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Hessen-Lust, Böller-Frust

Ausgerechnet der einzige Hesse auf dem Platz beim Schlusspfiff des Rhein-Main-Derbys hatte Grund sich über die Niederlage der Frankfurter Eintracht zu freuen: Robin Zehntner. Denn der in Rüdesheim geborene Torwart des FSV Mainz 05 rettete in der Nachspielzeit mit einer Parade gegen SGE-Flügelflitzer Filip Kostic das 2:1 (0:1). „Ja, das ist schon schön, weil viele im Rheingau Frankfurt-Fans sind und ich auch viele Frankfurt-Fans kenne. Das ist immer ein schönes Gefühl.“

Der 25-jährige erlernte das Fußballspielen bei der SpVgg Eltville, bis er 2006 auf die andere Rheinseite wechselte. Dort trägt er jetzt dazu bei, dass die Eintracht die Derby-Punkte bald kampflos per Flaschenpost den Main entlang schickt, denn bereits zum zwölften Mal in Folge gelingt den Frankfurtern kein Sieg. „Wir wollten Geschichte schreiben, indem wir die erste Mannschaft sind, die in Mainz gewinnt“, gibt auch SGE-Trainer Adi Hütter danach ernüchtert zu. Bei sechs Niederlagen und sechs Unentschieden liegt jetzt die Quote der Hessen bei den Rheinhessen. Zumindest einen Vorsprung und ein Unentschieden hielten die Gäste zur Halbzeit. Mit Kapitän Sebastian Rode aus Seeheim-Jugenheim war die Anzahl der gebürtigen Hessen noch bis zu seiner Auswechslung (74.) 1:1 ausgeglichen und durch den Treffer von Martin Hinteregger der Spielstand auf Seiten der Frankfurter. Doch schon in der Mainzer Pausenatmosphäre hatte der 1,94 cm lange Robin Zehntner freie Sicht auf einen Heimsieg ausgemacht: „Wir hatten das Gefühl, dass wir die bessere Mannschaft waren. Das Gefühl in der Kabine war: Ok, wir gewinnen hier auf jeden Fall.“ So kam es auch nach den Toren von Karim Onisiwo und Adam Szalai.

Der Derbysieg lässt die Mainzer (15 Punkte) jetzt von noch mehr Aufwärtstrend träumen. Ein Trend, der an den Rhein-Main-Rivalen (17) vorbeiführt? Immerhin hat die SGE alle Bundesligaspiele seit dem grandiosen 5:1 gegen Bayern München verloren und der FSV beide Spiele seit der Verpflichtung von Trainer Achim Beierlorzer gewonnen. Der Mainzer Sportvorstand Rouven Schröder jedenfalls stellt mit Blick auf die Fakten nüchtern fest: „Wenn Frankfurt das nächste Spiel verliert und wir gewinnen, sind wir vor Frankfurt. Unterm Strich ein verdienter Mainzer Sieg. Und wir waren auch die bessere Fußballmannschaft. Aber jetzt heißt es erstmal hungrig bleiben. Jetzt werden wir mit Selbstvertrauen nach Augsburg fahren.“

Für Eintracht-Trainer Adi Hütter bleiben zwar keine Punkte, es bleibt aber Optimismus vor dem nächsten Heimspiel am Freitag gegen die Berliner Hertha. Denn während der Böller und die Bengalfeuer der sogenannten Fans (Rode: „Das ist sehr ärgerlich, nervt uns auch“) für negative Schlagzeilen sorgen wird, sorgt das kämpferische Feuer seiner Spieler bei ihm für weiter positive Grundstimmung: „Man hat gesehen dass die Mannschaft Power hat, trotz Spiel Nummer 26 und in Unterzahl. Mich freut es eine Mannschaft zu sehen, die mit Leidenschaft Fußball spielt und daran glaubt noch den Ausgleich zu erzielen.“

Jetzt heißt es für die „echten“ Südhessen aber wieder eine Saison warten, bis die nächste Gelegenheit kommt, Geschichte zu schreiben und den ersten Bundesliga-Sieg in Mainz zu erleben. Und der „falsche“ Südhesse, Robin Zehntner, kann sich sicher sein, in den nächsten Tagen Ruhe vor seinem Eintracht-Freundeskreis zu haben, wie er in seiner Derby-Sieger-Nacht mit sichtlich guter Laune durchblicken lässt: „Die sind, denke ich, morgen still.“                                         

EM-Hoffung made in Frankfurt

„Serge ist ein geiler Kicker!“ So kurz und knapp und korrekt fällt die Beschreibung von Offensivkollege Julian Brand über Serge Gnabry aus. Nach dem 6:1 (2:1) der Deutschen Nationalmannschaft über Nordirland ist eines klar: Nicht nur wegen seiner drei Tore an diesem Abend bewegt sich der Bayern-Angreifer auf Weltklasseniveau. Aber wie sieht es mit der deutschen Auswahl an sich aus? War alles am Jahresabschluss Weltklasse, oder hat Bundestrainer Joachim Löw recht, als er vor dem Spiel reihenweise Mitkonkurrenten (von Frankreich über Belgien bis Italien) als besser einstufte? Und wie ist es mit der anderen Diskussion – der um zu viele freie Sitzplätze und zu wenig Wertschätzung für den Umbruch und die aktuelle Spielweise?

Für Oliver Bierhoff, den „Direktor Nationalmannschaften und Akademie“ und somit oberster Lobbyist für EM-Euphorie, ist es nach dem überzeugenden Auftritt in der Frankfurter Arena fast ein Bedürfnis alle Diskussionen fast gleichzeitig zu befrieden: „Wir haben eine Auslastung von 93%. Das ist nun mal Fakt. Ich glaube, der gefühlte Blues ist stärker als der faktische Blues. Aber wir nehmen das natürlich wahr und ich habe immer gesagt: Wir haben unsere Fans stark enttäuscht bei der WM 2018. Und wie bei anderen Dingen braucht es wieder Zeit, Vertrauen zu gewinnen, auch diese Begeisterung. Aber man merkt: eine Mannschaft wächst zusammen, die sich etwas vorgenommen hat. Die Vertrauen gewinnen will, die guten Fußball spielen will, erfolgreich sein will – und vor allem, sich gegenseitig helfen.“ 234 Tage vor dem EM-Finale in London hat sich zumindest eine zusammengewachsene mannschaftliche Geschlossenheit bei den frisch geduschten Interviews gezeigt: Alle sprechen sehr positiv vom Ausblick auf den kommenden Sommer. Auch wenn es, wie bei Brandt, noch Ansagen auf Sparflamme sind: „Trotz Demut, die uns nach wie vor gut steht, stecken wir uns hohe Ziele. Wir sind in der Entwicklung, wir sind ambitioniert, wir müssen noch viel dazulernen, aber wir haben eine Qualität, um am Ende wieder eine Top-Mannschaft zu werden. Das dauert ein bisschen, aber trotzdem sind wir ein Land, das Ambitionen hat und sich auch immer selbst relativ weit oben sieht.“

Sich relativ weit oben sehen: Auch bei den Zuschauern war förmlich greifbar, wie innerhalb der 90+3 Minuten die Stimmung und die Zuversicht nach oben ging. Aus zunächst verregnetem Desinteresse und nordirischer Geräuschhoheit wurde in der Schlussviertelstunde eine gesangfreudige La Ola  à la Alemannia. Aus einer kleinen hessischen Welle soll im Sommer eine Erfolgswelle werden – dafür wünscht sich Kapitän Toni Kroos noch einige schwere Dampfer als Prüfungen: „Im März werden wir zwei wichtige Freundschaftsspiele haben, weil  die auf sehr guten Niveau stattfinden werden. Auf besserem Niveau als jetzt zum Beispiel die letzten drei Monate, weil wir bessere Gegner haben werden. Ich denke, dass wir in der EM zu Hause gute Chancen haben werden das Publikum auf unsere Seite zu ziehen.“

Besonders eine ganz besondere Teamaufstellung der Deutschen Nationalmannschaft könnte die Erwartungshaltung im Land des viermaligen Weltmeisters weiter steigen lassen: Trapp, Süle, Rüdiger, Havertz, Sané, Draxler, Kehrer, Halstenberg, Reus… – unter anderem diese Elitekicker waren alle wegen Verletzungen NICHT in Frankfurt einsetzbar. Es rollt, bei allen offensichtlichen Problemen beim Verteidigen,  zunehmend ein immer größerer Kader auf die EM zu. Sozusagen ein Umbruch-Aufbruch-Kader. Der verbreitet berechtigte Hoffnung, wie Verteidiger Jonathan Tah angriffslustig feststellt: „Wir sind eine Mannschaft, die sehr viel Potential hat, in der sich sehr viel verändert hat und die immer mehr dazulernt und sich weiterentwickelt. Ich denke, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Viele haben sich schon geäußert, dass wir nicht Favorit sind, aber ich glaube, dass wir eine gute Rolle spielen können.“

Auch beim zweifachen Torschützen Leon Goretzka ist der Trend sein Friend: „Wir sind immer noch nicht da, wo wir hinwollen, wo wir auch hin müssen, um Erfolg zu haben im Sommer. Aber wir haben den nächsten Schritt gemacht. Wir wussten, dass der Eindruck, den wir heute hinterlassen, bis März bleibt und dementsprechend engagiert haben wir uns heute gezeigt.“ 

Noch einmal zur Ausgangsfrage, die nach der aktuellen Form am Ende dieser Qualifikation. Wo zwischen Außenseiter und Weltklasse steht die Auswahl des DFB? Darauf hat Joshua Kimmich eine sehr pragmatische Sicht. Eine zu frühe Weltklasse würde nicht als Glücksbringer durchgehen: „Wenn ich auf die Qualifikation zur WM 2018 blicke: Da hatten wir absolute Weltklasse und wir wissen alle, wie die WM am Ende ausgegangen ist.“

Stark, dieser Mann. Nicklas Stark feiert seine A-Team-Premiere

PRESSMELDUNG FSV MAINZ 05

Achim Beierlorzer neuer Trainer der 05ER


Achim Beierlorzer ist neuer Trainer des 1. FSV Mainz 05. Der Fußball-Bundesligist und der 51-jährige Fußballehrer haben sich auf eine Zusammenarbeit bis Sommer 2022 verständigt.
Das Trainerteam wird durch die bisherigen Co-Trainer Jan-Moritz Lichte und Michael Falkenmayer sowie Niko Bungert ergänzt, der im vergangenen Sommer seine aktive Laufbahn als Fußballer beendet hatte.


Achim Beierlorzer startete seine professionelle Trainerkarriere als Coach 2012 in der U17 bei der SpVgg. Greuther Fürth. 2014 schloss er den Fußballlehrer-Lehrgang des Deutschen Fußball-Bundes als Jahrgangsbester ab und wechselte als U17-Trainer zu RB Leipzig. Im Februar 2015 übernahm er als Interimstrainer und Nachfolger von Alexander Zorniger das Profiteam und führte den damaligen Aufsteiger auf Platz fünf der Zweiten Bundesliga. In der Saison 2015/16 stieg er als Co-Trainer von Ralf Rangnick mit RB Leipzig in die Bundesliga auf. In der Folgesaison arbeitete er als Trainer der Leipziger U19 sowie Sportlicher Leiter des
Leistungsbereiches im Nachwuchs ab der U16.
2017 wechselte Beierlorzer zum Zweitliga-Aufsteiger SSV Jahn Regensburg, den er in den beiden folgenden Spielzeiten auf die Plätze fünf und acht führte. Im vergangenen Sommer
schloss er sich dem Mainzer Ligakonkurrenten 1. FC Köln an, bei dem er in der vergangenen Woche den Vertrag auflöste.
Sportvorstand Rouven Schröder sagt: „Bei sachlicher und inhaltlicher Betrachtung ist Achim Beierlorzer ein typischer Trainer für Mainz 05. Er ist ein akribischer und reflektierter Fußballfachmann, der eine enorme persönliche Entwicklung genommen hat. Er verfügt über eine natürliche Autorität und ein Talent, Fußballer zu führen und zu entwickeln und in seinen Teams einen besonderen Teamgeist zu wecken. Im vergangenen Sommer hatten ihn einige Klubs auf dem Zettel, da er bei Jahn Regensburg mit äußerst geringem Budget zwei sensationelle Spielzeiten absolviert hat. Die Erfahrung, die er beim 1. FC Köln gemacht hat, mindert meine fachliche Einschätzung nicht. Für uns ging es darum, den für unseren Verein
und unsere Mannschaft passenden Trainer zu finden.“
„Sicherlich ist dies eine kuriose Situation im Fußball: Vor einer Woche war ich noch Trainer in Köln, nun werde ich in Mainz als Chefcoach vorgestellt. In diesem Geschäft kann es manchmal schnell gehen, besonders wenn es einfach passt. Der 1. FSV Mainz 05 ist ein besonderer Verein, eine Erfolgsgeschichte, vor der ich den größten Respekt habe. Beim FSV
lebt man eine klare Fußballphilosophie, und diese deckt sich mit meiner: Wir wollen aktiven Fußball spielen mit hohem läuferischen Einsatz und großer Leidenschaft. So können wir die Fans begeistern. Ich freue mich darauf, mein Team und den gesamten Verein kennen zu lernen und ein Teil von Mainz 05 zu werden“, so Achim Beierlorzer.
Tobias Sparwasser
Direktor Kommunikation & Medien

Masked Singer Staffel beim Fußball?

2024. Es wird spannend in der zweiten Staffel der DFL-Show „The Masked Coach“. Nachdem sich letzte Woche in Paderborn das „Glühwürmchen“ der Maske entledigt hat und Jupp Heynckes unter dem Applaus der Zuschauer zum Vorschein kam, ist es wieder soweit. Wie immer: Nach der jeweils zweiten Niederlage muss der Trainer sich zu erkennen geben.

Heute könnte es den „Brontosaurus“ treffen, der mit seinem HSV 0:1 gegen den vom „Peter Pan“ trainierten FC Bayern zurückliegt. Mittlerweile hat sich die Show bei Sky zum Quotenhit gemausert. Dabei sollte mit der Einführung einfach die überschnelle Entlassungswelle bei Bundesligatrainern gestoppt werden. Schließlich kommt auch der Fankurve ein „Süßer Pudelwelpe raus!“ weniger schnell über die Lippen und selbst beim VfB Stuttgart konnte sich das „Rauschgoldengelchen“ bewundernswert lange halten.

Jetzt ist es passiert! Der FC Bayern erhöht mit dem Schlusspfiff auf 2:0. An der Seitenlinie rupft der Brontosaurus mit seinen Tatzen-Handschuhen schon an seiner Kopfbedeckung. Es ist… Pep Guardiola! Entschuldigend-schmunzelnd zuckt er mit den Achseln, als wolle er sagen „ja wie soll ich denn ohne Scheich-Millionen an der Elbe Tiki-Taka spielen?“.

Jetzt darf noch die Jury eine Vermutung äußern: Wer könnte sich als „Peter Pan“ verstecken? Jurymitglied Rainer Calmund legt sich fest: „Also Ende aus, Mickey Maus. Ich leg mich fest. Wenn die so eine Angst haben zu verlieren? Kann nur Felix Magath sein!“ Auflösung vielleicht nächste Woche.