Merkel, Madrid, Manchester

Falls jemand Bundeskanzlerin Angela Merkel in letzter Zeit in suboptimaler Laune gesehen hat, dann könnte es daran liegen, dass sie aus Versehen bei lohnspiegel.org reingeklickt hat. Dort muss Merkel morgens möglicherweise mürrisch auf ihren Tagesverdienst von 606 Euro gestoßen sein. „Nicht schlecht“, entfleucht es da unseren Normal-Hirnen. Doch indes: Ein paar Klicks weiter landet der Internetsurfer bei der Spalte Fußballer. Da wird dann aus „nicht schlecht“ ein „mir wird schlecht.“ Dort kommt etwa Zlatan „baut mir ein Denkmal“ Ibrahimovic auf 90.687 Euro am Tag und Wayne „baut mir eine Frisur“ Rooney auf 63.038 Euro. Wir wollen jetzt aber keine Neid-Debatte aufmachen. Äh…, oder vielleicht doch.

Aber nicht neidisch auf die Spieler. Man könnte auch neidisch sein auf einen Verein (bzw. GmbH, oder auch GmbH & Co. KGaA, oder AG), die sich die hundertfache Angela-Power leisten können. Wer möchte nicht gerne eine Reinemachefrau für, sagen wir bescheiden, 20.000 Euro am Tag beschäftigen, die so elegant mit dem Staubwedel durch unsere Ikea-Regale dribbelt und den zusammen geknüllten KICKER so zielsicher in den Altpapiercontainer schießt, dass einem vor Staunen der Atem gefriert und Sky sofort Christian Seifert die Übertragungsrechte an der wöchentlichen Putzorgie aus den Händen reißt.

Doch so ist es eben nicht. Angebot und Nachfrage. Jeder Verdienst ist gerecht, weil sich ja jeder frei entscheiden kann, ob er Fußballprofi in Manchester, Bundeskanzler in Berlin oder Reinigungskraft in Groß-Gerau werden will.

Wer verdient am meisten laut dieser Seite? Na raten Sie mal! Nein, es ist nicht Sandro Wagner – knapp daneben. Es ist Cristiano Ronaldo, dem 231.359 Euro täglich berechnet werden. Da mag auf den ersten Blick viel sein, doch wer die Friseurpreise in Madrid kennt, wird mitleidig zustimmen, dass auch hier Angebot und Nachfrage absolut im Einklang stehen.

Außerdem, gähn, darf man ja auch nicht vergessen, dass Ronaldo nicht ewig Fußball spielen kann. Und schließlich, doppel-gähn, muss er ja zahlreiche Entbehrungen auf sich nehmen. Er kann also nicht, wie Angela Merkel, einfach mal weniger als tausend Sit Ups am Tag machen und sich zwischen zwei Trainingseinheiten davon machen, um Kriege zu schlichten, Krisen zu lösen oder mit Seehofer zu sprechen.

Und die Moral von der Geschicht: Augen auf bei der Berufswahl! Für Angela Merkel gibt es diesbezüglich schlechte Nachrichten: Real Madrid darf in nächster Zeit aufgrund einer UEFA-Strafe keine Transfers mehr tätigen.

RTL! LEHMANN! SKANDAL!

Aufregung bei der Nationalmannschaft!

Die Analysen von Jens Lehmann bei RTL sorgen für Schlagzeilen. Zum Beispiel, weil die Kritik an Mario Götze Hitzewallungen bei den BvB-Granden Watzke und Zorc erzeugt. Ein Blick in die nahe Zukunft zeigt: Die Aufregung wird sich nicht legen:

September: Watzke und Zorc haben sich bei RTL in Köln an die Pforte gekettet und setzt die Entlassung von Jens Lehmann mit Hungerstreik durch. Reiner Calmund will sich dem Hungerstreik anschließen, erfährt dann aber, dass Hungerstreik nicht bedeutet, dass man sich weigert Hunger zu bekommen.

Oktober: Die RTL-Sportredaktion will wieder einen Ex-Fußballer als Experten, aber dieses Mal auf Nummer sicher gehen. Sie entscheidet sich für Mario Basler als doppelten Ex. Er ist Ex-Nationalspieler und kann ein Weizen auf Ex trinken. Seine Verpflichtung scheitert aber, weil er jetzt fest im Big Brother Haus eingezogen ist.

November: Wieder ein Ex! RTL verpflichtet den Ex-Tennisspieler Boris Becker als Ersatz für Lehmann. Becker wird aber aus Sparsamkeit nicht eingesetzt, denn er will bezahlt werden wie beim Tennis. Pro Satz!

Dezember: Die Geheimwaffe von RTL soll es richten: Günther Jauch! Ein erstes Casting verläuft erfolgreich. Er ist auch viel billiger als Becker, den er ist Moderator und Experte zugleich und interviewed sich selbst. Eine Verpflichtung scheitert allerdings an seinen Forderungen: Er möchte, dass, statt Jogi Löw und Thomas Schneider, ab sofort Barbara Schöneberger und Thomas Gottschalk an der Seite stehen sollen. Außerdem will er nicht zu den Spielen anreisen, sondern nur als Telefonjoker zugeschaltet werden.

März: Jetzt kann nur noch Dieter Bohlen helfen. Doch auch das: Ein Reinfall. Beim Spiel in Aserbaidschan wird schnell klar: In den Analysen beschränkt er sich rein auf die Leistungen beim Singen der Nationalhymne: “Hööma, der Müller singt so schräg, wie sein Humor is! Und der Özil singt so leise, dass man meinen könnte, dass er gar nicht singt.”

April: Dieter Bohlen dank ab, will aber als Jurymitglied bei RTL’s neuer Show “Gelsenkirchen sucht den Superexperten” endlich einen Nachfolger für Jens Lehmann finden. Da entschließen sich Watzke und Zorc FÜR Lehmann in den Hungerstreik zu gehen – der hat wenigstens auch mal für Dortmund gespielt.

Achtung England!?

Guardiola 2013: „Thiago, oder nix!“

Guardiola 2016: „Sané, Stones, Gündogan, Jesus, Bravo, Nolito usw, oder nix!“

Endlich September. Endlich bekommen wir einen Transfer-Ruhepuls.

Fußball-Europa scheint unter Kreislaufbeschwerden zu leiden. Unter Geldkreislaufbeschwerden. Als gäbe es Schwindelgefühle angesichts der Frequenz, mit der sich ein finanzieller Überdruck aus dem Herz des Fußballmutterlandes in die Arterien der restlichen Fußballwelt bewegt. Die vielen Überweisungen gehen Berichterstattern und Fans an die Nieren. Doch der medizinische Rat, wie bei jedem Anflug von zu großer Aufregung: Weniger Aufregung!

Denn wer die Art und Weise diagnostiziert, wie sich das Britische Pfund durch Europa pumpt, erkennt: Alle lebenswichtigen Liga-Organe werden versorgt: Ob 35 Millionen Euro für Slimani nach Portugal, 40 Millionen für Batshuayi nach Frankreich, 40 Millionen nach Spanien für Mustafi, 50 Millionen nach Deutschland für Sané, oder 100 Millionen nach Italien für Pogba. Nur Beispiele. Und diese Millionen wiederum fließen noch weiter nach außen in die Extremitäten des internationalen Fußballkörpers.

Und wer heutzutage noch glaubt, dass ein Spieler, der 20 Millionen kostet, zehnmal besser, effektiver oder mannschaftsdienlicher ist, als einer für 2 Millionen, der glaubt auch, dass vergangene Saison Darmstadt und Ingolstadt abgestiegen sind, und nicht Hannover und Stuttgart.

Auch wenn die Premier League diesen Sommer 1,4 Milliarden Euro in Transfers investierte, die Bundesliga nur 547 Millionen: Das Verhältnis war auch in den vergangene Jahren immer „zu Gunsten“ der Engländer.

Und? Bekamen wir Herzrasen und Kreislaufbeschwerden beim Aufzählen ihrer Europäischen Titel?

PS: Selbst die Serie A hat mit 699,9 Millionen Euro mehr investiert als die Bundesliga.

 

Foto – QUELLE: BILD

Frankfurt – Schalke SPIELTAG 1

Dann war es soweit – der erste Spieltag der Fußball-Bundesliga ist auch in Frankfurt angekommen. Und die ankommenden, sich angesprochen fühlenden Zuschauer konnten sich gleich aus Fankreisen die Leviten lesen lassen…

Anhang 1

Anhang 2

Weite Kreise der Fans haben registriert, dass die Eintracht auf ganz dünnem Eis geht, angesengt von Pyrodummheit.

Doch das Einzige was an diesem Nachmittag brannte, war das Angriffsfeuerwerk, mit dem die Eintracht den Gast aus Gelsenkirchen überraschte – und auch das Publikum. Denn die bunt (=weltweit) zusammengeholte Mannschaft sorgte für beste Ablenkung von den tropischen Temperaturen. So war die verodnete Trinkpause…

Anhang 4

…fast schon ein Rettungsanker für Gästetrainer Weinzierl, um beim Stand von „nur“ 1:0 (A. Meier) dem eigenen Team zu verkünden, dass die Saison schon begonnen hat.

Die Eintracht startet also gleich mit 3 Punkten – böse Zungen behaupten, sogar mit 9, denn sie spielt ja noch zweimal gegen Bremen.

Bei Schalke indes funktionierte Weinzierls Plan nicht, der (bis auch Naldo) alten Garde eine weitere Chance zu geben. Ein erstes Tief. Mit mehr frischem Wind aus dem Transferorkan des Sommers, sollte sich aber rund um die von Christian Heidel als Sportvorstand aus Mainz importierte Gelassenheit eine Besserung bis hin zu einem Hoch einstellen.

Übrigens: Nach der Verabschiedung des alten Sponsors Alpha Romeo verschwanden auch die Autos aus den Werbevitrinen – seltsam, dass Sponsor Krombacher nicht weigstens ein paar Bierkästen dort deponierte. Vielleicht aber, weil bei diesen Temperaturen eine Plünderung zu vermuten war.

Anhang 5

aus Liebe zum Sport