montags im Jahr 2033

Die Gewöhnungstherapiesitzung für Fußball-Fans an den Montagspieltag, formerly known as „Ausweichtermin“, ist aus Sicht des Therapeuten DFL gelungen – durch die Gabe von zwei Placebo-Einheiten VfB und 6 hochwirksame Pillen SVW. Aber wie wird es weitergehen? EIn Blick in die Zukunft…

Das Jahr 2033. Widerstand formiert sich. Die Fußball-Fan-Vereinigung „Pro 1 – jeden Tag ein Spiel“ kämpft vehement gegen einen Plan von DFL und den zehn Sendern mit Bundesliga-Live-Rechten. Demnach sollen zum 70. Jubiläum der Bundesliga alle Spiele gleichzeitig am Samstag – wie 1963 um 17 Uhr – stattfinden, statt täglich eines. Ein Sprecher von „Pro 1“ gibt die Stimmung an der Fan-Basis wieder: „Was sollen wir an den anderen Tagen machen? Wir lassen uns nicht vorschreiben, wann wir kein Fußball schauen sollen!“. Die Idee alle Spiele gleichzeitig lassen zu wollen, scheint tatsächlich ein kaum umsetzbares Hirngespinst aus längst vergessenen Zeiten zu sein. Schließlich haben Generationen dafür gekämpft jeden Bundesliga-Spieltag mit seinen neun Partien so weit wie möglich auseinander zu ziehen. Nicht umsonst richtete die DFL in Zusammenarbeit mit der UNO und den Kalenderherstellern zwei weitere Wochentage ein: Zwischen Mittwoch und Donnerstag den Mettwoch (präsentiert von der Metzgerinnung) und zwischen Freitag und Samstag den Framstag (präsentiert von einem Lebensmittel-Discounter).

Auch das Problem mit den Anreisen für die Auswärtsspiele unter der (langen) Woche wurde bereits Jahre zuvor gelöst, durch die Erfindung des 1-Euro-Jobs „Anwesenheitsassistent“. Die 1-Euro-Jobber gehen mit HD-Kamera auf dem Kopf ins Stadion und die eigentlichen Ticketinhaber können zu Hause deren Kopf mitschwenken und in ihre Virtual Reality Brille sehen. Es gibt also aus Sicht der Fans überhaupt keinen Grund an den täglichen Spieltagansetzungen irgendetwas zu ändern, wie der Sprecher der „Pro 1“-Gruppe bestätigt: „Wir sind Traditionalisten. Wer Spiele gleichzeitig laufen lassen will, kann kein echter Fan sein – ein echter Fan würde nie ein Spiel verpassen wollen.“

Beitragsbild: BILD Sportseite

Fair Play? Ja, so!

Achtung! Jetzt kommt was Hochtrabendes, das wir oft hören: Der Fußball ist ein Spiegel der Gesellschaft. Echt jetzt? Gibt es also in der Gesellschaft Schwalben, fliegende Kaugummis, widerborstige Trainer und nicht ins Aus gespielte Bälle, wenn ein Verletzter auf dem Boden liegt? Nein, aber es gibt eben auch um die Bundesligastadien herum genügend zum Auspfeifen: Zum Beispiel Abgasmanipulation als Blutgerätsche gegen die Autofahrer und Briefkastenfirmen als Eigentore für die ehrlichen Steuerzahler.

In der Diskussion um Hand-Tore & Co kommt immer wieder die Frage nach Fair Play auf. „Wir beerdigen den Fair Play Gedanken“, kochte Manager Schmadtke nach, wie er meinte, unterlassener Hilfeleistung – also unterlassener Spielunterbrechung. Fair Play? Da war doch was! Mit Betonung auf „war“. Ab 2016/17 gibt es nämlich den berühmten UEFA-Fair-Play-Startplatz nicht mehr. In Genuss dessen waren Mainz und Berlin schon gekommen. Der Fair Play Gedanke ist diesbezüglich also tatsächlich beendet, wahrscheinlich weil die Rechenarten über Koeffizienten, Gelbe Karten und nationale Schiedsrichterbewertungen ohnehin niemand nachvollziehen konnte.

Es braucht also einen Fair Play Neuanfang. Eine Idee, die den Fußball als Spiegel der Gesellschaft mit frischem Glasreiniger zum Glänzen bringt.

Zum Beispiel eine Fair Play Jury, die nach jedem Spiel den beiden Mannschaften offiziell Punkte vergibt. Pluspunkte für einen ins Aus gespielten Ball bei Verletzung des Gegners, ein zugegebenes Handspiel oder die Verweigerung eines ungerechtfertigten Eckballs. Minuspunkte gäbe es zum Beispiel für eine offensichtliche Schwalbe im Strafraum. Man sieht förmlich schon Juror Dieter Bohlen auf der Tribüne sitzen und sagen: „Höma Arturo, Du fliegst ja noch schlechter als Menders singen kann!“. Wer dann am Ende der Saison die meisten Fair Play Punkte hat, bekommt einen Startplatz für den UEFA-Pokal. Oder zumindest einen größeren Kuchen vom neuen Übertragungsrechte-Vertrag.

Dann wird vielleicht irgendwann alles gut, alles ehrlich, alles Fair Play. Und der einzige Abgas-Skandal von dem wir lesen, ist nur ein unerwünschter Pups vom Nebenmann in der Freistoßmauer. Ironie aus.

Lass Dir raten: Werde Berater!

Mehmet Scholl ist mit dem Mund so schnell, wie früher beim Dribbling. Während er sich aber jetzt als ARD-Fußball-Experte mit Fachfragen auseinandersetzen darf, musste er als Profi beim FC Bayern München allerlei „bunte“ Fragen von Fans, Journalisten oder Pressesprechern beantworten. Unvergessen sind seine frechen Antworten, etwa auf die Frage nach seinem Wunschdasein in einem anderen Leben („Hund bei Uli Hoeneß“) oder nach einem alternativen Traumberuf („Spielerfrau“). Heute wäre seine Antwort auf die Frage nach einem Traumberuf in einem anderen Leben mit Sicherheit: „Spielerberater!“.

Weil nun Zahlungen für Spielerberater veröffentlicht werden müssen, ist jährlich eine ganz ungewohnte Bundesligatabelle zu bewundern. Wobei „be-wundern“ vom Wortstamm „sich wundern“ kommt. Insgesamt kassierten die Berater 127,73 Millionen Euro von den 18 Vereinen. Spitzenreiter ist in dieser Veröffentlichungsperiode Schalke 04 mit 16,86 Millionen Euro Provisionen (vor Bayern München und Borussia Dortmund). Schlusslicht ist Darmstadt mit gezahlten 0,76 Millionen, was Horst Heldt bei Schalke wahrscheinlich schon für die Cappuccinos bei den Ablösegesprächen für Julian Draxler ausgegeben hat.

16,8 Millionen! Nur um sich die Zahl bewusst zu machen: Damit könnte man sich etwa 5 Millionen Bratwürste, 50 Jahre sorgenfreies Leben für Normalsterbliche oder ein paar Trainingseinheiten von Zlatan Ibrahimović leisten.

Nach so viel Zahlen (zweideutig!) beruhigen wir uns erst mal und danken den Spielerberatern, dass sie es nicht auch nur einen Tag langweilig werden lassen im Fußballgeschäft. Schließlich heizen die Vermittler aus nachvollziehbaren Gründen die Geschehnisse rund um Wechsel und vorzeitige Vertragsverlängerungen an – und so gibt es andauernd Schlagzeilen.

Berater Allaf! Vermittler Helau! Die Karnevalsvereine FSV Mainz 05 und 1. FC Köln zum Beispiel stehen in der Provisions-Tabelle friedlich auf Platz 12 (Köln) und 13. Ziemlich weit hinten. Womöglich könnte ein Transfer von Ibrahimović von der Seine an den Rhein für eine bessere Platzierung sorgen. Beide können schon mal Kontakt zum Berater des Schweden aufnehmen, denn Ibrahimović zeigt Abwanderungsgedanken. Wir wissen das, weil er glücklicherweise ein genauso freches Mundwerk hat wie Mehmet Scholl, und meinte: „Ich verlasse PSG im Sommer. Es sei denn, sie ersetzen den Eiffelturm durch eine Statue von mir.“

aus Liebe zum Sport