleber, die Schere schnitt in meinen Finger, ein Lineal liegt leider längst unauffindbar unter unzähligen Blättern Bastelpapier am bunt bestückten Boden. Es ist nicht Wirbelsturm „Harvey“ durch mein Zimmer gerauscht, sondern die Transferperiode.

Wo ist der Kopf Lasogga? Der lag doch eben noch unter der Frisur von Sanches! Ich finde Pierre-Michelle schließlich neben Dembélé, bei dem ich schon vor Wochen die Schnittstellen aufgemalt hatte, bis ich endlich die Bestätigung erhielt ihn aus dem BVB Mannschaftsfoto herausfriemeln zu dürfen. Dort hatte der nebenberufliche Streik-Berater von Verdi ohnehin ein Gesicht gemacht wie Boris Becker bei der Durchsicht des Kontoauszugs. Zu vermuten ist eine spätere Karriere als Baseball-Pitcher, weil Dembélé gehört hat, dass man da für einen „Strike“ sogar Applaus bekommt.

Jetzt stehe ich vor einer künstlerischen Herausforderung. Ich weiß jetzt wie sich ein Leonardo da Vinci gefühlt haben muss. Mona Lisa leicht lächelnd, oder nicht? Die Haare offen, oder nicht? So halte ich jetzt die Köpfe von Yarmolenko, Toljan und Sancho in meinen klebrigen Händen und muss entscheiden, ob der mitleidigen Trotz ausstrahlende Unterkörper von Dembélé nun für wessen Haupt die neue Hauptniederlassung sein soll.

Rund 600 Millionen Euro haben die 18 Bundesligisten in die Transferperiode gesteckt, was Zugänge betrifft. Bundesliga-Rekord! Zusammen mit etwa 500 Millionen Euro für verkaufte Spieler kommt unsere Eliteliga auf gut eine Milliarde Euro Umsatz in diesem Sommer.

Aber wer bezahlt mir als Fan jetzt die Renovierung meines Zimmers?