Pokal Halbfinale Borussia Mönchengladbach – Eintracht Frankfurt

6:7 i.E. (1:1; 1:1 n.V.) –

Borussia Mönchengladbach – Eintracht Frankfurt, am 25.4.17

Eintracht:

Über Mönchengladbach nach Berlin

Bobic hatte nach den rettenden 41 Bundesligapunkten vermutet: „Wir hoffen, dass die Fessel gelöst ist.“ Und tatsächlich: Die Gäste entfesselt, sofort dominant, frisch, mutig. Mit dem ersten Bundesligasieg seit zehn Spielen und dem Klassenerhalt im Rücken machten die Hessen selbstbewusst Druck.

Aber vergeben Chancen. Vor allem der auch zuletzt glücklose Ex-Borusse Branimir Hrgota und Flügelstürmer Ante Rebic lassen in der Anfangsphase gut herausgespielte Chancen liegen. Eine dagegen eher harmlose Flanke aus dem rechten Halbfeld von Timothy Chandler kommt per Umweg auf die linke Seite zu Linksaußen Talb Tawatha, der den Ball mit links ins linke Eck zimmert (15.). Fürwahr ein linkes Ding.

Bei den Gastgebern ist neben der Verletzungsmisere (unter anderem Raffael, Hazard, Kramer, Johnson) die Verunsicherung nach den zwei Niederlagen mit acht Gegentoren in der Bundesliga zu erkennen. Nichts deutet darauf hin, dass die Borussia als Champions League Starter und Eintracht als Relegations-Glückspilz in die Saison gestartet waren. Lediglich bei Rechtsaußen Ibrahima Traore ist mit einigen Dribblings und einem Schuss Gegenwehr am Köcheln. Leichtigkeit auf der anderen Seite: Marco Fabian tänzelt zwei Gegner mit der Sohle auf dem Ball aus, doch wieder scheitert Rebic mit einem Schuss.

Es war in den ersten 45 Minuten wieder die „typische“ Eintracht 2016/17. Der Multikulti Mix von elf verschiedenen Nationalitäten in der Startformation präsentierte sich als homogener Haufen, angetrieben von Trainer Niko Kovac, der seine Spieler in der Kabine mit einem Motivationsvideo heiß gemacht und wieder mit seiner funktionierenden 5er-Kette in der Abwehr aufs Feld geschickt hatte.

In der 42. Spielminute kommt der Ball plötzlich nach einem Abschlag von Yann Sommer über einen fehlgeschlagenen Abwehrversuch von Tawatha zu Jonas Hofman, der den Ball an Torwart Lukas Hradeck, aber auch knapp rechts am Tor vorbeilupft. Die größte Chance bislang. Das hätte den Spielverlauf auf den Kopf gestellt, doch der Spielverlauf bleibt zunächst mit beiden hessischen Beinen auf dem Boden. Noch! In der letzten Sekunde der Nachspielzeit wird eine Traore Flanke genauso wenig verhindert wie die Kopfballverlängerung von Andre Hahn und der Schuss von Jonas Hoffmann in der Mitte. 1:1 (45. + 2).

Selbst Stadionsprecher Torsten Knippertz konnte sich ein „1:1 – ob verdient oder nicht“ beim Gang in die Kabinen nicht verkneifen. Doch am Abend des 90. Geburtstags von „Asterix und Obelix“ Erfinder Albert Uderzo war dieser glückliche Ausgleich wie ein Zaubertrank für die Borussen. Die Hessen schienen dagegen ab der 50. Minute Hinkelsteine mit sich herum zu schleppen.

Die Mönchengladbacher kombinierten sich immer mehr Spielanteile zusammen, die Stimmung auf den Rängen wurde positiver, die Gäste zogen sich immer mehr zurück. Das Kräfteverhältnis verschob sich auch wortwörtlich: Der VfL schien jetzt mehr Kraft zu haben.

Aus dem Pokalkampf wird mit zunehmender Spielzeit ein Pokalkrampf – auch in den Waden der Spieler. Auf Seiten der Gäste war es aber mit Krämpfen nicht getan: Der für den verletzten Omar Mascarell eingewechselte Marius Wolf musste 13 Minuten später seinerseits mit einer Schulterverletzung sogar ins Krankenhaus.

Längst hatten die Frankfurter auf muskuläre Notversorgung umgeschaltet, um sich in die Verlängerung zu retten. Bobic zu dieser Phase, die für den Sportdirektor ein Spiegel der Saison war: „Die Jungs haben eine Moral gezeigt, die sensationell war. Jetzt auch noch während dieses Spiels. Wenn Du siehst, die Mannschaft geht auf dem Zahnfleisch, wir haben dauernd Ausfälle gehabt, Omar Mascarell kann ohne Spritzen gar nicht spielen, das war schon an der Kante, was wir mit ihm gemacht haben, aber der Junge rappelt sich immer wieder auf. Jeder spielt auf Positionen, die er noch nicht gespielt hat. Dann passiert noch das Unglück mit Marius (Wolf, d. Red.). Ich hoffe, dass er bis zum Finale wieder packen kann. Ansonsten tragen wir ihn nach Berlin.“

Durch die jüngste Regeländerung konnte Kovac in der Verlängerung noch Marco Russ für den sich quälenden Schrittes vom Spielfeld kommenden Tawatha eine vierte Auswechselung vornehmen. Russ wurde zum dritten Innenverteidiger, Bastian Oczipka rückte eine Position weiter auf links: Nur keine Systemänderung mehr, die 5er-Kette stabil halten, ins Elfmeterschießen retten. Kein schlechter Plan, waren die Hessen doch bereits zweimal zuvor dadurch eine Runde weiter gekommen. Mönchengladbach hatte sich mittlerweile 64% Ballbesitz erarbeitet, ohne allerdings große Chancen zu besitzen.

Schiedsrichter Deniz Aytekin hatte offenbar weder etwas vor noch Mitleid mit den erschöpften Fußballern: Selbst in der Verlängerung gab es Nachspielzeit. Was aber keine ästhetischen Gründe gehabt haben kann, denn zum immer weiter sinkenden Spielniveau kamen jetzt andauernde Fouls (insgesamt 42) und Fehlpässe (250). Viele Unterbrechungen und eine entscheidende: Schlusspfiff! Elfmeterschießen!

Aus dem Seelenleben eines Teilnehmers: Die Eindrücke von Frankfurts erstem Schützen, nachdem Lars Stindl das 1:0 vorgelegt hatte. Oczipka: „Ich wollte vorweg gehen, gerade mit dem ersten Elfmeter ein Zeichen setzen. Es ist natürlich ein geiles Gefühl, wenn Yann Sommer da das Äffchen ein bisschen macht, du auf die Gegnerische Kurve schießt – absolut geiles Gefühl.“

In der Folge trafen alle Schützen beeindruckend sicher. Also war es an Marco Russ zum letzten Mal innerhalb der ersten fünf Versuchen ins Tor zu schießen. Da bringt sich überraschend und fragwürdig der Stadionsprecher mit ins Spiel und verkündet über die Lautsprecher als Russ sich den Ball zurechtlegte, dass Mönchengladbach jetzt im Finale wäre, falls Russ nicht verwandele. Pfiffe aus dem Frankfurter Block und vielleicht ein entscheidender Mosaikstein für den weiteren Verlauf. Von den Mönchengladbachern verschießen danach zwei Spieler (Christensen, Sow), bei Frankfurt zunächst nur Varela. Also tritt eine Situation ein, für die das Wort „ausgerechnet“ irgendwann erfunden wurde. Ausgerechnet Hrgota ist der nächste Schütze. Ausgerechnet der Ex-Borusse. Ausgerechnet der „Chancentot“. Ausgerechnet er – schießt Eintracht Frankfurt ins Pokalfinale am 27. Mai in Berlin. 29 Jahre nach dem letzten Pokaltriumpf.

Kein Zufall, dass Chef Bobic beim Lob an seine Angestellten auch an den Schweden denkt: „Hrgota reißt sich den Hintern auf in den letzten Wochen, aber bekommt halt die Dinger nicht rein. Man muss mal den Timmy (Chandler; d. Red.) fragen, ob er noch weiß wie er heißt. Der hat ja auch drei Dinger an die Birne bekommen: Das war wirklich ein Pokalfight von Allerfeinsten. Das Ziel haben wir jetzt: Kein Urlaub nach der Saison, sondern weiterarbeiten. Die Jungs haben gefightet, wie die Adler eben fighten.“

So heißt es auch auf den Sieger-T-Shirts: „Berlin: Adler im Anflug“. Das hatte sich auch Verteidiger Michael Hektor übergestreift. Seine Hose allerdings offensichtlich hergegeben, so steht er mit seinen spärlichen bedeckten langen dürren Beinen in den Katakomben und pustet nochmal erleichtert durch: „Es war hart in die Verlängerung zu gehen, aber wir haben uns durchgekämpft. Wir haben heute gesehen, dass wir alles durchstehen können, wenn wir zusammenhalten.“ Sein Trainer ist ebenfalls erleichtert – auch über die Sicherheit, dass die Saison jetzt auf jeden Fall eine gute wird: „Wir haben nach zehn schlechten Ergebnissen mit zwei Siegen alles wieder gerade gerückt. Das freut mich für die Jungs.“

Mats Hummels nach dem 2:2 gegen Mainz 05

Das 2:2 gegen den FSV Mainz 05 zu Hause vor (wieder) ausverkaufter Allianz Arena war ein weiterer Stoperstein auf der ohnehin schon durch das Champions League Aus schmaleren Erfolgsspur des FC Bayern München Express 16/17.

Im Halbfinale im Pokal gegen Dortmund wird der FC Bayern von der ersten Sekunde an mit heimgelaufenem Motor starten müssen, selbst wenn die Borussen gerade erst in der Bundesliga mit 4:1 überrollt wurden. Als wichtiges Hinweisschild für die Rückkehr in die rechte Bahn Richtung Double hat Mats Hummels kurz vor dem Verlassen der Arena dafür noch ausgerechnet einen Ex-Mainzer herangezogen: „Jürgen Klopp hat mal gesagt: Es gibt keine einfachen Spiele, wenn man sie sich vorher einfach vorstellt. Ich finde den Satz passend, denn wenn man denkt es wird ein Spaziergang, wird es meistens keiner.“ Auch sonst war Mats Hummel einer der wenigen Spieler, die nach dem gequälten 2:2 gegen die tapferen Mainzer vor den Journalisten halt machte. Mats Hummels über…

…die nicht redseligen Kollegen:

„Es ist völlig normal, dass man nach einem Spiel, das man nicht gewonnen hat, nicht gut gelaunt ist, dass man genervt ist. Aber wir werden in den nächsten Tagen kein Stimmungstief in der Kabine haben. Es ist natürlich nicht leicht 4 Tage nach so einem großen Spiel mit so einem traurigen Ende für uns wieder genau da zu sein. Manchmal braucht man da so einen kleinen Weckruf.“

…die Einstellung der Bayern grade zu Beginn des Spiels gegen forsch und mutig pressende Mainzer:

„Wir sehen es geht nicht, wenn wir denken, wir können Mannschaften in der Bundesliga einfach so besiegen. Das geht vielleicht 2, 3 Spiele in der Saison in denen dann einfach alles funktioniert, aber meistens muss man sich das immer erst ganz normal erarbeiten. Das ist eine Sache, die lernt man mit der Zeit. In der Pause sagte der Trainmer, dass wir nicht die nötige Körpersprache und in gewisser Weise eine Härte, nicht gegen den Gegner aber gegen uns mitgebracht haben.  Es ist eine Sache, die sich ein klein wenig durch die Saison zieht, dass wir nicht immer von der ersten Minute an in den vermeintlich kleineren Spielen auf dem Platz sind.“

…die Verletzungsmisere bei den Innenverteidigern:

„Eigentlich sollte ich heute nicht auf dem Platz stehen, weil ich gut angeschlagen war von den Spiel. Dann hat der Trainer gefragt, ob ich mich heute nochmal zur Verfügung stellen kann – und da es halbwegs ging, habe ich es dann gemacht. Ich hab mich nicht so wunderbar gefühlt.“

…über die Möglichkeit, dass das Team einen Knacks bekommen hat durch das CL-Aus:

„Nein, wir haben alle oft genug schon große Siege gehabt und bittere Niederlagen und ich glaube, dass wir so erfahren sind, dass wir direkt wieder in einen anderen Modus schalten können.“

Noch 2 Monate!

Die Spannung steigt! Jetzt sind es nur noch zwei Monate bis zum Confed Cup. Die Spannung steigt – spannend: wer hinfliegen muss!

Durch einen Insider wurde uns die Einladung durch Joachim Löw zu einem Geheimtreffen der Nationalspieler zugespielt. Bei einem Treffen aller Profifußballer mit deutschen Paas soll offensichtlich geklärt werden wer eines der nicht begehrten Tickets nach Russland bekommt.

 

Liebe Nationalspieler und solche, die es werden wollen!

 

Für dieses Schreiben bitte ich um högschte Konzentration.

Alle Profis, die in den letzten 18 Monaten mindestens einen geraden Pass gespielt und nicht mindestens 50 Grad Fieber haben, treffen sich bei mir nächsten Donnerstag im Partykeller. Wer nicht kommt braucht die Entschuldigung seiner Mutter oder ein Attest vom Müller-Wohlfahrt.

Wir werden in mehreren Anti-Casting-Runden auswählen, wer wieder gehen darf und wer in die nächste Runde muss.

Zunächst dürfen alle ihren geplanten Sommerurlaub 2017 wahrnehmen, wenn sie ihn bereits vor 1999 gebucht haben. Buchungsbelege sind dem Oliver vorzulegen.

Dann starten wir mit einem Schnick Schnack Schnuck im „best five“ Modus. Die Gewinner dürfen dann genauso wieder nach Hause wie alle, die die Nationalhymne mit weniger Fehler singen können als Sarah Connor.

Als nächstes dürfen alle gehen, die mir Eintrittskarten für die Helene Fischer Tour besorgen können.

Für alle, die dann noch übrig sind, gilt: Wer bis zum Abreisetag zum Confed Cup noch eine Verletzung vortäuscht, bekommt eine nackte Angela Merkel auf den Oberschenkel tätowiert.

Ich kann aus eigener Erfahrung sagen. Sieht nicht gut aus.

 

Herzlichst

Euer Jogi

 

PS: Wieder heimlich 6,7 Millionen zahlen, um nicht zum Confed Cup zu müssen, ist dieses Mal nicht erlaubt!

 

aus Liebe zum Sport