Tweetball

Die Zuschauer sind elektrisiert von der neuen US-Serie „Donald Trump“. Viele schauen täglich wie es weiter geht, anderen warten, bis in vier Jahren die DVD raus kommt. Der Hauptdarsteller ist dafür bekannt, per Twitter durch die täglichen Folgen zu führen.

Wie wäre es gewesen, wenn auch in der Fußball-Historie alle Neuigkeiten per Tweet in die Welt gekommen wären? Etwa so…

 

@realfritzwalter

Aus dem Hintergrund hat Rahn geschossen! Da ist das Ding! Die Ungarn können uns mal Bern haben! #geileswetter #betzebube

 

@realKaiser

Jo, gut ä, ich sog mol: WELTMEISTER! Ohne Holland, feiern wir WM! Jetzt noch den Holz fragen, ob er sich verletzt hat. Geile Friiieeese Paule!

#klarerElfer

 

@realhoeness

Hat jemand meinen Ball gesehen?

#FundbueroBelgrad #Mist #KeinNachflugverbot

 

@realTanteKaethe

Da bleibt mir die Spucke weg. Der fliegende Holländer-Rotz. Wenigstens hat sich mit meinem Trikot niemand den Hintern abgewischt.

#Lama #spaeteRacheMaut

 

@realBertiVogts

Warum rennen alle auf den Platz? Ach so – Golden Goal! Jetzt schnell in den VIP Raum, bevor Waldi Hartman alles ausgetrunken hat. Und dann Frisurtipps von Bierhoff holen.

#QueenAugenhoehe #EM

 

@realPhilippLahm

Aus! Aus! Die Karriere ist aus!

#Rio #Feierabend

Das sind die Ausgangspunkte: Die 3 Rhein-Main Bundesligisten starten nach der Winterpause

Eintracht Frankfurt, Platz 4, 29 Punkte

Die Punktausbeute am 16. Spieltag ist die beste seit 23 Jahren! Warum? Nico Kovac hat den gesamten Verein mitgerissen, mit seiner Mischung aus harter Arbeit und klarem Plan. Das hat auch beim Rivalen vom Rhein Eindruck hinterlassen. Mainz-Kapitän Stefan Bell: „Es ist bemerkenswert was Frankfurt für einen Fußball spielt dieses Jahr. Auch mit diesen Voraussetzungen, dass es, glaube ich, 17 verschiedene Nationen sind. Es ist brutal schwer da eine Einheit zu formen und vor allem auch was das Mannschaftstaktische angeht. Da muss man dem Trainer gratulieren, dass er das hinbekommen hat, dass die so als Team auftreten, auch mit der letzten Saison, wo es erst mit der Relegation vorbei war. Das ist einfach sehr stabil.

Eine Ursache für die Stabilität: Die Zugänge funktionieren so wie es Darmstadt im vergangenen Jahr vorgemacht hat, wenn auch internationaler und auf höherem Niveau: Viele Zugänge aus der zweiten Reihe, oder Unzufriedene, oder Geheimtipps. Mit gut 3 Millionen Euro Ablöse hat Eintracht Frankfurt viel mehr erreicht als beispielsweise der HSV mit dem zehnfachen Aufwand. Doch nicht nur die Neuen aus aller Herren Länder, allen voran die Defensiven Mascarell und Vallejo, sorgen für Aufschub. Auch aus dem Nachwuchs geht ein Stern auf: Aymen Barkok. Der in Frankfurt geborene 18-jährige dribbelt und schießt sich ins Rampenlicht und hat mit Trainer Kovac den richtigen Mentor. Stichwort Dribblings: „Der Trainer hat mir gesagt, ich solle es nicht so übertreiben, denn es gibt Spieler in der Bundesliga, die sich dann verarscht fühlen. Und dann würden die versuchen mir das nächste Mal eine reinzuhauen.“ Kovac über Barkok: „Es freut mich für den Jungen. Gut dass jetzt Weihnachten ist, jetzt wird er nicht anfangen hier herumzufliegen – wird er auch nicht. Wenn er weiterhin so gut arbeitet sind wir uns alle sicher, dass er schon ein sehr, sehr guter Fußballer werden wird. Für die Eintracht – aber dann auch vielleicht international“. Apropos international und herumfliegen: Stürmer Branimir Hrgota zum aktuellen Champions League Qualifikations-Platz: „Träumen darf man, aber wir müssen auf dem Boden bleiben und wichtig ist, dass wir nächstes Jahr gut starten.“ Weniger träumend, eher realistisch, ist die Boss-Ebene nach dem 3:0 gegen Mainz. Sport-Vorstand Fredi Bobic: „Man hat gesehen: Der Eine oder andere läuft schon auf der Felge. Wir sind froh wenn im Januar die Verletzten zurück sind, wir auftanken können und schön leiden in der Vorbereitung.“ Und Finanz-Vorstand Axel Hellmann: „Es ist am Ende Ausdruck dieser gesamten Hinrunde, dass wir so ein Spiel dann gewinnen. In der ersten Halbzeit haben die Mainzer uns auch taktisch gezeigt, wie man gegen uns spielen muss. Es war eine der besten Leistungen, die eine Mannschaft bislang gegen uns gespielt hat. Wir haben über die harte Arbeit auch das Glück auf unserer Seite, aber wir können jetzt auch Gott froh sein, dass wir in die Winterpause gehen.“ Zum Jahresabschluss bleibt der Eindruck: Erst hatten sie kein Pech, dann kam auch noch Glück dazu. Die Eintracht hat aus den ersten 16 Spielen nahezu alles an Punkten herausgepresst. Doch der gute Lauf ist erarbeitet und verdient.

Leistungspotential abgerufen: 95%

Die Prognose: Experten in allen Bereichen: Von Trainer bis zum neuen Scouting-Profi Ben Manga. Die Eintracht hat sich das Potential geschaffen nachhaltig arbeiten zu können – und zu wollen: Das zeigen die Bestrebungen um den Bau einer neuen Geschäftsstellen und von weiteren Strukturen.

Wenn die Spieler weiter Trainer Kovac folgen, seine gut zweistündigen Trainingseinheiten durchpowern und auf dem Boden bleiben, wird auch weiterhin die anfangs belächelte Multikulti-Truppe, eine Multitalent-Truppe bleiben. Sollte sie höchstens noch Dortmund und Hoffenheim vorbeiziehen lassen, spielt die hessische Weltauswahl nächstes Jahr europäisch.

FSV Mainz 05, Platz 10, 20 Punkte

Für die Verantwortlichen der Mainzer war die 0:3 Niederlage zum Jahresabschluss in Frankfurt wie eine 90-minütige Zusammenfassung der vergangenen Monate. Trainer Martin Schmidt: „Das Spiel ist ein Spiegelbild des ganzen Herbstes: Viele Chancen gehabt, viele Tore gekriegt. Und wir verschenken zu viele Punkte auf unseren Auswärtsfahrten. So geht man nicht gerne in den Urlaub, auf der anderen Seite haben wir 20 Punkte im Wissen, dass da 5 Punkte mehr drauf sein könnten. Das tröstet uns vielleicht ein bisschen, aber deshalb werden wir den ganz klaren Auftrag für die Rückrunde reinnehmen: Wir müssen die Torflut abstellen, wir müssen besser verteidigen. Sonst können wir Tore schießen so viele wir wollen, wir werden nicht vom Fleck kommen.“ Auch für Manager Rouven Schröder, ist der Jahresabschluss ein mahnendes Beispiel für das große Ganze: „Wir müssen konsequenter, konzentrierter sein. Das ist der nächste Entwicklungsschritt, den wir machen müssen. Wir müssen uns an die eigene Nasen fassen und da gibt’s einiges zu tun.“ Zum Griff an die eigene Nase gehören auch die fünf Griffe zur Roten Karte bei den Schiedsrichtern gegen Mainzer. Der Neujahrsvorsatz: mehr Intelligenz. Trainer Schmidt: „Wir sind zu dumm in der Angelegenheit“. Ein Grund für die vielen Gegentore (30 nach 16 Spieltagen, statt 40 in der kompletten Saison zuletzt) dürfte die Belastung der Europa League sein. Kein Wunder, dass sich der Trainer auf den zweiten Teil der Saison freut: „Nach jedem Donnerstagsspiel in der Euro League hatten wir ein Auswärtsspiel, wieder eine Reise. Durch den ganzen Aufwand wirst du nicht frischer im Kopf. Durch die Rotation werden die Automatismen nicht besser. Das wird alles von selber besser, wenn wir in Ruhe die ganze Woche trainieren können.“

Ein guter Indikator für die Qualität der bisherigen Saison ist der Zuschauerschnitt. Mit gut 28.000 statt fast 30.000 im vergangenen Jahr bleiben insgesamt durchschnittlich 6.000 Plätze frei. Die Europa-Euphorie ist dem Alltag gewichen. Aber die Erfahrungen der letzten Monate könnten langfristig wertvoll sein. Denn mit Martin Schmidt hat Mainz einen akribischen Arbeiter und hochintelligenten Strategen, dem die richtigen Schlüsse zuzutrauen sind.

Leistungspotential abgerufen: 65%

Prognose: Die Misserfolge versprechen Erfolge: Durch das Ausscheiden aus der Europa League und dem DFB-Pokal mit teils peinlichen Auftritten ist eine körperliche und mentale Blockade gelöst. Die Mainzer dürften befreiter und erholter auftreten. Nach der Pause werden mit Muto und Berggreen verletzte Stürmer zurückkommen, die zusätzlich helfen. Außerdem ist Ruhe im Umfeld: Die Umstrukturierung des Vereins funktioniert offenbar und der Wechsel auf dem Managerposten von Heidel auf Schröder klappte reibungslos. Der FSV kann wieder auf Rang sechs schielen.

Darmstadt, Platz 18, 8 Punkte

Viele Lilien-Fans hatten schon ein ungutes Gefühl als die Darmstädter ohne den verletzten Kapitän Aytac Sulu in die Saison starten mussten. Sein Fehlen war das i-Tüpfelchen auf einem Kaltstart, den er so beschreibt: „Wir hatten einen sehr großen Umbruch im Sommer, mit neuen Spielern, einem neuen Trainerteam und einer neuen Spielphilosophie. Dass nicht alles sofort perfekt funktionieren würde, war uns allen bewusst.“ Möglichweise war sogar ein Sieg die schlechte Medizin eines kränklichen Starts in die Saison: Das überglückliche 1:0 am zweiten Spieltag gegen Frankfurt brachte drei Punkte, streute aber Sand in die Augen. Denn der Abstand zu den Abstiegsplätzen war durch den noch übleren Saisonstart anderer Teams (Schalke, HSV, Ingolstadt) eine Fata Morgana, die sich zunehmend auflöste. Oder wie es Präsident Fritsch beschreibt: „Beim SV Darmstadt 98 gibt es spezielle Mosaiksteine, die sich mit Sicherheit von den anderen Vereinen unterscheiden. Leider haben wir im Saisonverlauf feststellen müssen, dass uns einige wenige Mosaiksteine gefehlt haben, die in den letzten Jahren das erfolgreiche Gesamtbild Darmstadt 98 ergeben haben. Positiv ist mit Sicherheit, dass der gesamte Verein in den letzten Wochen wieder enger zusammengerückt ist, dass Wir-Gefühl gestärkt wurde und wir mit diesen Eindrücken positiv in die verbleibenden Spiele gehen können.“ Die Ironie: Er hat Recht. Die zuletzt drei Niederlagen ohne eigenes Tor machen mehr Hoffnung auf ein erneutes Klassenerhalt-Wunder, als die zuvor geholten acht Punkte. Gerade die knappe 0:1 Niederlage gegen Bayern München war beherztes Anschauungsmaterial, wie es gehen könnte, wenn die Mosaiksteinchen wieder da sind: bedingungsloser Einsatz, geschlossenes Auftreten und das was Übergangstrainer Ramon Berndroth so beschreibt: „Wir machen das, was wir können.“ Dazu noch mal Kapitän Sulu: „Wir wollen dahin kommen, dass jeder Spieler konkret das abruft, was in ihm steckt. Wenn wir konstant an die Leistungsgrenze gehen, so wie wir es in der letzten Saison getan haben, dann bin ich auch sicher, dass wir die nötigen Punkte sammeln werden. Allen ist bewusst, dass wir weiterhin der kleinste Fisch im Teich bleiben und wir wussten vorher, dass wir bis zum letzten Spieltag um den Klassenerhalt kämpfen werden“. Darmstadt mag der kleinste Fisch im Teich sein, aber in einem einzigen Spiel kann er sich immer als Moby Dick aufspielen.

Leistungspotential abgerufen: 25%

Prognose: Vom Leistungspotential her ist noch viel Luft nach oben, aber die Luft in der Bundesliga dürfte für die Lilien zu dünn sein. Augsburg hatte es mit neun Punkten aus der Hinrunde 2012/13 ohne Trainerwechsel vorgemacht: Ein Wunder ist zu schaffen. Ein Spiel in der Vorrunde hat ein neuer, dann dritter Trainer noch, um die Darmstädter Aufholjagd zweistellig zu starten. Das Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach könnte bei einem Sieg die Wende einleiten. Doch wen wollen die Lilien abfangen? Die Darmstädter haben das Pech, dass mit Leipzig kein „echter“ Aufsteiger hoch gekommen und Freiburg offenbar zu stabil ist. Für ein Wunder braucht der Tabellenletzte also nicht nur eine eigene Serie, sondern auch das Abschmieren von mindestens zwei anderen Clubs.

aus Liebe zum Sport